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Die Wahrheit · 1935-03-29 · Heft 13 (29.3.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 13 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Emola Schokoladen — HDS -' Speise-Sdiokoladen, Haselnuß« u. Bitter- Sdiokoladen Mokka-Bohnen, Kakao-Pulver in anerkannt bester Qualität, erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. Schenk in der Fabrik CHOKOLATERIE GOURMET tmm nrnmu, Wien it., er. höhtmzw In Judas Sold. „Es ist eine besondere Unart unserer Zeit, jeden soicri ais bezahlt zu verdächtigen, der einen Standpunkt venriu, der dem eigenen widerspricin." Diese leider nur allzu richtige Behauptung stellt die österreichisch-katholische Wochenschriit .,D e r Christliche Ständestaat" in ihrer Nummer vom 17. März auf. Der Grund für diese Anführung ist ein sehr beachtenswerter. Das christliche Blatt wird nämlich von Herrn Anton Orcl, dem bekannten Antisemitenführer, verdächtigt, von jüdischer Seite dafür Geld erhalten zu haben, daß es, wie wir bereits meldeten, „Christian Loges" Hetzschrift über den jüdischen Riiuaimord vom katholischen Standpunkt entschieden ablehnte. Der Vorwurf ist zu absurd und zu schmutzig, um sich mit ihm näher zu befassen, immerhin sei hier auch die Erwiderung des „Christlichen Ständestaates" auf die Verdächtigungen Anton Orels wiedergegeben, dessen Verteidigung „Christian Loges" neuerlich die Identität OrcC Loge beweist auf welche Tatsache auch die Schlußbemerkung der Replik des „Christlichen Ständestaates" anspielt. Diese saftige Entgegnung lautet: Anton Orei schreibt in seinem „Neuen Volk", er möchte gerne wissen, wieviel! der „Christliche Ständestaat" für seine „judenfreundliche Haltung" von jüdischer Seite bekäme. Wir bedauern, einem Manne, dessen persönlichen Anstand wir höher veranschlagt hätten, auf dieses Niveau nicht folgen zu können. Es ist eine besondere Unart unserer Zeit, jeden sofort als „bezahlt" zu verdächtigen, der einen Standpunkt vertritt, der dem eigenen entgegengesetzt ist. Wir bedauern, einen Mann wie Orei zu den Leuten zählen zu müssen, die sich solcher unwürdiger Mittel bedienen. Verdächtigungen, wia er sie äußert, wirken bedenklich und erlauben merkwürdige Rückschlüsse auf den, der sich ihrer bedient. Ablehnung eines Machwerkes, das den Glauben an jüdische Ritualmorde sozusagen a^s Postulat des katholischen Glaubens hinstellt, heißt noch längs nicht „Judenfreundlichkeit", dagegen scheint es uns ein spezifisches Zeichen für ..jüd'ßche Lohnmora!" zu sein, wenn ierrrmd s;ch Meinungen, und Stellungnahmen mir durch Bezahlung und Bestechung erklären kann, - Herr ..Christian Loge"! Aus der braunen Hölle, Die Berliner Zeitschrift ..Deutsches Recht" schreibt: „Es ist zu verstehen, wenn eine Behörde einmal getäuscht wird. Weniger verzeihlich ist es schon, wenn sie sich durch einen Juden täuschen läßt. Denn während bei einem Volksgenossen die Anständigkeit präsumiert werden kann, muß bei einem Juden wie bei jedem Rassenfeinde die Unanständigkeit vermutet und die Anständigkeit für jeden einzelnen Fall bev/iesen v/erden. Eine deutsche Behörde, die es mit einem Juden zu tun hat. muG daher wissen, wessen sie sich zu verschen hat: sie muß sich darauf vorbereiten, daß der Jude versuchen wird, sie zu täuschen. Gelingt die Täuschung dennoch, so kann sie doch häufig in einem späteren Zeitpunkt erkannt werden." Die Berliner