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Die Wahrheit · 1935-03-22 · Heft 12 (22.3.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 12 — 22. März 1935 DIE WAHRHEIT ff ifsr '& i Pessach in Palästina j i Der Palestine & Orient Lloyd, die jüdische Weltorganisation für Palästi-; nareisen, Vertretung für Österreich: : ■ Reisebüro City Dr. I.H.Körnar, : I Wien I. Bezirk« Kohlmarkt 8, : S veranstaltet auf dem beliebten italien « l Ozeandampfer „Saturnia" : | (24.000 t) eine j | Gesellschaftsreise j { nach Palästina ( I Verlangen Sie Prospekte! | ^»^■«■■■■■■■■■■■■■■■»»■"■«■■■■■■■■■■■■■■■■■■■"■■■■■■■"■■■■■■■■■■■■■■■■h'* Aus der braunen Hölle. Wie die „Pommersche Zeitung" in Stettin berichtet, sagte in Stettin auf dem Landesbauerntag Pommerns Landesbauerntührer Bloedorn in seiner Ansprache: „Der Jude, der ewige Feind des arischen Menschen, ist immer da, und er wird immer versuchen, sich auf irgend eine Art und Weise die Macht anzueignen. War haben dafür zu sorgen, daß die Juden nicht unterstützt werden. Wenn sie dann ohne Arbeit kein Geld verdienen, dann gehen sie von selbst aus Deutschland. Wir müssen uns von dem Gedanken freimachen, daß es anständige Juden gibt. Es gibt keine anständigen Juden." In einer Versammlung des „Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen", Bezirk Tübingen, hielt Universitätsprofessor Dr. E i s s 1 e r - Tübingen einen Vortrag über den Rassegedanken im bürgerlichen Recht Er sagte u. a.: Das Recht habe die Aufgabe, die Volksgenossen arischer Abstammung vor fremdrassiger Beimischung zu schützen und das vorhandene gute Erbgut zu fördern. Es gäbe in Deutschland zwar keine einheitliche Rasse, die Bevölkerung gehöre vielmehr fünf verschiedenen an, die alle hohen Wert hätten. Im allgemeinen werde das künftige bürgerliche Recht auf rassischer Grundlage beruhen. Für Staatsangehörige nichtarischer Herkunft sei eine Fremdengesetzgebung zu schaffen; die MischKngsfrage müsse gelöst werden. Erst wenn die Rassegesetzgebung in allen Einzelheiten durchgeführt sei, werde die Zeit gekommen sein, den Rassegedanken in den allgemeinen Teil des bürgerlichen Rechts einzubauen. Wie der „Westdeutsche Beobachter" in Köln mitteilt, ist das in Köln erscheinende „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden in Rheinland und Westfalen" wegen Verächtlichmachung des nationalsozialistischen Rasseempfindens und einer dreisten Beschimpfung des „Westdeutschen Beobachters" auf drei Wochen verboten worden. Der verantwortliche Redakteur. Fritz Neuländer, ist von der Staatspolizei in Schutzhaft genommen worden. Der „Westdeutsche Beobachter" bemerkt hierzu u. a.: „Anstatt die Leser des jüdischen Gemeindeblattes zu der Bescheidenheit anzuhalten, die ihnen als uneingeladenen Gästen des deutschen Volkes zukommt, hatte der Redakteur Neuländer einen zynischen Artikel verfaßt, der im Weltbühnen-Stil den „Westdeutschen Beobachter" und seinen Aufk'.ärungskampf in der rheinischen Bevölkerung zu ironisieren versuchte. * Der landwirtschaftliche Gaufachberater der NSDAP, Gau Franken, erläßt eine Anordnung, in der Bestimmungen über die Lieferung von Schlachtvieh zu dem Nürnberger Schlachtviehinarkt getroffen werden. Zum Schluß der Anordnung heißt es: ..Von der Bauernschaft wird erwartet, daß sie ihr Vieh ausschließlich an arische Händler und Genossenschaften abliefert und nunmehr endgültig den jüdischen Händler meidet. Mit besonderer Schärfe wird gegen diejenigen vorgegangen, die diese Anordnung in irgendeiner Form zu umgehen versuchen." f Ii