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Die Wahrheit · 1935-04-05 · Heft 14 (5.4.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 14 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 14 — 5. April 1935 DIE WAHRHEIT *«* n -1 Ii EmolaSdrokoladen — HDB b& — Speise-Sdiokoladen, Haselnuß: u. Bitter- Sdiokoladen Mokka-Bohnen, Kakao-Pulver in anerkannt bester Qualität, erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. Schenk in der Fabrik CHOKOLATER1E GOURMET EVfiCN MOLNEB, Wie« IL, Cr. Nttircilfg.19 schein, kulturellem, dienstlichem, nicht selten auch in gesellschaftlichem Verkehr stehen, trägt jeder gewissenhafte und aufrechte Jude nach Kräften dazu bei, Vorurteile zu zerstreuen und das fratzenhafte Bild zu zerstören, das der Antisemitismus vom Juden gemacht hat. Auf dem Lande, dort, wo Juden überhaupt nicht angesiedelt sind, ist dies einfach nicht möglich. Und gerade darum ist der Antisemitismus dort am stärksten, wo der Jude überhaupt nicht gekannt ist. Dort herrscht allein die Fratze, die man sich vom Juden seit Jahren, seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten gemacht hat Und ein solcher Zustand soll perenniert werden, perenniert durch die Mithilfe der Juden selbst, durch da? Verlangen nach einem jüdischen „Schulwerk"? Die einzige Möglichkeit, daß jüdische und christliche Menschen als K i n d e r noch Jahr um Jahr miteinander leben und miteinander streben, soll ihnen entzogen, die Entfremdung angefangen von der Muttermilch bis zum Ablauf des Lebens künstlich gezüchtet werden dadurch, daß Juden und Christen nicht einmal als Schulkinder zusammenbleiben sollen? Das ist das konsequent durchdachte jüdische „Schurwerk" der Jüdischnationalen, der heutigen Majorität in der Kultusgemeinde. Es ist nicht richtig, daß dort die gemäßigten Jüdischnationalen das letzte Wort zu sprechen haben; sie werden fortgetrieben von Radikalen und diese wieder von dn Radikalsten. Und es ist Pflicht der von der Union österreichischer Juden in die Kultusstube entsendeten Mandatare, mit aller Offenheit und Unbeugsamkeit auf die drohenden Schäden aufmerksam zu machen und diese mit allen Mitteln zu verhüten. Denn unabsehbarer Schaden droht, wenn einmal das jüdische „Schulwerk" Schule macht — bei den Gegnern der Juden. Die Union österreichischer Juden steht unverrückbar auf dem Boden des Reichsvolksschulgesetzes vom 25. Mai 1868. Dieses Gesetz ist unmittelbar nach den Staatsgrundgesetzen des Jahres 1867 erlassen worden, durch welche den Juden endlich die volle Gleichberechtigung verfassungsrechtlich verliehen wurde. Und als es erlassen wurde, ward Wien von solcher Begeisterung ergriffen, daß ganz Wien illuminierte: illuminierte, nicht wegen eines Regierungsjubiläums, nicht wegen eines Schlachtensieges,; nicht wegen einer Gebietsvergrößerung, sondern wegen E rlassung eines Gesetzes. Ein Fall, der, einzig in seiner Art, sich niemals vorher, niemals nachher ereignet hat Denn das Reichsvolksschulgesetz schuf radikalen Wandel in der bis dahin bestehenden Schulgesetzgebung: es unterstellte die oberste Leitung und Aufsicht über das gesamte Unterrichts- und Erziehungswesen dem Staate. Bloß die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes und der Religionsübungen für die verschiedenen Glaubensgenossen blieb der betreffenden Kirche oder Religionsgesellschaft überlassen. Der Unterricht in allen übrigen Lehrgegenständen wurde unabhängig erklärt von dem Einfluß jeder Kirche oder Religionsgesellschaft. Die von Staat, Länder oder Gemeinden gegründeten oder erhaltenen Schulen und Erziehungsanstalten wurden für alle Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zugänglich erklärt. Es wurde jeder Kirche oder Religionsgesellschaft freigestellt, dies aber nur aus ihren Mitteln, Schulen für die Jugend des eigenen Glaubensbekenntnisses zu errichten und zu erhalten, die