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Die Wahrheit · 1935-03-22 · Heft 12 (22.3.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 12 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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niE WAHRHEIT Nr. 12 — 22. März 1935 Seite 3 j Jetzt wird es Zeit Ihren Bedarf zu decken an den berühmten y&midl-JIlazzoth £tn Veramft reirrf iie fiAcrseugenF Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlathan t&rodetzftu Zentraler Wien, 2. fÜesirß, Xeonotds^asse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die Stfkmidl-yilfRzxotft und das Fabrikat „JHaifie Stfimidf 31. {&." (Nlazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. ■ &■»>»»-■■-■-»«-■■■■■—-■■»-■»« sollst tun, was gut und recht ist", wird in dem Sinne zitiert, daß der Jude dem Nichtjuden gegenüber nicht üben soll, was sut "und recht ist. Die Vorschrift: Man verwehre nichtjüdischen Armen nicht den Genuß jüdischer Wohltätigkeit, wird zitiert: Man gewähre nichtjüdischen Armen nicht den Genuß jüdischer Wohltätigkeit. Wenn der Talmud meint, daß das von einem Nichtjuden verkaufte Landgut erst dann in den rechtskräftigen Besitz des jüdischen Käufers übergeht, wenn der Kaufvertrag unterzeichnet wird, so meint G.. daraus siehe hervor, die Habe des Nichtjuden sei „preisgegeben", also vogelfrei. G. sieht auch in der rechtlichen Gleichsetzung nicht jüdischen Vermögens mit dem Tempelschatz zu Jerusalem eine Zurücksetzung! Dabei werden die Stellen, welche aus einer sehr zurückliegenden Zeit stammen, die ihre Anwendung auf Christen so ziemlich ausschließt, aus Werken zitiert, die um ein Jahriausend jünger sfnd, wodurch eine christenfeindliche Deutung ermöglicht wird. Auf Grund alter und neuer Quellen habe ich nun gezeigt, daß sowohl das Leben als auch die Habe von Juden und Nichtjuden im jüdischen Schrifttum gleich gewertet und geschützt werden. Jede Gewalttat, jedes Unrecht, sogar die geringste Täuschung sind im Verkehr mit Nichtjuden strengstens verboten. Aus allen Quellen geht außerdem einwandfrei hervor, daß unter Nichtjuden im Talmud und im Schulchan Arucli nur die Heiden aus vorchristlicher Zeit zu verstehen sind. G. zitiert aber immer wieder „Nichtjuden" und „Christen"! Dabei sind fast sämtliche Quellenanglab e nunrichtig undverkehrt. Dies, ist eine kurz gefaßte Auslese aus meinen Ausführungen, sie genügt aber zur Kennzeichnung der Sachlage und berechtigt zu folgenden Fragen. Ist es „edel und versöhnlich", wenn G. auf Grund derartiger Belegstellen über Talmud und Schulchan; Aruch urteilt? Auf Seite 980 des genannten Berichtes wird aus seiner Schrift folgende Meinung über die Gesetze des Schulchan Aruch zitiert: „Wa s der Christ an ihnen zu verurteilen hat, sind die ethische Minderbewertung, die Rechtsentkleidung, die wirtschaftliche Ausbeutung) und die verweigerte Lebensrettung oder offene und geheime Tötung der Nichtjuden. Auf diese vier Hauptgruppen lassen sich die inhumanen Fremdenigesetze des Schulchan Aruch zurückführen." Ist es „edel", über religiöses Schrifttum so zu urteilen, wenn man es nicht im geringsten versteht? Nicht genug daran, wird in den Berichten (S. 981) auf Grund dieses Urteils folgende Ansicht aus G.s Schrift als „praktische Konsequenz" zitiert: „Eine völlige Gleichberechtigung mit den Christen könnte wohl nur dann geschehen, wenn sie den älteren Schulchan Aruch aufgeben." Ist es „versöhnlich", wenn aus falschen und irrigen Ausführungen einer pseudowissenschaftlichen Schrift ■praktische" Folgerungen abgeleitet werden, die den