Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-03-01 · Heft 9 (1.3.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 9 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064564--20114-3085324
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Voraus muß man denken, sich sichern — versichern In der Zeitschrift „Deutsches Recht" wird über eine Gauführertagung im Hause der Deutschen Rechtsfront berichtet und dabei auch eine Rede des Reichsamtsleiters Dr. Raeke erwähnt» in der -er einen Ueberblick über die Personalentwicklung der Anwaltschaft gab. Hierbei stellte er fest, daß nach einer Mitteilung der Reichsanwaltskatnmer die Zahl der Anwälte rund 18.400 betrage, von denen etwa 14.400 Mitglieder des Juristenbundes seien. Von den restlichen 4000 Anwälten seien 2900 Juden. Phönix tAIIgentelneVei sf chcrungs-Ges. Wien IX. Bez. Aiser platz Nr. 3 Wieder illegale Einwanderer im Hungerstreik. Zehn Juden und vier Drusen, die wegen illegaler Einwanderung zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, sind in den Hungerstreik getreten, weil man sie nach Verbüßumg der Strafen nicht aus dem Gefängnis entläßt. Als man den Häftlingen versicherte, daß sie gegen Kaution von je 25 Pfund freigelassen werden würden, brachen sie nach 24stündiger Dauer den Hungerstreik ab. Nunmehr aber hat sich die Angelegenheit dieser Häftlinge kompliziert. Die Behörden bestreiten, daß den Häftlingen die Zusicherung gegeben wurde, sie gegen eine Bürgschaft von ie 25 Pfund freizulassen; die Anwaltskammer des Waad Leumi behauptet, es sei ihr seitens der Polizei versprochen worden, die Bürgschaftssummen für die Jerusalemer Häftlinge nicht' zu hoch anzusetzen. Die Häftlinge drohen, dem Hungerstreik wieder aufzunehmen, falls ihre Angelegenheit nicht bald geklärt werde Von den Akkoer Häftlingen ist eine Anzahl, für die die erforderliche Kaution und persönliche Bürgschaft gestellt worden waren, in Freiheit gesetzt worden. Für die Häftlinge aber, die vor den Judenverfolgungen in Adrianopel nach Palästina geflüchtet waren, besteht vorläufig keine Aussicht auf Befreiung, da für sie bisher keine persönlichen Bürgen gestellt werden konnten. Z. T. A. Aus der braunen Hölle. Wie der „Westdeutsche Beobachter" in Köln meldet, sprach Reichsminister Dr. Goebbels in einer Kundgebung in Aachen. In seiner Rede kam er auch auf die Judenfrage zu sprechen. Der „Westdeutsche Beobachter" berichtet, daß der Minister „ganz besonders die harte Unerbittlichkeit der Bewegung in der Juden frage herausgestellt" habe. „Prager Tagblatt" meldet aus Berlin: Dem außerordentlichen Professor für Psychiatrie und Nervenheilkunde an der Berliner Universität Dr. Arthur Kronfeld wurde die Leh rbef ähigung entzogen. Prof. Kronfeld, der als Psychiater internationales Ansehen genießt und verschiedene Schriften veröffentlicht hat, ist Nichtarier, konnte aber bisher auf Grund des Berufsbeamtengesetzes nicht pensioniert werden, da er Frontkämpfer ist und im Krieg schwer verwundet wurde. Die Entziehung der Lehrbefugnis erfolgt auf Grund der neuen Habilitationsordnung, die die Möglichkeit bietet, die letzten nichtarischen außerordentlichen Professoren und Dozenten aus dem Hochschulbetrieb zu entfernen. Ihre Zahl ist bereits sehr zusammengeschrumpft Es dürfte sich im ganzen höchstens noch um 20 nichtarische Universitätslehrer handeln, die ihre akademische Tätigkeit in Deutschland bald abgeschlossen haben dürften. * Der schwedische Krebsforscher Professor Soed e r b 1 o m sollte in Heidelberg vor einem auserwählten Publikum einen Vortra.g halten. Er