Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 9 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064564--20111-3085321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MjLWAHRHElT Nr. 9—1. März 1935 Seite 3 gSBBBBBBI 19an%Wien be&eistewtl Zu Sessaih feftmidl-JKazzotfk £tn Uersurfa wvird tfie fi5enieuitenl Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlta.th.an 1&*od\etzGu Zemtvafe: Wim. 2. (Bezirk, Xeopofdsgasse *3 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die fcfkmidl-JMtaxxotfi und das Fabrikat „JITcnrfte ■StfkmtdtJt. (&." (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. ■B* ■ ■ Und wenn etwa bei der Abmachung lediglich der Oedanke der vorsorglichen Sicherung maßgebend ewesen sein sollte, so ist zu fragen: Sicherung wovor? Daß uns irgendjemand das zweifelhafte Vergnügen wegschnappe« würde, ein Sümmchen on 200.000 Pfund für die Erlaubnis zu zahlen, später eine Million Pfund aufwenden zu dürfen, ist höchst unwahrscheinlich. Es gibt keinen arabischen Unternehmer, der hierzu imstande und willens gewesen wäre. Wir hätten uns ja immer noch vorbehalten können, sobald aller verfügbare suiter Boden im Lande erschöpft sein würde, auf die Sache zurückzugreifen. Die Hul'eh- Sümpfe wären uns bestimmt nicht davongelaufen. Befürchtete man aber eine derart ungünstige Veränderung in der Gesamtpolitik, daß ein etwaiger späterer Erwerb der Konzession durch Juden nicht mehr zugelassen würde, so würde uns bei! einem solchen Zustand der Dinge das formale Eigentum an einem Sumpf auch nicht viel nützten, weil dann die ungefährdete Existenz der darauf anzusiedelnden Juden nicht gesichert wäre. Welche Beweggründe waren es also, die die Agency veranlaßt haben, ausgerechnet in einer Zeit der tollsten Hausse ein Vermögen für einen bloßen Teil zu bewilligen und im Gefolge dessen sich in einer Unternehmung zu engagieren, deren Rrfolgaussichten sehr problematischer Natur sind? Wenn die offizielle zionistische Presse auf die Beantwortung dieser Fragen nicht neugierig ist, wir sind es wohl. Die nichtzionistische Oeffentlichkeit hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflfcht, diese Frage zu stellen. Denn die Angelegenheit ist ja keine Privatsache der Jewish Agency oderder Zionistischen Organisation. Soviel wir wissen, ist die Agency nicht in der Lage, das fluleh-Unternehmen zu finanzieren. Sie wäre nicht einmal imstande gewesen, den Kaufpreis für die Konzession zu zahlen. Die soeben aufgenommene Anleihe von einer halben Million Pfund bei der Lloyd's Bank ist als eine reine Umschul- Restaurant Höfel Stefanie vormals Operer II., TaborstraOe 12, Tel. R 46 5 51 ■m« Ausgiebige Braten-Menus S 1.60 >■••*>« ~WJ „ Oeflügel- „ S 2.20 \WJ Vorzügliche Zubereitung — Scbwecbater Biere — Naturweine dungsaktion zu betrachten. Sie diente ausschließlich dazu, die bisherigen kurzfristigen und hochverzinslichen Darlehen durch eim einziges mit tragbaren Zinsbedingungen (aber ziemlich einschneidenden Kontroflbestimmungen) zu ersetzen. Etwaige weitere Kredite kommen nücht in Frage, da es gerade eine der Hauptbedingungen der englischen Anleihe ist, daß die Agency neue Darlehen künftig nicht mehr aufnehmen darf. Die ca. 135.000 Pfund, dte der Agency durch die Konvertierung freigeworden sind und die ihr gesamtes Barvermögen bedeuten', sind schon längst „Der Prozeß von Polna ist in psychologischer Hinsicht ein geradezu typischer Fall für die Wirkung der Suggestion, respektive des Glaubens (Aberglaubens)." „Der Dreyfus-Prozeß hat im Polnaer Prozeß eine psychologische Fortsetzung gefunden." „Ich wiederhole, was ich den demonstrierenden Studenten auf die Tafel geschrieben habe: Der ganze Polnaer Prozeß und seine Ausbeutung von klerikaler und antisemitischer Seite ist ein Attentat gegen den gesunden Menschenverstand und gegen die Menschlichkeit" (Hören Sie,' Herr Oaston Ritter, Herr Christian Lose!) Masaryks zwei Broschüren — in der erstcren ist folgenden Satz enthalten: „Kurz, ich habe mich da noch an die Autoritäten in Europa gewendet, die mir meine psychologischen Bedenken bestätigt haben, dann habe ich meine Broschüre geschrieben: nicht um Hilsner zu verteidigen, sondern