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Die Wahrheit · 1935-03-01 · Heft 9 (1.3.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 9 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 9 — 1. März 1935 Seite 5! Pessach in : Der Palestine & Orient Lloyd, die : l jüdische Weltorganisation für Palästi- ■! nareisen, Vertretung für Österreich: I RelMbttro City Dr.l.H.Körnar, : : Wien I. Bezirk, Kehlmarkt 8, ] i veranstaltet auf dem beliebten Italien. :! Ozeandampfer „Saturnia" : | (24.000 1) eine j! Gesellschafts^Reise j j nach Palästina j | Verlangen Sie Prospekte! : Helfet den jüdischen Arbeitslosen! Von Dr. A. Schmerler. Bs ist richtig, daß in Oesterreich alles anders und besser geworden ist und daß die Verzweiflung zu weichen beginnt, aber für uns Juden ist die wirtschaftliche Not noch unsäglich groß und die Erwerbs- und Arbeitslosigkeit nehmen in der jüdischen Bevölkerung erschreckend zu. Täglich und stündlich gehen Existenzen zugrunde, der Abbau und die Nichtanstellung der jüdischen Angestellten und Arbeiter dauern fort und namenloses Elend und grauenhafte Verzweiflung lassen allzu oft die Erlösung im Tode ersehnen. Denn Arbeitslosigkeit bedeutet Brotlosigkeit und diese sinkt wie Bleigewicht in die Tiefen des qualvollen Lebens und bringt entsetzlichen Hunger, eisige Kälte, furchtbare Obdachlosigkeit und schwere Krankheit. Täglich und stündlich weinen im jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Eltern ob des Hungerns ihrer Kinder, Mädchen und Jünglinge ob des Darbens ihrer Eltern, denn in ihren Familien sind seit Jahren alle arbeits-, erwerbs- und existenzlos. Intellektuelle mit akademischen Berufen erstreben kommerzielle, kaufmännisch Geschulte erkundigen sich nach Dienerstellen, qualifizierte Arbeiter wollen als Hilfsarbeiter tätig sein, Sechzig- und sogar Siebzigjährige wollen „jede Arbeit" annehmen. Alle wollen Schutz vor der Deklassierung, Verarmung und vor dem Absinken in die dunklen Mächte des Lebens. Mit brennender Sehnsucht wünschen wir Juden auch für uns, daß jeder vor dem Aergsten geschützt sei und das Leben in Oesterreich froher und schöner werde und insbesondere, daß die innenwirtschaftlichen Verhältnisse den jüdischen Erwerbs- und Arbeitslosen Lebensraum durch Einordnung in den Arbeitsprozeß gewähren. Dem Rufe: „Glaubt an Oesterreich und an Euch selbst!" wollen wir gerne folgen und aus diesem Glauben an uns heraus dürfen auch wir Juden nicht verständnislos und ohne Anteil an dem Leid der jüdischen Arbeitslosen dastehen, denn Arbeitslosigkeit demoralisiert und radikalisiert. Einst machte man den Armen unseres Volkes fürs Verdienen des bemittelten Juden verantwortlich und heute würde man leicht diesen für das Sinken und Gleiten des brotlosen Volksgenossen in den peripheren Radikalismus beschuldigen. Ein vorbildlicher Richter. In einem Ehrenbeleidigungsprozeß der Frau Dorothea Hahn gegen Joser ttübl, Hauer aus Senning bei Stockerau, welcher Frau Hahn ohne Grund in üer unflätigsten Weise wie „Judensau", „Hinaus mit die Juden", „Ich spring' dir an die Gurgel" apostrophierte, vertrat in der am 19. d. M. vor dem Stockerauer Bezirksrichter Dr. Bruno K ü h n e 1 stattgeiundenen Verhandlung der Wiener Rechtsanwalt Dr. Karl J e 11 i n e k die Klägerin. In dieser Verhandlung gab der Hauer an, daß er total berauscht war und nicht