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Die Wahrheit · 1935-03-08 · Heft 10 (8.3.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 10 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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PIE WAHRHEIT Nr. 10 — 8. März 1935 Seite 5 Die Huleh-Konzession — ein Fiasko. HK Von Dr. Maximilian La nid au. II. Der Huleh-Angelegenheit kommt, über den Einzelfall hinaus, noch eine allgemeinere Bedeutung zu. Der Fall Hui eh beleuchtet blitzartig die ganze palästinensische Wirklichkeit und illustriert wieder einmal sehr deutlich, in was für einer Situation wir uns befinden, und wie die Politik aussieht, die von der derzeitigen zionistischen Exekutive im Namen des jüdischen Volkes gemacht wird. Bekanntlich ist das Huleh-Gebiet eines der schlimmsten Malarianester im Lande. Es verpestet die ganze Umgebung und hat eine riesige Sterblichkeit in der anwohnenden Bevölkerung zur Folge. Man sollte meinen, daß die Beseitigung eines gefährlichen Seuchenherdes, durch den jährlich Hunderte von Menschen erkranken und zugrunde gehen, und die Verwandlung von Sumpfländ in fruchtbaren Ackerboden in einem Lande, das nach Boden schreit, zu den vornehmsten Aufgaben einer Regierung gehören müßte, welcher der Schutz von Leben und Gesundheit der ihr anvertrauten Bevölkerung vom Mandat ausdrücklich zur Pflicht gemacht wird. Man bedenke ferner, daß die von den Juden erworbene Konzession sich ja nur auf einen Teil des Huleh-Gebietes erstreckt. Das gesamte Huleh-Gebiet umfaßt etwa 150.000 Dunam, von denen ein Areal von 55.000 Dunam im Besitz der Regierung ist, also zu jenen Staatsländereien gehört, die nach dem Wortlaut des Mandates für jüdische Siediungszwecbe zur Verfügung zu stellen sind. Wenau wirklich die formalrechtlichen Eigentumsschwierigkeiten auf den anderen Teilen des Huleh-Gebietes unüberwindbar waren, so stand doch der Entsumpfung zumindest der staatlichen Terrains nichts im Wege. In der ganzen Welt werden derartige Arbeiten von Staats wegen durchgeführt. Alle größeren Trockenlegungsaktionen der letzten Jahre, die Arbeiten in den Pontinischen Sümpfen, an der Zuidersee, im ostpreußischen Moorgürtel, wurden selbstverständlich von regierungswegen und auf Staatskosten in Angriff genommen. Wo hätte man je gehört, daß solche Arbeiten Privatleuten zugemutet würden, — außer wenn es sich um finanziell schwache Staaten handelt, deren eigene Kräfte hierfür nicht ausreichen und die unternehmungslustiges Privatkapital durch Gewährung so großer Privilegien und so beträchtlicher privatwfrtschaftlicher Vorteile und Zugeständnisse anlocken, daß die Gewinnaussichten für den Unternehmer auf der Hand liegen. Daß die Palästinaregierung mit finanziellen Schwierigkeit zu kämpfen hätte, wird man nicht gut behaupten können. Ende Oktober betrug der reine Verwaltungsüberschuß 3% Millionen Pfund, den erheblichen Währungsgewinn aus dem Disagio zwischen palästinensischem und englischem Pfund umgerechnet. Was macht die Regierung mit dem Geld, in! dem sie beinahe erstickt? Wir wissen, sie zahlt an Londoner Banken Zinsen für die höchst überflüssigeAnleihe, die siedemLanideaufoktroyiert hat, und vergibt ihrerseits ä fo nds perdu (Anleihen) an Transjordanien, in das kein Jude seinen Fuß setzen darf. Aber was macht sie sonst damit und wozu legt sie sich einen so unverhältnismäßig großen Reservefonds an? Hinter dieses Mysterium ist noch niemand gekommen. Selbst die Mandatskommission legt da ihrer Wißbegierde Zügel am Genug, die Tatsache steht fest, daß die Regierung es nicht als ihre Aufgabe betrachtet, ein gefährliches Malariagebiet zu sanieren und den darauf angesiedelten Arabern eine menschenwürdige Existenz zu ermöglichen, vielmehr die Sorge um die Gesundheit der Araber der jüdischen Bevölkerung überläßt, die sich die Mittel hierfür von ihren Volksgenossen im Auslande zusammenbetteln soll. Sie findet es weiter für angemessen, daß die Juden für die Ehre, die Regierung von einer ihr obliegenden unangenehmen Aufgabe entlasten zu dürfen, mit einem phantastischen Barbetrag und — falls unsere Befürchtungen sich als wahr erweisen sollten — noch mit