Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 8 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 8 — 22. Februar 1935 Seite 7 ISpezialhaus für Wolle und StiMCxgarne ■ Moritz Nagel I Wien, 2. Bez., Taborsfraße Nr. 17 I Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden ■ Telephon A 49-3-69 1 Die Judenpolitik der neuen bulgarischen Regierung. Der bulgarische Ministerpräsident General Zlateff empfing eine Abordnung des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens. Die Abordnung überbrachte dem neuen Regierungschef die liesten Glückwünsche der bulgarischen Juden und sprach dabei die Hoffnung aus, daß die neue Regierung Bulgariens die stetige und traditionelle Politik Bulgariens gegenüber den Juden, namentlich hinsichtlich ihrer Gleichberechtigung, fortsetzen werde. Ministerpräsident General Zlateff gab daraufhin im Namen der Regierung die folgende E rklärung ab: Die jetzige Regierung Bulgariens hält unbedingt an der Politik der Gleichberechtigung gegenüber den Juden und gegenüber allen anderen Minderheiten fest; sie will gerne diese seit Bestehen Bulgariens befolgte Politik weiterhin in Geltung lassen. Die Regierung sieht in den Juden durchaus loyale und gleichwertige Bürger. Der Ministerpräsident selbst hat die Juden während seines mehrjährigen Dienstes kennen und schätzen gelernt, er weiß, daß die Juden alle Pflichten und Lasten im Frieden wie int Kriege genau wie alle anderen bulgarischen Bürger tragen. Besonders hervorzuheben sind die ehrliche Pflichterfüllung und die Opfer der Juden in den letzten Kriegen, die Bulgarien hat führen müssen. Es bestehen absolut keine Gründe für eine unterschiedliche Behandlung der Juden Bulgariens. Wir leben hier, sagte der Minister, wie Brüder, wenn wir auch verschiedenen Religionen angehören. Der Garnisonschef der bulgarischen Provinzstadt Haskowo hat für die Arbeitslosen unentgeltliche Küchen, eingerichtet. Für die jüdischen Arbeitslosen, deren Zahl in Haskowo über 150 beträgt, hat er eine spezielle Küche, in der rituell gekocht wird, einrichten lasben. Die Schweiz wehrt sich. Der Regierungsrat von Solothurn hat :^egen die seit kurzem in dieser Stadt erscheinende, dem Vorbild des reichsdeutschen „Stürmer" folgende Zweiwochenschriit „Der V o I k s b u n d". die sich „Or-;,ran des Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen" nennt, die Präventivzensur verhängt. Gemäß dieser Verordnung wird bis auf weiteres jede Druckschrift des „Volksbund" nach Drucklegung beschlagnahmt. Der Vertrieb kann erst dann erfolgen, wenn die Druckschrift keine Darstellung in Wort und Bild enthält, die geeignet wäre, die Ruhe und Ordnung und den religiösen Frieden zu gefährden. Den Personen, die für Druck, Herausgabe und Redaktion des „Volksbund" verantwortlich sind, ist nach solothurnischem Gesetzbuch unter Strafandrohung verboten, solche Druckerzeugnisse nach Drucklegung ohne Erlaubnis zu verbreiten. Der Solothurner Regierungsrat begründete seine Verordnung damit, daß die besagte Zeitschrift „eine äußerst schmutzige Sprache gegen das Judentum und die Freimaurerei führe, die mit einer objektiven Krtik nichts mehr zu tun hat." Wegen Verleumdung jüdischer Kriegsteilnehmer verurteilt. Dr. Stanislaw Dolacki, der Herausgeber einer Warschauer nationaldemokratischen Zeitung, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weit er in seinem Blatte einen Artikel