mehr wisse, was er damals gesagt habe. Ueber Anregung des Richters kam es zu einem Vergleich, in dem sich der Angeklagte nebst Tragung sämtlicher Kosten verpflichtete, eine Buße für den israelitischen Frauenverein zu zahlen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Richter Dr. Kühnel in überaus menschlicher Weise über die jüdische Gemeinde und deren Staatstreue. Dieser Tage richtete nun Dr. J e 11 i n e k folgenden Brief an den vorbildlichen Richter: Sehr geehrter Herr Doktor! Anläßlich des Ehrenbeleidigungsprozesses Hahn gegen Hübl sprachen Sie einige Worte über die Juden, für die ich Ihnen auch auf diesem Wege herzlich danke. Es ist eine Tragik des Judentums und des einzelnen Juden, der dem deutschen Kulturkreise angehört, daß er Aeußerungen der Menschlichkeit gegenüber den Juden seitens eines Ariers nicht als selbstverständlich ansieht, sondern sich verpflichtet fühlt, dafür Dank zu sagen. In einer Zeit des fürchterlichsten Rassenhasses, wo zehntausende Menschen ihre Existenz verlieren und das Land verlassen müssen, wo es der jüdi- Cafe Pension Echstein semmering sehen Jugend unmöglich gemacht wird, eine staatliche Stellung zu erringen, ja wo sogar der Jude nicht einmal Straßenkehrer werden kann und wo der Jude als Bürger zweiter Klasse betrachtet wird, hat es mir eine große Freude bereitet, von einem Manne in Ihrer Stellung solche Worte zu vernehmen. Ihre herzlichen Worte, daß auch die Juden Gottes Antlitz tragen und ebensolche Staatsbürger wie die anderen sind, läßt mich hoffen, daß doch einmal die Zeit kommen wird, wo man aufhören wird, den Juden zu diffamieren, ihn zu beschimpfen und zu verspotten und wo man sich in gemeinsamen Streben für das Wohl des gemeinsamen Va- Samstag, den 23. März 1935, 8 Uhr abends in sämtlichen Festsälen des Handelsmuseums, Wien IX, Berggasse 16 Große Purimfeier der „Union** S Erstklassige Akademie i Tanz — Unterhaltung : 9 Karten zu S 3.— und S 2.— (Jugend-Union) im Sekretariat der »Union«, Wien IX-, Berggasse 4 terlandes und der ganzen Menschheit wird treffen können. Nehmen Sie diese Zeilen als Ausdruck meiner besonderen Verehrung entgegen von Ihrem ergebenen Dr. Karl J e 11 i n e k m. p. Jugend-Union. (Jugendgruppe der „Union österreichischer Juden") Dienstag, den 5. März, halb 9 Uhr abends, im Goldsaal des Kaffee Silier, I., Schwedenplatz, Dr. Egon Spielmann: „Der moderne Staatsgedanke". Gäste willkommen. Der erste jüdische Abgeordnete des türkischen Parlaments. Der auf Wunsch des Staatspräsidenten der Türkei Kemal Attaturk in das türkische Parlament als Vertreter der Judenheit gewählte Deputierte Dr. A b r e v a j a wurde in Smyrna geboren und ist jetzt 55 Jahre alt. Er ist Professor für Pathologie an der Universität Istanbul. Seit 1909 ist er Mitglied der obersten Hygiene-Kommission der Türkei. Er wurde nun auf der Liste der regierenden Volkspartei im Wahlkreis Anatolien ins Parlament gewählt. Unter den Juden der Türkei herrscht Zufriedenheit darüber, daß sie, zum erstenmal, einen Vertreter ihrer Interessen im türkischen Parlament besitzen. Peinlich . . . Das sensationelle Box-Match Warschau gegen Berlin, wobei Berlin durch seine beste Manaschatt vertreten war, endete 9:7 für Warschau. Den Ausschlag sahen die Makkabisten im polnischen Team, so z. B. Rotholz, der den besten Deutschen Weinhold, und Neuding, üer den