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Die Wahrheit · 1935-03-22 · Heft 12 (22.3.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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nffi WAHRHEIT Nr. 12 — 22. März 1935 Seite 7 Spezialhaus für Wolle und Striokgarne Moritz Nagel Wien, 2.. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69 Saul Chajes Nach langer, schwerer Krankheit ist dieser Tage im 51. Lebensjahre der langjährige Archivar und Bibliothekar der Wiener Kultusgemeindebibliothek. Saul Chajes, verschieden. Saul Chajes, der ein Neffe des verstorbenen Oberrabbiners Prof. Chajes war, hat den Leiter und Direktor der Gemeindebibliothek, Regierungsrät Wachs tein, mit dem er gemeinsam an der Ausgestaltung dieser großen jüdischen Bibliothek erfolgreich Bewirkt hat, nur um wenige Wochen überlebt. Mit Saul Chajes ist ein bedeutender Gelehrter dahingegangen. Der Verstorbene war insbesondere auf dem Gebiete der hebräischen Bibliographie eine wahre Leuchte. Er hat eine Reihe bedeutsamer Arbeiten aui diesem Gebiete geüeiert. Ein Standardwerk, „Pseudonymen-Lexikon der hebräischen und jiddischen Literatur", in hebräischer Sprache im Jahre 1933 erschienen hat Saul Chajes zum Verfasser. Dieses Werk, das an die 5500 Schriftstellernamen und -sigelh enthält und das hebräische, jiddische und jüdisch-deutsche Schrifttum jus 1500 Jahren umfaßt, zählt heute schon zu einem der unentbehrlichsten Nachschlagewerke. Anläßlich des '5jährigen Direktorjubiläums des Regierungsrates Wachsein wurde Saul Chajes vom Präsidium der Kultus- Gemeinde mit der Herausgabe einer Festschrift betraut, die einen ausgezeichneten Ueberblick und Querschnitt der Arbeiten Wachsteins in chronologischer Reihenfolge gab. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 17. d., unter außerordentlicher Beteiligung der jüdischen Bevölkerung Wiens und zahlreicher offizieller Kreise statt. Die Kulrusgemeinde war durch das Präsidium sowie durch fast den gesamten Vorstand vertreten. Trauerreden hielten Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, Vizepräsident Dr. Löwenherz und ein Vertreter der B.-B.- Lokcii. Der schwergeprüften Witwe wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Moritz Atitscherl Wie kürzlich berichtet, verschied am 9. d. M. im Alter von 85 Jahren der in allen jüdichen Kreisen hochgeschätzte Professor Moritz AntScherl. Der Verblichene kam aus der mährischen Gemeinde Battelau, wo er ein ideales jüdisches Familienleben vor sich sah, in jungen Jahren nach Wien. Nach Absolvierung seiner Universitätsstudien war er zunächst Mittelscbulprofessor für Mathematik und Naturwissenschaften. Unter Ludwig August Frankel wandte er sich dann aus reiner Liebe zur Religion dem jüdischen Lehrberufe zu, in welchem er etwa fünf Jahrzehnte mehr als 15.000 Schüler in den Lehren des Judentums unterwies, im Jahre 1878 regte er in Wien den ersten Jugend- Gottesdienst an, der dann an allen Synagogen zur ständigen Einrichtung wurde. Sein Wirken als Exhortant brachte die Kinder in hellen Scharen in den Tempel. Sein DenKen war ganz besonders der Jugend gewidmet, was viele hundert von ihm verfaßte Gedichte, Broschüren und belehrende Aufsätze beweisen. Zirka drei Jahrzehnte war er Vorstandsmitglied der Talmud Thora, II., Malzgasse 16, woselbst er religiös bildende Vorträge hielt und auch organisatorisch tätig war. Die Reinheit seines Wesens und sein warmes fühlen und Denken jedem Mitmenschen gegenüber, erwarben ihm stets neue Freunde. Sein Idealismus als ILehrer und Vater der Kinder war vorbildlich. So kam