Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 13 (29.3.1935)
- Date
- 1935-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 13 — 29. März 1935 DIEv WAHRhTJT i * . 1>A *M« fev %T flJ Sy'l; 5 I #N ,H< ^4 iV ' fr: :ftf I Hü 'i Ii ' w1 ifr. ,; '*2 ' *w4> K it \ m m?.i b- *. ■-'S: - ' tZ Ihren BläctierbeeSarS decken Sie am besten and billigsten in der Buchhandlung — Aniiquartag HERMANN TD IHM ER. 1 a Hienli, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünste R 4L-4-20 Moderne LJüchcr können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Gebühren. Einzelne Bücher und gan^c Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Ihren Bedarf an den zu decken berühmten $ihmidl~J&La%%@th ist, die seine Anschauungen teilen. Die Mehrzahl der Stimmen, die aus dem jüdischen Lager in die Oeffentlichkeit dringen, gibt, soweit darin überhaupt eine gewisse einheitliche Linie wahrnehmbar ist, zu optimistischer Beurteilung weit weniger Anhaltspunkte." Da hat das christlichsoziale Blatt Recht. Es kennt die Juden, mag es von seinem Parteistandpunkt was immer gegen sie haben, als Vertreter des gesunden Menschenverstandes und ist daher zu dem Zweifel befugt, daß sie sich in nennenswerter Anzahl zu den abwegigen Ansichten des Herrn Kandl bekennen.... Besonders dumm ist es, die Assimilation der Juden an die Völker, deren Sprache sie sprechen und deren Kultur sie sich zu eigen gemacht haben, für das Unglück der Juden verantwortlich zu machen. Den Vogel schoß hierin jüngst Albert Einstein ab, der sich auf einem von der Frauengruppe des American Jewish Congress veranstalteten Bankett Aufsehen erregende Ausfälle gegen die „Assimilationsjuden" leistete. Es ist immer eine mißliche Sache, wenn ein Sterngucker sich in praktisch-irdische Dinge mischt. Einstein, der durch seinen wissenschaftlichen Rang stets eine repräsentative Rolle unter den deutschen Juden spielte, hat diese oft durch seine extrem pazifistische Einstellung in Verlegenheit gebracht. Erst vor kurzem hat er sich zu einer Revision seiner Anschauungen gezwungen gesehen, indem er unter dem Eindruck der Hitler-Aufrüstung vom absoluten Pazifismus zu einer Art pazifistischer Relativitätstheorie übergegangen ist, die angegriffenen oder bedrohten Staaten das Kriegführen zum Selbstschutz gnädigst gestattet. Ein Mann, der sich zu so einschneidenden Aenderungen seiner eigenen politischen Taktik entschließen muß, sollte es vermeiden, über die imiuiiimiiiuHniuuiiiiiiuiiiinBiBiimBifluiiuuiiniuiin s o B n et a B fl B fl B B B B * B ■ B B B B fl B fl B fl B ■ B B B B £tn TtsKswisfu wrirtl Sic iißerzeugen 7 Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Oftatütm (förodetzSkvj Zentrafe: Wien, 2. GSezirft, £eo&ofcZsgasse *3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63, Die Sttimiat-JVZazzotfä und das Fabrikat „yUassüc fcftmidf JH. JS5." (Mazzuih, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlidi in allen besseren Geschäften. MM**********M*******nM*nunumunmauuuwmnmnuMnmmuwmnn*t, politische Einstellung anderer apodiktische Verdauiniunäsurteiie zu fällen. Er sollte sich lieber an das schöne Wort halten, das dieser Tage der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg in .der Leopoldstadt gesprochen hat: Es ist notwendig, Weltanschauungen zu achten, sofern sie im Einklang sind mit dem Gedanken des Vaterlandes. Energisch trat der österreichische Regierungschef, der schon am Tage vorher sich scharf gegen den nationalsozialistischen Mythos des Blutes gewandt hatte, dafür ein, daß der Verhetzung Einhalt geboten werde. Und er fand bei der grandiosen Massenversammlung, der auch die jüdischen Frontkämpfer in geschlossener Formation beiwohnten, begeisterte Zustimmung, als er die Notwendigkeit