stellte aber die Bedingung, daß auch Nichtarier mit eingeladen werden müßten. Das wurde ihm zugesagt Als jedoch jüdische Aerzte erschienen, wurden sie nicht in den Saal gelassen. Das erfuhr Soederblom. Er kam und hielt einen Vortrag von zwei Minuten. Sein Inhalt war ungefähr: man habe seinen Wunsch auf Zulassung von Nächtariern gebilligt aber nicht erfüllt, nach seiner^Meinung hätten auch Nichtarier gute Arbeit auf dem Gebiet der Krebsforschung geleistet, weshalb er es ablehnen müsse, nur vor Ariern zu sprechen. * Reichsminister Rust hat an Sven Hedin aus Anlaß seines 70. Geburtstages folgendes Telegramm gerichtet: „An Ihrem heutigen 70. Geburtstag gedenkt die deutsche Wissenschaft Ihrer unvergleichlichen Leistungen als Forscher, gedenkt die deutsche Jügend Ihres kühnen Entdeckermutes, gedenkt das ganze deutsche Volk des Mannes, der den Wiederaufstieg Deutschlands seherisch voraussah." Wie „Die Wahrheit" bereits mitgeteilt hat, ist Sven Hedin zum Teil jüdischer Abstammung. Seine Mutter entstammt «iner skandinavischen jüdischen Familie namens Berlin, deren Begründer der um die Mitte des 18. Jahrhunderts in Schweden eingewanderte Abraham Bro^y -war. Das Staminland der Arier gegen dcn deutsch-arischen Wahnsinn. Das Königreich Persien hat vor einigen Wochen offiziell bekanntgegeben, daß der Name des Landes, das gewöhnlich „Persien" genannt wird, in Wahrheit „Iran" lautet und daß daher gebeten wird, in Zukunft nur diese offizielle Bezeichnung zu verwanden. Der Name Iran bedeute soviel wie „S t a m m 1 a n d der Arie r". Die persische Verlautbarung hat in der angelsächsischen Presse zur Erörterung Anlaß gegeben, da verschiedene Stimmen laut wurden, die Verwendung des neuen Namens an Stelle des altgewohnten „Persien" könne Verwirrung stiften. Der persische Gesandte in London hat in der Londoner „Times", der persische Gesandte in Amerika in der „New York Times" zu diesen Einwänden Stellung genommen. In beiden Artikeln wird betont, daß Iran das Land der Arier sei. In dem Brief des persischen Gesandten in Washington, G. Djalal, in der „New York Times" finden wir noch in einer ausführlichen Darlegung der Bevölkerungsverhältnisse folgende' interessante Klarstellung: Die Parsi seien reine Arier, welche noch an ihrer alten Zoroaster-Religion festhalten, ebenso wie dje nach der arabischen Invasion nach Indien eingewanderten. Auch die Armenier seien von arischer Rasse. Was dieT o 1 e r a n z betreffe, die die Perser stets gegenüber anderen Religionen und Rassen, auch 'gegenüber den Nestorianern und den Juden geübt haben, so handle es sich hier um eine ererbte Charaktereigenschaft der arischen Rasse. Auch die Bibel erwähne die Tatsache, daß es Cyrus war, der nach der Eroberung von Babylon die Juden befreit und sie als unabhängiges Volk wieder nach Jerusalem gesetzt hat. Eine gefälschte slovakische Talmud-Ueberseczung. Vor kurzem erschien auf dem tschechischen Büchermarkt eine in slowakischer Sprache verfaßte Broschüre, betitelt „Uryvky z Talmudu", die eine slowakische Bearbeitung der in ungarischer Sprache in Budapest erschienenen gefälschten Uebersetzung Rabbiner Josef Babad und Frau danken auf diesem Wege herzlichst allen geehrten Gratulanten, die sie zur Trauung ihrer Todiier beglückwünscht haben aus dem Talmud von Br. Luzsenszky enthält. Als Uebersetzer figuriert Dr. Viktor Pesz, ein stellenloser Jurist. Die Jüdische Gemeinde in Koäice (Kascb.au) erstattete zusammen mit der Orthodoxen Gemeinde gegen Dr. Pees die Strafanzeige und beantragte die Konfiszierung der Broschüre. