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Die Wahrheit · 1935-03-15 · Heft 11 (15.3.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 11 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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QanzWien begeistert! I ■■■■■IHIHHHHHBHIHIHIHHHBHHHHBHHBHHHBHIHHH ■ i»»^——. -.. _ __ ' ' ■ Zu 9essadk fihmidl-Jtlazxoth l £in VcttwA »inl lic Uominl Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwärden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatfkan Srodetefttf Xenfrafc: Wen. 2. Aesfoft. Jteopofdftgamc %S Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Dk S^knam-yKommmmUk und das Fabrikat .JBUmmm Satkmm**U X. Ä." (Mazzoth, Oritfi und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Qathäften. die er sich in schicksalsschweren Jahre« des Krieges. und der Nachkriegszeit um die „Union" und damit um die österreichische Judenschaft erworben hat Anläßlich seines Scheidens von der Präsidentschaft der „Union!", das gleichzeitig mit der Niederlegung seines Amtes als Vizepräsident der Kultusgemeinde erfolgte, wurde ihm in mehrfacher Weise von berufener Seite der innigste Dank der „Uräbn" für all das bekundet, was er, der Unermüdliche, für die österreichischen Juden bisher geleistet hat Wenn wir heute den damals vom Zentralvorstand und Klub der „Union" gemeinsam gefaßten Beschluß auf Ernennung des verdienstvollen Kämpfers für unsere Sache zum Ehrenpräsidenten der „Union!" durch die Delegiertenversammlung ratifizieren lassen, so wollen wir auch heute zum Ausdruck bringen, daß wir von Liebe, Verehrung und Dankbarkeit für unseren Dr. Ornstem erfüllt sind und immer bleiben werden. (Erneuter tosender Beifall.) Die Leitung der „Union" hat nach dem Rücktritt des Herrn Dr. Ornstein Herr Dr. Ticho als geschäftsführender Präsident irme. Er hatte sich bereit erklärt bis zu jenem Momente die Leitung zu führen, da ein würdiger Nachfolger des ausgeschiedenen Präsidenten bestimmt wird. Gleichzeitig hat wie bereits erwähnt Herr Dr. Ticho die Stelle als Vizepräsident der Kurtusgemeinde Übernommen; für seine eifrige Tätigkeit an beiden verantwortungsvollen Posten sei ihm unser herzlichster Dank ausgesprochen. (Lebhafter Beifall.) Daß die vielfältige Tätigkeit der „Union" ihren Widerhall in zahlreichen Versammlungen derselben in allen unseren Bezirksorganisationen fand, braucht nicht besonders betont zu werden. Zu allen aktuellen Ereignissen haben wir je nach ihrer Gewichtigkeit in größeren und kleineren Kundgebungen Stellung genommen. Die erfreulich starke Beteiligung unserer Mitglieder und Freunde an diesen Versammlungen entbebt uns der Aufgabe, die Themen, die in denselben behandelt wurden, hier im besonderen anzuführen. Wir erwähnen nur die großartige Wassermann-Feier im Handelstnuseum, die Versammlungen, die wir anläßlich des Erscheinens des Czermak-Buches, der Verfassungsänderung, des Schulerlasses, des Berner Protokollprozesses, der Konfiszierung des Logebuches, des Inkrafttretens der Gewerbeordnung abgehalten haben und verzeichnen mit besonderer Genugtuung die Tatsache, daß so wie diese Erörterungen aktueller politischer Fragen auch die in letzter Zeit wiederholt vorgenommene Behandlung wichtiger wirtschaftlicher Themen lebhaften Anklang gefunden hat Dieses Interesse dokumentierte sich auch in der Neubelebung mancher Bezirksorganisationen der „Union", wobei insbesondere die Reorganisierung der Bezirksorganisation Neubau, die nun unter einer tatkräftigen Leitung emsig arbeitet, lobend zu erwähnen ist Auch die Jugendgruppe d e r „U n l o n" wurde vor kurzem unter Leitung des Obmannes Dr. Egon Spiel mann reorganisiert und ist eifrig bemüht nach den großen Erfolgen, die der Vortragsabend des Herrn Reg.