veröffentlicht hatte, in dem behauptet wurde, daß jüdische Soldaten zur Zeit der Bolschewiken-Invasion im Jahre 1920 aus der kämpfenden polnischen Armee desertiert seien. Die Verurteilung Dolackis erfolgte auf Grund einer von nvei ehemaligen jüdischen Soldaten eingebrachten Klage. ta^aai^MBaMm«Bamcum^MnMnum^«u^» 3Um Charles Boyer als Liliom. Charles B o y e r, der durch seine letzten Meisterfilme in die allererste Reihe der europäischen Filmdarsteller vorgerückt ist, spielt die Rolle des Liliom in dem Film, den der bekannte Regisseur Fritz Lang unter der künstlerischen Leitung von Erich Pommer nach dem Theaterstück von Franz Molnar in Paris für die Fox hergestellt i'at. Der Film läuft demnächst im Schweden-Kino. Erobert die Kanzeln 1 Ein Wiener jüdisches Winkelblättchen, mit den: uns zu befassen wir ansonsten unter unserer journalistischen Würde finden, bespricht in seiner letzten, auch sonst von Giftmischereien übelster Art strotzenden Ausgabe die Vakanz auf dem Rabbinerposten in der Brigittenauer Kaschlschul und stellt in den energischesten Tönen die Forderung auf, daß der zu wählende Nachfolger des bisherigen Rabbiners M. Horowitz nur ein Misrachist sein dürfe. Denn: „Das Rabbinat in der Kaschlschul war ein misrachistisches Rabbinat, dessen Vertreter von der Kanzel herab seine Zuhörer für den religiös-nationalen Aufbau Palästinas und für die Jugenderziehung in diesem zionistischen Sinne und Geiste ermunterte und belehrte." Der in Wien sattsam bekannte Schreiber dieser Forderung ist konziliant genug, sich nicht darum zu kümmern, „ob der Kandidat'früher nicht religiösnational eingestellt war, aber im Momente, wo jemand ein Anrecht auf die Stelle zu erbeten (!) sich bemüht, müssen wir (d. h. Herr Malkiel Grünwald) dessen sicher sein, daß er sich . . . unumwunden als aktiver Misrachist bekennt und den Nachweis der Nichtzugehörigkeit zur antizionistischen Partei erbringt" Diese Forderung kann man nur als unerhört bezeichnen. Bisher war es in Wien üblich, die Bestellung eines Rabbiners einzig nach dem Gesichtspunkte vorzunehmen, ob der Bewerber den religiösen und rabbinischen Anforderungen, die man an ihn stellte, entsprach. Seine innerjüdische Einstellung durfte niemals entscheidend sein für seine Bestellung. Und nun kommt der Herausgeber einer jüdischen — sagen wir — Zeitschrift und verlangt nicht nur, daß ein Rabbiner einer bestimmten Parteirichtung angehören muß, ja er fordert sogar, daß Bewerber, die einer ihm nicht genehmen Richtung angehören, von vornherein ausgeschlossen sein müssen. Wir sind neugierig, ob die Herren vom Vorstand der Kaschlschul dieser unglaublichen Pression Folge leisten werden. Die Tatsache, daß ihr Konkurs nur in jüdischnationalen Blättern zu lesen war, macht uns etwas mißtrauisch und läßt die Vermutung aufkommen, daß. der Wunsch -4es Herrn Malkiel Grünwald auch ihr Wunsch ist, daß er also gewissermaßen nur etwas forderte, dem sie sich gerne fügen wollen. Palästina-Nachrichten. Der Stadtrat von Tel Aviv beschloß, von der Regierung eine Erhöhung der Tel Aviver Polizeikorps um weitere 200 jüdische Polizisten (gegenwärtig setzt sich die Tel Aviver Polizei aus 70 Juden und 56 Engländern zusammen) zu fordern, ferner den Sold so zu erhöhen, daß ein Dienst bei der Polizei als aussichtsvoll erscheine. Gleichzeitig appellierte der Stadtrat an die jüdische Jugend, in die Polizei einzutreten. In