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Konfiszierung an, was vom Kreisgericht bestätigt wurde. Die Polizei stellte fest, daß im ganzen 1000 Exemplare gedruckt wurden, es konnten aber bloß 125 Exemplare sichergestellt werden, da Dr. Pees die anderen bereits versandt hatte. Gedenktafelerrichtung. Die Bezirksgruppe I des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs geht daran, der ihr als Soldatenbund obliegenden hehrsten Pflicht zu genügen und das Andenken der gefallenen Kameraden des ersten Bezirkes durch Anbringung einer Gedenktafel im Gotteshause in der Seitenstettengasse zu ehren und zu bewahren. Die Namen unserer teueren Toten, welche auf dieser Tafel verewigt werden, sollen für Gegenwart und Zukunft Zeugnis dafür ablegen, daß wir Juden gleich den übrigen Bürgern dieses Staates die Opferbereitschaft und Treue zu dem österreichischen Vaterlande durch Pflichterfüllung bis in den Tod bewiesen haben. Das soll ihnen unvergessen ein und, in Stein gemeißelt, der Um- und Nachwelt kundgetan werden. Um diese Aufgabe der Pietät und Dankbarkeit zu erfüllen, benötigen wir die freundliche Mithilfe der OeffentBchkeit Wir ersuchen daher behufs Festsetzung der in der Gedenktafel aufzunehmenden Namen jüdischer Kriegskameraden des ersten Bezirkes jedermann, uns die zu diesem Zwecke notwendigen Daten, das ist Vor- und Zunamen. Beruf, letzte inländische Wohnadresse des verewigten Kameraden, dessen Charge und Truppenkörper, sowie Ort. Zeit des Todes und Todesursache mit möglichster Genauigkeit bekanntzugeben, schließlich auch Namen und Adresse der anmeldenden Person beizufügen. Diese Anmeldung wolle innerhalb drei Wochen an das gefertigte Denkmalkomitee schriftlich eingesendet werden. Die Akzeptierung der Namen bekanntgegebener Kameraden für die Gedenktafel erfolgt durch das Denkmalkomitee unter Ausschluß jedweder weiteren Instanz. Für das Denkmalkömitee der Bezirksgruppe I des Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. I.. Wipplingerstraße 24—26: Dr. Leo Horowitz m. p. Dr. Heinrich Baron nt p. Auszeichnung eines Mitgliedes der LeEltlmlstlschen jüdischen Frontkämpfer. Auf Einschreiten der Legiti- -mistischen Frontkämpfer im „Eisernen Ring" (Bundesführer Generalmajor Emil Sommer) hat der Bundespräsident dem Mitgliede dieser Vereinigung, prakt. Arzt Dr. Otto Hahn, in Anerkennung tapferen Verhaltens GHOSlFLliSCHHAUERg ISrtEH IX., SSRGOASS6 MR. 19 fta.tai.Ei XVIZi., W&HRINGESSTRASSS S? TelephoaNr. A 17-349 aad A 13-3-34 Uetarant für Hoitanstaltoo AbteiiuHgenmrKoscherfieisch unter Aufsteht des ehrw. Rabbinatee der Isr. Rultusgemeind« Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreises und der unter Lebensgefahr dem Bundesheer geleisteten ärztlichen Dienste während der Kämpfe im Februar \9M in Floridsdorf, das „Oesterreichische Goldene Verdienstzeichen" verliehen. Anläßlich einer Führertagung am 19. d. überreichte im Auftrage des Staatssekretärs für Landesverteidigung General d. Inf. Zehner, der Bundesführer der Legitinüstischen jüdischen Frontkämpfer im „Eisernen Ring", Generalmajor Emil Sommer, dem tapferen Arzt die ihm verliehene Auszeichnung und verwies in seiner Ansprache auf die Erfahrungstatsache, daß die österreichischen Juden gerade in den schwersten Stunden immer ihren Mann stellen werden, wenn ihnen die Heimat — wo immer — Gelegenheit bietet, sich als Kämpfer für das Vaterland zu bewähren. Barmizwahfeier. Samstag, den 23. Februar, fand im Stadttempel die Barmizwahfeier des stud. Qeza Neumann, Sohn des Herrn Baron Doktor Karl Neumann und seiner Gattin