Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 10 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 10—8. März 1935 DIE WAHRHEIT Pessach in Palästina Der Palestine & Orient Lloyd, die jüdische Weltorganisation für Palästinareiben, Vertretung für Österreich: Reisebüro (City Dr. I. H. Körner, Wien I. Bezirk, Kohlmarkt 8, veranstaltet auf dem beliebten Italien. Ozeandampfer „Saturnia" (24.000 t) eine f Gesellschafts-Reise nach Palästina Verlangen Sie Prospekte l Rumänische Baueraparte; gegen Numerus clausus. Das Exekutiv-Komitee der Nationalen Bauernpartei Rumäniens hat in seiner letzten Sitzung die Numerus clausus-Aktion des ehemaligen Präsidenten der Partei und früheren Ministerpräsidenten Yaida Voevpd als dem Parteiprogramm widersprechend desaypuiert. In führenden qationalzaranisüschen Kreisen wird erklärt, daß die Massen der Partei nur das offizielle Programm kennen und nur einen Exponenten: Jon Mi ha lache. Indessen setzt Vaida die Propaganda für sein Programm des Numerus clausus auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lehens sowie im Erziehungswesen intensiv fort. Z. T. A. Erfolge des „Judenkenner". Der Berliner „Judenkenner", der eine Serie „Im Schatten der Synagoge" angekündigt und alle „Deutsche" zur Hergäbe von „Material Ober jüdische Frechheiten und Verbrechen" aufgefordert hat, bringt in seiner Nrl 4 als erste Fracht' dieser Aktion eine Reihe Artikel und Nötize'u unter dem Gesamttitef „Im Schatten der Synagoge*", deren schmutziger Inhalt kaum wiederzugeben ist Die betreffenden Ueberschriften lauten u.a.: ..Geile Judengier nach deutschen Frauen." „Schweinische Rassenmoral." „Schändungen von Erzieherinnen." „Vergewaltigung mit dem Revolver." „Judenweiber sielen auf der Butter herum." „Wann kommt das Handelsverbot für Juden im Nahrungsmittelgewerbe?" „Der Judenfinger." „Die geheime Judenhand." U. v. a. Palästina-Nachrichten. Im englischen Unterhaus richtete Josiah Wedgwood an den Kolonienminister die Frage, wieviele Flüchtlinge jetzt als „illegale Einwanderer" sich in Palästina-Gefängnissen befinden und wie viele von ihnen auch nach Verbüßung der ihnen zudiktierten Gefängnisstrafen noch im Gefängnis zurückbehalten werden. Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e L i s t e r erwiderte, laut Mitteilung des High Commissioner verbüßen gegenwärtig 25 Juden wegen Verletzung der Einwanderungsvorschriften eine Gefängnisstrafe. 87 andere wurden nach Verbüßung der Strafe im Gefängnis zurückbehalten. Von diesen werden in wenigen Tagen viele gegen Kaution freigelassen werden: er erfahre, daß IS bereits auf freiem Fuße sind. Auf die Frage Wedgwoods, ob solche Personen endlos gefangengehalten werden können, erwiderte der KolorH'enminister. laut der Immigration Ordinance von 1923 sei der High Commissioner befugt, illegal in Palästina weilende Personen so lange in Haft zu behalten, bis es möglich geworden sei, Arrangements für ihre Repatriierung zu treffen. Das jetzige Vorgehen des High Commissioner sei also vollkommen legal, und es sei auch von der Notwendigkeit diktiert, daß die Einwanderung nach Palästina nur den richtigen Leuten freistehen soll. Die Dauer der Zurückhaltung illegal Eingewanderter Mngt von der Dauer der Arrangements zu ihrer Ausweisung'ab. Der High Commissioner zeige sich immer bereit, Häftlinge gegen eine angemessene Geldbörgsphaft freizulassen. '"' * Die b$bräis.che Tageszeitung „Haare?" klagt im Leitorfc^eJ Ö^rjibeir, daß <p? nisten wegen illegaler Einwanderung iA den Gefängnisseni zu 'Äkko und Jerusalem unJsrgebjraj^en'Juden noch nicht aus der Haft entlassen sind,, w^U die Kautions- und Burgschaftsbj^igungen ffir sie noch nicht erfüllt werden l^nnt?