Benützung derartiger Schulen aber Mitgliedern einer anderen Religionsgesellschaft durch das Gesetz nicht untersagt. Der bisherige Wirkungskreis der geistlichen Schulbehörden wurde auf die hiefür geschaffenen staatlichen Behörden übertragen und verfügt, daß das Einkommen der Normalschulfonds, des Studienfonds Also wir treffen uns bestimmt an den Sederabenden bei A.BARSCHAK Wien II., Große Schlffgasse Nr. 3 Telephon A 46-4 30 Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Jose! Babad Berühmt sind seine ungarischen Weine. Palästinaweine, Meth, Slibowitz, Kognak von S 2.— per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: seine streng koschere Küche HDD bv und sonstiger Stiftungen für Unterrichtszwecke ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis zu verwenden ist, soweit es nicht nachweisbar für bestimmte Glaubensgenossen gewidmet ist. Welche ungeheure Errungenschaft dieses freiheitlichste aller Schulgesetze für die Juden Oesterreichs bedeutete, durch welches jede Schranke zwischen jüdischen und christlichen Schulkindern niedergerissen wurde, welchen Einfluß dieses Schulgesetz auf den kulturellen Aufschwung der österreichischen Judenschaft genommen hat, welche Wirkung es auf die Hebung der allgemeinen Bildung, die Erlangung akademischer Grade und Berufe der österreichischen Juden, ihre Verwachsung und Verwurzelung mit dem österreichischen Heimatsboden und mit der christlichen Umwelt hatte — alles dies den Jüdischnationalen vor Augen zu halten, ist nutzlose Arbeit, denn sie haben hiefür keine Augen, sie sind in dieser Richtung mit Blindheit geschlagen. Sie glauben, dem Interesse des Judentums zu dienen, wenn sie nach dem jüdischen „Schulwerk" rufen und treiben nur Wasser auf die Mülüen der Judenfeinde. Diesen erweisen sie einen Dienst mit ihrem Schulwerkgeschrei, nicht den österreichischen Juden, die ihre Kinder gemeinsam? int' den" christlichen Kindern in gemeinsamen;-Schulen von gemeinsamen Lehrern zuni gemeinsamen Wohle und zur gemeinsamen Hebung von Bildung und Wissen erzogen wissen wollen. Ein jüdisches „Schulwerk": ja, dreimal ja, aber nur für vertieften Unterricht in Religion und Bibel. Ein solches haben die Anhänger der Union österreichischer^Juden immer gewollt und immer gefördert. -> - is.; Ein jüdisches. „Schulwerk" aber für jüdischnationale Zwecke: Niemals und unter keinen Umständen. Ein solches Beginnen wird an dem Widerstande der Union österreichischer Juden scheitern. Das mögen sich die Träumer und Romantiker des jüdischnationalen Lagers gesagt sein lassen. Dr. M. S t i g 1 i t z. Jugoslawien lehnt Antisemitismus ab. Der Kultusminister Jugoslawiens Stevan C i r i c gab während seiner Anwesenheit in Novisad einer jüdischen Abordnung gegenüber, die ihn begrüßt hat, die folgende Erklärung ab: Ich freue mich zu sehen, daß Sie unsere Probleme und unseren Kampf aus der Perspektive der historischen Entwicklung und der Zukunft betrachten. Aus dieser Perspektive kann ich Euch als Historiker sagen, daß nach meiner innigsten Ueb&rzeugung antisemitische Tendenzen und Leidenschaften, welche die Atmosphäre beunruhigen, ephemer Art und vergänglich sind. Ich glaube, daß dies die letzten Wogen einer überlebten Welt sind. Natürlich, es ist uns, die nur Zuschauer sind, leicht, von der Vergänglichkeit des Antisemitismus zu sprechen, es ist aber ein schwacher Trost für Euch, weil Ihr es aushalten müßt. Und doch müßt Ihr aushalten und nicht verzweifeln. Wir Jugoslawen haben eine mit uns geborene, tief verwurzelte Tradition, die weder gegen die Juden noch gegen andere Völker Haß kennt. Daß die Juden in Serbien in Freiheit und voller Gleichberechtigung gelebt haben, daß wir, die Mitglieder der Regierung und die maßgebenden politischen Kreise, die manchmal hervortretenden antijüdischen Tendenzen nicht in Schutz nehmen und für dieselben kein Verständnis haben, dies ist