Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 14 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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niE WAHRHEIT Nr. 14 — 5. April 1935 Seite 5 Zu HDÖ benötze man in jedem Jüdischen Hause SHEHEN lütt Ptta-OHI noa1? -wd Ti m jaw SHENEN SALATOL in 41/, kg und 1-kg Dosen. Geruch- und geschmacklos, sehr billig. Das Beste zum Kochen, Braten, Backen, das Beste für Salate und Mayonnaise, das Beste für Medizinalzweckc sheheh Toilette im UllM in zehn Sorten, Bade-Soap. Adin, Hadar Hacarmel. Gaul, Carmel Flowers, Baby Soap, Menorah, La Palma, A la Marseille und Ora Seifenflocken in allen besseren Geschäften erhältlich. Generalrepräsentant für Österreich: Sa. BABINOWITSCH Wien II.. Zirkusgasse 10, Tel. R 48-7-38 Feierliche Sederabende am 17. und 18. April im; HOTEL-RESTAURAHT STEFAHIE vorm. OPERER Wien IL, Taborsfraße 12 ä la Carte und reichhaltige Pessach- Menüs zu zeitgemäßen Preisen. Karmel- und Palästina-Weine in Flaschen und offen Rechtzeitige Anmeldungen erbeten! TELEPHON R 46-5-57 Die Palästina-Einwanderung im Jahre 1934. Eine kritische Beleuchtung. Aus Jerusalem werden offiziell die Ziffern über die jüdische Einwanderungsbewegung im Jahre 1934 bekanntgegeben. Danach sind in dem abgelaufenen Jahre um zirka 12.000 Juden mehr nach Palästina eingewandert als im Jahre 1933, nämlich insgesamt 42.359. Eine Ueberraschung für viele wird es bilden, daß an der Spitze der Einwanderungsbewegung des Jahres 1934 noch immer Polen mit nicht weniger als 18.829 jüdischen Einwanderern, das ist mit mehr als 45 Prozent, steht, während aus Deutschland nur 7010 deutsche Juden (nicht eingerechnet 1585 nichtdeutsche Juden, die aus Deutschland nach Palästina wanderten), das sind etwas mehr als 17 Prozent, eingewandert sind. Perzentuell nach der Bevölkerungsziffer des Auswanderungslandes gerechnet, sind von den zirka 3 Millionen Juden Polens nur im ganzen 0,6 Prozent in Palästina immigriert, w ährend von den zirka 500.000 Juden Deutschlands zirka 1 vi Prozent im Jahre 1934 in Palästina eingewandert sind. Wenn auch nicht so vielsagend, so doch ebenfalls interessant sind auch die Einwanderungsziffern aus anderen Ländern. Ueberraschend gering ist im Verhältnis zur Vergangenheit die Einwanderung aus Rumänien. Von den 900.000 Juden Rumäniens sind 1751 Juden, also nicht ganze 0,2 Promille eingewandert. Dagegen erscheint die Einwanderungsziffer aus Griechenland mit 1504 Juden relativ sehr hoch, weil sie zirka 2 Prozent der 75.000 Seelen betragenden jüdischen Bevölkerung Griechenlands ausmachen. Relativ war also die Einwanderung der griechischen Juden nach Palästina stärker als die der deutschen Juden. Aus Jemen sind 1307 Juden eingewandert, was wohl wie die verhältnismäßig so hohe griechische Einwanderung in der Hauptsache auf die Nachbarschaft zurückzuführen sein dürfte. Verhältnismäßig stärker ist die Auswanderung aus Litauen und Lettland mit je zirka 900 Juden, beinahe 1 Prozent der jüdischen Bevölkerung der betreffenden Länder. Erstaunlich gering ist die Einwanderung aus Rußland mit 578 Juden von zirka 2,7 Millionen jüdischer Seelen im Bereiche der Sowjet-Union. Sie ist sogar relativ und absolut geringer als die Einwanderung aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 1028"Juden von 4,3 Millionen jüdischer Bevölkerung. Nicht uninteressant ist es, daß auch aus England mit seinen 300.000 Juden 153, aus Holland mit seinen zirka 115.000 Juden 100 Juden in Palästina eingewandert sind. Von den österreichischen zirka 300.000 