Berliner Riesen Holz besiegte. Jüdische Unternehmer, erfasset den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffung zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65 an. Zu Mantua in Banden, Die zahllosen Artikel anläßlich Andreas Hofers Gedenktag lassen klar erkennen, daß der gefangene Volksheld vom Hofe und Staat im Stich gelassen wurde. Die einzigen Menschen, die sich seiner annahmen, waren der Vizekönig von Italien, Napoleons Stiefsohn, und der jüdische Verteidiger Dr. B a s e v i, der durch seine natürlich von vornhinein zur Erfolglosigkeit verurteilte oratorische Meisterleistung jedenfalls einen seltenen Heldenmut bewies. Die „Basler Nachrichten" waren die einzige Zeitung Europas, die in ihrem Gedenkartikel Basevis Mut rühmte, aber auch sie sagten nicht, daß Basevi, übrigens der Großonkel Disraeli- Beaconfield's, Jude war und blieb. C. B. Der spanische Staatspräsident bei der Maimonides-Feier in Cordova. Das soeben veröffentlichte offizielle Programm der staatlichen Maimonrdes-Feier in Cordova bestätigt unsere Meldung, daß an den Festlichkeiten auch der Präsident der spanischen Republik teilnehmen wird. Die Festwoche wird am Montag, den 25. März, mit einem vom Stadtrat von Cordova veranstalteten offiziellen Empfang eröffnet Am Nachmittag findet eine von der Akademie der Wissenschaften und schönen Künste (Academia de Ciencias Bellas Lelras y Nobles Artes de Cordoba) veranstaltete Gedächtnisversammlung statt. Am Dienstag, den 26. März, wird eine von der philosophisch-literarischen Fakultät der Madrider Universität einberufene Konferenz ausländischer Philosophen eröffnet. Man erwartet, daß auf dieser Konferenz Prof. Dr. David B a u mg a r d t aus Berlin die Gedenkrede halten wird. An demselben Tag werden das Maimonides- Museum und die Maimonides-Bibliothek eröffnet. Am Mittwoch findet ein vom Direktor der Schule für arabische Studien in Granada, Don Emilio Carcia Gomez, veranstalteter Vortragsabend statt. Am Donnerstag hält Dr. Gregora Maranon einen Maimonides-Vortrag, sodann findet eine literarische Versammlung in der Sierra de Cordoba statt. Am Freitag spricht als Vertreter der Madrider Universität Prof. Dr. Jose Gaos. Abgeschlossen werden die Festlichkeiten am Samstag, den 30. März, nachmittags, mit einer Ansprache des Präsidenten der spanischen Republik. Eine große Zahl volkstümlicher Festlichkeiten und Veranstaltungen, Darbietungen spanischer Musik, Serenaden, ländliche Volks- und Trachtenfeste. Garden Parties, bei denen andalusische Lieder und sonstige Proben spanischer Volkskunst geboten werden, und Gesellschaftsbälle sollen für Erholung und Zerstreuung während der Festwoche sorgen: sogar ein Stierkampf ist vorgesehen. Ein weiteres Maimonides-Festkomitee wurde in Sevilla gebildet. Moises ben Ma'mon (Haiinomdes), Meister der hebt Tüschen Wissenschaft. Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie. Im Jahre der SüO-jähri^en Wie lerfcehr seiner Geburt feiert die Stadt Cordoba (Spanien) große Feste vom 25. bis 31. März 19 5. Wählen Sie Spanien im Monat März tür Ihre Reise! ,_»T_..-r Auskunft erteilt: Patronato Nacional del Turismo, en Madrid (Medinaceli 2) y Pari» (12, Boulevaid de la Madeleine). Zwecks Durchführung der Reise nach Spanie i wende man sich an die führenden Reisebüros

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