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Die Wahrheit · 1935-03-22 · Heft 12 (22.3.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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f;$W!T—''"/^^z?v ^^^W^^^m^^f^iSP^K^Kt niF WAHRHEIT Nr. 12 — 22. März 1935 Seite 5 ten Weltkongreß entgegenbringt, der — entgegen den ursprünglich geäußerten Absichten — anscheinend doch nur eine neue Tribüne der Jüdischnationalen aller Herren Länder für ihre politischen Zwecke werden soll. Die Tschechoslowakei schützt ihre Staatsbürger in Deutschland. Vor einigen Monaten hatte Abg. Dr. G o 1 d s t e i n fin Außenminister Dr. B e n e § eine Anfrage gerichtet, die sich auf das Schicksal der durch die deutsche Reoluiion und den Judenboykott geschädigten tschechoslowakischen S t a a t sb ü rge r bezog. Die soeben ergangene Antwort des Ministers Dr. Benes lautet u. a.: hu Außeriministerium sind bereits im März 1933 einige Fälle von \Boykott und Persek u t i o n in Deutschland" dauernd lebender tschechoslowakischer Staatsbürger gemeldet worden. Darum hat das Ministerium den Konsularämtern der Tschechoslowakei den Auftrag erteilt, in allen gegebenen Fällen zugunsten der betroffenen tschechoslowakischen Staatsbürger zu intervenieren. In einigen Fällen hatte das Einschreiten auch Erfolg und der Boykott wurde auf den Hinweis resp. auf die schriftliche Bestätigung des tschechoslowakischen Konsulats, daß es sich um einen tschechoslowakischen Staatsbürger handelt, aufgegeben. Anderswo dauert der Boykott weiter: er war doch nicht im Prinzip gegen tschechoslowakische Bürger als solche gerichtet. Einige tschechoslowakische Staatsangehörige haben ihre Interessen dadurch geschädigt, daß sie aus Angst, verhaftet oder sonst verfolgt zu werden, rasch abgereist sind. Besser haben ihre Interessen jene geschützt, welche geblieben sind und das Konsulat um seinen Schutz ersucht haben. Der bisherige Rechtszustand hat keine genügende Handhabe zur Geltendmachung der Geschädigten auf dem Rechtswege geboten. Nun ist in Deutschland ein neues Gesetz über Ausgleich von Zivilrechtsansprüchen auf Ersatz der Einzelpersonen infolge des nationalsozialistischen Umsturzes erwachsenen Schadens herausgegeben worden. Das Ministerium wird die nötigen Vorkehrungen treffen, um die Möglichkeiten auszunützen, welche durch dieses Gesetz gegeben sind. Abschluß des ungarisch-jüdischen Landeskongresses. Ueber die letzten Sitzungen und den Abschluß des neologen jüdischen Landeskongresses ist noch zu berichten: Während des dritten Beratungstages, an dem die Spezialdebatte über den Ergänzungs-Starutenentwurt der Kongreß-Organisation des ungarländischen Judentums fortgesetzt wurde, stattete der frühere Staatssekretär im Kultusministerium. Dr. Paul P e t r i, dem Landeskongreß einen Besuch ab und wurde vom Präsidenten Hofrat Samuel Stern mit sehr herzlichen Worten begrüßt Dr. Petri erwiderte u. a.: „Wie Sie wissen, hat der große Kultusminister Baron Josef E ö t v ö s den ersten Kongreß als Tagung des Gesamtiudentums eröffnet, und er war von der bald eingetretenen Spaltung schmerzlich berührt. Ich freue mich, daß die ruhige würdevolle Beratungsweise dieses Kongresses viele Mißverständnisse beseitigen, dem Frieden dienen und eine solche Atmosphäre schaffen wird, die die verschiedenen Richtungen innerhalb des Judentums einander näherbringen kann." Dem Gast wurden große Ovationen bereitet. In zweitägiger intensiver Beratung wurden die einzelnen Abschnitte des Statutenentwurfs behandelt und auch in zweiter Lesung verabschiedet. Zur Behandlung der zwecks Neutextierung zurückbehaltenen Bestimmungen und zur dritten Lesung berief Präsident Stern den Landeskongreß für Mittwoch, den 20. März ein. Oberhausmitglied Dr. Imanuel Low, Oberrabbiner von Szeged, richtete hierauf an den Kongreß folgende Ansprache: Hoher Landeskongreß! Mein sehr geehrter Freund PauISändor hat von Wundern gesprochen und unter diese Wunder die Tatsache gereiht, daß unser hochverehrter Herr Präsident die Einberufung dieses Kongresses durchzusetzen vermochte. Ein noch größeres Wunder ist, daß diese Tagung in so verständnisvoller Harmonie verlaufen ist. Ries ist in erster Reihe, das "Verdienst des Herrn Präsidenten Samuel Stern. Ich bin bereits über das Alter hinaus, das die Heilige Schrift