TSE Nach einer Mitteilung im Aerzteblatt für Berlin vom 10. März 1934 betrug Mitte 1933 die Zahl der Aerzte 655*. davon 3-523 — 52.2 Prozent Nichtarier. Am 31. Juli 1934 befus die Zr.hl 6118. davon 2549 41.2 Prozent Nichtarier. H':: 7j drr N-cbfppr hot ^>h n'so innerhalb eines Jahres um 874 vermindert. Dieser Gesamtabgang der Niclitr:rier setzt?;ch zusammen ."us einem Verlust von 951 und einem Zugang von 77 nichtarischen Aerzten. Interessieren dürite noch, daß nach dem Stande des Friihjnhrs 193-1 in Berlin von 3157 Kassenärzten insgesamt 135P —43 Prozent nichtarische Aerzte waren und daß in ganz Deutschland nach dem Stande im Frühjahr 1934 von zirka 32.000 Kassenärzten insgesamt 3641 11,4 Prozent Nichtarier waren. Starkes Rauchen verursacht Bildung gelber, brauner oder schwarzer Beläge auf den Zähnen. Für Raucher und Raucherinnen ist daher die regelmäßige, täglich mehrmalige Zahnpflege mit OdoJ'-Zahnp a s t a eine unbedingte Notwendigkeit, wenn sie der Verfärbung der Zähne vorbeugen wollen. Odol-Zahnpasta reinigt die Zähne sicher, ohne den Zahnschmelz anzugreifen, Odol-Zahnpasta hat infolge ihres hohen Gehaltes an kolloidalen Bestandteilen die größte Absorptionskraft; sie beseitigt daher alle Unreinigkeiten, unangenehmen Gerüche und alle Farbstoffe, die etwa durch Rauchen, Speisen und Getränke an den Zähnen haften und ihre Verfärbung herbeiführen können. Odol- Zahnpasta macht weiße Zähne und verleiht reinen Atem. Antisemitismus an der Prager Deutschen Universität. An einigen Instituten der Prager Deutschen Universität wurden, als der Saal zur Projektion verdunkelt wurde, plötzlich politische Flugblätter verteilt. Darin heißt es: „In letzter Stunde rufen wir euch auf zur Rettung der Deutschen Universität in Prag! Die Veriudung der Professorenschaft der ältesten deutschen Hochschule ist bereits unerträglich geworden. An der philosophischen Fakultät lehren 20 Prozent jüdische Professoren und an der juridischen Fakultät über 40 Prozent jüdische Professoren. An der naturwissenschaftlichen Fakultät haben die Juden mit 65 Prozent bereits die absolute Mehrheit im Professorenkollegium erreicht. Weitere Veriudung droht! Dem arischen Nachwuchs wird jedwede Möglichkeit einer wissenschaftlichen Betätigung geraubt. Manche Institute sind heute schon zu 100 Prozent jüdisch. Sie sind damit dem deutschen Volk verloren gegangen. Bei weiterem Anhalten dieser Entwicklung haben wir in zehn Jahren keine deutsche Universität mehr. Durch die Untätigkeit der Professorenschaft ist die Studentenschaft zur Selbsthilfe gezwungen. Kommilitonen! In eueren Händen liegt das Schicksal der Alma mater Pragensis Germanica antiquissima. Setzt euch zur Wehr! Erfüllt euere Pflicht bis zum letzten Mann! Bildet Streikausschüsse! Bereitet den allgemeinen Hochschul streik vor! Die Parole: Kein jüdischer Professor mehr an die Deutsche Universität zu Prag!" Die Rektoratskanzlei hat sich sofort mit den Führern der völkischen Studentenschaft in Verbindung gesetzt, doch diese haben erklärt, der Verfassung und Verteilung der Flugblätter fernzustehen. Von Grenze zu Grenze. Im neuesten Heft der Pariser „C a h i e r s J u i f s" spricht Maxime Piha über die ausweglose Lage der jüdischen Emigranten: „Da sind die Juden, die vor den Schrecken des Bürgerkrieges aus Rußland geflüchtet sind, jene anderen, die die braunen Nazibanden aus Deutschland vertrieben, und jene, die Opfer der Umgestaltung in Zentraleuropa wurden. Man kann sie nicht in ihr Land abschieben: sie haben kein Vaterland mehr. So schiebt