Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 14 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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^i^f^fl -* ^5»«—' »* IT niEWAHRHEIT ^^^^^^«Ata^^keliiyfeg^^^^i^^^ Nr. 14 — 5. April 1935 Seite 7 tfi&jed&t §X<wc£c*t . * * SPARKAWTÄtUfiO ALTERSREKtfe ALLGEMEINE RENTENANSTALT $emeindediroiuft. i Prof. Dr. Camino Banmgarten I In Dr. Baumgarten. der am Sonntag, den 31. März, verschieden ist, verehrten alle, die ihn kannten, einen aufrechten Mann mit rechtlicher Denkungsart. Bescheiden und schlicht, jedem zugänglich und gegen jedermann von Freundlichkeit erfüllt, wirkte er in dem Kreise, in den er gestellt war, und erfüllte stets vollauf und gewissenhaft die Auigaben seines Berufes. Er war seit einigen Jahren Religionslehrer am Bundesrealgymnasium im ersten Gemeindebezirke und genoß hier wie überall, wo er lehrte, den besten Ruf als Lehrer und Freund der Schüler und war im Lehrkörper als wertvolles Mitglied sehr angesehen und geachtet. Denn ihn erfüllte ein nachahmungswertes _Pflichtgeiühl im Lehramte, ein Verantwortlichkeitstoewußtsein, das nur sittlichen Naturen eigen ist. Seine Pflicht tun, war für ihn eine Selbstverständlichkeit, die aus dem Grunde seines tiefreligiösen Wesens herkam. Ein wahrer Lehrer der Religion, ein treuer Diener am Werke des Herrn! Geboren im Jahre 1887 in Lüttenschitz bei Kremsier (Mähren), entstammte Dr. Baumgarten einer Familie, zu der auch das seinerzeit bedeutende Vorstandsmitglied der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Emanuel Bäuift'g'ar"teh und der"rühmlichst"bekannte"Schiffschulrabbiner R. Josef Baumgarten s. A. gehörten. Dr. Baumgarten besuchte das israelitisch-theologische Seminar in Breslau, war dort Schüler des Talmudisten und Gelehrten M. S. Zuckermandel und studierte an der Breslauej und Erlangener Universität Philosophie und verwandte Disziplinen. Nach Wien kam er, nachdem er in Krakau und Iglau ein Lehramt bekleidet hatte, im Jahre 1916 als Leiter des von Dr. Samuely begründeten Kriegswaisenheimes, dem er mit seiner Gattin bis 1919 vorstand. Dann bewarb er sich um das „Lehramt für israelitische Religionslehre" an den Mittelschulen. Seine im Zuge der hierfür geforderten Prüfungen geschriebenen Arbeiten ..Geschichte der türkischen Juden in Wien" und „Jodl's philosophischer Standpunkt" gingen weit über den Rahmen des Normalen hinaus. Sie charakterisieren trefflich sein Wesen und seine Persönlichkeit, der jede Verpflichtung, die er einging, mit sittlichem Ernst erfüllte. Weite 'Kreise betrauern den Heim- •ianz dieses vorbildlichen Lehrers und aufrechten Mannes. B. * Das.-Leichenbegängnis dieses braven und bei allen, die ihn kannten, beliebten Mannes, den ein unerforsch- Hches Schicksal so frühzeitig abberufen hatte, fand am 2. d. M. unter gewaltiger Beteiligung statt. Die große Zeremonienhalle am Zcntralfriedhof UV* Tor) war schwarz von Menschen, die, tief, erschüttert durch die Nachricht vom Ableben des edlen Dr. Baumgarten, gekommen waren, um seiner Gattin, der treuen Gefährtin in seinem schweren Lebenskampfe, und seinen beiden Kindern ihre herzliche Anteilnahme an ihrem Verluste zu bekunden. In Vertretung der Kultusgemeinde waren die Kultusvorsteher Dr. E. F e 1 d s b e r g und Doktor J. K1 a b e r mit den Amtsleitern W. F r e i s t a d t und W. Förster erschienen, der Lehrkörper des Franz Josef-Realgymnasiums I., an dem der Verblichene sechs Jahre gewirkt, war mit den jüdischen Schülern üer Anstalt ebenso gekommen wie viele Eltern der Schüler, die Dr. Baumgarten an dieser Anstalt und an seiner früheren Wirkungsstätte im Realgymnasium HI. mit Liebe und Verständnis unterrichtet hatte. Ferner sah man die Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Hr. M. W e i n e r. sowie unter Führung des Obmannes Schramek zahlreiche Vorstandsmitglieder des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", an dessen Bibelschule der Verewigte bis vor kurzem, und mit Obmannstellvertreter Ing. H. Koditschek an der Spitze Vertreter des Tempelvereines, III., Untere Viaduktgasse, wo Dr. Baumgarten vorher hingebungsvoll gewirkt hatte. Außerdem war der Verband der israelitischen Religionslehrer stark vertreten, schließlich sah man viele persönliche Freunde der überall geschätzten Familie. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. J. Taglicht, der aus persönlicher Kenntnis ein schönes Bild vom Wesen und Wirken des Heimgegangenen entwarf, der nach vielen Mühen eine schöne Position errang und nun so früh abberufen }vurde zum namenlosen Schmerze seiner Gattin, die :jim im schweren Lebenskampfe treu zur Seite gestanden ist, und seiner unmündigen Kinder. Die vielen, die im. HER11MQER Cafe Fürstenhof Wien II.. PrateralraOe 25 Wahrend der Pessachfelertage Kafffee und erstklassige fiDB bü? GetrSnRe Dr. Baumgarten gekannt und geliebt haben, werden ihm, dem edlen Menschen und guten, tiefgläubigen Juden stets ein ehrendes Andenken bewahren. Nun hielten aus vollstem Herzen kommende und zu aller Herzen gehende Nachrufe der Direktorstellvertreter des Franz Josef-Realgymnasiums I.. Prof. Dr. M. Papo für den israelitischen Religionslehrer-Verband, Prof. Dr. J. Bronner tief ergriffen für die persönlichen Freunde. Rabbiner Dr. Gerstel für die Bibelschule, II., Pazmanitengasse, besonderen Eindruck machten die Worte eines Oktavaners, der im Namen aller Schüler von dem unvergeßlichen Lehrer Abschied nahm. Die kantorale Funktion versah innig Oberkantor J. L. Mül- 1 e r, am offenen Grabe rezitierte I. Kantor A. Stift für den Pazmanitentempel und für den Tempel, III., Untere Viaduktgasse, ergreifende „El mole rachamim". Synagogen-Konzerte. In den letztvergangenen Wochen fanden drei Tempelkonzerte unter Mitwirkung der Oberkantoren Kreutstein, Fränkl, Müller und Funke und des neuerstandenen Männerchores „H a n i g u n*' statt: am 3. März in der Synagoge XX., Kaschlgasse, am 24. März im Polnischen Tempel, IL. Leopoldsgasse und am 31. März im Tempel IL, Pazmanitengasse. Die Oberkantoren brillierten in ihren Synagogen in gewohnter Weise, Oberkantor Kreutstein verrichtete das Maariw-Gebet und sang die Solis mit Chor in ausgezeichneter Weise. Die meisterhaften Leistungen der Herren Oberkantoren Fränkl und Müller sind so nilbekannt, daß es nicht notwendig ist, sie neuerdings l'ervorzuheben. Diesen reihte sich in würdiger Weise der als Gast geladene Oberkantor Funke an. der mit seiner schönen Stimme, die er wirkungsvoll erklingen ließ, großen Beiiall und Anerkennung fand. Die Sensation dieser drei Konzerte war die hervorragende Leistung des Männerchores „Hanigun" unter der Ausgezeichneten Leitung des Herrn Herrmann Schorn Herr S c h o r r, der Mitgründer der Original-Haniguns unter W i n a w e r s Direktion war. leistete alles, was zur vollendeten Auswirkung dynamischer Effekte führt. Bestrickendes Pianissirr.o, Crescendo. Decrescendo, forte, fortissimo und Präzisität wurden bewundernswert ausgeführt. Die Klangwirkung der •timmbegabten 22 Sänger war überraschend. Herr S c h o r r hat als Dirigent dieser Chorvereinigung in OBEL Moderne KUchen- Vorzknmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen — Angescbloss$# der „Schomra1 ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^M^^^^^^^^^^^^^^^ kurzer Zeit eine ausgezeichnete Leistung vollbracht. Besonderes Lob und Anerkennung v^r4ienen die Solisten dieses Chores, die Herren Sche 11 kans und K a r w a 1 y. Schellkans brachte seine prachtvolle Tenorstimme, unterstützt vomeifervollen Gesangstalent zur vollen Geltung. Herr. Karwaly mit seines sonoren, klangvollen