keine zufällige Erscheinung. Es ist dies die Tugend GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNHEHL WIEN IX., BEROOASSB NR. 1» FILIALE ■ XVIII., WAhRINOM STRASSE tT Telephon Nr. A 17*99 and A 16-9-34 Lieferant »r HallanatalteB AbteilungeiWürKoscherfleisch aater Aufsieht 4is mhrm. Rabbinato« dar tsr. ftultuoaamotada aTtaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Pruna-Qualität xo den billigsten Marktpreisen unserer jugoslawischem Auffassung des Nationalismus, der menschlichen Gesellschaft überhaupt, die instinktiv den unduldsamen Chauvinismus ablehnt. Auch Ihr Juden habt große Tugenden. Eine fällt besonders auf: die Treue und Hingabe an das Vaterland, an den Staat, in dem Ihr lebt. Das kann man von Generation zu Generation bei Euch feststellen. Wir Jugoslawen werden treu bleiben der Tradition in der Beziehung zu Euch. Bleibt auch Ihr treu Eurer Tradition, treu diesem Lande. Auf diesem Wege wird Euch in unserem Lande jene Anerkennung zuteil werden, die Ihr auch in anderen Ländern habt. In memoriam „Jüdische Liste" Der zwingenden Logik der Ausführungen im Leitartikel der letzten Nummer der „Wahrheit", daß jene Juden, welche zur Zeit des Bestandes von politischen Parteien die sozialdemokratische Partei unterstützt haben, dies zum allergrößten Teile deshalb taten, weil diese Partei die einzige war, auf deren Programm nicht der Antisemitismus stand, glaubt das Blatt des Herrn Oberbaurat Stricker damit begegnen zu können, daß es auf die Existenz der „Jüdischen Liste" hinweist, deren Kandidaten die österreichischen Juden bei den verschiedenen Wahlen hätten wählen sollen. Herr Oberbaurat Stricker übersieht dabei nur das eine, daß die Juden Oesterreichs in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht jüdischnational eingestellt sind und daß sie das politisch-zionistische Programm, nicht aber den Zionismus ablehnen, soweit er ein Asyl für jene Juden errichten will, die ihr Herz nach Palästina zieht oder die sich in ihren Heimatländern nicht assimilieren wollen oder können. Die österreichischen Juden sind in dieser Auffassung einig mit den englischen, französischen, italienischen, holländischen Juden. Die auf dem Boden der Religion und ihres Vaterlandes Oesterreich stehenden, dem deutschen Kulturkreis angehörigen und ergebenen Juden Oesterreichs konnten aus Gründen der politischen Vernunft die „Jüdische Liste" des Herrn Stricker unmöglich, wählen. Der israelitische Tempelverein „Beth Aharon" für die Bezirke Wieden-Margareten veranstaltet aus AnSaß des 60jährigen Vereinsjubiläums und 25jährigen Bestandes seines Tempels 1. am Sonntag, den 7. April 1935, 6 Uhr abends, im Vereinstempel, Wien V., Siebenbrunnengasse 1 a, bei freiem Entree einen Festgottesdienst. Einlaßkarten hiezu in der Vereinskarnzlei. 2. Am Samstag, den 13. April 1935, 8 Uhr abends, in den Festsälen von Hühners Parkhotel Schönbrunn, XII., Hietzinger Hauptstraße 12—14, eine große Festakademie mit Tanz. Erstklassige Kunstkräite. Kapelle Isy Geiger. Eintritt S 3.—. Karten in der Vereinskanzlei, V., Siebenbrunnengasse la, Tel. A 30-605, sowie beim Kontrollor M. König, V., Reinprechtsdorferstraße 28, Tel. A 31-0-22. Die Israelitische Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, veranstaltet Montag, den 8. April, 8 Uhr abends, im Deutschen Volkstheater eine Vorstellung, bei welcher das Lustspiel „Schul e f ür S teu erzahle r" von L. Verneini und G. Berr, ein sehr lustiges Zugstück, aufgeführt wird. Da die Eintrittspreise unter den normalen Abendpreisen angesetzt wurden, rechnet die Vereinsleitung mit starkem Besuch, zumal damit die Unterstützung des schönen Kinderheimes verbunden ist, das heuer 50 Kinder mehr aufnehmen mußte, die durch Auflassung eines Vereines ohne Obdach wären. Karten in der Kinderbewahranstalt und an der Abendkassa.

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