Zeitschrift ..Jugend und Rech t", das Organ der Rcichsgrupne Jungjuristen des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, setzt sich mit der Tätigkeit der jüdischen Anwälte auseinander. Hierbei heißt es: „Eines wird bei der formellen Gleichberechtigung der zugelassenen jüdischen Anwälte noch stets übersehen: die rassengesetzliche Rechtslehre verlangt grundsätzlich die Ausschaltung des Juden in jeder Phase unseres Rechtslebens. Die gesetzlich festgelegten Ausnahmen von diesem Grundsatz tragen keinen dauernden Charakter, sondern stellen lediglich eine Ausnahme vorübergehender Natur dar, die durch den Sachverhalt begründet ist, da eine weitere Zulassung von Frontkämpfern und von sonstigen, die Ausnahmebestimmungen erfüllenden Anwälten nicht mehr in Betracht kommen dürfte, die zugelassenen jedoch mit der Zeit durch natürlichen A h g a n g ausscheiden werden." In einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Frankfurt a. Main war in der Urteilsbegiündung u. a. ausgeführt worden, es sei nicht sittenwidrig, wenn eine arische Firma bei der herrschenden Arbeitslosigkeit di3 einzige jüdische Angestellte, die einem deutschen Arbeitslosen den Platz versperre, aus dem Betriebe entferne. Der B e g r i i i des Anstandsgefühls der billig und gerecht denkenden Volksgenossen, nach dem sich die Frage der Siitenwidrigkeit beurteile, unterl.ege einer Wandlung und bei :hm sei der nationalsozialistischen Weltanschauung eine maßgebliche Bedeutung beizumessen. NachrderJ;yöm."Reichserziehui^.rmnisterium heraus- 's€$^&*:'-ffi$tä'SSe& .HäcHsehulstaYistiR'' waren im Sommer 1932 insgesamt 3S5Ü Nichtaner in der deutschen Studentenschaft, im Sommer 1933 nur noch 1900; im Wintersemester 1933/34 waren bei zahlreichen Fächern keine Juden mehr neu eingesc Ii rieben. Unter den 87.000 männlichen Studierenden des Wintersemesters 1933/34 waren nur noch 590 jüdisch, in den ersten beiden Semestern studierten davon nur 13. Von den im Wintersemester 1933,34 studierenden 15.000 Frauen waren nur 223 Jüdinnen. In Dessau, dem Geburtsort von Moses Mendelssohn, ist die Mendeissohnstraße in Sebastian Bach-Straße umbenannt worden. * Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat in einem Rundschreiben verboten, das Mandwerksabzeichen, das von den Handwerkskammern ausgegeben wird, an niclilarische Handwerker zu verleihen. Der Reichserzielntngsminister Dr. R u s t hat einen Erlaß herausgegeben, der die Auslese von Schülern an an höheren Schulen regelt. In einem „Völkische Auslese" überschriebenen Teil des Erlasses heißt es sodann: „Arische Schüler dürfen hinter nichtarischen nicht zurückgesetzt werden. Es ist daher nicht angängig, an Nichtarier irgendwelche Vergünstigungen zu geben (Schuigelderlaß, freie Lehrmittel, Erziehungsbeihilfen u. dgl.), solange sie arischen Schülern versagt werden.'' Z. T. A. Die Numerus clausus-Agitation in Rumänien. Zur Verwirklichung seiner Forderung nach Einführung eines „Numerus v a 1 a c Ii i c u s" beabsichtigt der frühere Ministerpräsident Dr. Alexander Vaida Voevod unter der Bezeichnung „Christliche nationale B au er Dpa rtei" eine eigene Partei zu gründen. Seinen Bestrebungen haben sich neben einigen sieben- TAPEZIERER Zfc&i OWSTZ Werksiätte für moderne Möbel sowie aller Reparaturen in bester Ausführung und Material Spezialist im Tapezieren von Wohnunsen und Lokalen unter Garantie. I., Neutorgasse 18 Tel. U 23-8 .