-Rat Dr. Oppenheim und das Werbemeeting darstellten, in politischer, kuItureHer und gesellschaftlicher Hinsicht einen Sammelpunkt für die österreichisch-jüdische Jugend, zu schaffen. Besonders groß war der Erfolg, den wir auch in den vergangenen Jahren mit unseren Veranstaltungen anläßlich von Chanuka und Purim erzielten. Nach emsiger Vorarbeit eines Vergnügungskomitees, das immer ein passendes Festprogramm zusammenzustellen wußte, und dem sich in dankenswerter Weise freiwillige Mithelfer aus allen Kreisen der „Union" insbesondere unter unseren Damen zur Verfügung stellten, wurden Akademien veranstaltet die lebhaften Zuspruch fanden und allseits als wahre Höhepunkte unter den gesellschaftlichen Veranstaltungen im jüdischen Wien geschätzt wurden. Die vielen Veranstaltungen politischer, kultureller und gesellschaftlicher Art die immer je nach den Erfordernissen in ein anderes Lokal, verlegt werden mußten, ließen uns besonders deutlich die Richtigkeit der Ansicht jener vielen bestätigen, die einen besonderen Aufschwung der „Union" und ihrer Unterorganisationen von der E rwerbung eines zentral gelegenen Klubheimes erwarten. Von der Stichhältigkeit dieser Auffassung durchdrungen, hat der Zentralvorstand der „Union" im abgelaufenen Jahre ein Klubheimkomitee eingesetzt das nun vor der Erfüllung der ihm gestellten Aufgabe steht Es ist ein zentralgelegenes Klubheim in Aussicht genommen, . das allen: Erfordernissen in bezug auf Raumverhältnisse und Lage, entspricht Wir beginnen nun mit der Werbung von Mitgliedern für einen Klub der Mitglieder und Freunde der „Union", dem die Verwaltung dieses Heimes überantwortet werden soll, und hoffen, daß viele unserer Mitglieder und Freunde in Erkenntnis der Notwendigkeit eines solchen Heimes für den Aufschwung der JLJnion" die Klubmitgliedschaft erwerben und damit uns helfen werden, eine Zentralstelle der vaterländisch gesinnten österreichischen Judenschaft zu schaffen. In dem Jahre, da die „Union" ihr fünfzigjähriges Jubiläum begeht soll diese Zentralstelle geschaffen werden. Fünfzig Jahre „Union" bedeutet fünfzig Jahre unentwegter Kampf im Interesse und zum Wohle der österreichischen Judenschaft. Unser Bericht sollte zeigen, daß wir auch in den abgelaufenen Jahren unserem Ziele, alles zu tun, was im Interesse der österreichischen Judenschaft liegt treu geblieben sind. Diesem Ziele zu dienen, ist unsere oberste Pflicht; an der Erreichung dieses Zieles mitzuarbeiten, aber nicht nur Pflicht der Leitung unserer Vereinigung, sondern jedes einzelnen Mitgliedes derselben. Jedes Mitglied der „Union" trägt mit die Verantwortung. Wir müssen' gemeinsam arbeiten fm Interesse der Juden Oesterreichs. Möge dieser Arbeit Segen und Erfolg beschieden sein! Was lehrt ans die Megillah? Mit den Worten „Es ereignete sich in den 'Hagen des Ahasveros" beginnt die sogenannte „megflath esther", die Rolle Esther. In dieser Rolle wird von einem ungeheuren Unglück, das unseren Ahnen drohte, und wie sie diesem entgingen, berichtet. „Es ereignete sich in den Tagen." Einsa biblische Geschichte, die mit diesen Worten beginnt deutet Schmerz an, stellt der Talmud fest Seit der talmudischen Zeit beginnt leider jede jüdische Geschichte mit diesen Worten. Es eUeägnete sich in den Tagen des Mittelalters, es ereignete sich in «fn Tagen des Dreyfus-Prozesses, es ereignete sich in den Tagen des russischen Zaren usw. Es waren Tage, in. denen wir immer wieder bedrängt wurden und in denen wir aber auch die uns zugefügten Schmerzen überwanden. In den Tagen des Ahasveros: „Da sprach Haman zum König Ahasveros, da ist ein Volk, zerstreut und versprengt unter die Völker, durch alle