Lebensnerv der jüdischen Bürger Oesterreichs bedrohen? Allerdings, wenn das „edel und versöhnlich" senannt werden kann!, so ist es nur recht und billig, wenn der Geist des jüdischen Schrifttums abgelehnt wird (vgl. S. 980 der Berichte: „der Bedenken voll dagegen die nachbiblische Literatur: der Talmud und seine rabbinischen Koammentare"), denn in diesem Sinne sind Talmud und Schulchan Aruch weder „edel" noch „versöhnlich". Vieles wäre dann verständlich. Unverständlich bleibt es aber noch^mrhe'r, wie >nan angesichts meiner Widerlegungen, behaupten kann, daß durch sie der edle und yersöhnliche Geist von G.s Schrift in keiner Weiss berührt wird. Seit dem Erscheinen meiner Schrift sind fast drei Monate vergangen. Seither hat es weder Professor Grill noch ein anderer christlicher Gelehrter versucht, die Richtigkeit meiner Angaben zu erschüttern. Es wäre nun Aufgabe des Berichterstatters gewesen, diesen Versuch zu unternehmen. Dann, aber nur dann, hätte er das Recht gehabt, über die Stichhältigkeit meiner Einwendungen zu urteilen. Einen bibliographischen Irrtum herauszugreifen und so zu tun, als ob ich bloß formell die hebräischen Kennltnisse G.s bezweifle, den Inhalt seiner Angaben aber stillschweigend hingenommen hätte, ist, gelinde gesagt, unzulässig. Daß es mir ein leichtes war, G. zu widerlegen, will ich rifcht in Abrede stellen. Meine Schrift ist das Werk, fast könnte man sagen, von Stunden, entstanden in der ersten Erregung über die, wenn auch nicht beabsichtigte, Verunglimpfung des Judentums. Ich habe auch in der Einleitung betont, daß ich diesen Seiten keine wissenschaftliche Bedeutung beilege und sie mit meinem Namen zeichne, um für die gegen G. erhobenen Vorwürfe die Verantwortung zu übernehmen. Dies war aber nicht nur bei mir der Fall, auch der Berichterstatter hat sich leider, seine Sache sehr leicht gemacht. Er macht es sich noch leichter, wenn meint, daß ich es mir einerseits schwer gemacht habe. „Schwer aber macht es sich Murmelstein, w enn Restaurant Botel Stefanie vormals Operer II., Taborsiraoe 12, Tel. R 46 5 st «•«•«te Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 IK'J „ OeflUgel- „ S 2.30 Itt'J Vorzügliche Zubereitung — Schwechater Biete — Naturweine Großer Saal mit Bühne (ürVeranstaltnngenu. Hochzeiten abzugeben er mit dem Talmud auch den Schulchan Aruch retten will, der nur der starrsten Orthodoxie un entbehr Ii ich istfundandemeswenigzurettengib t." Eigentlich ist es nicht mehr als „leicht", sondern direkt als leichtsinnig zu bezeichnen; wenn jemand ohne Vorkenntnisse und ohne jede Grundlage diese Behauptung aufstellt. In einem Organ, wie dl'e „Berichte", das auf streng religiöser Grundlage steht, muß es besonders befremden, daß ein religiöser Kodex, der füralleJuden unentbehrlich ist, (die Einschränkung des Schulchan Aruch auf die starrste Orthodoxie zeugt nur vom Unwissen des Berichterstatters!), in derart unvorsichtiger Weise behandelt wird. Schon formell ist es direkt unverantwortlich zu behaupten, daß es am Schulchan Aruch wenfe zu retten gibt, ohne im mindesten einen Beweis für diese Behauptung erbracht zu haben. Man steht diesem Vorgehen staunend gegenüber. Mit einem Schlage wird aber alles klar, wenn man den Schlußsatz liest: „Keinesfalls ist die Methode, mit einzelnen „Lichtstrahlen" aus dem Talmud zu paradieren, der Methodik der Ta 1 m u df ein d e überlegen, dem altenBuch einzelnieböseSätze zuentreiße n." Wenn ich auf knapp zwei kleinem Seiten einiges aus dem Talmud ziiiriert habe, so geschah es nicht, um mit „Lichtstrahlen aus dem Talmud" zu