um die Christen vor dem Aberglauben zu verteidigen." — also Masaryks Broschüren haben trotz aller Bekämpfung ihren Zweck erreicht Der Oberste Gerichtshof in Wien ordnete die von Masaryk geforderte Revision des Prozesses an, unter gleichzeitiger Anforderung eines Gutachtens der medizinischen Fakultät der tschechischen Universität — Diese Forderung des Verteidigers hat in Polna das Gericht abgelehnt. Die neue Gerichtsverhandlung fand «im Kreisgericht in Pisek statt — da war von einem Ritualmord keine Rede mehr. Aus dem Prozeß haben sich nicht nur tschechische antisemitische Blätter wie „Radikalni Listy", sondern auch das berüchtigte „Deutsche Volksblatt" in Wien und ein solches in München ein sogenanntes „Braterl" gemacht. Masaryk zitiert das Plakat einer Protestversammlung der bayrischen christlichen Reformpartei, worin es nur so wimmelt von Ausdrücken wie „Ein Gaunerstreich", „Judenbande", „Ein Judenknecht Prozessor Masaryk in. Prag", „Eine hn Dienste des Judentums stehende Zeitschrift" usw. Auch auf tschechischer ^eite regnete es von Anwürfen, wie etwa die: „Keine Bcnechische Mutter, sondern ein wütender Drache habe inn geboren", „Bestochener Judenknecht" usw. Als er "arm noch während des Weltkrieges mit dem größten Autwand geistiger und psychischer Energie — man Menke an die vielen, weiten Reisen des alten Mannes — uas . tschechoslowakische Reich zimmerte, wie müssen -ich die vielen Finsterlinge und Zwerggeister, die diesen herrlichen Mann mit ihren Geifer besudelt hatten, in ihre Schlupfwinkel verkrochen haben. Vor Jahren war Masaryk auch in Palästina, wo ihm zu Ehren ein Wald gepflanzt wurde. Nun wird ihm zu Ehren bei Bet Alfa oder Nazareth das „Kfar-Masaryk" (Masaryk-Dori) errichtet werden, aus der Sammlung von 260 jüdischen Gemeinden der Tschechoslowakei. (Auch in der nichtjüdischen Oeffentlichkeit der Tschechoslowakei wurde der Gedanke der Errichtung eines „Kfar-Masaryk" in Palästina freudig aufgenommen. Im Rundfunk fanden bereits drei Palästina-Vorträge in tschechischer, deutscher und ungarischer Sprache statt, in der der breiten Oeffentlichkeit von dieser geplanten jüdischen Kolonie in Palästina Kunde gegeben wurde.) Am Schlüsse dankte das Auditorium dem Vortragenden mit lebhaftem Beifall und der Vorsitzende mit der Anerkennung, daß der Vortrag anläßlich des herannahenden 85jährigen Geburtstages des Präsidenten Masaryk von ganz besonderer Aktualität war. An der sich anschließenden Diskussion beteiligten sich Amtsleiter a. D. Rudolf Kraus und Kommerzialrat T. Ehrenstein. Ersterer zitierte aus der Wochenschrift „Die Neuzeit" vom März 1901 einen für uns Heutigen besonders interessanten Bericht wonach dazumal Masaryk wegen eines Artikels in der Polnaer Affäre in der damaligen Tageszeitung „Die Zeit" von Gerichts wegen zu einer Geldstrafe von österreichischen Kronen 200 verurteilt wurde. Ehrenstein hinwiederum wies auf einen Ausspruch Masaryks hin, wonach ihm bei seiuem Werben in Amerika für die Idee des selbständigen tschechoslowakischen Staates sein beherztes Auftreten in der Polnaer Affäre bei den einflußreichen amerikanischen Juden sehr viel genützt habe: Die zustimmende Entschließung Amerikas in dieser Sache war von entscheidender Bedeutung. „Hieran zu erinnern," meinte Ehrenstein. „ist gerade jetzt angesichts der faschistischen antisemitischen Umtriebe des Generals Gajda mit seiner tschechisch-arischen Front sehr wichtig. Die Tschechen haben gewiß nur alle Ursache, den Juden freundschaftlich gesinnt zu sein. Gleichsam mit ihrem Fingerspitzengefühl erkannten sie Masaryks Größe schon zu einer Zeit, lange bevor sie von den tschechischen Christen auch nur entfernt geahnt wurde. Sie, die Juden, haben zu seinem Aufstieg sehr viel beigetragen und dadurch ermöglicht daß Masaryk Reicbsschöpier werden konnte. t. e. HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 empfiehlt seine feine Maßwerkstätte. Spezialist in allen Sorten eleganter Gesellschaftskleidung, insbesondere für Teeanzüge, Frack- und Smokingarbeiten. Billigste Preisanstellung und aufmerksamste Ausführung. für alle möglichen dringenden Zwecke vorgemerkt. Für die Huleh-Entsumpfung ist also