politischen Zugeständnissen allerersten Ranges bezahlen. Und damit die Juden sich etwaige bescheidene Hoffnungen auf eine steuerliche Erleichterung nach den vielen Opfern gleich aus dem Kopf schlagen, präsentiert sie in dem soeben veröffentlichten Entwurf zu einem neuen Bodensteuergesetz die Bestimmung, daß Pioniersiedlern für die ersten Jahre ihrer Niederlassung keinerlei Steuervergünstigungen gewährt werden. Diese unverhohlene Ausnutzung der Notlage eines Volkes, diese gar nicht zimperliche Ausbeutung des jüdischen Bodenhungers, im jüdischen Nationalheim und von einer Regierung, die für die „Erleichterung" der jüdischen Kolonisation Sorge zu tragen hat, wird von der Zionistischen Exekutive, ohne mit der Wimper zu zucken, hingenommen. Die demütigende Behandlung, diie in dem ganzen Vorgehen der Regierung liegt, wird von dieser Exekutive stillschweigend geschluckt, einem Gremium, dem u, a. auch Herr Grünbaam als Mitglied angehört: derselbe Herr Grünbaum, der in Polen jede Politik der Mäßigung und des Ausgleichs mit der Regierung als Verrat gebrandmarkt und mit seiner sturen „Kampf"- Politik die polnische Judenheit an den Rand des Abgrunds gebracht hat und der jetzt sich darin nicht genug tun kann, der Palästmaregierung für die Huleh-Aktion Loblieder zu singen. Angesichts eines solchen Zustandes der Dinge ist es begreiflich, wenn der Fall Huleh zu mancherlei grundsätzlichen Betrachtungen anregt. Wie soll das eigentlich weitergehen? Wie viele solcher Huleh's kann sich das jüdische Volk noch leisten? Sollen wir in Palästina noch weiterhin jedes einzelne Sandkorn mit Gold er- Allen Institutionen und Freunden, die mir Worte des Beileids und des Trostes gespendet haben, danke ich auf diesem Wege herzlichst MOSES RATH kaufen? Die Mär, daß-das-jüdische Volk unerschöpflich reich ist, ist doch nur eine Vorstellung, die nur in den Köpfen naiver Antisemiten spukt. In Wirklichkeit sind doch die Juden eines der ärmsten Völker der Welt; und die Zahl der paar jüdischen Magnaten, die ihre Mittel anstatt zur Gründung von Zahnkliniken für Neger für jüdische Zwecke zur Verfügung stellen, wird immer geringer. Die Frage, wie denn bei solchen politischen Grundlagen das Aufbauwerk in Erez Israel mit Erfolg weitergeführt werden kann, ist eine Sorge, die das Herz eines jeden jüdischen Patrioten belasten müßte. Aber die offizielle zionistische Presse hat für solche Fragen kein Verständnis. Sie möchte sich in ihrem Begeisterungstaumel nicht stören lassen. Sie läßt lieber die Glocken läuten und Dank, gebete sprechen. Wiederaufnahme des Berner Prozesses um die „Protokolle" erst Ende April. Wie der JTA-Verrreter erfährt, wird der Berner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion" wegen der gewaltigen Anhäufung von schriftlichem Material, dessen genaue Prüfung noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, nicht — wie bisher erwartet wurde — im Monat März, sondern endgültig erst in den letzten Tagen des Monats April zur Fortsetzung gelangen. Der Gerichtspräsident hat den 29. April als Termin zur Rechtsfortsetzung festgelegt. Das Martyrium der Saar-Juden hat begonnen. Die Saat der vom Reiche her unter Führung von Julius Streicher betriebenen Verleumdungshetze gegen die Saarjuden beginnt bereits im Saarlande aufzugehen. In Saarbrücken und m anderen Orten des Saargebiets werden bereits antijüdische Bekanntmachungen an die Häuserwände geklebt. Die Fenster jüdischer Geschäfte werden mit Beschimpfungen und Warnungen vor dem Einkauf bei Juden beschmiert. Der „Stürmer", besonders diejenigen Nummern des Hetzblattes, in denen die Saarjuden des Verrats an Deutschland bezichtigt werden, wird in den Straßen angeboten und massenhaft verbreitet. Samstag, den 23. März 1935, 8 Uhr abends in sämtlichen Festsälen des Handelsmuseums, Wien Dt, Berggasse 16 Große Purimfeier dar „Union» Erstklassige Akademie Tanz — Unterhaltung Karten zu S 3.— und S 2.