Edith, geb. Baronin Gutmann-Qelse, statt. Oberrabbiner Dr. Feucht wang hielt eine herzliche Ansprache. Der junge Baron wurde von Oberkantor Fischer feierlich zur Thora gerufen und las den Thoraabschnitt mit verständnisvollem Vortrag vor. Herr Baron Dr. Karl Neumann hat aus diesem Anlasse namhafte Beträge für wohltätige Zwecke gespendet. Trauung. Sonntag, den 24. v. M., fand im festlich beleuchteten Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Edith Gottfried, Tochter des Herrn und Frau Moritz Gottfried, mit Herrn Heinrich Pick, Sohn de* Herrn Sam. Pick, statt. In Vertretung des erkrankten Rabbiners Dr. Taubes wurde der Trauungsakt nach dem Mäariwgebet vom Herrn Rabbiner Dr. Mehr er vollzogen. In seiner an das Brautpaar gerichteten überaus herzlichen Ansprache hob Dr. Mehrer lobend den frommen Sinn und das Wirken beider Eltern für die jüdische Allgemeinheit hervor. Welch großer Beliebtheit und Wertschätzung die Brauteltern sich erfreuen, bewies der außergewöhnlich starke Besuch von Freunden und Bekannten, dSe bis auf das letzte Plätzchen den schönen Tempel füllten. Unter den zahlreich erschienenen Festgästen bemerkte man den Präsidenten Oskar Oerlaiist in Cafes esw. „Dil Schramek mit dem Gesamtvorstand des Pazmanitentempels, eine große Deputation der „Union österreichischer Juden", sowie zahlreiche Delegierte verschiedener humanitärer und Tempelvereine. Durch diese lebhafte Anteilnahme wurde insbesondere die Wertschätzung bekundet, die das wegen seines großen Interesses für indische Angelegenheiten in weiten Kreisen geschätzte Ehepaar M. Gottfried mit Recht .genießt. Der Vater des Bräutigams, Herr Sam. Pick, ist 'langjähriger verdienstvoller Vorsteher der Talmud-Thora, II., Malzgasse, sowie Delegierter der Chewra Kadischa. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor I. Müller in gewohnt meisterhafter Weise mit dem von Herrn Hirschni a n n geleiteten trefflichen Chcr, in welchem Herr Revesz als Solosänger sich besonders auszeichnete. Brauteltern und Brautpaar waren Gegenstand herzlichster Gratulationen seiner vielen Freunde. Goldene Hochzeit. Samstag, den 2. März, beim Vormittag-Gottesdienst findet im Tempel, II., Tempelgasse, die Feier der Goldenen Hochzeit des Ehepaares Moritz und Albertine Weinberger, Eltern des bekannten Chanscniers Leo Valberg, statt Doppeljubiläurn. In diesen Tagen feiert Herr IgnaU Römer, VII., Stollgasse, im Kreise seiner Familie und seines großen Freundeskreises seinen 60. Geburtstas und das 30jährige Geschäftsjubiläum. Herr Römer, der sich einer guten Gesundheit und eines prachtvollen Aussehens erfreut, betätigt sich seit vielen Jahren in karitativer Weise und in leitender Stellung bei vielen jüdischen Vereinen. Anläßlich dieses seltenen Doppeljubiläums sind ihm aus den Kreisen seiner Freunde und der gesamten befreundeten Geschäftswelt große Ehrungen zuteil geworden. 70. Geburtstag. Herr S. W a c h s b e r g e r. der verdienstvolle Obmannstellvertreter des Talmud-Thora-Bethauses. II., Malzgasse, begeht in diesen Tagen in jugendlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Das hohe Ansehen, dessen er sich allgemein erfreut, ist der wohlverdiente Tribut seiner aufrichtigen Frömmigkeit und seines segensreichen Wirkens. Möge es unserem verehrten Jubilar vergönnt sein, noch unzählige Jahre seine fruchtbare Tätigkeit zur Freude seiner allseits geschätzten Familie und unseres Bethauses in «ungeschwächter Gesundheit und Frische auszuüben. Der Vorstand der . Talmud-Thora, II., Malzgasse 16.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.