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Die Wahrheit · 1935-03-15 · Heft 11 (15.3.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 11 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Srfte 2 Nr, U —, 15. März 1935. »£ 3 - t fe? iSfee!* o <;„ ,lf i .iif*£ *» ff >if I| # /*" 15 , i v? * ry u Airs cfer Geschichte lernen! Kein Purimscherz! So oft wir am Purim die Megülah aufrollen, wird irgendwo in der Welt aufgerollt die Judenfrage. Wenn alle Feste verschwinden sollten, Purim wird Meroeni, d. h. aktuell bleiben wird die Judenfrage, wenn nicht als äußeres, so als inneres Problem. An solchen inneriüdischen Problemen wird und kann es nie fehlen. Ist doch das Leben seänem wechselvollen Laufe voller Rätsel und DIE WAHRHEIT r immer neu auftauchender Aufgaben, die auf Lösung drängen. Und das Judentum in seiner dogmenlosen feeiflüssigen Entfaltung ist eben Leben, Leben, das nie erstarrt, sondern wie aus einem unerschöpflichen SchöpfungsqueU immer neue Formen hervorsprudelt Anders die ä u 6 e re Judenfrage. Sie bleibt im Kern sich stete gleich. Und weil dieser Kern immer derselbe, der Judenhaß, ist, darum ist es kein Wunder, daß wir die Antwort auf alle die vielen Spiel- und Tonarten der Judenfragfe immer wieder in der fibien Megfllah finden. Ihre Geschichte ist ein Ausschnitt aus der Geschichte des Judentums in der Diaspora. Sie könnte genau ebenso oder ähnlich zu jeder beliebigen anderen Zeit auf irgend einen anderen Schauplatz spielen. Ein Jude rettet dem Könige das Leben, indem er zwei Hochverräter an den Galgen liefert. Nicht Ehrsucht treibt ihn, sondern Menschenpflicht und Bürgertreue. Könige sind nicht immer dankbar. Der Jude hatte aber einen Weg, sich dem König in Erinnerung zu bringen. Daß er ihn unbenutzt läßt spricht für die Selbstlosigkeit seiner Tat Undank auf der einen Seite, dafür aber auf der anderen Haß und Rachsucht des Anhanges jener durch ihn entdeckten Verschwörer. Diese Feindschaft tntt nicht sogleich zutage. Woher aber die vielen Tausende von Judenfeinden, von denen die Esthergeschichte später erzählt? Wie viele solcher Mordechais haben ganz ohne Schuld, einfach als Menschen und als Individuen unwillkürlich hier und da bei der Umgebung angestoßen. Die Reaktion richtete sich aber gegen eine ganze Gemeinschaft als Judenhaß. Und eines Anstoßes bedarf es, um ihn zur Entladung zu bringen. Und der findet sich leicht Als Jude zieht sich Mordechai, wieder ohne persönliches Verschulden, einfach nur in Befolgung eines Gebotes seiner Religion eine Feindschaft zu. Er verweigert dem Mächtigsten nächst dem Könige den vorgeschriebenen dreht und die Gunst des Königs sich von Haman ab und den Juden zuwendet wird die ganze Beamtenschaft mit einem Male judenfreundhch und aus Furcht vor den Juden nehmen viele Perser das Judentum an. (Von parsifizierten Juden hören wirnichts!) Die Judenfnage ist somit in jedem Lande eine Frage der Regierungspohük. Als vor vierhundert Jahren Joselmann von Rosheim vor Karl V. stand, rief er ihm zu: „Gott hat es so gefügt daß wir Juden mit den Christen in einem Staate leben; Pflicht einer christlichen Regierung ist es also, uns in Schutz zu nehmen" Und tut dies eine Regierung offen und ehrlich, erhebt sie energisch ihre Stämme für das Menschenrecht der Juden, dann macht sie Schule im Inland wie im Ausland. „Die Silbersteins tuen es, weil es die Goldsteins tuen." Der Judenhaß wird heute zu einer internationalen Judenverfolgung mit nahezu apokalyptischen Schrecknissen, die Juden aber, politisch kurzsichtig wie von jeher, lassen sich gegeneinander hetzen, wie sie einst, als der Feind schon in Jerusalem stand, von den Fängen des römischen Adlers umkrallt sich noch untereinander zerfleischten. Ohne Kopf, ohne Zucht ohne Führung! Auch Mordechai hatte nach seinem Erfolge nicht alle Juden hinterAsich. Es hinderte ihn nicht,, für a 11 e sich einzuseitzen. Aber in der