der gleichen Sitzung wurde Oberrabbiner Kook zum Ehrenbürger von Tel Aviv bei Stiinmenenthaliung der Arbeiterparteiler gewählt. Die Polnische Telegraphen-Agentur teilt mit, daß die polnischen Palästina -Wanderer, einige Hundert an der Zahl, die seinerzeit die monatelange Irrfahrt mit dem griechischen Dampfer ..V e 1 o s" zwischen den levantinischen Häfen durchgedacht hatten, weil ihnen weder in Palästina noch anderswo die Landung gestattet war, und die dann nach Polen zurückkehrten, nunmehr gruppenweise nach Palästina gebracht wurden, wo sie bereits in Arbeit sind. Rio de Janeiro. Durch Regierungsdekret ist der junge jüdische Rechtsanwalt Dr. Matamud zum Richter ernannt worden. Dr. Malamud ist der erste jüdische Richter in Rio de Janeiro.__ Oft kopiert und nie erreicht. Diesen bekannten Ausspruch kann man mit Recht auch auf die so beliebten Schmidl-Mazzoth anwenden, weil dieses österreichische Qualitätserzeugnis mit anderen Mazzoth schwerlich verglichen werden kann. Dies ist allein Herrn Nathan Brodetzky zu danken, der es verstanden hat. mit unermüdlichem Fleiß, aber auch ganz besonderer Sachkenntnis seine ,.N. B."-Mazzoth sowie Grieß und Farwel auf hervorragende Höhe zu bringen. Herr Brodetzky. der schon als Chef der großen Lebensmittelhandlung, II.. Leopoldsccasse 43, sich große Beliebtheit zu verschaffen wußte, ließ sich bei der Erzeugung seiner Schmidl-Mazzoth vor allem von dem richtigen Grundsatz leiten, daß nur ein allen hygienischen Anforderungen entsprechender Betrieb von vornherein Qualität garantieren läßt Die eleganten neuen Badeanlagen, die unmittelbar den Fabriksräumen angeschlossen sind, Jbürgen für unbedingte Reinlichkeit in einem Betriebe, wo alles am laufenden Band erzeugt wird. Daß auch iür einwandfreies Kaschruth gesorgt ist, geht schon daraus hervor, daß die religiöse Aufsicht Oberrabbiner B a b a d inne hat. füMHltf foftto Hat* Wien I., Seitenstattengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag geschlossen! Gemeindedhronifz. Der Bund jüdischer Frontsoldaten hat in seiner Generalversammlung den einstimmigen Beschluß gefaßt, Herrn Generaloberstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick zum Ehrenmitglied zu ernennen. Eine Abordnung der Bundesleitung unter Führung des Bundesführers Hauptmann Edlen von Friedmann überreichte dieser Tage Herrn Prof. Dr. Pick das Ehrendiplom. An der Jüdischen Volkshochschule, II.. Novaragasse 30. wurde Dienstag, den 19. d. M. das Sommerhalbjahr eröffnet. Das Programm, welches 23 Kurse aus allen Gebieten jüdischen Wissens (hebräische Sprache, jüdische Geschichte, Literatur und Kunst) umfaßt, ist nach den Erfahrungen des Wintersemesters wie auch auf Grund verschiedener Anregungen aus dem Publikum derart umgestaltet worden, daß aktuelle Themen mit Gegenwartsinteresse in den Vordergrund gerückt erscheinen, ohne jedoch wesentliche historische Wissensgebiete völlig zu verdrängen. Anmeldungen werden jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 7—8 Uhr abends in der Kanzlei der Jüdischen Volkshochschule, II., Novaragasse 30 (Mädchen-Realgymnasium), 2. Stock, entgegengenommen. Vorlesungsverzeichnis wird auch auf telephontschen Anruf durch die Jüdische Kulturstelle (R 48-2-91, B 20-0-81, A 14-400) zugesendet. Generalversammlungen. Am Sonntag, den 24. Februar, vormittags, finden in den folgenden Wiener Tempelvereinen Generalversammlungen statt: „Chewra Beth Hatiilah'% IX.. Müllnergasse 21, 10 Uhr vormittags. Isr. Tempel- und Schulverein, X., Humboldtgasse 27, K'10 Uhr vormittags. Isr.