betonte, daß auch Oesterreich imstande sei, mit eigenen Kräften dafür zu sorgen, daß seine Freiheit respektiert wird. - ■■■■■HiiiiHiiHimuiiuiuiiBaBai Cafe Pension Echsteln Semmaring Einem Oesterreich, das die Arbeit schützt und der Verhetzung keinen Raum gibt, das jede Weltanschauung achtet und der .ausländischen Giftsaat mit Entschiedenheit den Einlaß verwehrt, werden freudig alle Bürger die Treue halten, die die Stunde der Entscheidung heischt. In diesen Blättern wurde immer wieder davor gewarnt, die momentane Konjunktur in Palästina als eine Dauererscheinung zu betrachten, aus ihr Schlüsse zu ziehen, die in einer arbeitswilligen jüdischen Jugend die Illusion wecken müssen, daß in Palästina allein für sie die Möglichkeit einer gesicherten Existenz gegeben ist. Zugegeben, im jüdischen Palästina wurde in den letzten Jahren viel geleistet und diese jüdische Leistung hat einen wirtschaftlichen Aufschwung bewirkt, der in unserer Zeit der Wirtschaftskrise besonders beachtenswert ist. Aber abgesehen davon, daß nach ehernen ökonomischen Gesetzen diese erfreulichen Folgen einer sich rasch ausbreitenden wirtschaftlichen Betätigung nicht von Bestand sein können und daß bei dem früher oder später zu erwartenden Nachlassen der Betätigungsmöglichkeiten die leider nur zu gut bekannten Depressionserscheinungen sich gewiß auch in Palästina geltend machen werden, muß man sich immer wieder fragen, wer die eigentlichen Nutznießer dieser momentanen Konjunktur im Heiligen Lande sind. Haben wirklich die Juden, die mit ihrer Arbeit diese Prosperiiy geschaffen haben, auch den Vorteil davon? Auf diese bange Frage gibt mit anerkennenswerter Offenheit der Jerusalemer Korrespondent der „Neuen Freien Presse" Ernst Davis in einem Leitartikel dieses Blattes vom 20. März Antwort. Die Antwort fälät wohl nicht nach den -Wünschen jener aus, die alles, was in Palästina geschieht, gutheißen und ihm Ewigkeitswert zusprechen. Klipp und klar wird hier gesagt, daß den Vorteil der palästinensischen Aufwärtsbewegung nicht die Juden, sondern die Araber haben, denen die englische Mandatarmacht mit einer die Juden aufs gröblichste verletzenden. Sympathie gegenüberstehen. Also alle jüdische Plage — für den arabischen. Gegner. Und das nennt sich „nationale Heimstätte", mit diesem Phantom weckt man. -£^-&^V&fW$. f Hoffnungen in der Jugend, deren bitlere Enttäuschung man vor dem jüdischen Gewissen nicht verantworten wird können. Doch lassen wir Ernst Davis selbst sprechen, dessen Ausführungen über die Gefahr einer neuen jüdischen Minderheitsexistenz hoffentlich manchen Verblendeten die Augen öffnen werden: - Man liest kaum noch Berichte über Neugründungen von Fabriken1 oder Anlage neuer Pflanzungen, Dinge, die früher als Zeichen für die Forlschritte des jüdischen Nationalheims einen wichtigen Platz in den Zeitungen einnahmen, sie finden kein Interesse mehr. Verschiedene Symptome außerhalb der wirtschaftlichen Sphäre haben bewirkt, daß man sich fragt: „Wozu dient das alles eigentlich? Wofür gründen wir alle diese Dörfer, bauen wir diese Fabriken, wozu schaffen wir eine neue, rentable Landwirtschaft und errichten wir eine Industrie aus dem Nichts? Wofür bringen wir dieses alte, verwahrloste Stück Erde zu einer neuen Blüte? Geschieht es für uns und unsere Kinder oder für andere, die uns eines Tages in unserem eigenen Lande mehr oder weniger sanft den Stute vor die Tür setzen können, genau wie es heute in so vielen Diasporaländern geschieht?" Wohl kommen nach wie vor mit jedem Schiff jüdische Einwanderer ins Land. Aber stärker noch ist der offiziell unkontrollierte Zustrom von Arabern spürbar. Die jüdische1 Einwanderung und die wirtschaftliche Blüte, die als der große reale Fortschritt dieser drei