man sie einfach über die nächste Grenze ab. Wenn sie sich in Frankreich befinden, so erhalten sie den Befehl, in 48 Stunden über der Grenze zu sein; sie gehen nach Belgien, wo man sie ein paar Tage beherbergt: dann schiebt man sie wieder ab; sie gehen nach Luxemburg, werden auch da abgeschoben, kommen nach Frankreich zurück, und der höllische Kreislauf, würdig der Verdammten Dantes, geht weiter. Nirgends dürfen sie Wurzel fassen, überall sind sie verdächtig . . . Und der Ewige Jude fragt seine glücklicheren Brüder und - die Völker: ,Wie lange n o ch?' " Ärierparagraph im Lodzer Magistrat Der Lodzer Gemeinderat hat mit seiner nationaldemokratischen Mehrheit beschlossen, alle in den städtischen Unternehmungen von Lodz und im Lodzer Magistrat angestellten jüdischen Beamten und Funktionäre zu entlassen. Die Entlassungen sollen spätestens binnen drei Monaten erfolgen; die Kündigung der jüdischen städtischen Beamten und Angestellten soll bereits am 1. April vor sich gehen. In der vorletzten Sitzung hatte der Lodzer Gemeinderat die Streichung aller Subsidien für jüdische Erziehungs-, Kultur- und Sozialarbeit und den Ausschluß jüdischer Künstler und Schriftsteller von dem Genuß künstlerischer Stipendien und Preise beschlossen. Alle diese Beschlüsse stehen im Widerspruch zur polnischen Verfassung. Man nimmt an, daß die Nationaldemokraten die Beschlüsse demonstrativ faßten, weil sowieso mit der Auflösung des Gemeinderats durch die Regierung in den nächsten.Tagen gerechnet wird. Z. T. A. Dr. Kaminka nach Cordova eingeladen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, ist der Leiter des Wiener Maimonides-Institutes, der bekannte jüdische Gelehrte und Maimonides-Forscher, Rabbiner Dr. Armand Kaminka, von dem unter Patronanz der spanischen Regierung stehenden offiziellen Komiteee zur Feier des 800. Geburtstages von Moses ben Maimon in Cordova zur Teilnahme an den Feierlichkeiten und wissenschaftlichen Veranstaltungen, welche in der Zeit vom 25. bis 31. März in Cordova stattfinden werden, eingeladen worden. Die mit einer hebräischen Ueberschrift versehene Einladung spricht in Worten der höchsten Verehrung das aus, was. die Stadt Cordova für ihren großen Sohn Moses ben Maimon empfindet, auf den sie ebenso stolz ist, wie auf Seneca und Averroes, die ebenfalls in Cordova geboren sind. Dr. Kaminka wird als offizieller Vertreter des Wiener Maimonides-rnstitutes an den Feierlichkeiten teilnehmen und einen Vortrag über Maimonides halten. GROSSFLEISCHHAUERE8 WIEN IX., BERQGASSE KR. 19 FILIALE ■ XVIII., W&HRING1RSTRASSE 17 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbtellungenffirKoscherfieisch «Maler Aufsieht des ehrar. Rabbinates dar Ist. KtiltusgemeHide Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises ____________r»jasspfisf*>«a©«9sssie Otto von Habsburg an die jüdischen Frontkämpfer. Im festlich geschmückten Saal des Militärkasinos fand Sonntag vormittags eine sehr eindrucksvolle Feier statt. Den jüdischen legitimistischen Frontkämpfern wurde ein Handschreiben Otto Habsburgs überreicht, der das Protektorat über den Verband übernommen hat und den jüdischen Frontkämpfern in herzlichsten Worten Dank und Anerkennung ausspricht. Nach einer Ansprache des Leiters der Vereinigung, General Sommer, verlas Prinz Johannes Liechtenstein — in Vertretung Herzogs Max von Hohenberg — das Begrüßungsschreiben Ottos, das folgenden Wortlaut hat-. „Lieber Generalmajor Sommer! Eine von Ihnen geführte Deputation der Vereinigung der Legitimistischen Jüdischen