— (Jugend-Union) im Sekretariat der »Union*. Wien IX., Berggasse 4 Die „Union" an Präsidenten Masaryk. Die „Union österreichischer .luden" hat an Präsidenten Tb. G. Masaryk folgendes Telegramm gerichtet: In dankerfüllter Erinnerung an Euer Exzellenz unerschrockenes selbstloses Eintreten für Recht und Gerechtigkeit gegen Fanatismus und Vorurteil in Hilsner- Affäre entbietet ergebenste Glückwünsche „Union österreichischer Juden." An die Mitglieder der bisherigen Deutschen Front werden Aufrufe gerichtet, in Massen in die SA und SS einzutreten; auch diese Aufrufe arbeiten mit den bekannten antisemitischen Argumenten. Das Rettungswerk für die Jüdischen Kinder in Deutschland. In einer Sitzung des Women's Appeal Commitee for German Jewish Women and Children hielt Lady Herbert Samuel in London eine Ansprache, in der sie u. a. ausführte: Die Lage der Juden in Deutschland ist ernst und wird noch geraume Zeit ernst bleiben. Man kann sich die entsetzliche Erniedrigung, der die deutschen Juden ausgesetzt sind, kaum vorstellen, das Blut kocht in einem. Und doch dürfen wir uns nicht entmutigen lassen, sondern müssen dem deutschen Juden das Leben ermöglichen, so daß er mit Stolz sagen kann: Ich bin ein Jude! Die Judenverfolgungen in Deutschland waren ein Weckruf an alle Juden und Halbjuden der Welt. Juden und Nichtjuden haben sich zur Hilfeleistung zusammengeschlossen. Besonders tragisch ist die Lage der jüdischen Jugend in Deutschland, die zum großen Teil Deutschland verlassen muß. nachdem sie eine Umschichtung durchgemacht hat. Das Schicksal der Kinder liegt uns besonders am Herzen. Bei ihnen entwickelt sich ein Minderwertigkeitskomplex, und nie vielleicht werden diese Kinder die Aengste, die sie jetzt auszustehen haben, überwinden. Wir müssen den Eltern helfen, ihre Kinder nach England oder nach Palästina zu schicken. Z. T. A. Der Rassenwahnsinn. Der hervorragende ungarische Publizist und Literat Roland H e g e d ü s, ehemaliger Finanzminister, der dieser Tage seinen 1000. Artikel in der großen Tageszeitung „P e s t i H i r 1 a p" veröffentlicht hatte, äußerte sich in einem Schreiben an den Advokaten Dr. Friedrich Großmann wie folgt über den Rassenwahnsinn des Dritten Reiches": „.. . Als Soziologe vertrete ich die Auffassung, daß das Aufwerfen des ganzen Rassenproblems nicht nur Anachronismus, sondern auch eine soziologische Unmöglichkeit ist. Denn wenn lediglich oder in erster Reihe die Arier geeignet wären, die christliche Kultur weiterzuleiten, so müßten zuerst wir Ungarn von der Bildfläche verschwinden, desgleichen aber auch die gesamte japanische Kultur. Wir müßten eigentlich zum Ergebnis gelangen, daß die indische Hindus — als die reinsten Vertreter des Ariertums — mit der Leitung der großen Weltstaaten betraut werden sollten, so in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Frankreich und Italien, wo bisher die Leitung der Staatsgeschäfte in den Händen von Männern lag, in deren Adern vermischtes Blut floß." Warum geht's in Kanada? Der Vorsitzende des Winnipeger Gerichtshofes, Richter Montague, hat auf Grund der im April 1934 vom Parlament des Staates Manitoba einstimmig angenommenen Novelle zum Gesetz gegen Verleumdung, durch die jedem Angehörigen einer Rasse oder eines Glaubens Klagerecht bei Kollektivbeleidigung seiner Gemeinschaft eingeräumt wird, den kanadischen Nationalisten und Herausgeber einer antisemitischen Zeitung William Whittaker durch Gerichtsurteil verpflichtet, keinerlei gegen die Juden gerichtete Verleumdungen mehr zu veröffentlichen. Eine einstweilige Verfügung in diesem Sinne war bereits am 8. November bei der Eröffnung des Gerichtsverfahrens gegen Whittaker ergangen. Die Klage war im Einvernehmen mit dem kanadisch-jüdischen Kongreß von dem Kriegsteilnehmer Hauptmann William Tobias erhoben worden. Der unmittelbare Anlaß für die Erlassung einer Gesetzbestimmung wegen Kollektivbeleidigung im Staate Manitoba war der Wunsch, der antisemitischen Propaganda entgegenzutreten und insbesondere die Verbreitung der sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion" zu verhindern. Manitoba ist der erste kanadische Bundesstaat, in dem ein solches Gesetz in Kraft ist; die kanadisch-jüdische Kongreß ist bemüht, die Annahme entsprechender Gesetzbestimmungen auch in den übrigen kanadischen Provinzialstaaten zu veranlassen.

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