-orth. Tempelverein „Emunas Awes", XIV., Storchengasse 21, J410 Uhr vormittags. Wir stellen wiederholt fest, daß das Zusammentreffen von Generalversammlungen von Tempelvereinen an ein und demselben Tage und gewöhnlich zur selben Stunde nicht opportun ist, da dadurch der Besuch dieser Versammlungen für Vereins- und sonstige Vertreter sehr erschwert, ja fast unmöglich gemacht wird. Es könnte doch wohl, wie wir schon oft angeregt haben, die Organisation der Wiener Tempelvereine diese Kollision durch einvernehmliche Anordnung der Termine verhindern. Trauungen. Sonntag, den 24. d. M., findet im Tempel, IL, Pazmanitengasse 6, die Trauung des Fräuleins Edith Gottfried, Tochter des Herrn Moritz M. Gottfried und Frau, mit Herrn Heinrich Pick, Sohn des Herrn Samuel Pick, statt. — Kürzlich fand im Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Mizzi W ä r n d o r f e r, Tochter des allgemein beliebten und geschätzten Ehepaares M. Wärndorier, mit Herrn Siegmund Uhrmacher statt. Rabbiner Dr. M. G. Mehre r richtete an das Brautpaar eine herzliche Ansprache, in der er dasselbe aufforderte, der vorbildlichen Lebensart der Brauteltern immer nachzueifern. Oberkantor J. M ü I- 1 e r versah die kantoralen Funktionen in erstklassiger Weise. Goldene Hochzeit. Am 2. März I. J. feiert Herr Moritz Weinberger mit seiner Gattin Albertine, geb. Singer, das Fest der Goldenen Hochzeit. Der bekannte und ueliebte Sänger Leo V a 1 b e r g ist ein Sohn des Jubelpaares. Der Isr. Frauenwein XX., dessen rühriger Vorstand unter der ausgezeichneten Leitung von Frau Präsidentin Olga Friedmann alles aufbietet, um der namenlosen Not der jüdischen Armen der Brigittenau zu steuern, hat am vergangenen Sonntag nachmittags im Festsaal des Hotel Continental eine von einem zahlreichen Publikum besuchte Wohltätigkeitsakademie veranstaltet, die als überaus gelungen zu bezeichnen ist. Das Programm, das von Josef B a a r ungemein heiter konferiert wurde, war von besonderer Reichhaltigkeit und Gediegenheit, insbesondere gefieien die lustigen Tauber-Buben dem überaus animierten Publikum, unter dem sich prominente Mitglieder unserer Gemeinde befanden, sehr. Bei dem anschließenden Tanz wurde die Unterhaltung fortgesetzt. Die Vereinsleitung darf zu dem schönen Erfolge ihrer Veranstaltung, für deren Gelingen sie so viele Mühe aufgewendet hat, aufs herzlichste beglückwünscht werden. Der Sportklub „Hakoah" veranstaltet morgen Samstag, den 23. Februar, wie alljährlich, eine ,.Gschiiasredoute", diesmal in den Sophiensälen. Kleidung: Herren Smoking oder der Devise angepaßtes Kostüm: Masken erwünscht. Eintrittskarte 6 Schilling im Klubheirn der „Hakoah". I.. Wiesingerstraße 11. (Ermäßigte Karten zu 4 Schilling sind bei den Leitungsmitgliedern und im Sekretariat der „Jugend-Union", IX., Berggasse 4. erhältlich.) Der Döblinger Jüdische Frauen-Wohltätlgkeits- Verein veranstaltet Sonntag, den 24. Februar, im Kasino Zögernitz, XIX., Hauptstraße 76, ein Fest, das, wie alljährlich, den Charakter eines gesellschaftlichen Beisammenseins tragen wird. Der Verein hat für diese großartige Veranstaltung besondere Vorbereitungen getrofien. Sie beginnt um 4 Uhr mit einer erstklassigen Akademie, der bis in die späten Abendstunden Tanz