paradieren, denn das Licht des Talmud verlangt, um nur angedeutet zu werden, unendlich mehr Raum. Ich habe aus dem Talmud Aussprüche zitiert, betreffend: Die göttliche Abstammung der Wissenschaft, die Reinheit der Seele, den Schutz der Nächstenehre und die Unzulässügkeit grundlosen Hasses, wie auch jeder Schmähung. Ich wollte auf diese Art G. auf die Unrichtigkeit Kieme Tube S —.90 Große Tube S 1.40 seines Vorgehens aufmerksam machen. Nach einem ebenfalls zitierten Talmundsatz wollte ich es vermeiden, Böses mit Bösem zu vergelten. Der Vorwurf des Berichterstatters trifft mich also nicht iin geringsten, aber seine Redewendung „Lichtstrahlen aus dem Talmud" sagt mir sehr viel. Dies ist nämlich der Titel einer antitalmudischen Hetzschrift von Arthur D i n t e r, gerichtet an die Rabbiner Deutschlands, in der er unter anderen auch Rohling reinzuwaschen versucht. Selbst Dinter würde erstaunt sein, Spuren seines Einflusses in einem streng katholischen Organ zu entdecken. Wenn solche Einflüsse mitspielen, ist alles erklärlich. Von den Berichten aber, die von hervorragender katholischer Seite, als Organ der katholischen Intelligenz in Oesterreich wärmstens empfohlen werden, müßte man viel gründlichere und objektivere Arbeit erwarten, als es im vorliegenden Bericht der Fall ist. Grill schließt seine Schritt mit den Worten: „Setze die Eintracht nicht über die Wahrheit, sondern steh' mannhaft für dieseeinbiszumTod e." Der letzte Satz des Berichtes lautet: „W issenschafthat weder auf Apologetik noch auf Polemik zu höre n." Auch ich bin der Ansicht, daß die Wissenschaft ausschließlich der Wahrheit zu dienen hat, auch die Eintracht betrachte ich als kostbares Gut der Menschheit und will daher in einigen Sätzen, aus der Feder des großen Maimuni, dessen SOOjähriger Geburtstag demnächst gefeiert wird, zeigen, was das Judentum unter Wahrheit und Eintracht versteht. In der Einleitung zu seinem Mischne Tora schreibt Maimuni: „Die Art des Talmud ist schwer verständlich. Auch ist er in einem aramäischen Dialekt geschrieben, der mit anderen Sprachen vermengt ist, dies war nämlich die Umgangssprache in Babylon zu jener Zeit. In anderen Ländern dagegen, ja selbst in Babylon in der nachtalmudischen Zeit, war diese Sprache unverständlich, sie erfordert daher ein besonderes Studium ... Vollends im Drangsal und in den Wirren der letzten Jahre sind selbst die Talmudkommentare nur den wenigsten Juden verständlich, wie erst der Talmud selbst." Das ist die Wahrheit! So schreibt der größte Jude, der seit Moses gelebt hat. Wie stehen nun die Vorgänger und Nachfolger Grills mit ihren „Talmudkenntnissen" da? Derselbe Matmuni schreibt an eänen Schüler: „Betreffend Deine Frage über die nichtjüdischen Völker, wisse: Gott sieht nach dem Herzen, alles richtet sich daher nach dem guten Willen. Die Vertreter der wahren Weisheit, unsere Lehrer, meinen daher die Gottesfürchtigen unter den Völkern haben Anteil am Heile der zukünftigen Welt, wenn sie die richtige Gotteserkenntnis anstreben iuid auf ihr Seelenhert bedacht sind. Es ist daher zweifellos, daß jeder, der durch Erkenntnis und Ethik sein Seelenheil fördert, des zukünftigen Heils teilhaftig IT Festsaal des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16 Sonntag, den 7. April 1935 | Arien- und Liederabend Oberkantor Samuel Peslolow Am Klavier: Kapellmeister Kurt Fucbsgelb Ein Teil des Reinertr&gnisses fließt der Ansspeiseaktion des Jüd. Witwennnd Waisenhillsvereines des IX. Bezirkes in Beginn 20 Uhr Entree 3 J.

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