^ „rtaare?" wirft den Juden und den jüdischen r^örpejscharien Palästinas "Ma age 1 an B'r'udersinn vor " und 'fordert sofortige Stellung von Bürgsphafteg zwecks Freilassung ider Inhaftierten. * Im Tel Aviver Beth Haant wurde die jetzt in ganz Palästina durchgeführte Aktion für religiöse Haltung des Sabbath mit einer Kundgebung eröffnet, die von tausenden Personen besucht war. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde von Tel Aviv, Syrkis, leitete die Kundgebung. Die Hauptrede hielt Rabbi Meir Berlin, der Führer des Weltmisrachi. Der Vizebürgermeister von Tel Aviv, Rokach, teilte mit, daß die Stadtverwaltung im Begriff sei, das 1925 aufgehobene Sabbath-Beobachtungsgesetz wieder in Kraft zu setzen. Nach einer zweiten, in der Tel Aviver Großen Synagoge abgehaltenen Kundgebung für religiöse Sabbathlialtung kam es in den Straßen von Tel Aviv zu Zusammenstößen, bei denen zehn Personen verwundet und zehn verhaftet wurden. Versammlungsteilnehmer hielten in' den Straßen Taxis an und zwangen Chauffeure und Insassen zum Aussteigen. In einigen trotz des Sabbath geöffneten Läden wurden die Schaufenster eingeschlagen. » Wie die Jüdische Telegraphen Agentur erfährt, wird die Regierung in den Etat des im April 1935 beginnenden Verwaltungsjähres für Schulzwecke einen Posten von über 250.000 Pfund einstellen. Die Regierung lehnt es jedoch ab, der Forderung des Waad Leumi zu entsprechen, daß die Regierungsbeihilfe für das jüdische Schulwerk im Verhältnis zu der Zahl der jüdischen Schüler erhöht werde. Die Weigerung der Regierung, dem Verlangen des Waad Leumi Rechnung zu tragen, hat starke Mißstimmung erregt. Man fürchtet, daß die Zukunft des jüdischen Schulwerks durch diese Haltung der Regierung gefährdet werden könnte. „Wir starben für Deutschland". Im Vortrupp-Verlag, Berlin SW 29, sind vor kurzem die „Kr iegsb riefe gefallener deutscher Juden", herausgegeben vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten e. V., erschienen. Das Buch schmückt eine Zeichnung Max Ljebermanns. Dem Werk entnehmen wir folgenden Brief des Kriegsfreiwilligen Arthur Kaufmann, der achtzehnjährig an der Lorettohöhe fiel. Der Brief spricht für sich selbst durch seine Schlichtheit und durch sein glühendes Bekenntnis für Deutschtum und Judentum. „Ob ich auch fern von Euch weile, habe ich doch nicht vergessen, daß heute Abend das Cfianukkahlicht entzündet wird, und mehr als einmal stieg heute die Erinnerung in mir auf, wie wir alljährlich in freudiger Erwartung den lieben Vater umstanden, als er unter feierlichem Gesänge das ChanukkahÜcht entzündete, und mehr als einmal klangen mir die Klänge des Moaus zur Jeschuossi ans Ohr. Heute abend wird das Freuden. Iichtlejn, wohl nicht leuchten, das schöne Lied wird nicht erklingen. Aber, liebe Eltern, wie die Makkabäer für eine hpilige große Sache ins Feld zogen, so kämpfen auch Eure Söhne für Recht und"Gerechtigkeit' gegen Gewalt und Tyrannei und, wenn wir siegreich aus diesem Kampf zurückkehren, dann dürfen wir mit Recht das Licht der Weihe in Dankbarkeit gegen Gott entzünden und dann' wollen Wir heller und freudiger iu das alte Freudenlied einstimmen." 9emeindedkronifz. Rom. Wie der JTA-Vertreter in Rom erfährt, wird das durch den Tod von Professor Dr. Angelo Sacerd o t i freigewordene Amt des Oberrabbiners von Rom zunächst eine Zeit lang nicht besetzt werden. Als Kandidaten für die Neubesetzung des Amtes kommen außer dem Oberrabhiner von Alexandrien, Professor David Prato, noch der Stadtrabbiner von Florenz Dr. Artom und der Oberrabbiner von Tripolis, Professor Castelbolognesi, in Betracht Mit dem Ableben des Oberrabbiners Sacerdoti ist die Krisis im italienischen Rabbinat noch akuter gewordenal