Stunde der Gefahr, da ist Esthers erster Auftrag an ihn: „Versammle alle Juden!" Es gelang ihm offenbar und nun konnte Esther als Mittelsperson zwischen dem Könige und Mordechai, als Vertreter der Juden, mit voller Kraft den Kampf gegen Haman führen. Donnerstag, den 28. Mflrz 1935 V. 8 Uhr abends im Festsaal des Niederösterr. Gewerbe-Vereines Wien I., Eschenbachgasse 11 Malmonldes-Feier der „Union" Pestredner: Dr. Jakob Ornsteln Es scheint daß die immer dichter sich zusammenballende Judennot doch auf manche führende Stellen in der Judenheit nicht ihren Eindruck verfehlt Noch immer fehlt es freilich nicht an politischen Spaltpilzen, die von einer zeitgebotenen Ueberbrückung der Gegensätze innerhalb unseres Lagers eine Bedrohung ihrer Existenz befürchten. Selbstlose, nur auf das jüdische Gemeinwohl gerichtete Stimmen melden sich aber doch in wachsender Zahl, gerade jetzt im Rambam-Jahre in seinem Sinne eine nach außen geschlossene Front zu bilden. Wenn auch das „Hannibal ante Portas!" sie nicht schreckt, das Vorbild des. , großen „Führers der Irrenden", in dem jeder Herzensschlag und jeder Atemzug nur seinem geliebten Volke gewidmet war, es sollte doch auf alle wirken. Das Eises ist warm. Lasset es uns schmieden! Waren wir Juden bisher ein Schulbeispiel dafür, daß die Geschichte lehrt, wie die Menschen nichts aus ihr lernen, Sangen wir endlich an, aus der Esthergeschichte zu lernen! —d. Tätigkeitsbericht der „Union (Schluß.) Für unsere Vertreter im Kultusvorstand, deren ständige Aufgabe es ist, den politischen Aspirationen der Jüdischnationalen Paroli zu bieten und darauf zu achten, daß' unsere altehrwürdige. Gemeinde in jenem reDgäösen Geiste weitergeführt wird, der sie auf. ihre: Achtung gebietende Höhe brachte, ist unter den'gfeschäderten Umstanden! die Arbeit im Kultusvorstand und in seilen Kommissionen eine sehr schwere und es gebührt ihnen für ihr aufopferndes rastloses Bemühen unser herzlichster Dank. Von allem Anfang an gab es KonT nern wiederholt schon mit den Worten höchsten Lobes anerkannt worden und gerade deshalb wurde es mit Recht als uniwahr zurückgewiesen, als jüngst „Die Stimme" den von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuch unternahm, die Erfolge der gemeinsamen Arbeit im Kultusvorstand als ausschließlich jüdischnationale Erfolge hinzustellen. Der reichlich uninformierte Schreiber' dieses Aufsatzes hat die ihm. gebührende Antwort erhalten, die informierte Oeffentüchkeit aber weiß, es, daß der Klub der. umonistischen Kultusvor- Gruß, und damit da der König selbst ihn vorge- ____________ ___ ' Steher, der jetzt unter der umsichitgen Leitung des schrieben, den Gehorsam. Nicht aus Trotz, sondern weü diese Form der Ehrbezeugung, die Proskynesis, als Menschenkult dem Juden verboten ist. Augenzeugen, die ihn zur Rede stellen, erklärt er sein Verhalten aus seinem Judentum. Man denunziert ihn bei dem Mächtigen, bei Haman, den er so unfreiwillig herausfordert. Begreiflich somit in diesem Falle als Wirkung: Rache dem Judentum! Und was Haman dem Könige sagt um seinen Anschlag durchzusetzen, ist an sich wahr. Wahr ist daß das jüdische Volk überallhin zerstreut und ohne einheitliche Leitung lebt. Wahr ebenso, daß dieses Volk eigenen Geboten gehorcht und daß diese, wie im vorliegenden Falle, dem Gesetz des Königs mitunter widersprechen. Gleichviel also, ob der Jude als guter Patriot dem König das Leben rettet oder ob er als Rebell erscheint, gleichviel, ob man in Israel das Volk achtet aus dem der Welt das Heil gekommen sei, oder es verachtet, weil es einen Marx erzeugt habe, gleichviel, ob er sein Judentum betont oder einfach als religiös farbloser Mensch unter Menschen leben will, ob man eines Individuums willen die Gesamtheit haßt oder um der Gesamtheit willen das Individuum, selbst wenn man niemals ein solches zu Gesicht bekommt in jedem Falle stößt der Jude entweder auf der einen