-8. Wohnung: Tel. U 22-7-31 WWfeMätte: I. SritPnstellengas.se 2_ bürgischen Zeitungen auch die Bukarester Blätter „Universul" und „Curentul" zur Verfügung gestellt. Seinen Anschluß an die Bestrebungen Vaida Voevods hat neuerdings auch der ehemalige Ministerpräsident Mironescu erklärt. Dagegen werden diese Grundsätze nicht nur von den Führern der nationalen Bauernpartei Ion AI i h a \ a c h e und Dr. L u p u, sondern auch von maßgebenden Politikern anderer Parteien, unter ihnen dem Führer der Konservativen, Gr. N. Filinescu, schärfstens verurteilt. Andererseits fällt es auf, daß die akadtsmische Jugend der regierenden nationalliberalen Partei das Numerus clausus-Prin!- zip in womöglich noch schärferer Form als Vaida proklamiert. Man fragt sich, ob es sich hier nur um eine Extratour der Jugend handelt oder ob die Liberalen sich die Ansichten ihres Gegners Vaida zu eigen machen wollen. Während die Numerus clausus-Propaganda von den Kreisen der Rechtsanwälte bereits auf die Aerzteschaft übergegriffen hat, organisiert sich unter den Bukarester Anwälten der Widerstand gegen diese dem Grundsatz der Berufssolidarität und der freien Entfaltung der Begabungen widersprechenden Bestrebungen. Unter dem Vorsitz des früheren Dekans des Bukarester Barreaus Traian Alexandrescu wurde ein Initiativkomitee der „Bewegung anticlausistischer Rechtsanwälte" gebildet. Gleichzeitig wurde von hervorragenden christlich-rumänischen Rechtsanwälten in Bukarest eine „Vereinigung berufsausübender Rechtsanwälte" gebildet, die die Standesinteressen unter „Wahrung der Traditionen des Barreaus und Respektierung der Ordnung und Gesetzlichkeit" vertreten will. Z. T. A. ~1 GROSSFLEISCHHAUEREi IIEGM.-KORNMEHL LjUK^ ^*i3xXtt^nmi*J2* ^JCJCTg»J^gaiWe/J»ttaw«M»JiWW imawininCTtwB»,^,' *Ä*2E« 3X., 3EKSQASS5 Sä55. 19 fr?MAS.£i XtfäSä., WäHRINeS2STRÄSS» i". fslcpnjn Nr. A 17-3-99 md A lh-S-34 Lieferant für Heilanstalten ÄbtdiuHgenfürKöseherfieisd unter Aufsicht des ehrw. Rahbinates der Isr. Kuiiungetinsinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlien Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Schlußsitzung des jüdischen Landeskongresses Ungarns. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Isr. Landeskanzlei und der Pester Isr. Religionsgemeinde, Hofrat Samuel Stern, fand im Pnmkssal der Jüdischtin Gemeinde die Schluß-Sitzung des Neologen Jüdischen Landeskongresses Ungarns statt. Der Präsident verlas ein an den Kongieß in warmen Worten gerichtetes Begrüßungsschreiben des Kultus- und Unterrichtsministers Dr. H o m a n, das vom Landeskongreß mit Dank zur Kenntnis genommen wurde. Der Landeskognreß schritt sodann zur Verhandlung jener Bestimmungen des Statutenentwurfes, die im Laufe der Spezialdebatte noch une. ledigt geblieben waren und nahm sämtliche Paragraphen im Sinne der Originalfassung, bzw. der Amendements des Referenten Dr. Munkacsi sn. Als letzter Punkt der Tagesordnung iolgte die dritte Lesung des E.gänzungs-Statuts. Die Schriftführer Dr. Ludwig Szabolcsi, Dr. Oskar Deutsch und Dr. Siegmund Groszmann verlasen die endgültige Textierung der .einzelnen Statutenbestimmtin, die von dem Landeskongreß verabschiedet wurden. Hierauf hielt Präsident Hofrat Stern die Schlußrede. Wir haben, sagte er, unser Ergänzungsstatut unter Dach und Fach gebracht und endlich unsere Autonomie zeitgemäß ausgebaut, um zugleich die gesetzlichen Mittel und Wege