Juden sind 720, also nicht einmal 2K- Promilte in Palästina eingewandert. Würde man eine Untersuchung nach der Herkunft der aus den verschiedenen Ländern im Jahre 1934 in Palästina eingewanderten Juden veranstalten, so würde sich ohne Zweifel ergeben, daß auch die aus Deutschland, Rumänien, den Vereinigten Staaten, Oesterreich eingewanderten Juden zum allergrößten Teile polnischer Herkunft sind, während die wenigsten von'den in Deutschland oder in den erwähnten Ländern geborenen, zwei oder mehrere Generationen ansässigen Juden ihre Heimatländer verlassen haben, um sich in Palästina anzusiedeln."'Wenn man diese Ziffern mit den gewaltigen Zahlen der Auswanderung nach Amerika und nach Uebersee in der Vorkriegszeit vergleicht, wo in manchen Jahren aus Galizien allein 50.000 Menschen nach Amerika übersiedelt sind, so daß ein hervorragender General von Verlusten von Armeekorps durch die Auswanderung sprechen konnte, so,.erscheint uns auf Grund der offiziellen Statistik die Bedeutung Palästinas als Ansiedlungsgebiet für die westeuropäische Judenschaft noch immer verhältnismäßig sehr gering. Es muß unterstrichen werden, daß im Jahre 1934 von den deutschen Juden mehr als 20.000 in Frankreich, also beinahe dreimal so viel wie in Palästina eingewandert sind. Das jüdischnationale „Schulwerk". Im folgenden soll nur der kurze Zeitraum seit Beginn des letzten Schuljahres, also seit September 1934, in Betracht gezogen werden. Es kommt ihm trotzdem grundsätzliche, schwerstwiegende Bedeutung zu. Mit dem Parallelklassenerlaß fing es an. In demselben wurde im Wesen verfügt, daß die jüdischen Schüler möglichst zusammengefaßt und möglichst in eigenen Abteilungen unterrichtet werden. Darob in allen Kreisen der Wiener Judenschaft starke Erregung; bei den Anhängern der Union österreichischer Juden sowohl wie bei den Jüdischnationalen. Allgemein herrschte die bittere Empfindung, daß der Erlaß die Absonderung der jüdischen Schuljugend, namentlich der Mittelschüler, von den christlichen Schülern bezwecke und damit ein jüdisches Schulghetto zur Folge habe. Die Regierung hat, als die Erregung der Wiener Judenschaft sich bemerkbar machte, sofort Aufklärungen zu geben sich bemüht und insbesondere betont, daß diese Verfügung aus rein schultechnischen, des nähern ausgeführten Gründen getroffen worden sei und keineswegs eine Spitze segen die Juden besitze. Interessant ist nun die Art, in welcher die verschiedenen Richtungen der Wiener Judenschaft auf den Schulerlaß reagiert haben. Man sollte glauben, daß ausnahmslos alle Juden die Wiederherstellung des vorigen Zustandes verlangt hätten, also die Wiedereinreihung der jüdischen Schulkinder in die allgemeinen Schulklassen und die Fortdauer des Unterrichtes in gemeinschaftlichen Klassen ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses. Nur dies, aber auch nichts anderes. Dies haben die Anhänger der Union österreichischer Juden auch getan. Und die Jüdischnationalen? Man sollte es nicht für möglich halten: Sie benützten gerade diesen Anlaß, um die Absonderung selbst zu inaugurieren: durch die jüdische Schule. In dem gleichen Atem, in welchem sie gegen die Absonderung der jüdischen Schulkinder von den christlichen protestierten, verlangten sie deren Absonderung durch Errichtung jüdischer Schulen. In demselben Augenblick, in welchem sie gegen das Schulghetto, das sie im Erlasse erblickten, sich kehrten, ließen sie den Ruf ertönen nach Errichtung eines jüdischen „Schulwerkes": das unfreiwillige Schulghetto eingetauscht gegen ein selbstgewolltes. Die