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Die Wahrheit · 1935-04-05 · Heft 14 (5.4.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 14 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 14 — 5. April 1935 DIE WAHRHEIT MeinlXaffee Verlautbarungen in der Oeffentlichkeit zu erzielen geeignet wären, ersucHen wir, die erforderlichen Verfügungen zu treffen; daß in Hinkunft die Ausschreibung öffentlicher > .Stellen in gesetzmäßiger Weise erfolge. Ergebenst v c Für die „Union österreichischer Juden" : Der Schriftführer: Der Präsident: Reg.-Rat. Dr. M. Lenk m. p. Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim m. p. fassungsgesetzen entsprechende Ausschreibung der erwähnten Arztstellen durch die Arbeiter-Krankenkasse, Wien, zu veranlassen. Mit Rücksicht auf die gewiß unangenehmen Wirkungen, welche derartig verfassungswidrige Maimonides-Gedenkfeier der „Union In diesen Tagen, da sich der Geburtstag des großen spanisch-jüdischen Forschers und Philosophen Moses Maimonides zum 800. Male jährt, finden in allen Teilen der Welt an unzähligen Orten Gedenkfeiern statt Auch die jüdischen Institutionen und Korporationen Wiens feiern den großen Sohn ihrer Glaubensgemeinschaft. Die bisher größte Gedenkfeier war die am vergangenen Donnerstag abends im schönen Rahmen des Festsaales des Niederösterreichischen Gewerbevereines veranstaltete Feier der „Union österreichischer Juden". Der große Saal konnte kaum die Zahl der erschienenen Festgäste fassen, er mußte polizeilich gesperrt und deshalb die Galerie in Anspruch genommen werden. Der Vorsitzende der Versammlung, Vizepräsident der „Union" Rechtsanwalt Dr. Josef T i c h o, begrüßte die Anwesenden, unter denen das Erscheinen des spanischen Gesandten Minister Garcia-Comin in Begleitung des Legationssekretärs Vicomte T r e 11 e s eine besondere Ehrung für die schöne Veranstaltung bedeutete. Ferner sah man unter den vielen Festgästen: In Vertretung des Bundeskanzleramtes. die Sektionschefs Meli und Horizky, für das Unterrichtsministerium Ministerialrat Fohr, den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Dr. Prey, in Vertrelun« des Bischofs der altkatholischen Kirche den altkathclisehen Pfarrer T ö r ö k. den Altpräsidenten der Kultusgemeinde Generaloberstabsarzt Prof. Dr. A. Pick, den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. J. Löwenlierz und zahlreiche Kultusvorsteher, die OberraiH biner Dr. D. Feuchtwaiig. Dr. I. Taglicht und. J. Babad. Bundeskulturrat Hoirat Dr. S. Frankfurter, die Professoren H. Glücksmann und J. W o 1 f s o h n, den Präsidenten der Advokatenkammer Dr. S. Kantor, den Präsidenten der spaniolischsephardischen Gemeinde He skia und zahlreiche Mitglieder derselben, viele Angehörige der B. B.-Logen, Reg.-Rat G. Fuchsgelb und mehrere Beamte ar.d Beamtinnen der Kultusgemeinde, Frau Irene Harand, Dr. S. Lamberg vom Bund jüdischer Frontsoldaten, unzählige Vertreter von Tempel- und Wohltätigkeitsvereinen, sowie Damen aller Frauenvereine ü. v. a. Die Festrede hielt der Ehrenpräsident der „Union", Altvizepräsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Jakob O r n s t e i n. In seinem großangelegten Vortrage, der demnächst als Broschüre erscheinen wird, entwarf der Redner ein fesselndes Bild des großen Menschen und Juden Maimonides. Dr. Ornstein führte u. a. aus: Das Judentum beider Hemisphären begeht in diesen Tagen die Feier der 800. Wiederkehr des Tages, an dem der große Jude Maimonides in Cordova das Licht der Welt erblickte, und auch die Republik Spanien veranstaltet rauschende Freudenfeste zu Ehren ihres großen Sohnes, welcher vor mehr als 790 Jahren vor der religiösen