Landschaften deines Königreiches, deren Gesetze unterschieden sind von denen der anderen Völker, aber das Gesetz des Königs halten sie nicht und dem König bringt es nichts ein, wenn er sie läßt" Armer Schleicher, armer Riehl, armer Baxa und wie alle anderen Judenfresser heißen, nach zweitausend Jahren steht ihr noch immer dort, wo euer Vorgänger Haman stand, habt ihr uns nichts anderes als das, was er sagte, vorzuwerfen. Und wir? Wie sollen wir euch antworten? Wie unsere Väter Haman geantwortet haben: „In den Tagen des Ahasveros", heißt es im Talmud, „bestätigten die Juden das, was sie bereits vor langer Zeit nahmen." „Sie nahmen spontan nochmals die Lehre vom Berge Sinai an." Auch m späteren Zeiten, suchten und fanden unsere Väter in der Not einzig und allein in der Heiligen Schrift Trost und Schutz. So oft sie wegen ihrer Religion verfolgt wurden, kehrten sie erst recht zu ihr zurück. So antworteten unsere Väter ihren Verfolgern. Und in unseren Tagen, wenn man uns auf der einen Seite als minderwertig ablehnt und auf der anderen in neuer „Erfüllung" nach uns die Arme ausstreckt bleibt uns ebenfalls nur diese eine Antwort übrig: erst recht zurück zum Judentume, zum geistigen Judentume, zur jüdischen Lehre, dies lehrt uns die Megillah. —n. Caveant consules! Em Schmerzenskind, genauer ein Wechselbalg der Jüdischnationalen wurde auf der letzten Tagung der Delegiertenversammlung des Zionistischen Landesverbandes ausgepackt die famose Landespolitik. Die radikalen Zionisten, die jetzt bekanntlich wieder — wie lange? — dem Landesverband angehören, wollten den seinerzeit von dieser Körperschaft gefaßten Beschluß, wonach die Landespolitik nicht zum Tätigkeitsgebiet! des Landesverbandes gehört aufheben lassen. Da hatten sie aber die Rechnung ohne ihre „Freunde", die allgemeinen Zionisten gemacht Die wollen von „Veränderungen an dem derzeitigen Zustand bezüglich Resfaaraat lolel Slctaalc vonnala Opaiar II., Tatorstraftc n, ich B 4«-S-Sf «Mb Atufiabiga Braua-ÄUna» s l.M mm» 167 J Q.flool- „ SMO WW VoraBf Ucha Zubaraitaac — Scfcwacbatar Blara — Natanralna GroBarSaaltitBahne ItrTcTUiitmltaagvnu. Hoduattaa abtagabea der Landespolitik" nichts wissen. Das wäre von unserem Standpunkt nur durchaus erfreulich. Die Erkenntnis, daß der zionistische Landesverband auch weiterhin ganz gut ohne die gefährliche Landespolitik auskommen kann, könnten wir, die wir die Schädlichkeit dieser Politik seit vielen Jahren festgestellt und deshalb die Landespolitik seit jeher mit aller Kraft bekämpft haben, nur aufs herzlichste begrüßen. Aber diese Freude wird getrübt durch die Empörung über die Begründung, die dem Beschlüsse auf weitere Ausschaltung der Landespolitik gegeben wird. Die Herren vermögen sich zu dieser politischen Reife bloß deshalb aufzuschwingen, weil ihrer Ansicht nach eine andere Körperschaft die LandespoHtök besorgen kann. Wer ist diese Körperschaft? Es ist — man höre und staune — die Kultusgemeinde, die „die bürgerlichen und politischen Rechte der österreichischen Judenschaft zu vertreten und wahrzunehmen hat". Der Einwand, daß die Festsetzung solcher politischer Aufgaben in krassem Widerspruche zu dem Statut der Gemeinde steht das dieser — wenn auch in weitestem Sinne — lediglich religiöse Aufgaben zuweist wird von den Jüdischnationalen abgetan mit der Feststellung, daß diese politische Formulierung „im Sinne des zionistischen Kultusgemeinde-Programms" ist Das Gemeindeprogramm einer einzelnen jüdischen Partei soll also maßgebend für eine radikale Aenderung des Aufgabenkreises jener religiösen Körperschaft sein, die das gesamte Judentum zu vertreten hat Auf diesen Dreh wird

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