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Die Wahrheit · 1935-03-22 · Heft 12 (22.3.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite~4 Nr. 12 — 22. März 1935 DIE WAHRHEIT wird." Dasselbe drückt auch folgender Anspruch aus: „Ein Nichtjude, der die Lehre Moses: erfaßt hat,, ist dem Hohepriester gleichzusetzen." Das Erfassen der Lehre Moses bedeutet hier nichts anderes, als das Streben zur Erkenntnis und Läuterung der Seele." Das ist Eintracht! Ich schließe auGh mein« Ausführungen in einträchtiger Uebereinstimmung mit dem Berichterstatter, der da meint (S. 982): „M u r m e 1 s t ei n macht es sich leicht und schwer z ugI e i c h." Es ist 1 e 1 c h t, dile Ausfälle gegen das Judentum als Verleumdungen zu widerlegen; sehr s c h w e r ist es dagegen, zu erreichen, daß diese Widerlegung von der anderen Seite zur Kenntnis genommen wird. Die Revolte in Griechenland — antijüdisch. v ' Kriegsminister General K o n d y 1 i s, der die ^Operationen der Regierungstruppen gegen die^Aufständischen in Mazedonien und Thrazien (geleitet Hat, empfing während seines Aufenthalts in K a v a 11 a den Rabbiner der dortigen jüdischen Gemeinde, den er der freundschaftlichen Gefühle versicherte, die die Regierung gegenüber de* jüdischen Bevölkerung hegt. Der Kriegsminister sprach mit besonderer Anerkennung von der patriotischen Haltung der Juden Salonikis und der übrigen jüdischen Gemeinden Nordgriechenlands, die sich in besonderem Maße während der letzten- Unruhen gezeigt habe. Die Aufstandsbewegung in Thrazien und Ostmazedonien hatte auch einen antisemitischen Charakter getra-gen. Den Freiwilligen, die in den Ortschaften dieses Gebietes für die revolutionäre Armee geworben wurden, stellten die Agitatoren in Aussicht, daß man nach der Eroberung Salonikis die Häuser und Geschäfte der dortigen Juden den Truppen zur Plünderung überlassen werde. In Kavalla entnahmen die Aufständischen von den jüdischen Geschäften Waren, ohne sie zu bezahlen. Als eine Abordnung der jüdischen Gemeinde sich darüber beim Führer der Aufständischen, General Kamenos, beschwerte, erklärte dieser, man müsse sich an die von den Republikanern gehaßten Juden Salonikis halten. Die Synagoge der Stadt wurde während des Feuergefechtes zwischen der Flotte und den Batterien auf den Anhöhen hinter der Stadt von einer Granate getroffen. Die jüdischen Einwohner von Serres, Drama und Kavalla haben während deT Revolte schreckensvolle Tage durchlebt Der Sieg der Regierung und der Einzug der regulären Truppen wurde von ihnen mit stürmischem Jubel begrüßt. Von den jüdischen Freiwilligen, die sich auf den Aufruf der Regierung hin neben über 2000 jüdischen Reservisten zur Abwehr der Rebellen zur Verfügung gestellt haben, ist ein großer Teil bereits demobilisiert. Bekannte Pogrom-Führer unter den Venizeüsten. _ Neben anderen oppositionellen Zeitungen sind in Saloniki nach der Niederschlagung der Revolte auch die extrem-antisemitischen Blätter „Makedonia" und „Eleuthercs Typos" verboten worden. Die Herausgeber der Oppositionsblätter wurden verhaftet oder verbannt, unter ihnen der Hauptschriftleiter der „Makedonia" und venizelistische Abgeordnte Peter L e v a n d i s. Er wurde von der Militärpolizei in einem Haus in Saloniki, in dem er sich verborgen gehalten hatte, verhaftet und sodann deportiert. Levandis war einer der erbittertsten Judengegner Salonikis. Verhaftet wurde auch der ehemalige Chefredakteur der „Makedonia"' und Mitherausgeber des „Eleutheros Typos", Nico