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Die Wahrheit · 1935-03-29 · Heft 13 (29.3.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 13 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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vV ÄisKiitÜ i Nr. 13 — 29. März 1935 Seite 3 Die Parimfeler der Union, die Samstag, den 23. d. M. abends in den Feststen des Handelsmuseums stattfand, schloß sich würdig den bisherigen gesellschaftlichen Veransiui.ungen dieser Vereinigung an. Ein rühriges Vetgriügungskomite© hatte alle Vorbereitungen güitüiien, um einen schönen Erfolg des Festes zu sichern, der auch tatsächlich zu verzeichnen war. Das überaus zahlreiche Publikum, unter dem sich viele offizielle jüdische Persönlichkeiten und Vertreter von namhaften Organisationen und Vereinen befunden, unterhielt sich glänzend bei der Akademie, die wieder auf besonders hohem Niveau stund. Kurt Karsten und Erwin Engel konferierten humorvoll das schöne Programm, das von folgenden Künstlern in hervorragender Weise bestritten wurde und reichen Beifall fand: Violin- \intiose Dr. Otto Kap perl, Karikaturist Alexander Szekeli, dem Meister der Rezitation jri üb Feldhammer, der reizenden Chansonette Elly Bauer, Klavierhumorist Hans Horowrtz, dem Komikerpaar Melier und Wagner. Nach diesen blendenden Darbietungen spielte im großen Saale die W i n a p 1 e - B a n d gediegen zum Tanz auf, im schön dekorierten „Gemütlichen" amüsierte man sich bei einer Schrammel-Musik bestens. Ein sehr reichhaltiges Büfett, beigestellt und geleitet von Damen der unionistischen Gesellschaft, fand leibhaftes Interesse. Alles in allem, ein gelungener Abend, der die intensiven Bemühungen des vorbereitenden Komitees reichlich lohnte und den neuerlichen Beweis dafür erbrachte, daß derartige Veranstaltungen der „Union" immer Zu- M-nich und Anerkennung finden. Erst in den frühen Morgenstunden fand das gelungene, wirklich jüdische Purimfest sein Ende. Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdau!ich,unbegren2t haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zurZubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festfagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Maftersburg hergestellt wird. mm Das 100%reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! Die Verschärf ang der deutschen Judenpolitik Der in Berlin weilende Sonderberichterstatter des „Paris Soir" Jules Sauer wein meldet, daß in diesem Augenblick Deutschland neue Ausschreitun-gen gegen die Juden vorbereitet. Alle Versammlungen, die nicht den Zweck haben, die Juden zur Auswanderung nach Palästina zu ermuntern, sind verboten. Die Tätigkeit der nichtzionistischen Organisationen ist lahmgelegt. Junge Nichtarier werden in keine höhere Schule mehr zugelassen, so lange nicht die Arier alle von ihnen beanspruchten Plätze erhalten haben. Man bereitet Maßnahmen gegen die Privatbankiers vor, um sich des flüssigen- Kapitals, das sich noch in jüdischen Händen befindet, zu bemächtigen. Nichtarier dürfen nicht mehr journalistisch tätig sein. Endlich steht schon jetzt absolut fest, daß Juden und Nichtarier vom Heeresdienst ausgeschlossen bleiben, als ob sie Verbrecher wären. Nach dem Willen des Führers" Sämtliche nichtarischen Mitglieder des Reichsverbandea deutscher Schriftsteller haben, wie wir letzthin berichteten, von der Reichsschrifttumkammer die Mitteilung erhalten, daß sie sich als v o m Reichsverband ausgeschlossen zu betrachten haben. In dem Schreiben heißt es ferner: „Nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers soll die Verwaltung des deutschen Kulturgutes nur geeigneten und zuverlässigen Volksgenossen vorbehalten sein. Bei der hohen Bedeutimg geistiger und kultureller Schöpfungskraft für das Leben und die zukünftige Entwicklung des deutschen Volkes sind zweifellos nur jene Persönlichkeiten geeignet, eine solche Tätigkeit in Deutschland auszuüben, die dem deutschen Volk durch tiefe Verbundenheit des Blutes angehören. Nur wer sich aus rassischer Verbundenheit heraus seinem Volk verbunden und verpflichtet fühlt, wird es unternehmen, mit eine so tiefgreifenden und folgenschweren Arbeit, wie es das geistige und kulturelle Schaffen darstellt, einen Einfluß auf das innere Leben der Nation auszuüben. Durch Ihre Eigenschaft als Nichtarier sind Sie außerstande, eine solche Verpflichtung zu empfangen und anzunehmen. Die Veröff*nt1:chnns j-'eh iftstellerischer Arbeiten innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Reichsschrifttumkammer ist Ihnen dadurch mit sofortiger Wirksamkeit untersagt." Hierzu schreibt der Berliner Korrespondent der United Press: Trotz den strengen Bestimmungen des Schriftleitergesetzes gegen Nichtarier saßen bisher noch vereinzelt Nichtarier in den Redaktionen. In der Hauptsache handelt es sich dabei um ehemalige Frontkämpfer, die man aus diesem Grunde zum Teil noch in ihrer alten Stellung duldete, soweit diese keinen politischen Charakter hatte. Nun wird aber aus den Redaktionen der letzte Rest der Nichtarier und der ..nichtarisch Versippten" entfernt. Mit der gleichen Schärfe seht man auch gegen die nichtarischen Schriftsteller vor. Kein Nichtarier wird demnach künftig mehr eine Zeile in Deutschland veröffentlichen dürfen. Das