es, daß er, obgleich schon im Ruhestande, bis knapp vor seinem Ableben Kindergärten und Religionsschulen besuchte, wo er, Sonne verbreitend, von Lehrern und Kindern bejubelt wurde. Trotz größter Bescheidenheit wurde sein Wirken, sowohl von religiösen als auch von städtischen und staatlichen Behörden durch mehrfache Auszeichnungen anerkannt. Sein Werk wird fortleben, und wer ihn gekannt, wird ihm ein liebendes Andenken bewahren. Unter großer Teilnahme fand am 12. d. M. am Zemralfriedhof, IV. Tor, die Bestattung statt. Dem Verblichenen gab eine große Trauergemeinde zur Talmud- Thora II das Geleite, wo Oberkantor Roth vor beleuchtetem Tempel ein „EI mole Rachamim" in ergreifender Weise rezitierte. Am Zentralfriedhofe, woselbst Repräsentanten diverser jüdischer Körperschaften sowie auch viele Freunde versammelt waren, trat als erster Oberrabbiner Dr. Taglicht an die Bahre. Redner schilderte in warmen Worten den Lebenslauf des Dahingeschiedenen. Er sagte u. a., daß nur eine reine Seele, wie die des Verblichenen, imstande sei, auf reine Kinderseelen einzuwirken. Der Obmann der Untern'clitskommission der Isr. Kultusgemeinde, Herr Professor M. Rath, würdigte die segensreiche Tätigkeit des Verstorbenen, der in etwa fünf Dezennien 15.000 Schüler herangebildet hat. Sodann sprach namens «er einstigen Schüler Kultusvorsteher Herr Doktor I. K1 a b e r. Er gedachte mit innigen Worten seines genebten, stets gütig lächelnden Lehrers. Hierauf gab Herr Rabbiner H. Schenk (Talmud-Thora II.) ein schönes Bild des Dahingeschiedenen, der stets bereit war, nach den Worten unserer Weisen von jedermann zu lernen. Die kantoralen Funktionen versah hervorraffnod 0berkantor Matyas mit Chor, und den Abschluß der erhebenden Feier bildete ein „El mole Racnamim", vorgetragen von Kantor Stift vom Pazmanitentempel. Giemeinde&vonfo. ... i Prag. Im vorigen Jahr wurden im Prager jüdischen Rathaus umfassende Adaptionen durchgeführt, bei welchen neue geeignete Räume für das Archiv der jüdischen Kultusgemeinde in Prag gewonnen wurden, so daß das Archiv nunmehr für Studienzwecke und wissenschaftliche Arbeiten zugänglich gemacht wird. Das Archiv umfaßt derzeit 940 gebundene Sammlungen und 160.000 Schriftstücke und Akten. Das älteste Schriftstück datiert aus dem Jahre 925. Ursprünglich waren in diesem Archiv auch Dokumente aus der Zeit vor dem 14. Jahrhundert enthalten, doch wurden diese durch Brände im 17. und 18. Jahrhundert vernichtet. Das Archiv enthält auch ein Grundbuch der Familien, die nach den Judenverfolgungen 1748 nach Prag zurückkehrten, sowie zahlreiche Familienbücher, die die Erforschung der Herkunit jeder Prager jüdischen Familie ermöglichen. Trauungen. Sonntag, den 24. d. M., 1 Uhr mittags, findet im Seitenstettentempel die Trauung des Fräuleins Luzzi Feuer, Tochter des Herrn und Frau Friedrich Feuer, mit Herrn Dr. Hans B i x, Sohn der Frau Adele B i x statt. — Sonntag, den 24. d. M„ um 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräuleins Gina K 1 a w i r, Tochter des Ehepaares Salomon K1 a w i r, mit Herrn Dr. Ernst M a n d I e r, Sohn des Ehepaares Lazar M a n d l e r, statt. Stockerau. Am 17. März feierte das hier mehr als 30 Jahre wohnhafte Kultusgemeinde-Mitglied Herr Oberinspektor d. R. Samuel Gross im Kreise seiner achtbaren Familie in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag. Herr Groß ist auch den meisten Wiener jüdischen Wohltätigkeitsvereinen als Wohltäter bekannt, und hat ihm aus Anlaß seines 75. Geburtstages mit den besten Wünschen der hiesige jüdische Frauen-Wohltätigkeitsverein eine Ehrenurkunde überreicht. Todesfälle. Im besten Mannesalter verschied in der Samstag-Nacht Herr Jacques K a t z, XVII., Leopold- Ernstgasse 15. Nach erfolgreicher Tätigkeit in führenden Stellungen bei großen Industrieunternehmungen, zuletzt als Biichhaltungschet der Holzhandels-A.