Verfolgung der damaligen Beherrscher Spaniens, der maurischen Alrnohaden, sein Heimatland flüchtigen Fußes verlassen mußte. Maimonides Bedeutung für das Judentum und wohl auch für die ganze Menschheit wird schon durch den ausgezeichnetsten seiner vielen Beinamen, unter welchen er in der jüdischen Geschichte fortlebt, den des zweiten Moses, charakterisiert; und in der Tat darf er wohl durch sein Leben und seine Werke als der geistige Organisator des religiösen Judentums bezeichnet werden. Er war gleich groß als Mensch wie als Jude. Ihn schmückten die edelsten menschlichen Eigenschaften. Sanftmut. Friedensliebe und Bescheidenheit, .Milde, Menschenliebe und Mildtätigkeit waren die Leitsterne seines Lebens. Er war der treue Fürsorger und Lehrer seines Volkes, denn er war durchglüht von der Begeisterung für die uralte Religion seiner Väter. Er war auch ein bedeutender Arzt, welcher nach t dem uns noch erhaltenen Ausspruche eines arabischen Arztes die erste Rangstellung in der praktischen sowie in der theoretischen Heilkunde unter den Aerzten seiner" Zeit einnahm. Er nahm ferner ausgehend von der Philosophie des Aristoteles selbstdenkend zu den höchsten Problemen Stellung. Alle seine großen Hauptwerke und seine kürzeren Abhandlungen tragen gewissermaßen das Motto, daß ein Satz, der vor der wissenschaftlichen Erfahrung nicht bestehen könne und durch die Vernunft nicht gerechtfertigt erscheine, aus dem wissenschaftlichen Denken auszuscheiden sei und in die Kategorie des Aberglaubens gehöre. Deshalb Wurde Maimonides zu den bedeutendsten Aerzten seiner Zeit, weil er der entschiedenste Bekämpfer des Aberglaubens in jeder Form war und weil er — der „mittelalterliche Mensch", wie er kürzlich in einem Vortrage genannt wurde — jedes Vorurteil geradezu als albern und dumm bezeichnete/' So hat er aus der praktischen Heilkunde jedes^ Mittel, dessen Wirksam- ■■MBa^vuBaq#fi^MP"Mff>P>"JPaBaaiW Cai€ Pension Echslcin Semmering keit njeht durch die wissenschaftliche Erfahrung oder durch eigene^ersuche erprobt war, verbannt. Er war'Ve^j'jJbedeutender Hygieniker und Diätetiker und Aa'^r^anche therapeutische Grundsätze gefunden, die. auch derzeit noch Gemeingut der Heilkunde sind. Er war ein ungemein fruchtbarer Fachschriftstelier, dessen medizinische Werke noch durch viele nachfolgende Jahrhunderte den Gegenstand des eifrigen Studiums gebildet haben. Er war ein Lehrer seines Volkes und hat dessen Literatur vorzüglich durch zwei große literarische Werke, den Kommentar zur Mischnah und den Religions-Kodex Mischne-Thora bereichert. Insbesondere das zweite Werk, bestehend aus vierzehn Folianten, ist ein Riesenwerk, wie ein solches die Weltliteratur nicht mehr aufzuweisen hat. Mag auch~manches aus diesen beiden Werken derzeit seine Anwendbarkeit bereits verloren haben und mögen manche Teile auch für die außerjüdische Welt ohne jede Bedeutung sein, so ist doch die Ethik des Judentums, welche Maimonides an vielen Stellen dieser beiden Bücher behandelt, ein Gemeingut wohl der ganzen zivilisierten Welt. Sie läßt sich kurz in die wenigen Worte zusammenfassen, daß alle Gebote der Thora wie auch die Lehren der Philosophie, welche er in seinem philosophischen Hauptwerke Moreh Nebuchim mit Erfolg in Uebereinstimmung zu bringen versucht, die einzige Bestimmung haben, die Menschen sittlich zu veredeln und geistig zu vervollkommnen, so daß ein Bearbeiter der Mischne- Thora wohl mit Recht sagen konnte, daß er das in diesem Werke dargestellte „trockene" Geyetz des Judentums mit den erhabensten idealsten Forderungen in eine Synthese gebracht hat. Und auch in diesen beiden Werken sehen wir, daß Maimonides, der von