die Agency nicht imstande, auch nur einen halben Piaster auszuwerfen. Daß spekulatives Privatkapital sich an einem Unternehmen beteiligt, das keine ausreichenden Gewinnchancen bietet, ist nicht sehr wahrscheinlich. Letzten Endes ist es eben doch wieder die gesamte jüdische Weltöffentlichkeit ohne Unterschied der Parteirichtung, die durch einen großen Drive zur Finanzierung der Huleh-Aktion in Anspruch genommen werden wird. In der Angelegenheit ist noch ein anderer Umstand, der dringend der Aufklärung bedarf. Die Erteilung der Konzession ist unter dramatischen Umständen erfolgt Die großherzige Tat der Palästinaregierung, die von den zionistischen Blättern so ausgiebig besungen wird, nämlich die Bestätigung des Erwerbs der Huleh-Konzession. ist nicht wie Manna aus einem gnädigen Himmel auf unsere Köpfe herabgeregnet. Sie hat erst nach einer langen undt mühsamen Geburt das Licht der Welt erblickt Volle 10 Jahre gehen die Verhandlungen schon hin und her. Schon im Mai 1933 wurde der Kaufvertrag mit den arabischen Konzessionären perfekt, aber die Mandatsregierung weigerte sich, zu dem Ueberganc der Konzession in jüdische Hände ihre Zustimmung zu geben. Alle Verhandlungen. Demarchen. Interventrenen von jüdischer Seite blieben erfolglos. Im Herbst vorigen Jahres wurde die Lasje kritisch, denn die im Vertrage vorgesehene Frist zur Herbeiführung der behördlichen Genehmigung drohte abzulaufen und die arabischen Konzessionäre, den unbedingten K'aufwillen der Juden erkennend, ließen keinen Zweifel darüber, daß sie nach Ablauf der Frist den Kaufpreis wesentlich erhöhen würden. Die jüdischen Unterhändler verstärkten ihre Bemühungen bei der Regierunif. wiesen auf den drohenden Fristablaui und seine Konsequenzen hin. eilten per Flugzeug nach London, um durch dringende Vorstellungen beim Colonial Office die Sache vorwärts zu bringen. Nichts half. Da, plötzlich, in letzter Minute, einen Tag vor Ablauf der Frist, fällt die Rtegierung um und erteilt endlich die langersehnte Zustimmung. Was war geschehen? Was hat die korrekten Bürokratenherzen so zu erweichen vermocht, daß sie mit einemmal ihren hartnäckigen Widerstand aufgaben? Es ist die Vermutung aufgetaucht daß die Palästinaregierung, getreu ihrem Grundsatz, auch die selbstverständlichsten Dinge so teuer als möglich zu verkaufen, die Erteilung der Genehmigung von gewissen politischen Konzessionen auf jüdischer Seite abhängig gemacht hat. Und daß die Agency, in ihrer Entschlossenheit, die Huleh- Konzession um jeden Preis zu erwerben, sich bereit erklärt habe, als Gegenleistung dafür ihren Widerstand gegen die Errichtung des Legislative Council aufzugeben oder weitgehend zu verringern. Wenn die Vermutung über den Hergang der Verhandlungen tatsächlich zutreffen sollte, so wird sich jeder urteilsfähige Mensch sagen müssen, daß — ganz abgesehen von den obenerwähnten wirtschaftlichen Bedenken — die Huleh-Konzession damit entschieden zu teuer erkauft wäre. (Ein weiterer Aufsatz folgt.) Der Antisemitismus der britischen Faschisten. Richard F i n d I a y, der als unabhängiger konservativer Kandidat für Norwood in der Ersatzwahl kandidiert, hat seinen Austritt aus der British Union of Fascists erklärt und diesen Schritt in einem Schreiben an den Führer der Union, Sir Oswald M o s 1 e y, wie folgt motiviert: „Als ich mich Ihrer Bewegung anschloß, glaubte ich den Erklärungen, die ich wiederholt in der Presse las. daß sie in keinem Sinne antisemitisch sei. Aber im Verlauf meiner kurzen Verbindung mit Ihrer Bewegung habe ich das Bestehen eines starken Judenhasses feststellen können, den ich nicht mitmachen kann, da ich Antisemitismus als den britischen Traditionen völlig fremd erachte." Die British Union of Fascists hat auf das Schreiben Findlays mit folgender Erklärung erwidert: „Herr Findlay hat vermutlich die Politik der Bewegung, der er beitrat vorher studiert Unsere Haltung gegenüber den Juden ist in eindeutigen Ausdrücken von dem Führer seit langem in vielen Versammlungen und in unserer Presse dargelegt wordea Herr Findlay muß daher gewußt haben, daß der Kampf zwischen Schwarzhemden und Jüdischen Interessen in England seit langem akut ist"