-G., war er in den letzten Jahren Mitbesitzer Kroßer Kaffeehäuser: zuerst des Cafe Kolosseum in der Nußdorferstraße und dann des Cafe Tuchlaubenhof in der Seitzergasse. Trotz der Beliebtheit, die er sich bei den Gästen dieser bekannten Lokale rasch erwarb, dürfte ihn der neue Berut nicht voll befriedigt haben, da er weder seiner ambitionierten Vergangenheit entsprach, noch seinen beiden Kindern, einem leiblichen Sohn und einen Adoptivsohn, eine seinem Ehrgeiz zusagende Zukunft zu verbürgen schien. Die katastrophale Wirtschaftslage, die ihm jede Hoffnung auf die Neuerschließung einer seiner bedeutenden Fähigkeiten würdige Entfaltungsmöglichkeiten bietenden Stellung und daraus resultierende bessere Versorgungsmöglichkeit seiner Familie illusorisch machte, scheint seinen Lebensmut vorzeitig gebrochen zu haben. Als religiös und human denkender Jude war er Vorstandsmitglied der Währinger Chewra Kadi s c Ii a und seine Jahresberichte als deren Schriftführer erregten durch ihre gedankenvollen Rück- und Ausblicke stets die Aufmerksamkeit der Generalversammlungen. — Ein braver Mann und ein guter Jude ist dahingegangen. Am 14. d. M. verschied im 61. Lebensjahre Herr Wilhelm H e r z k a, tief betrauert von dem großen Kreise jener, die ihn kannten und schätzten. Wilhelm Herzka verdiente diese herzlichen Sympathien. Er war ein prächtige Mensch, dessen Mitgeiühl für die Mitmenschen beispielgebend war. Besonders intensiv war sein Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten. Er war viele Jahre lang ein treues Mitglied der „Union", die ihn in die Bezirkskommission II der Kultusgemeinde entsandte, wo er durch lange Zeit hingebungsvoll, vornehmlich auf dem Gebiete der Fürsorge, wirkte. Sehr rührig war seine seinerzeitige Arbeit als Vorstandsmitglied des Verbandes der Freunde des Großen Leopoldngglcnlsdics Köntgslicht Wien I., Seitenstettengasse 2 XI,, Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag gasthloaMn! Städter Tempels. Diese seine vielseitige Betätigung fand ihre Anerkennung in der Wertschätzung der vielen, die Herzka seiner vornehmen Tugenden wegen verehrten. Die Beteiligung bei dem am 17. d. M. stattgehabten Leichenbegängnisse war eine ganz enorme. Alle Korporationen, in denen Wilhelm Herzka mit so viel Eifer gewirkt hatte, waren durch starke Abordnungen vertreten; für die ..Union" war u. a. Reg.-Rat Dr. Lenk erschienen. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t, die kantorale Funktion versah innig Oberkantor Funke. Sehr ergreifend waren die Abschiedsworte, die Herr Gustav P1 a u e r namens der Bezirkskommission II. dem treuen Mitarbeiter widmete, dessen Andenken ein ehrendes bleibt. Der Krankenunterstützungsverein „Kurfürsorge" veranstaltete am Sonntag, den 17. d. M.. nachmittags, im Festsaal des Hotel Continental, zugunsten seiner humanitären Zwecke eine Akademie mit Tanz. Das humorvolle Akademieprogramm wurde von dem hervorragenden Ensemble der Kleinkunstbühne „Regenbogen" unter Leitung des Regisseurs Behal bestritten und fand wegen seiner besonderen Gediegenheit großen Beifall des zahlreichen Publikums. Die Veranstaltung war ein bedeutender Eriolg der rührigen Vereinsleitung, der im Interesse der dadurch geförderten guten Sache sehr zu begrüßen ist. Das Dr. Krüger-Heim veranstaltete