früher. Es gibt nun vier große italienische Städte, die keinen Rabbiner haben: Rom mit 12 000, Genua mit etwa 6000, Florenz mit 3500 und Padua mit über 1000 jüdischen Seelen. Ferner haben mehrere kleinere Städte, unter ihnen Vercelli und Reggie, keinen Rabibner. Qualifizierte Rabbiner gibt es in Italien wenig, und die italienisch-jüdischen Gemeinden sehen davon ab, Rabbiner aus dem Ausland einzuladen. Schechifa-Konflikt in Warschau. Die Warschauer Stadtverwaltung hat amtlich bekanntgegeben, daß sie die L e i t u n g d e s g esamten Schlachthausbetriebes, einschließlich der jüdischen rituellen Schlachtung, übernimmt Die Sc Ii ächter werden Angestellte der Stadt Gegen diese bereits seit einige Zeit geplante Regelung ist von jüdischer Seite energisch Stellung genommen worden. Das Rabbinat hatte schon vor einigen Wochen erklärt,- daß. nur das Fleisch von Tieren, die von den unter" einer unmittelbaren Aufsicht stehenden Schochtim geschlachtet sind, als rituell zulässig anzusehen sei, und hat an die jüdische OeffentJichkeit den Appell gerichtet, von den im Schlachthaus selbständig tätige?^Schbchtirn kejn Fleisch zu übernehmen. Der Rabbiner-Verbarid hat eine außerordentliche Sitzung einberufen, in der, wie der JTA riiitge- $eilt wird, eine Protestresolution dagegen gefaßt würde, daß die Warschauer. Stadtgemeinde die bisher der jüdischen Gemeinde unterstellte Schecljita nunmehr in eigener Verwaltung ausüben lassen will. Eine' Delegation von Rabbinern wurde vom Kultusminister empfangen, der der Abordnung versprach", daß das Ministerium die Sache entsprechend den Wünschen des Rabbinats behandeln werde. Die Executive des polnischen Rabbinerverbandes, der über 900 Rabbiner in ganz Polen repräsentiert, hat in einer Resolution das Vorgehen der Warschauer Stadtverwaltung als eineja Anschlag gegen das jüdische Gesetz und gegen die Existenz der jüdischen Gemeinden in Pölen gebrandmarkt. Warschau. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur seitens der Bildungsorganisation „Horeb" bei derAgudas Jisroel mitgeteilt wird, sind die Verhandlungen, die der Abgeordnete Minzberg betreffend die ö f f e n t I i c hrechtliche Anerkennung der Chedarim mit dem Kultusministerium geführt hat, erfolgreich zum Abschluß gekommen. Damit ist die Frage der A nerkennung des religiösen. Schulwerks, die im letzten Jahr die religiöse Judenheit Polens dau- 1 GROSSFLEISCHHAUERE! flEGM. KORNHEHL WIEN IX., REROGASSE NR. 19 HUALfi XVMI.I WÄHRlNafaSTRAS» M Telephon Nr. A 17*99 and A 16-8-34 Uatorant fOr HallanataltM AbteilufigenfürKoscherfleisch ■wte* Aufstellt ■•• «hrw. Rsbsfnates ■?•»■ Isis RiilHiag«m*tads Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlieh Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen ernd in Spannung gehalten hat, endgültig in positivem Sinn entschieden worden. Die Chedarim gelten von nun an als Schulen, durch deren Besuch die allgemeine Schulpflicht erfüllt wird. Ihre Zeugnisse sind denjenigen der öffentlichen Schulen gleichwertig. Riga. Im Alter von 67 Jahren verstarb in Riga nach schwerer Krankheit der bekannte Rigaer Raw Schalom Menachim-Mendel Awin, der sein Rabbineramt in Riga seit fast 40 Jahren bekleidet hat und sich über seine Gemeinde hinaus hohen Ansehens erfreute. Todesfall. Frau Alexandrine Kende- Ehrenstein, die Gattin des Kunsthändlers und Auktionators Albert Ken de und Schwester des Herrn Komm.