betrifft nicht nur die Zeitungen, sondern ebenso*die Zeitschriften und die Veröffentlichung von Büchern und Broschüren. Nur die ausgesprochen jüdischen Verlage dürfen sich der Werke der Nichtarier noch annehmen. Da aber der deutsche Buchhandel die Zeitschriften und Bücher der jüdischen Verlage nicht vertreibt sind diese auf die Kunden für die wenigen rein jüdischen Buchhandlungen angewiesen, so daß ihrem Vertrieb von vornherein sehr enge Grenzen gezogen sind. Von der Verfügung der Reichsschrifttumkammer wird eine große Anzahl namhafter Schriftsteller betroffen. Der Vorsitzende des Verbandes der dänischen Schriftsteller (Dansk Foriatterforening). Dr. J. Hartwig Jacobsen, erklärte den Vertretern der Presse, die Nachricht, daß sämtliche nichtarischen Schriftsteller und Journalisten in Deutschland aus der Reichsorganisation der deutschen Schriftsteller ausgeschlossen wurden und von der Reichsschrifttümskammer den Befehl erhielten, sich außerhalb der jüdischen Sphäre schriftstellerisch nicht mehr zu betätigen, habe in ausländischen Schriftstellerkreisen sehr deprimierend gewirkt. Er habe sich an den deutschen Schriftstellerverband, mit dem der dänische Verband seit Jahren Verbindungen unterhält, mit dem Ersuchen gewandt, ihm eine authentische Abschrift des betreffenden Schreibens der Reichsschrifttumskammer einzuschicken. Sollte der Inhalt dieses Schreibens mit den Pressenachrichten übereinstimmen, so werde er die Angelegenheit sowohl dem dänischen Schriitstellerverband, als auch dem Nordischen Rat der Schriftstellerverbände, der die gesamte skandinavische Literatur repräsentiert, zur Entscheidung übergeben und beantragen, jede weitere Zusammenarbeit mit der Reichsorganisation der deutschen Schriftsteller abzulehnen. Goering verletzt das Beamtengesetz. Die Pariser Zeitung „V u e" wartet mit einer Sensation auf. Sie hat festgestellt, daß die Dame, die demnächst der preußische Ministerpräsident und Luftfahrtminister des Dritten Reiches, Herr Hermann Goering, unter großem Pomp zu ehelichen gedenkt, die ehemals kleine Provinzschauspielerin und nun große Künstlerin Fräulein Sonr. e n m a n n väterlicherseits von dem berühmten Begründer der „Frankfurter Zeitung" Leopold Sonnenmann abstammt. Wenn das wahr sein sollte, so durchbricht der preußische Ministerpräsident höchst persönlich das Beamtengesetz des Dritten Reiches, nach dem es nicht einmal einem Nachtwächter in dem kleinsten Dorfe Hinterpommerns ertaubt ist, mit einer Frau nichtarischen Blutes verheiratet zu sein. Die künftige Ehegesponsin des großen Goering aber trägt diesen Makel, denn ihr berühmter Ahnherr war — Jude. Die neue polnische Verfassung. Am Samstag, den 23. März, haben der polnische Sejm und der Senat die neue polnische Verfassung verabschiedet, die hauptsächlich dadurch, charakterisiert ist, daß sie dem Präsidenten der Republik weitreichende Vollmacht e n anvertraut und daß das proportionale Wahlsystem durch ein System einfacher Mehrheiten ersetzt wird. Bekanntlich war die jüdische Bevölkerung in dem ersten Parlamenten der neuen polnischen Republik annähernd ihrer Zahl entsprechend vertreten; dies weil die Städte mit ihrem hohen Prozentsatz jüdischer Bevölkerung eigene Wahlkreise bildeten. Später wurde das Wahlgesetz in der Weise umgestaltet, daß di-a Städte mit rein ländlich-bäuerlichen Bezirken vereinigt wurden. Auf diese Weise wurden die jüdischen Stimmen majorisisrt, und nur dank dem proportionalen Wahlsystem konnten die Jud-en einige wenige Mandate im Sejm für sich sichern. Im Senat blieben sie ohne Vertretung. Nach der neuen Ordnung müßten die Juden, die in keinem Wahlkreise über eine absolute Mehrheit verfügen, ganz ohne Vertretung bleiben, es sei denn, daß sie mit anderen Parteien eine Koalition eingehen, was aber unter den heutigen politischen Verhältnissen in Polen höchstens mit dem Regierungsblock möglich ist. Wesentlich aber ist folgendes: Die neue Verfassung erkennt „allen Bürgern ohne Unterschied der Rasse, der Religion und der Nationalität Gleichheit vor dem Gesetz" zu. Bei der Abstimmung über die neue polnische Verfassung haben sich die Mitglieder des Jüdischen Klubs der Stimme enthalten. Vorher war beschlossen worden, gegen die Verfassung zu stimmen; als aber Ukrainer und Deutsche erklärten, daß sie sich der Stimme enthalten werden, folgten) die Abgeordneten des Jüdischen Klubs ihrem Beispiel. Premierminister Dr. Kozfowski gab aus Anlaß der Annahme der neuen Verfassung einen Empfang, zu welchem die jüdischen Deputierten des Regierungsblocks L. Minzberg, Rabbiner Lewrn und Senator Mendefsohn geladen waren. Der Regierungskommissär der Stadt Lodz hat den Beschluß der nationaldemokratischen Mehrheit des Lodzer Gemeinderats, daß die städtischen Preise für Kunst, Wissenschaft und Literatur nur an Arier verliehen werden sollen, als verfassungswidrig aufgehoben. Einen zum zweitenmal eingebrachten Antrag der Nationaldemokraten, in welchem die Entlassung aller jüdischen Beamten und Funktionäre des Magistrats und der städtischen Unternehmungen gefordert wird, ließ der Regierurtgskomthissär als verfassungswidrig zur Abstimmung nicht zn. was von den Nationaldemokraten mit Schülern versagt werden." Z. T. A

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