dafür zu schaffen, unser Glaubensleben auf Grund einer lebenskräftigen Automie zu verliefen, unsere religiöse Kultur und in ihrem Bereiche hauptsächlich unser Unterrichtswesen in entsprechender Weise zu entwickeln. Die große verfassungsgebende Arbeit, die fast sieben Jahrzehnte lang ihrer Vollendung harrte, ist jetzt abgeschlossen. Präsident Stern gedachte dann des Reichsverwesers Nikolaus v. H o r t h y, der nicht nur die Einberufung und Abhaltung des Kongresses gutgeheißen, sondern auch die Abordnung des Landeskongresses empfangen hatte, wobei er die ungarische Judenschaft mit ihr tiefes Glaubensleben sowie ihre Zusammengehörigkeit mit der Gesamtheit der Nation würdigenden und aneifernden Worten auszeichnete. Voll Dankes gedachte der Präsident ferner des warmen Interesses des Kultusministers Dr. H 6 m a n, des Erscheinens des Oberbürgermeisters Dr. S i p ü c z und des Bürgermeisters Dr. Szendy nuf dem Kongresse und schließlich des Begrüßungstelegrammes des Ministerpräsidenten G ö m b ö s, der feststellte, daß die ungarische Judenheit im Zeichen des Friedens dem Wohle des Vaterlandes dienen wolle. Aus allen diesen Kundgebungen, fuhr Hofrat Stern fort, dürfen wir die Zuversicnt schöpfen, daß der Geist der Emanzipation und Rezeption nicht nur in der Pflege des konfessionellen Lebens, .sondern auch in allen Belangen des kämpfereichen, sorgenbeschwerten weltlichen Lebens, in der Freiheit und Geltung der Arbeit keine Einbuße erleiden kann. Wir alle können voll Stolz auf den Kongreßverlauf zurück-, blicken, weil wir in der Tat von dem Rechte Gebrauch zu machen verstanden, das die Emanzipation und die Rezeption uns für den Ausbau unserer Autonomie zugestanden haben. Der Präsident dankte ferner dem Referenten Dr. Ernst Munkacsi für die monumentale Arbeit der Vorbereitung und Ausarbeitung des Statutenentwurfes, dem Ouästor Alexander E p p 1 e r, Generalsekretär der Pester Kultusgemeinde, für die großa-t;ge Organisierung des Kongresses, dem Senatspräsrdenten der kön. Tafel Dr. Tibor Low für seine wertvolle juridiscrie Mitarbeit, dem Gememde-Obernotär Dr. Hugo C s e r g ö für die Versehung des Pressedienstes. Am Schlüsse gab Präsident Hofrat Stern seiner Zuversicht Ausdruck, daß es möglich sein werde, im Rahmen der jetzt ausgebauten Autonomie jene heileren Aufgaben zu verwirklichen, zu deren Erfüllung die ungarische Judenschaft dem Vaterlande und der Glaubensgemeinschaft gegenüber verpflichtet sei. Sodann nahm Vizepräsident Eugen Szanto das Wort, um den Dank des ganzen Landeskongresses an Präsident Stern, der mit einer epochalen Arbs:t das ungarische Kongreß-Judentum auf die hohe Warte ehies konstitutionellen Lebens emporgehoben hatte, zum Ausdruck zu bringen. Der Präsident hf>be in r^stje^er Tätigkeit seine ganze Sorge der Glaubensgemeinschaft zugewandt und d>'es in einer Zeit, da das J»dentum Genschwersten Prüfungen ausgesetzt war. Vizepräsident Szanto überreichte demi Präsidenten e'hen sflbe'nen Kranz, dessen einzelne Blätter d'e Facsim'le Unterschriften aller Kongreßteilnehmer aufwiesen. Präsident Hofrat Stern, der ergriffen dankte, wurde von der Versammlung minutenlang gefeiert. Leitender Öberrabbirier von Buda Dr. Arnold Kiss sprach hierauf ein Gebet, worauf nrf dem eemeinsqmen Gesang des Hymnus die T?eung des JüchV sehen Landeskongresses ihren Abschluß fand. Z. T. A.

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