Fardis, bekannt aus dem Prozeß nach dem Pogrom im Salonikier Campbeil- Viertel. Fardis, der der geistigen Urheberschaft dieses Pogroms und der Niedlerbrennung des Viertels beschuldigt war, wurde damals freigesprochen. Seit einigen Tagen sind Gerüchte im Umlauf, die jetzt auch von der Presse verzeichnet werden, daß Fardis im Gefängnis gestorben sei. Trotz des seinerzeitigen Freispruchs gilt es als feststehend, daß Fardis und Levandis die Hauptschuld an den damaligen Ausschreitungen in Saloniki trifft. Stan Laurel £ Oliver Hardy und Mieky Maus Die Löwen von Hollywood OPERN. I. LUSTSPIELTH. II. STAFA. VII. VOTIVPARK. IX. Wenige Tage nach dem Ausbruch der Revolte wurde ein vor einem halben Jahr aus den Diensten der jüdischen Gemeinde entlassener Friedhofswärter, ein christlicher Grieche, verhaftet, weil er auf dem jüdischen Friedhof Bomben und Munition versteckt hatte, die für die Aufständischen bestimmt waren. Verstärkung der jüdischen Vertretung in Saloniki Der Generalgouverneur von Mazedonien. Minister Pericles Rhallis, hat eine Anzahl venizelistische-r Stadtverordneter von Saloniki ihres Amtes enthoben. Unter den neuen Mitgliedern des Stadtrates, die an ihre Stelle treten, befinden sich drei jüdische Stadtverordnete, der Eigentümer und Chefredakteur der spaniolischen Zeitung „La Prensa". Daniel Allaluf, der Direktor der ebenfalls in spaniolischer Sprache erscheinenden Zeitung „Accion", Eli Fraces, und der Verwalter der jüdischen Vorstadt Regie-VardaT, Jomtow Jacoel. Bisher gehörte dem Stadtrat von Saloniki nur ein jüdischer Stadtverordneter, der Advokat Sam Nahmias, an. Z. T. A. Vorsicht-die Mutter der Landespolitik „Der jüdische Weg", das Organ der radikalen Zionisten, reflektiert in seiner letzten Ausgabe auf die Bemerkungen, die wir in der vorwöchentlichen Nummer unseres Blattes an den famosen Beschluß knüpften, den die letzte Delegiertenversammlung des zionistischen Landesverbandes hinsichtlich der Landespolitik gefaßt hat. Das Blatt fühlt sich bemüßigt, uns einen Vortrag über die Bedeutung der Landespolitik und die Wichtigkeit ihrer Betätigung für Zionisten zu halten. Wir müssen gestehen, daß auch diese wortreiche, aber inhaltsarme „Belehrung" uns nicht von unserem seit jeher vertretenen Standpunkt abbringen kann, daß die Landespolitik von besonderer Gefährlichkeit für die österreichische Judenschaft — und nicht nur für diese — ist. Den Jüdischnationalen mag sie ja ein lockendes Betätigungsfeld für ihre politischen Aspirationen bieten, bei uns wird sie nach wie vor entschiedene Gegner finden. Wir werden uns dagegen zu wehren wissen, daß „der wesentliche Inhalt der Galutharbeit die Fortsetzung des innerjüdischen Kampfes um die Nationalisierung des jüdischen Lebens, um die Zionisierung der nichtzionistischen Juden" sein soll. Eine solche Aufgabe stellen sich Leute, die es uns schwer verübeln, daß wir uns „in alles einmischen". Wenn sie nichtzionistische Juden „zionisieren" — ein Wort, das so abstoßend klingt, wie das Vorhaben, das es beinhaltet — dann ist das keine „Einmischung", dann bedeutet das keinen feindlichen Einbruch in eine durch Vaterlandsliebe und Religiosität festgefügte Gedankenwelt. Ebenso ruhig soll man es lünnehmen, daß diese Nationalisierung und Zionisierung an den Pforten der ehrwürdigen Kultusgemeinde nicht Halt macht, daß diese religiöse Körperschaft nun zum Träger der gefährlichen Landespolitik degradiert werden soll. Die Herren sind aber in dieser Hinsicht vorsichtig. „.Nur die jüdische Gemeinde