sein Purimiest am Dienstag, den 19. d. M„ abends, im Prachtsaal des M i 1 i t ä r k a s i n o. Ein erlesenes Publikum hatte der Einladung der so hingebungsvoll wirkenden Vereinsleitung Folge geleistet und fand viel Gefallen an der schönen Akademie, die von einer Modenschau des Indanthren-Hauses eingeleitet wurde. Dann folgte unter der humorvollen Conference von Marcell Benard und Kurt Karsten eine erstklassige Künsclerschar, die ihr Bestes bot. Insbesondere seien erwähnt die hinreißenden Rezitationen von Jakob F e 1 d h a in m e r. die ausgezeichneten Violinvorträge von Kurt Fuchsgelb die reizenden Tanzdarbietungen von Lisi Weinberger und der überaus talentierten Schülerinnen des Heimes, die schönen jiddischen Lieder des Kantors Jac Rosenwald. Einen besonderen Erfolg errang die großartige S e v i 11 a P a s to r. Das gute Büfett des Heimes tand viel Zuspruch. Tombola und Tanz sorgten für Unterhaltung und so wurde es ein vergnügter Purimabend. Der Jüdische Angestelltenverband „Emunah", I., Biberstraße 17, veranstaltete am Samstag, den 9. d M., im Festsaate des Hotel Stefanie eine Akademie mit Tanz. Sowohl der glänzende Besuch wie auch die hervorragenden Leistungen der auftretenden Kunstkräfte trugen wesentlich zum vollen Gelingen des Festes bei. Eine ausgezeichnete Jazzkapelle sorgte für die Tanzmusik. Es war eine in jeder Beziehung gelungene Veranstaltung, die allen Teilnehmern in angenehmster Erinnerung bleiben wird. Das namhafte Reinerträgnis wird zur Erhaltung der Tagesheimstätte verwendet. Samstag, den 23. d. M., 8 Uhr abends, spricht in unserem neun Oberbaurat Ing. Ludwig Fischer über das hochaktuelle Thema „Umschichtung durch jüdische Lehrwerkstätten." Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Sonntag, den 24. d. M.. 7 Uhr, Heimabend mit lanz und Jazzmusik. Gäste herzlich willkommen. Wohltätigkeitsvorstellung zugunsten der Mensa academica Judaica. Im Theater in der Josefstadt findet statt der zugunsten der Mensa academica judaica in Aussicht genommenen Nachtvorstellung „Sein neues Testament", Samstag, den 23. d. M.. um K-5 Uhr nachmittags, „Lebenslüge" in der Premierenbesetzung statt. Restliche Karten an der Kassa des Joseistädter Theater und im Sekretariate der Mensa academica judaica, IX., Zimmermannplatz 8, Tel. B 47-4-66. Das Frh. Max Springer'sche Waisenhaus und Theodor Lassner-Heim (Heimstätte für verlassene jüd. Kinder), Wien XIV.. Goldschlagstraße 84, veranstaltet nm Samstag, den 23. März. 18 Uhr, eine Purim- Feier. Festgottesdienst Sonntag, den 24. März, ^•8 Uhr abends, findet im Großen Tempel „Beth Israel", IL, Leopoldsgasse 29, ein Fest-Gottesdienst unter Mitwirkung des Männerchores „Hanig u n", 22 jüdische Sänger unter Leitung des Dirigenten Hermann S c h o r r, sowie des Oberkantors Frankel mit seinem verstärkten Chor und des Oberkantors Funke statt. Karten in der Tempelkanzlei und Bücherstube M. Rath, IL, Taborstraße 20 a. Verein für jüdische Gechichte und Literatur. Montag, den 25. März, 'A8 Uhr abends, im Klubsaale, I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Maimonides-Feier. Redner: Rabbiner Dr. M. Rosen mann: „Moses Maimonides als Philosoph und Talmudist", Univ.-Dozent Dr. Isidor Fischer: „Maimonides als Arzt." Eintritt frei. Gäste willkommen. „Jutäa", Jugendgruppe des Pazmanitentempeis. Montag, den 25. d. M., 8 Uhr abends, feiert die Jugendgruppe im Klublokal Cafe" Sächsischer Hof, IX, Taborstr. 46a Purim. Frau Dr. Taubes spricht einleitende Worte über Purim. Der bekannte Tenor Herr

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