Jahre betrachtet wurden, verlieren damit ihren Wert. Wohl hat die Jewish Agency berechnet, daß die Juden jetzt 23 Prozent der Bevölkerung Palästinas (ohne das Ostjordanland) ausmachen, gegen knapp 17 Prozent bei der Volkszählung vom November 1931. Aber diese Ziffer gründet sich nur auf die offiziellen Angaben über dien arabischen Bevölkerungsüberschuß, und diese enthalten die legale arabische Einwanderung nicht Amtliche Ziffern, die dem transjordanischen Korrespondenten des angesehenen hebräischen Blattes „Haaretz" mitgeteilt wurden, zeigen aber, .daß allein in den letzten beiden Monaten nur aus den Bezirken Syriens und Transjordaniens 6050 Araber nach Palästina gekommen sind. Dazu muß man die arabische Immigration aus anderen Gegenden und Ländern rechnen, über die keine Angaben vorliegen. In derselben Zeit dürften nur wenig mehr als 8C00 Juden in Palästina zugelassen worden sein, wenn man die hohe Januarziffer als Maßstab nimmt. Bedenkt man ferner, daß der arabische Geburtenüberschuß im Monatsdurchschnitt reichlich 1800 Seelen beträgt, der jüdische dagegen zwischen 300 und 400 liegt, so ergibt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit, daß die arafafsche Bevölkerungsvermehrung größer ist als die jüdische. Dazu kommt nach dem Empfinden der Juden auch die Wirkung der englischen Politik wieder mehr als früher. Nach Bewilligung der letzten Arbeiterzertifikate für die sechs Monate vom 1. Oktober 1934 bis zum 3L März 1935, deren1 Zahl hinter den Hoffnungen zurückgeblieben war, dk man der Jewish Agency gemacht hatte, war wieder eine nachträgliche Erhöhung für den Anfang dieses Jahres in Aussicht gestellt worden. Es sollte sieh um etwa 5000 Ergänzungszerrifikate handeln. Aber aus dieser Erhöhung ist nichts geworden. Statt dessen ist der Agency jetzt nur ein Vorschuß auf die nächste, schon am 1. April fällige Quote, und zwar nicht von 5000, sondern nur von 1000 Zertifikaten zugesagt worden, der bei Enteihmg der Quote, also schon in den nächsten Wochen wieder abgezogen wird. Das ist ein deutliches Abschwenken von der Politik des vorigen Halbjahres. Aus dieser veränderten Haltung zieht man besonders nach der vorangegangenen Zusage einer nachträglichen Vergrößerung der letzten Zertiiikatsziffer den Schluß, daß die Mandatsverwa'itung trotz des Arbeitermangels den jüdischen Repatrianten die Tore ihres Landes zum mindesten nicht weiter öffnen will als bisher. Man fängt gezwungenermaßen an, sich Gedanken darüber zu machen, daß die Mandatsverwaltung es bisher unterlassen hat, ihre Wirtschaftspolitik den neuen Verhältnissen anzupassen, die durch die Einwanderung geschaffen wurden. So droht auf die Dauer auch die wirtschaftliche Entwicklung, unabhängig von der direkten gesetzlichen Einwanderungsbeschränkung, immigrationshemmietid zu wirken, falls die Mandaisverwaltung sie nicht in einem die Absorptionsfähigkeit des Landes vergrößernden oder wenigstens erhaltenden Sinne reguliert. Aber dafür sind einstweilen keine Anzeichen vorhanden. Vor den Juden taucht daher das Gespenst einer neuen Minderheitsexistenz auf, und zwar, was die Tragik und zugleich die Schwierigkeit der Lage verschärft, in ihrem eigenen Lande inmitten einer halbzivilisierten Majoritätsbevü!- kerung. Alles das aber hat zur Folge, daß trotz der augenscheinlich befriedigenden Lage sich bei den Juden mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, daß sie mit England und natürlich auch mit den anderen daran interessierten Mächten das Pa'äsiinaproblem aufs neue von Grund auf durchberaten müssen, um eine Aenderung der h e u t i g e n M a n d a t s p o 1 i t i k zu erreichen. Marf fürchtet, daß die Repatriierungsbewegutig sonst mit einer Katastrophe. en,den könnte. r.y&??gjFm%!^täf&2Z^