eine Couleur der Jüdischnationalen, die Kleina Tut» 3 — 90 Gro3« Tub« 8 1-40 gemäßigten, sprachen von der Notwendigkeit schlechthin. Die radikale Couleur verlangte schon die Einleitung einer Aktion zur Gewährleistung fakultativer Errichtung jüdischer Schulen gemäß den Bestimmungen der österreichischen Verfassung aus staatlichen Mitteln. So schwülstig der Wortlaut dieser radikalen Couleur, so unwissend ist sie bezüglich der Bestimmungen der österreichischen Verfassung und der Voraussetzung der Leistung staatlicher Mittel. Aber die radikale Couleur muß eben radikaler sein als die gemäßigte, sonst verlöre sie die Berechtigung zur Führung ihres Namens. Die allerradikalste aber mußte selbstverständlich die anderen überradikalisieren und überreichte schnurstracks namens eines „Jüdischen Volksbundes", dessen Mitgliederanzahl im umgekehrten Verhältnis zur äußerlich zur Schau getragenen Gewichtigkeit steht, gleich eine Eingabe an die Regierung mit der Forderung nach Errichtung von jüdischen Schulen aus Staatsmitteln. Es liegt eben im naturgemäßen Schicksal von nationalen Parteien; die eine muß die andere übersteigern, sonst verliert sie den Zulauf. Das war so im alten Oesterreich bei ausnahmslos allen nationalen Parteien, das war so im alten Oesterreich insbesondere bei den Deutschen: Deutschliberale, Deutschnationale, Großdeutsche, Deutschradikale, Deutschvölkische. Und das ist so bei unseren Jüdischnationalen. Untereinander je nach ihrem Radikalismus gespalten und uneins, sind sie eins im Rufe nach einem jüdischen „Schulwerk". Aber jede Schattierung unter ihnen versteht etwas anderes darunter. Bis sie sich vorläufig in einem Punkte geeinigt haben: es soll die erste Klasse einer jüdischen Volksschule errichtet werden. Sie benötigt bloß einen einzigen Lehrer und einen einzigen Diener und kostet die Kultusgemeinde, die sie majorisieren, bloß einige tausend Schilling. Aber das jüdische „Schulwerk" ist da und viel, viel neuer Redestoff in ihren Versammlungen über ihre stetige unbeirrbare Aufbautätigkeit, die sie leisten trotz aller Widerstände der verkalkten Unionisten, die die Zeit nicht verstehen, in der sie leben. Da muß mit allem Nachdruck erklärt werden: Die Anhänger der Union österreichischer Juden sind unbedingt und unter allen Umständen schärfste Gegner jeder Art von Absondemng der jüdischen Schüler von den christlichen, sie mag aus welchen Gründen immer erfolgen. Auch sogenannte schultechnische Gründe lehnen sie unbedingt ab. Denn diese müssen unbedingt zurücktreten gegen die gefährlichen Folgen, die sich aus einer Trennung der jüdischen Schulkinder von den christlichen ergeben können. Die Kinder werden niemals die schultechnischen Gründe sehen, immer nur die Tatsache, daß die jüdischen von den christlichen Schulkindern separiert, abgesondert, getrennt sind, immer nur das Faktum eines Schulghettos, geschaffen aus welchen Gründen immer, immer nur die Kluft, die schon von Kindheit, von Schulbeginn an aufgetan wird zwischen Juden und Christen. Das muß dazu führen, daß jüdische und christliche Kinder einander nie kennen lernen, nie einander nähertreten können; was dies bedeutet, ersieht man daraus, daß der Antisemitismus nirgends größer ist als dort, wo Juden nicht angesiedelt sind, der Jude gewissermaßen nur vom Hörensagen gekannt ist. In der großen Stadt, in der Juden in größerer Anzahl wohnen und der Städter sie in Handel und Wandel, in Erwerb und Beruf kennen lernt, in Wien, wo Juden und Christen miteinander in geschäftlichem, beruflichem, künstleri-