tiefer geläuterter Religiosität war und die Satzungen seines Glaubens voll und ganz beachtete, von der freiesten Auffassung getragen war. Der große Geistesheros, der im 12. Jahrhundert lebte, war ein energischer Ver- Zu besonders billigen Preisen letzte Abfahrten nach AMERIKA „Majestic" 24. April „Scythia" 27. April Gesellschaftsreise ab Wien, 19. April mit Motorschiff „B r i t a n n i c" Koschere Küche Conard White Star, Wien Kärntnerring 4 - Telephen U 42-0-43, U 46-2-48 treter der Willensfreiheit. Er lehrte, daß jeder Mensch allein seine natürliche Anlage durch freie Wahl zur Tugendhaftigkeit entwickeln könne oder daß er, wenn er seine bösen Triebe und sinnlichen Leidenschaften nicht durch seinen Willen bezähmen könne, der Lasterhaftigkeit verfalle. Deshalb verurteilte er den damals allgemein verbreiteten Glauben an die Vorbestimmung des Schicksals des Menschen durch die Geburt unter einem gewissen Gestirn. Im dritten, nämlich im philosophischen Hauptwerke Moreh Nebuchim (Der Führer der Irrenden) hat er die scheinbaren Widersprüche zwischen den Lehren der biblischen Offenbarung und der Philosophie zu erklären und nachzuweisen versucht, daß im Judentum ein Gegensatz zwischen Glauben und Wissen nicht bestehen könne. Die Bedeutung dieses Werkes wird am besten durch die historische Feststellung gekennzeichnet, daß die in diesem Buche niedergelegten philosophischen Lehrsätze auf die Entwicklung der Philosophie des Mittelalters bis in die neueste Zeit einen richtunggebenden Einfluß geübt haben. Hervorragende christliche Philosophen und Theologen, wie zum Beispiel Thomas v. Aquino und Gottfried Wilhelm Leibniz und unter den jüdischen Philosophen Baruch Spinoza, lassen in ihren eigenen Werken das eingehende Studium der Philosophie des Maimonides erkennen. Dankbar muß das Judentum an diesem Tage auch des treuen Fürsorgers Maimonides gedenken, der seinem Volke inmitten der Leiden und Verfolgungen, denen es auch damals ausgesetzt war, Mtit''lind' Tföst"'zflsp'räch, und' sich" allüberall'durch Wort und Tat seinen bedrängten Glaubensgenossen hilfreich erwiesen hat. Er verdammte die religiöse Intoleranz, auf welcher Seite auch immer, und trat allezeit für den Frieden unter allen Religionen ein. Die eindrucksvollen Ausführungen des Redners, denen die Versammlung mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt war, wurden mit langandauerndem Beifall aufgenommen, der auch an jener Stelle erscholl, da Dr. Ornstein der spanischen Regierung den Dank für die hervorragenden Ehrungen Maimonides' entbot. Mit herzlichsten Dankesworten an den Vortragenden schloß Vizepräsident Dr. Ticho die erhebende Feier. Maimonides-Feier der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Die offizielle Feier der 800. Wiederkehr des Geburtstages Moses ben Maimon wird Sonntag, den 14. April, um 7 Uhr abends, im L eopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 3, abgehalten werden. Hiezu werden noch besondere Einladungen ergehen. Ein neuer Wiener Film! Felix BresBart, Otto Wallbure. Oskar Karlwels, Alfred Neugebauer, Fri z I inhoff Friedl Czepa, Greil B^rndt. Annie Rosar, Hermine Sterler in dem Wiener Lustspiel Alles für die Firma Die lustige Geschieh' e einer Wiener Kaufmannsfamilie in drei Generationen nach dem erfolgreichen und vielbelachten Bühnenstück „Schottenring" von Friedmann und Nerz Regie: RUDOLF ME1NERT Ab 5. April: Imperial-Kino I, Schwarzenbergplatz- Kino, Löwen-Kino III, Wienzeile-Kino VI., Maria 1 heresien - Kino VII., Flieger-' Kino IX., Schloß-Kino XII., Theater- Kino XvlI. Monopol: Huschak & Co., Ges. m. b. H.

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