Baritonstitnrae fiel angenehm auf, Da wir nun von den Chorsolisten sprechen, müssen wir den Wunderknaben „Modchele Schwarz" vom polnischen Tempelchor besonders erwähnen. Dieser elfjährige Knabe besitzt eine glockenrein klingende Sopranstimme und entpuppte sich als hervorragendes Talent, dem eine große Zukunft auf chasanischem Gebiete bevorsteht. Schöne Koloraturanlage, inniges Empfinden, einem weichen Geigenton gleich sein Gesang, sind die Naturanlagen dieses Jungen, die unter der meistervollen Anleitung seines Oberkantors Fränkl zu dieser Entfaltung gelangten. Das von Oberkantor Fränkl zu diesem Abend komponierte Solo „Machnise-Rachmamim" rührte das Publikum zu Tränen. Nun zum dritten Konzert im Pazmaniten- Tempel, das als Benefizabend des dortigen Tempelchores veranstaltet wurde; der unter der Leitung des Dirigenten B. Hirschmann stehende Chor brachte Gesänge mit besonderer Wirksamkeit zu Gehör. Herr Hirschman, der als Synagogenchorleiter fachmännische Bedeutung erlangte, verdient für die ausgezeichnete Schulung seines Chores besondere Anerkennung. Die Knabenstimmen, wenn auch oft zu stark, sind gut herangebildet und wirken, unterstützt von den tüchtigen Männerstimmen, stimmungsvoll und präzis. Allen Darbietungen in allen drei Konzerten wurde vom zahlreich erschienenen Publikum Beifall und Anerkennung gezollt. J. L. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah". I.. Biberstraße 17. Samstag, den 6. April, 8 Uhr abends: Literarischer Vertragsabend. Schriftsteller M. Groß ..Mendelo Mocher Sforim, der Schöpfer der modernen jiddischen Literatur." Gäste herzlichst willkommen. Der Tempelverein Beth Hachneseth, III., Untere Viadüktgasse 13, hält Sonntag, den 7. April, 10 Uhr vormittags, seine ordentliche Generalversammlung ab. Verein der Kindersreunde zur Bekleidung armer isr. Schulkinder für den?6. und 17. Bezirk in Wien. Montag, den 8. April, um 20 Uhr, findet im Cafe „N e u e Welt", XVIL, Hernalser Hauptstraße 38, die 50. ordentliche General-Versammlung statt. (jf^^inrM^^ Wien l.( SeHenstatfeagasse 2 XI., ZentraHriedhof neben dem L Tor _Samrtag gmmdilo—»1 60. Geburtstag. Die schöne Feier, die der Vorstand des Josefstädter Tempelvereines im Rahmen des Vormittagsgottesdienstes am vergangenen Samstag aus Anlaß des 60. Geburtstages seines Präsidenten Kom.-Rat S. Feldmann veranstaltete, zeugte von der Liebe und Verehrung, die man dem Jubilar an der religiösen Wirkungsstätte, der er seine besten Kräite widmet, mit Recht entgegenbringt. Die Vorderiront des Tempels und der Sitz des Präses waren reich mit Blumen geschmückt, das Gotteshaus erstrahlte im hellsten Lichte. Eingefunden hatten sich u. a. Altvizepräsident Doktor J. Ornstein für die Kultusgemeinde, der Obmann des Tempelvereines IV/V. D. W o 11 n e r für den Verband der Tempelvereine, Chefredakteur O. Hirschfeld iür die „Union" u. v. a. Der Jubilar wurde mit einem Halleluja des ausgezeichneten Chors ieierlich bei der Thora begrüßt, wo Oberkantor Braun einen schönen „Mischeberach" rezitierte. Rabbiner Dr. M. B a u e r pries in einer gedankenreichen und formvollendeten Rede die hingebungsvolle Arbeit, die Komm.-Rat S. Feldmann iür den Tempel und im Dienste der Wohltätigkeit leistet. Er wahrt damit die schöne Tradition seines gut jüdischen Hauses und ist ein leuchtendes Vorbild seinen braven Kindern, ein verehrter Führer seiner Gemeinde, die er in schwerer Zeit mit Herz und Sinn leitet. Es sprachen noch innige Worte des Dankes und der Anerkennug Dr. J. Ornstein für den Kultusvorstand und Vizepräsident Börserat Biehavy für den Tempelvorstand, der sich vollzählig eingefunden hatte, um den allseits geschätzten Jubilar zu ehren. Dieser dankte herzlich für die Kundgebungen der Sympathie und versprach, auch weiterhin der jüdischen Sache zu dienen, welches Wirken er als Pflicht, nicht als Mühe betrachte. Er spendete aus dem schönen Anlasse dem Tempel ein Seier und widmete namhafte Beträge wohltätigen Zwecken. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". IL, Pazmanitengasse 6. Sonntag, den 17. März, iand unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Oskar S c h r a m e k. die ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende begrüßte die Vorstände und Mitglieder, wie die Delegierten Dr. Isidor K I a b e r (für den Kultusvorstand). Dr. Leo Landau (für den Verband der Tempelvereine), Josef Fuchs (Tempel 9. Bez.), Ignaz F r ä n k e 1 (Tempel 3. Bez.) und erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Tempel, in der Tahnud-Thoraschule des Vereines und auf dem Gebiete der Wohltätigkeit (Bekleidung von Kindern zu Chanuka. Geld- und Naturalspenden an arme Familien, besonders zu Peys.ich). Vor allem hielt er ehrenvolle Nachrufe den abgelaufenen Vereinsjahr verstorbenen Vorstehern Dr. Felix Tänzer und Samson Leenmann sowie c'em Reiigionsleltrer Prof. Moriz Antsclierl und dem Tempel-?cliames Freuder, deren verdienstvolles V.->!:en er lobend anführte. Der Vorsitzende berichtete vö'if der mehrere Monate andauernden Erkrankung des Rabbiners Dr. Zwi Taubes, der inzwischen bereits zuf Freude seiner zahlreichen Anhänger genesen und, herzlichst begrüßt, zu Purim im Tempel erschienen ist, von der Aufnahme des Rabbiners Dr. Gcrstl iür den Unterricht in der Talmud-Thora-Scltule. er hob die anerkennenswerten Leistungen der Vorstandsmitglieder sowie der Funktionäre hervor und dankte diesen wie rillen Personen, welche den Vereinsvorstand durch ihre besonderen Leistungen gefördert haben. Der Kassier. Herr Raschdowitz. erstattete den Kassabericht, welcher bedauerlicherweise mit einem vergrößerten Passivum abschließt. Herr Amtsleiter Rudolf Kraus beantragte das Absolutorium, das einstimmig erteilt wurde. Herr Dr. K I a b e r spricht dem Vereinsvorstand namens des Kultusvorstandes Dank und Anerkennung für seine Wirksamkeit aus. Zu den Neuwahlen von Vorstandsmitgliedern wird folgender Vorschlag beantragt und per Akklamation genehmigt. Wiedergewählt werden die Herren: Bauer, Dr. Braun, Dir. Ehrenzweig. Ernst Hoffmann. Prof. Peczenik. Raschdowitz und Schönteld; ferner Amtsleiter Kraus, Direktor Süß und Maier: als Revisoren die Herren: Ing. Engel. Chefredakteur Hirschfeld, Kornmehl. Nagelberg. Pick, Springer und Wohlstein. Als Ehrenmitglieder werden ernannt: Bundesstaatlicher Fürsorgerat Ottilie Politzer und Komm.-Rat Rudoli F r i e d I. Dr. Leo Landau hebt besonders die Tätigkeit des Obmannes Herrn Oskar Schramek hervor, der vollstes Lob für seine Leistung im Vereine verdient. Es sprechen noch die Herren Littauer, Dir. Haber, Dir. Koller. Ferdinand Kornmehl und der Vize-Obmann Dr. L. Mnier. ~ Am 21. März fand die konstituierende Sitzung statt, in welcher die Wahlen in das Präsidium und in die einzelnen Sektionen stattfanden. Das Präsidium besteht aus dem Obmann Oskar Schramek. seinen Stellvertretern Dr. Leonhard Mai.er. Architekt Reiser und Schönherz, dem Kassler M. Raschdowitz, seinem Stellvertreter Jacques M a i e r. dem Schriftführer Amtsleiter Rudoli Kraus und seinem Stellvertreter Ober-Insp. Th. Engel. R. K Trauung. Kürzlich fand in Sanerbninn die Vermählungsreier des Fräuleins Hedi M a n d 1. Tochter des Her'n Samuel Mandl. Vorstehersrellvertreter der Wiener-Neustädter Israelitischen Knltusgemeinde. mit Herrn Fmil Steiner aus Celldömölk statt. Die Feier gestaltete sich zu einer echt iüdischen Simcho. zu welcher unzählige Freunde als Gäste erschienen. Beim HochzP'tsmrhle wurden zahlreiche Tischreden gehalten. Der Kultusvorsteher der Wiener-Neustädte K"'tusceme;nde. Herr Hugo R e i n i n c e r. schilderte in Worten höchster Anerkennung die hingebungsvolle und auf-