-Rat Th. Ehr enstein, ist yergahgeperi Freitag nachts nach langem schweren Leiden Verschieden und wurde letzten Sonntag unter zahlreicher Beteiligung begraben. Die kantorale Funktion versah mit tief z» Herzen dringendem Trauergesang unter Chorassistenz Herr' Oberjiantor Ma'rg'ulies, die seelsorgerische Herr Öberrabbirier Dr. Täglicht. in ergreifender Rede schilderte er die großen Fähigkeiten dieser seltenen Frau, mit der eine innerlich geschlossene harmonische Persönlichkeit dahingegangen ist. Ihre geistige " und seelische Kultiviertheit " trugen ihr die Wertschätzung auch seitens der vornehmsten Kreise der Wiener Gesellschaft ein. Unter dep Trauergästen bemerkte man eine Abordnung der B. B. Loge' „Wien" unter Führung ihres Präsidenten Hof rat Dr! Werne r, ferner Hof rat Dr. Pamer, früheren Polizei-Vizepräsidenten, Hofrat Keldorfer, Ehrenchormeister des Schubertbundes, Komm.-Rat Handl, Vizepräsidenten der Produktenbörse. Komin- Rat Berger, Präsidenten des Vereins der Antiquitätenhändler, eine Abordnung der Elbemühl-Verlagsanstalt unter Führung ihres Prokuristen S t o n i c, die Pianistin Renee Gärtner, Generaldirektor Pollak. Fabrikanten Ludwig Honig, Oberbaurat. i. R. Ingenieur S t e 1 z e r, früheren Direktor-Stellvertreter des Technischen Museums, Direktor Ernst Pollak und Gattin, Liesing, Professor Dr. Nowak und Gattin und viele andere. Zahllos sind die Kondolenzen, die dem Gatten und Bruder aus allen Wiener Gesellschaftskreisen zugegangen sind. Einige Wiener Tageszeitungen widmeten der Verstorbenen schöne Nachrufe. Als die Verstorbene ihr bekanntes Buch „Das Miniatur-Porträt" veröffentlichte, überbrachte ihr eines Tages Sektionschef Baron VVeckbecker einen Riesenblumenstrauß mit den Worten: „Der kleinen ebenso geistwie geschmackvollen Frau, die bisher ihr Licht unter den Scheffel gestellt hat" Während ihrer langen Krankheit sandten ihr verschiedene Persönlichkeiten, auch aus der einen oder anderen Gesandtschaft. Blumenarrangements. Goldene Hochzeit. Samstag, den 2. d. M., fand im Leopoldstädter Tempel die Goldene Hochzeit des Ehepaares Moritz und Albertine Weinberger (die Eltern des bekannten Schauspielers Leo Valberg) statt Der Jubilar wurde von Öberkäntor Margulies feierlichst zur Thora gerufen. Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt an den Jubilar eine herzliche Ansprache. Im Tempel war ein zahlreiches Publikum, insbesondere eine größere Deputation der J^discherif Frontkämpfer erschienen. In der Wohnung des Jubelpaares erschien in Vertretung des Bürgermeisters der" Bezirksvorsteher und überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Wien und ein kunstvoll ausgeführtes. Diplom in goldenem RahmejQ sowie ein Ehrengeschenk, lin Samen der KuÜusgemejnde hielt Med.-Rat Dr. Juliuip Weiß eine ' herzliche'Anspräche und überreichte" das Ehrengeschenk. 60. Geburtstag. Dieser Tage feierte im engsten Familienkreis Herr Samuel S ta'gel, langjähriges Vorstandsmitglied des;'Vereines „Bikur Ch^u^mjöC.'V seinen w, Geburtstag und war aus dieseijrtAnlasse Gegenstand herzlichster Beglückwünschungen, die im Hinblick am" die intensive Tätigkeit des Jubilars zum Wohle der Armen durchaus wohlverdient waten. Trauerandachten. Montag, den II. März. %1 Uhr abends (7, Wea,dar), veranstalteten {di.e Chewra Kadisphas der verschiedenen Wiener Bezirke Trauerandachten für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereirismitglieder. Solche Gedächtnisfeiern finden statt: im Gemeindetempel, IL, Tempelgasse 3 (veranstaltet yon der Chewra Kadischa I; Gedenkrede Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c Ii t); im Gemeindetempel, XVI., Hubergasse 8 (Chewra Kadischa XVI/XVlI); im Gemeindetempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39 (Chewra Kadischa XVIII); im Döblinger Tempel, XIX., DolUnergasse 3 (veranstaltet vom Döblinger Tempelverein und der Chewra Kadischa XIX; Predigt: Rabbiner Doktor Frankfurter). Der von der Chewra .Kadische XII—XV im Tempel, XV., Turnergasse 22, veranstaltete