Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 14 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 14 — 5. April 1935 Seite 3 leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleisch« speisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. mjmw, Das100%reine Kokosnußfett Nur echt Sn Originalpackungt Die zionistische Organisation kracht in ihren Fugen. m Deutsche Juden und allgemeine Wehrpflicht. Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat der Reichsregierung ein Memorandum unterbreitet, in welchem die Haltung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland in der Frage des Einschlusses der Juden in die allgemeine Wehrpflicht dargelegt wird. * Das Ausland kennt die Methoden, der mangelnden Ueberzeugungskraft der geistigen Argumentik durch nackte Gewalt nachzuhelfen und befürchtet, daß Hitlers Aufrüstung mittels der allgemeinen Wehrpflicht nur den Zweck verfolgt, seine im Inland bewährten Terrormethoden gegen alle, die den Nationalsozialismus nicht als der Weisheit letzten Schluß gelten lassen, auch über die deutschen Reichsgrenzen zu tragen. Wäre die Aufrüstung wirklich nur eine Geste patriotischer Abwehr gegen die moralische Zurücksetzung der deutschen Stimme im Völkerkonzerte, dann würde man der Welt nicht das zu befürchtende Schauspiel bieten, zugleich mit dem neuen Wehrgesetz, dem Symbol der deutschen Gleichberechtigung in Europa, ein neues Judengesetz zu schaffen, das die Pariasstellung der Nichtarier im Dritten Reich endgültig fixiert. Noch scheint die alte Generalität, die ihre praktischen Erfahrungen mit den Kriegsdienstleistungen der Juden ins Treffen führt, bemüht, diese wertvollen Kräfte der deutschen Armee zu erhalten. Für das kritische Ausländ dient auch dieser Kampf der Meinungen an der Wiege der neuen deutschen Wehrmacht nur zur weiteren Erkenntnis des Gegensatzes, in dem die nationalsozialistische Phrase zur Wahrheit steht. Schon wieder ein antizionistischer Artikel, werden die Herren Jüdischnationalen empört rufen, die den Titel dieses Aufsatzes lesen, schon wieder ein Streit unter den Juden, werden die ewigen „Scholem-Politiker" bei der Betrachtung des gleichen Titels sagen. Beiden diene zur Beruhigung, daß die Feststellung, die in diesem Titel gemacht wird, nicht von uns bösen Assimilanten stammt, denen die Tatsache, daß die ganze zionistische Organisation) bedenklich in ihren Fugen kracht, längst bekannt waT, sondern von einem hier viel kompetenteren Organ, nämlich dem Organ des österreichischen zionistischen Landeskomitees, der „Stimme". Die Aufregung über diese das Ansehen der zionistischen Organisation stark herabmindernde „Enthüllung" muß sich also gegen eines ihrer wichtigsten publizistischen Organe richten, das da gefährlich aus der blau-weißen Schule plaudert. Was veranäaßte die „Stimme", die sonst so brav alles Zionistische lobt und preist, zu einer solch furchtbaren Entgleisung? Sie ist entsetzt über den Ausgang einer Abstimmung, die in Palästina unter den rund 70.000 Mitgliedern der „Histadruth haowdim" (Gewerkschaft der jüdischen1'Arbeiter) vorgenommen wurde. Diese Abstimmung sollte über den in London abgeschlossenen Pakt zwischen dem Führer der Zionisten- Sozialisten Ben Gurion und dem Führer der Revisionisten Jabotinsky hinsichtlich eines Arbeitsfriedens der beiden Gruppen entscheiden. Man sollte glauben, daß die Arbeiter eines angeblich aufstrebenden Landes unbedingt für einen solchen Arbeitsfrieden, der dieses Aufstreben nur fördern könnte, sind. Das Gegenteil ist in Palästina der Fall. Die Abstimmung ergab eine gewaltig große Mehrheit gegen den Arbeitsfrieden. Und nun jammert „Die Stimme" mit Recht: „Die Situation ist nun die, daß der Arbeiterführer Ben Gurion desavouiert wurde und die von den Revisionisten! vorgenommene Ratifizierung des Friedenspaktes gegenstandslos geworden ist. Man muß nur hoffen, daß der im Friedenspakt enthaltene „Nichtangriffspakt", das Versprechen, daß die Parteien den politischen Kampf nicht mehr mit Steinen und Knütteln, mit persönlichen Beleidigungen und Verleumdungen führen werden, trotz des Ergebnisses der Abstimmung gehalten werden wird. Es ist beschämend geniug, daß ein derartiges Uebe reinkommen notwendig war." Jawohl, es ist beschämend, daß im Heiligen Lande erst ein Uebereinkommen getroffen werden muß, damit der Bruderkampf, dessen Notwendigkeit man überhaupt nicht einsehen kann, wenigstens in Urbanen Formen geführt wird. Aber „Die Stimme" sollte sich fragen, ob nicht auch außerhalb Palästinas, wo in diesem kritischen Momente das zionistische Aktions-Komitee tagt, mit dessen Beratungen wir uns nach Abschluß derselben noch beschäftigen werden, manches Früedensübereinkommen zwischen den unentwegt streitenden jüdischnationalen Parteien opportun wäre. Die Wiener jüdische Lokalchronik der letzten Tage läßt diese fragte'Irenaus berechtigt erscheinen. ) ■ Da ist zunächst einmal der „Jüdische V o 1 k s b u n d" des Herrn Oberbaurates Stricker. Der „Volksbund" wurde, wie Stricker auf der letzthin stattgehabten Generalversammlung