als Zeit des Vollbesitzes der Lebenskraft bezeichnet. Der Herr Präsident ist viel jünger als ich, und so ist er im Vollbesitz dieser Kraft. Mein Wunsch ist nur, daß der Allmächtige diese Kraft dem ungarischen Judentum noch recht, recht lange erhalte, Ihnen allen aber seinen Segen spende! Unter begeisterten Eljenrufen der Mitglieder des Kongresses schloß Präsident Stern die Sitzung. Neuer politischer Kurs in Ungarn? Ungarn steht gegenwärtig im Zeichen der Wahlen. Wie aus Budapest telegraphiert wird, wurden in Ungarn am Sonntag übet* 1000 Wählerversammlungen abgehalten. Im Mittelpunkt standen die Wahlreden des Ministerpräsidenten Gömbös in Szegedin und des Grafen Stephan Bethlen in Groß-Kanizsa. Ministerpräsident Qömbös erklärte: Ich verurteile jedes Parteigebilde mit Klassenherrschaftstendenz und halte auch ein R egime auf konfessioneller Grundlage für unzulässig. Jeder Mann verdient Achtung und Verehrung, der den einzigen wahren Gott nach seinem Glauben anbetet. Die Religion darf niemals zu einem politischen Instrument werden, weil sie dann die E i nheit der Nation zerstören würde. Demgegenüber warf der frühere Ministerpräsident Bethlen Gömbös vor, er habe die Rassenschutz-Partei wieder ins Leben rufen wollen. Bethlen fügte hinzu, ein Wiederaufflammen des Antisemitismus sei zurzeit unmöglich, weil Ungarns wirtschaftliche und finanzielle Lage im gleichen Augenblick zusammenbrechen würde. Aehnliche Methoden des Nationalsozialismus hätten Deutschland in eine I so- 1 i e r u n g geführt. Ungarn würde aber eine solche Isolierung nicht ertragen. Es sei zu befürchten, daß die tausendjährige ungarische Verfassung zu einem Versuchskaninchen gemacht würde, um bizarre, aus dem Ausland importierte Ideen anzuwenden. Polen lehnt jüdischnationale Schulen ab. Die Bildungskommission des Sejm befaßte sich mit dem Antrag des jüdischen Klubs auf Schaffung von Staatsschulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache. Der Antrag wurde noch vor fünf Jahren vom Abgeordneten Jizchak Grünbaum eingebracht, seine Behandlung jedoch immer wieder zurückgestellt. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Regierungsfront und der Nationaldemokraten abgelehnt. Sogar in Polen, wo die Zusammendrängung der jüdischen Bevölkerung in einzelnen Städten und Gebieten ein separates Schulwerk für diese jüdischen Massen akzeptabel erscheinen läßt, lehnt die Regierung die Schaffung von jüdischen Staatsschulen ab. Diese Ablehnung wird jenen unserer Jüdischnationalen, die noch immer von einem ähnlichen Schulwerk auch bei uns in Oesterreich träumen, eine arge Enttäuschung bereiten. Denn es kann ihnen von Freund und Feind nun eingewendet werden, daß, was für Polen recht, für Oesterreich gewiß billig ist. In Oesterreich sind, das wissen alle Einsichtigen, bei weitem nicht solche Möglichkeiten für ein jüdischnationales Schulwerk gegeben wie in Polen, dennoch gibt es nach wie vor bei uns Unentwegte, die ein solches Schulwerk mit aller Gewalt einrichten wollen. Sie können nun auf Polen verwiesen werden, wo trotz der besseren Möglichkeiten die Regierung von jüdischnationalen Schulen nichts wissen will. Morgen Samstag, den 23. März 1935, 8 Uhr abends in sämtlichen Festsälen des Handelsmuseums, Wien IX, Berggasse 16 i Große Purimf eier dar „Union" Erstklassige Akademie Erwin Engel und Kurt Karsten (beide auch im Solo) konferieren das folgende Starprogramm: Meiler und Wagner, die Urkomischen, Elly Bauer, Dfeeuse, Jakob Feldhammer, Rezitationen, Hans Horwitz, Klavierhumorist, Dr. Otto Kaperl, Violine. Alexander Szekeli, Karikaturist. Tanz — Unterhaltung Roosevelt und die arische Großmutter. Pressevertretern, die an ihn die Frage richteten, ob die von gewisser Seite ausgestreuten Behauptungen, daß seine Ahnen Juden waren, wahr seien, erklärte Präsident Roosevelt: »Meine Ureltern kamen vor etwa 300 Jahren aus Holland nach Amerika. Ob diese meine aus Holland stammenden Ahnen Juden, Katholiken oder Protestanten waren — diese Frage beunruhigt mich nicht; mir genügt es, daß sie guteBurgefund gottesfürchtig waren." Die polnische Intervention in Danzig. Die Intervention des polnischen Generalkommissars beim Senatspräsidenten in der Frage des antijüdischen Boykotts und der Verbreitung der Streicherschen Hetzschrift „Der Stürmer" hat in