oder auf der anderen Seite an, so lange er in Galuth, d. h. zwischen zwei Feuern lebt Wie wird nun die Judenfrage in der Megillah gelöst? Haman ist für eine radikale Lösung, für die Ausrottung aller Juden in einem Pogrom. Die wäre aber natürlich doch nur lokal und temporär geblieben, nur auf Persien beschränkt und auf die Juden, die damals gerade dort wohnten. Und er übersah, daß es einen Haß gibt der über das Grab des Gehaßten hinaus sich auf alles erstreckt was mit ihm in Verbindung stand. Der Fortgang der Esthergeschichte zeigt daß — wie immer — auch hier die Massen von Furcht und Beispiel gelenkt werden. Als sich der Wind Caft Pension Echstein Semtnering flikte, die zu bekannt sind, um hier in einzelnen geschildert zu werden. Die Zuweisung der uns gebührenden Stellen im Vertreterkollegiüm und in den Kommissionen 'konnte erst nach harten Kämpfen errungen werden und als man endlich zu einem diesbezüglichen Uebereinkommen, das für die ganze Funktionsperiode des Kultusvorstandes hätte gelten sollen, gekommen war, bot die im Kultusvorstand infolge der vorjährigen Februarereignisse entstandene neue Situation! den Jüdischnationalen willkommene Gelegenheit von diesem Uebereinkommeni abzugehen. Die Zumutung,' die von den Jüdischnationalen uns gestellt , wurde, begegnete unserem entschiedenen Nein, in der Folge haben unsere Mandatare in den Kommissionen ihre Aemter niedergelegt wozu wir im Wege des Parteirates die Zustimmung unserer Vertrauensmänner erbaten und, wie nicht anders zu erwärmten, erhielten. Die Jüdischnationalen erkannten gar bald, daß für sie eine Arbeit ohne unsere Mithilfe ein© zu arge Verantwortung darstellt und gingen, spät aber doch, auf unsere von allem Anfang ah' gestellten Forderungen hinsichtlich der Besetzeung der Stellen im Vertreterkollegiüm und in den Kommissionen ein. Seit damals hat sich die Arbeft etwas einträchtiger gestaltet, im Präsidium der Gemeinde sitzt seit dem Ausscheiden des Herrn Dr. Ornsteöi, der nach beinahe zehnjähriger überaus verdienstvoller hingebungsvoller Tätigkeit an dieser Stelle sein Ehrenamt verließ, unser Vizepräsident Dr. Ticho, im Vertreterkollegium und in den Kommissionen arbeiten unsere Mandatare mit rastlosem, niemals erlahmendem Eifer. Ihre Aufopferung zum Wohle" unserer geliebten Gemeinde ist auch von unseren innerjüdischen Geg- Herrn Dr. R au mann steht, nur ein Ziel kennt; Die unermüdliche PfUchterfüllung im Interesse unserer Gemeinde, die das bleiben muß, was, sie war und was ihren Ruhm begründete, die reli-% giöse Vertretung für alle Wiener Juden ohne Rücksicht auf ihre politische und religiöse Ein-' Stellung. Wir haben in diesem Bericht nur in knappsten Strichen die schwierigen Aufgaben gekennzeichnet die die „Union" in dieser ernsten Zeit außer- und innerjüdisch im Interesse der österreichischen Judenschaft zu erfüllen hat. Schon) die allgemeine Charakterisierung, die wir hier boten, wird unseren Vertrauensmännern ein-Bild davon geben, wie gewaltig die Anforderungen waren, die in den Berichtsjahren an unsere Organisationgestellt wurden. Um so betrüblicher ist die Feststellung, daß im April des vorigen Jahres der von uns allen geliebte und geschätzte Mahn von der Leitung unserer Vereinigung zurückgetreten) ist, der seit dem Jahre 1907 in der „Union" an leitender Stelle tätig war und seit dem Jahre 1919 unsere Vereinigung als Präsident führte, Herr Dr. Jakob Ornstein. (Stürmischer Beifall.) Seine Bescheidenheit verbietet es uns gewiß, auch an dieser Stelle die unvergänglichen Verdienste rühmend zu loben, Ihren DOdiernedari decken Sie am besten und billigsten in der Dncbhandinntf — Antiquariat HEBMANN TUCH NEB, In Wien II, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 1t Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebünren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! -

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