des Bundes ehrlich ausführte, gegründet in einer „Atmosphäre der Verzweiflung und Panik, in die die österreichische Judenheit durch die Vorgänge in Hitler-Deutschland geraten war". In dieser Atmosphäre lagen sich sogar die jüdischnationalen Brüder friedlich in den Armen, statt wie sonst kriegerisch in den Haaren. Der „Jüdische Volksbund" des Herrn Stricker florierte in den jüdischnationalen Kreisen, Dr. Griinbaum gesellte sich ihm als Vizepräsident zu und. auf den bekannten, wenn auch nicht berühmten Plakaten des Bundes war sogar der Name des Kultuspräsidenten Dr. Friedmann'zu lesen. Diese schöne Zeit der Einigkeit im sonst so uneinigen zionistischen Lager ist längst wieder vorüber. Und bitter klagte Oberbaurat Stricker in seinem Referate auf der Generalversiammlung des „Volksbundes"'. „Kaum war die Panik gewichen, so legte die Vertretung des Zionistischen Landeskomitees (allgemeine Zionisten) eine Gleichgültigkeit für die Ziele und das repräsentative Auftreten des Volksbundes derart ostentativ an den Tag, daß mit einer Arbeit dieser Kreise nicht mehr gerechnet werden konnte. Ja, mehr noch: der Jüdische Volksbund war nicht einmal mehr einer wohlwollenden Neutralität seitens einiger Leitungsmitglieder sicher. Dem Volksbund sollte die Führung der jüdischen Politik — das war ja der Ausgangspunkt seiner Gründung — entwunden werden." Besonders böse ist Herr Stricker seinen ehemaligen Weggenossen, die ihn nur ein so kurzes Stück begleiteten, wegen ihres Beschlusses, „daß nur die Israelitische Kultusgemeinde in ihrer derzeitigen Zusammensetzung berechtigt sei, namens der österreichischen Judenschaft verantwortliche Erklärungen abzugeben". Herr Oberbaurat Stricker nimmt in dieser Frage, wenn auch aus parteiegoistischen Interessen jenen von uns in diesem Zusammenhang bereits mehrfach vertretenen Standpunkt ein, der auch durch das Judengesetz vom Jahre 1890 vorgezeichnet ist. Stricker sagt ganz richtig: „Schon die Einschränkung ,in ihrer derzeitigen Zusammensetzung' gibt der Resolution des Delegiertentages ein zwiespältiges Gesicht; niemand, der die Gesetze der Politik kennt, wird ernstlich glauben, daß die Kultusgemeinde, in der auch nichtnationale Elemente vertreten sind, konsequente jüdischnationale Landesarbeit führen kann ... So wie es der Volksbund ablehnt, sich von nichtnationalen Juden politisch vertreten zu lassen, so lehnt er es natürlich ab, den nichtnationalen Juden eine nationale politische Führung im Wege der Kultusgemeinde aufzudrängen." Eine offene, eine deutliche Sprache. Der unerhörte Beschluß des Delegiertentages des zionistischen Landesverbandes hat übrigens auch in der nichtjüdischen Presse eine für seine Initiatoren nicht gerade angenehme Beachtung gefunden. In der „Reichspost" vom 31. März fand sich unter dem Titel „Die Spaltung in der österreichischen Judenschaft" ein Artikel, den wir trotz unserer Abneigung gegen die Erörterung innerjüdischer Streitfragen in der nicht jüdischen Presse seines besonderen Interesses wegen im folgenden wiedergeben: Wie die „Reichspost" im Dezember vorigen Jahres meldete, haben die in der Kroßen Synagoge Schiffgasse in der Leopoldstadt geeisten orthodoxen Juden Wiens an die Bundesregierung das Ersuchen gestellt, ihnen den Austritt aus der Israelitischen Kultusgemeinde und die Konstituierung als selbständige orthodox-jüdische Religionsgemeinde zu ermöglichen. Wie wir nunmehr erfahren, hat das Bundesministerium, ehe es die Bewilligung erteilt, im Wege des Magistrates feststellen lassen, nach welchem Kriterium sich die Zugehörigkeit zur orthodox-jüdischen Religionsgemeinde bestimmen würde und ob die vom Gesetz verlangten materiellen Voraussetzungen zur Erhaltung einer Kultusgemeinde gegeben seien. Der Kampf zwischen den jüdischen Fraktionen hat in jüngster Zeit neuen Zündstoff dadurch bekommen, daß die Jüdischnationalen. die derzeit die Kultusgemeinde beherrschen, einen Beschluß gefaßt haben, die Wahrung der bürgerlichen und politischen Rechte der Juden der Kultusgemeinde zu übertragen. Dagegen wehren sich die Orthodoxen und deren Organ, die „Jüdische Presse", schreibt: „Die orthodoxen Juden haben aus der Tatsache, daß die Kultusgemeinde ihnen für die Befriedung ihrer religiösen Bedürfnisse nicht entspricht und in ihrer areligiösen Zusammensetzung nicht entsprechen kann, die letzte Konsequenz gezogen und bei den zuständigen Behörden Schritte zur Gründung einer selbständigen orthodoxen Religionsgemeinde unternommen. Wir fühlen uns schon heute nicht als zu dieser Kultusgemeinde gehörig. Solange wir aber auf Grund der Gesetze zwangsläufig Mitglieder dieser Gemeinde sind, müssen wir uns dagegen verwahren und auf das entschiedenste Protest einlegen, daß die Kultusgemeinde über den ihr vom Gesetz vorgeschriebenen Wirkungskreis hinaus i üdischnationale Landespolitik machen soll. Die heutigen zionistischen Beherrscher der Wiener KultusgemeLnde haben nicht das Recht, namens der Wiener Judenheil zu sprechen, die zum Großteil antizionistisch orientiert ist. Die jüdischnationale Landespolitik betrach-