jüdischen Kreisen starke Befriedigung ausgelöst, zumal es seit der Aera der Verständigung zwischen Polen und Danzig das erste Mal ist, daß Polen einen Schritt zum Schutze der Juden Danzigs unter Berufung auf die Verfassung und die Pariser Konvention unternimmt Bekanntlich hat auch Polen im sogenannten Hafenabkommen, auf das sich der polnische Generalkommissar in seiner Intervention ebenfalls berufen hat, ausdrücklich die freie wirtschaftliche Betätigung nicht nur der polnischen, sondern auch der Danziger und aller anderen Juden in Danzig vom Senat gefordert. Das „Danziger Echo", das Organ der jüdischen Bevölkerung Danzigs, unterstreicht die Bedeutung dieses Schrittes und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Antwort des Senats auf die Intervention des Generalkommissars, die in Form eines schriftlichen Memorandums erfolgte, um so mehr positiv ausfallen wird, als die Intervention beweist, daß Polen ein starkes Interesse an der Freiheit der wirtschaftlichen Betätigung der Juden in Danzig, und zwar schon im Interesse der Danzig-polnischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, besitzt Wie notwendig der Schritt des Generalkommissars war, beweist die Tatsache, daß unbeschadet der Verwarnung des Senats an die Hitlerjugend der Boykott jetzt wieder in der allen Form auflebt An Stelle der HKarten iu S 3.— und S 2.- (Jugend-Union) im Sekretariat der »Union«, Wien IX-, Berggasse 4 verwarnten Hitlerjugend tritt jetzt der nationalsozialistische „Band deutscher Mädchen" aui. dessen Mitglieder neuerdings in Zoppot Boykottzettel verteilen. Das jüdische Sporthaus in Danzig zerstört. Das Haus der jüdischen Sportler in Danzig wurde in der Nacht von bisher unerkannt gebliebenen Tätern überfallen. Die gesamte Inneneinrichtung wurde vollkommen zerstört. Als Polizei eintraf, waren die Täter verschwunden. - Z. T. A. Der Vatikan tür Zollschans Rassenkonferenz. Die Olmützer katholische Zeitung „N a s i n e c", die über gute Informationen aus dem Vatikan verfügt, schreibt: „Die jüngst abgewickelte Enquete der „Prager Presse" über die Rassenfrage hat auch im vatikanischen „Observatore Romano" Beachtung gefunden, das besonders auf die Kundgebung von Dr. J. Z o 11 s c h a n in Karlsbad aufmerksam wurde. Zollschan hatte eine Konferenz über die Rassenfrage angeregt, die in der Tschechoslowakei stattfinden soll. Hierzu erfahren wir, daß die vatikanischen Kreise diese Anregung zustimmend aufgenommen haben und grundsätzlich wurde die Beteiligung katholischer Professoren, Theologen und Soziologen von päpstlichen Universitäten zugesagt. Ursprünglich hätte der Kongreß in Prag stattfinden sollen, jetzt aber hat die katholische Universität in Freiburg (Schweiz) dem Kongreß die Gastfreundschaft angeboten. Es wird dies die erste Gelegenheit sein, wo katholische Theologen und jüdische Wissenschaftler auf diesem Gebiete zusammentreffen werden." Antisemitische Propaganda in Amerika. Der von den deutschen Hakenkreuzlern gestützte antisemitische Präsidentschaftskandidat M c F a d e n betreibt eine umfangreiche Propaganda auch mittels Postversand antisemitischer Schriften. Generalpostmeister Farley hat hierüber eine Untersuchung angestellt, um einen derartigen Mißbrauch der Post in Zukunft verhindern zu können. * American Jewish Committeee verurteilt in einer Erklärung scharf die Politik jener Kreise, die dafür eintreten, daß Juden ihre staatlichen Positionen aufgeben, um die Antisemiten nicht zu provozieren. Antijüdische Propaganda, heißt es in der Erklärung, ist nicht so sehr gegen die Juden wie gegen die Regierung gerichtet. * Allein durch den Umstand, daß Juden in Amerika nicht mehr deutsche Waren kaufen, hat sich der Import deutscher Waren um 25% vermindert; die tatsächliche Verminderung dieses Imports ist weit größer. Z. T. A. Vaida Voevod abgesetzt. Der Exekutivausschuß der Nationalen Bauernpartei hatVaidaVoevod von der F u n k t i o n des Obmannes der Organisationen der Bauernpartei in Transsylvanien und im Banat enthoben. Die Funktion wurde provisorisch dem Parteivorsitzenden Mihalache übertragen. Durch diese Aenderung hat die Nationale Bauernpartei die Kampagne Vaida Voevods für die Einführung des Numerus clausus im sozialen Leben Rumäniens verurteilt.

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