in ihrer derzeitigen Zusammensetzung" erscheint ihnen berufen, diese Politik zu machen. Es ist klug von ihnen, daß sie eine solche vorsichtige Einschränkung machen. Denn man kann nicht wissen, wie lange diese „Zusammensetzung" anhält und wie nahe der Tag ist, da der Herrschaft jener, die die Kultusgemeinde mit aller Gewalt politisieren wollen, gerade dieser Aspirationen wegen ein Ende bereitet werden wird. Geben sie der Kultusgemeinde politische Vollmachten ohne jede Einschränkung, dann kann sich das in dem Momente, da dort nicht mehr jüdischnationaler Chauvinismus regiert, für ihr System bitter rächen. Deshalb sind sie kluge Taktiker und geben diese politischen Vollmachten eben nur auf Sicht oder auf Abruf. Die Herren befinden sich aber, auf dem Oüdischen) Holz-Weg, wenn sie glauben, daß man ihr feines Spiel nicht durchschaut Wir sind nicht „böse", wir sind nicht „erzürnt", wir erfüllen nur unsere Pflicht, wenn wir auf der Wacht stehen und es nicht zulassen, daß unsere ehrwürdige Kultusgemeinde der Tummelplatz jüdischnationaler politischer Aspirationen wird. Jüdische Binnenwanderung in Sowjetrußland. Vom 1. Jänner bis 8. März sind mehr als 1000 Juden in Biro-Bidschan eingewandert. Laut dem Aufbauplan müssen im ersten Viertel 1935 1300 Juden einwandern, man glaubt, daß bis Ende März diese Ziffer erreicht sein wird. Im zweiten Jahresviertel 1935 sollen laut dem bestehenden Plan nicht weniger als 3000 Juden nach Biro-Bidschan kommen. Nach den drei jüdischen nationalen Rayons in der Ukraine (Kalinindorf. Stalindorf und Neu-Zlatopol) sollen im zweiten Jahresviertel 900 jüdische Familien, nach der Krim sollen in der gleichen Zeit 250 Familien mit insgesamt 1000 Seelen einwandern. Somit sind rund 7500 jüdische Seelen zur Ansiedhmg im zweiten Jahresviertel 1935 vorgemerkt. Die Regierungen der Krim und der Ukraine wurden aufgefordert, für dieses Siedlungswerk etwa drei Millionen Rubel zur Verfügung zu stellen. Das Wort des Herrn Frick. Die letzte Tagung der Vertreterschaft der englischjüdischen Gemeinden (Board of Deputier of British Jews) befaßte sich mit dem Bericht des Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten), in dem ausgeführt wird: Die nationalsozialistische Regierung, die die Bezeichnung „Emigrant" gegenüber jenen gebraucht hat, die das Reich wegen Gegnerschaft zum neuen Regime verließen, hat vor einiger Zeit durch den Mund des Reichsinnenministers Dr. Frick die Zusicherung abgegeben, daß der Rückkehr jener Kategorie von Auswanderern, die sich im Ausland politisch nicht betätigt haben, keine Hindernisse in den Weg gelegt werden sollen. Eine Anzahl jüdischer Flüchtlinge, die dieser Zusicherung Glauben schenkten und nach Deutschland zurückkehrten, wurde schwer enttäuscht. Aus zuverlässiger Quelle kommt die Nachricht, daß alle in letzter Zeit nach Deutschland zurückgekehrter Juden scharf kontrolliert werden und daß viele von ihnen — mindestens 100 — i n K o n z e ntrationslager gebracht wurden, wo sie „im Geist des neuen Deutschland erzogen" werden. Diese Aktion — so heißt es im Bericht des J. F. C. weiter — scheint in der Richtung einer neuen antijüdischen Diskriminierungsaktion zu liegen, die sich u. a. auch darin äußert, daß Erklärungen jüdischer Gruppen, in denen die Hoffnung auf ein Verbleibenkönnen in Deutschland ausgedrückt wird, schari geahndet werden. Der antijüdische Wirtschaftsboykott dauert in Deutschland — unbeschadet der gegenteiligen Erklärungen Dr. Schachts und Dr. Lipperts — mit