Frontkämpfer hat mich unter Versicherungen unerschütterlicher Treue um die Uebernahme des Protektorats gebeten. Ich gebe dieser Bitte statt, denn Sie alle haben in ernsten Tagen Kaiser und Reich die Treue gehalten. Mit ihren christlichen und islamitischen Kameraden haben die jüdischen Soldaten das Los der Frontkämpier auf sich genommen — Not und Gefahr, Wunden und Tod. Sie haben sich damit einen Anspruch auf die Achtung der Welt und den Dank ihres Kriegsherrn erworben. In der Erinnerung an. die Bewunderung, die meine Vorfahren, namentlich mein erlauchter Urgroßoheim und mein heißgeliebter kaiserlicher Vater, allen braven Kriegern gezollt haben, spende auch ich Ihnen meine Anerkennung. — Jede Erinnerung an den Weltkrieg mahnt uns, der toten Helden nicht zu vergessen. Auch die Juden im kaiserlichen Heere dürfen aui Taten hinweisen, die schmerzliche Blutopfer verzeichnen. Aller jener, die in Erfüllung ihrer beschworenen Pflicht fielen oder starben, gedenke ich in Ergriffenheit. Den Ueberlebenden aber entbiete ich meinen kaiserlichen Gruß. — Das mitfolgende Bild sei Ihnen allen ein Zeichen meines Dankes. In der Verbannung, am 31. Dezember 1934. Otto e. h." General Sommer dankte herzlichst für die Uebernahme des Protektorats. Es sprach sodann der ehemalige Feldzeügmeister Ing. Ferdinand v. Goglia, derzeit Hausadministrator im Palais Esterhazy, einst Kommandant der Heeresgruppe Südtirol. Mit dem Radetzky- Marsch, dem Kaiserjägermarsch und dem Deutschmeistermarsch wurde die schöne Feier abgeschlossen. | Dr. Jindfich Kohn, Prag | In seiner Prager Wohnung verstarb vorigen Dienstag nachts der bekannte Advokat, Politiker und Publizist Dr. Jindfich Kohn, der geistige Führer der sprachlich und kulturell tschechisch orientierten Juden in der Tschechoslowakei (Cecho-Juden). Dr. Jindfich Kohn nahm auch im allgemeinen öffentlichen Leben der Tschechoslowakei einen geachteten Rang ein. Noch vor Jahrzehnten war er einer der engsten politischen Mitarbeiter und Mitkämpfer Prof. Masaryks. Während der jüngsten repräsentativen Feier der Prager Jüdischen Gemeinde anläßlich des 85. Geburtstages des Präsidenten Masaryk hielt Dr. Jindfich Kohn im Festsaal des Alten jüdischen Rathauses dfe Festrede, in der er betonte, daß Masaryks gerechte Einstellung zu Juden und Judentum und sein Kampf gegen Antisemitismus sowohl seinem universalen Gerechtigkeitsgefühl als auch seinem Willen, sein Volk von der antisemitischen Pest zu befreien, entspringen. . Jindfich Kohn wurde, am 7. März 1874 in Pfibram geboren. Nach Absolvierung der Rechtsstudien an der tschechischen Universität in Prag wurde er Advokat in Pilsen. Seit seinen Studienjahren war er in der tschechisch-jüdischen und in der fortschrittlich-studentischen Bewegung tätig. Er war ein hervorragendes Mitglied der von Professor Masaryk geführten Realistischen Partei, für welche er auch im Jahre 1911 in Pilsen in den Reichsrat kandidierte. Er befaßte sich intensiv mit den Fragen des Regional ismus. der nationalen Assimilation, des Marxismus und des Industrialismus. Er war nuch Tjubliziistisch tätig und* verfaßte viele Arbeiten auf dem Gebiete der Soziologie und der Philosophie. Auch seine Vortragstätigkeit war jsehr umfangreich. Nach dem Umsturz übersiedelte er nach Prag und war wiederum im öffentlichen Leben, insbesondere in der paneurcnäischen Bewegung und in jder Lösung regionalistischer Probleme tätig. Er war der erste Vizepräsident der Paneuropäischen Union.; *ite&m vs&t*Bn>&gmm

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