wachsender Intensität an. Im Bericht des J. F. C. wird auch auf die La*e in Danzig hingewiesen, wo die Nazis hoffen, bei den Neuwahlen zum Senat eine Zweidrittelmehrheit zu erhalten, was sie berechtigen würde, beim Völkerbund eine Verfassungsänderung zu beantragen. Hinsichtlich Oesterreichs wird auf den letzten Engüandbesuch des Bundeskanzlers] Dr. S c H li s c h!n i g K und seine Erklärung an die Jüdische Telegraphen-Agentur hingewiesen; in dem Bericht wird der Inhalt der Kanzlererklärung wiederholt und auf die Versicherung Dr. v. Schuschniggs Nachdruck gelegt, daß weder die Juden Oesterreichs noch ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern Grund zu Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der österreichischen Juden hätten. Mit Bezug auf Rumänien heißt es in dem Bericht-. Die administrativen Maßnahmen zur Durchführung des kürzlich erlassenen Gesetzes über Beschäftigung von Rumänen und Fremden in wirtschaftlichen Unternehmungen hat unter der jüdischen Bevölkerung Rumäniens beträchtliche Besorgnis geweckt. Laut einer Durchführungsverordnung müssen die Wirtschaftsbetriebe über die ethnische Herkunft ihrer Angestelltenschaft Mitteilung machen: dies wird als eine unzulässige Ueberschreitung der betreffenden Gesetzesbestimmungen angesehen. Das Gesetz selbst macht nämlich keinen Unterschied zwischen Religion und nationaler Zugehörigkeit der Rumänen, sondern unterscheidet nur zwischen Rumänen und Ausländern. In einem gewissen Maße führt die in Rumänien aufgeworfene Rassenfrage zu ebenso ernsten Folgen wie die Ariergesetzgebung in Deutschland. Um den Weltkongreß. Im amerikanischen Judentum tobt derzeit ein heißer Kampf. Der Grund des Konfliktes, der sich in heftigen Rededuellen und Zeitungspolemiken äußert, liegt in der Frage der Beteiligung' am jüdischen Weltkongreß. Die repräsentative Vereinigung der amerikanischen Juden, das American J e w i s h C o m m i 11 e e, hat bekanntlich eine Beteiligung an diesem Kongresse abgetehnt. Nun gibt es aber in Amerika eine Art Konkurrenzunternehmen dieses Jewish Committee, der American Jewish Congress. Sagt das Committee blau, dann sagt der Congress bestimmt grün. Denn in Opposition stehen, ist seit jeher Sache des Mannes gewesen, der an der Spitze des Congress steht. Man kennt Dr. Siefen Wise als einen Ultraradikalen, dessen verstiegene Ansichten für die jüdische Sache schon oft von großem Nachteile waren. Deshalb wird auch die Entscheidung der von ihm geleiteten Körperschaft, die gerade dieser Tage in Philadelphia zusammengetreten ist, um sich u. a. auch mit dem Weltkongreß zu beschäftigen, nicht von jenem Eindrucke sein, wie die Kundgebung des American Jewish Committee, an dessen Spitze als würdiger Nachfolger des berühmten Louis Marschall der weit über die Grenzen seines Landes bekannte Dr. Cyrus Adler steht. Wenn diese Körperschaft beschlossen hat, den Weltkongreß abzulehnen, weil ein solcher Kongreß nur die Situation der Juden in den Ländern, in denen sie Staatsbürgerrechte genießen, gefährden kann, und wenn der um die Sache der Weltjudenschaft so hoch verdiente Präsident des Board of Deputies der britischen Juden, Neville L a s k i, erklärt hat, daß einWeltkongreß in diesem Augenblicke nur den Judengegnern Waffen in die Hände spielen kann, dann werden zustimmende Erklärungen minder wichtiger Körperschaften das Mißtrauen nicht beseitigen können, das man immer mehr und mit immer größerem Rechte dem geplan-

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