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Die Wahrheit · 1935-02-22 · Heft 8 (22.2.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 8 (22.2.1935)
Date
1935-02-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DTE WAHRHEIT Nr. 8 — 22. Februar 1935 Seite 3!Das (ßeste vom Guten: Zu ffessath fdkmidl-JItazzoth £tn Versucfi raferf fie fifieiMu^enf Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad JZatSkcm t&vodetz&ig Xenttafe: Wien, 2. Giezirfc, j£eopofdsg«ssse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die grfimidl-Jllaxxotfi und das Fabrikat „JfKmlke SrtkwwsMUJl. (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäflen. Zeitvergeudung. Das „Wiener Jüdische Familienblart" bemüht sich, uns davon zu überzeugen, daß wir dem Wiener Franziskanerpater Cyrill Fischer durch unsere Stellungnahme gegen seinen Vertrag vor den Alten Herren der zionistischen Studentenverbindungen Unrecht getan haben. Das Blatt stellt unserem damaligen Zitat aus einer Rede des . Schweizer Pfarrers Platzhoff-Lejeune, es sei eine Schande des Christentums, daß die Christen die Juden leiden ließen, die Behauptung entgegen, daß P. Fischer dasselbe gesagt habe. Der Vorwurf, daß wir uns darüber hätten erkundigen können, wird durch die Tatsache entkräftet, daß alle Zuhörer des Vortrags durch Schweigepflicht verhindert waren, uns die erbetene Auskunft zu erteilen. In sachlicher Beziehung kann die Lüftung dieses Geheimnisses uns keineswegs zum Aufgeben unseres Standpunktes veranlassen. Wie das „Familienblatt" jetzt selbst zugibt, hat P. Fischer die Versöhnung mit dem Judentum im Zeichen der Taufe als wünschenswert hingestellt; nur den Zeitpunkt der Konversion wollte der Redner noch nicht fixieren. Wir haben also mit unserer damaligen Aeußerung, es handle sich um Taufpropaganda, Recht behalten. Damit steht die Uebereinstimmung des P. Fischer mit dem Schweizer Kollegen durchaus nicht im Widerspruch. Auch der junge Martin Luther hat sich ganz ähnlich geäußert, als er noch hoffte, die Juden für sein reformiertes Christentum zu gewinnen. Sobald er sich in dieser Hoffnung enttäuscht sah, hat er im späten Alter sehr böse Worte gegen die luden gefunden und damit wohl den Grund zu der antisemitischen Psychose der Deutschen im Reiche gelegt. Aber noch wichtiger als das sachliche war unser persönliches Mißtrauen gegen den Redner. Als Assimilanten sind wir prinzipiell gegen jedes Sichabschließen der Juden. Wie bejahen durchaus die vom „Jüdischen Familienblatt" gestellte frage, ob es wünschenswert ist, daß Juden sich bemühen sollen, durch zwanglose Aussprachen iroimütiger Art mit ähnlich gesinnten Nichtjuden ein besseres wechselseitiges Kennenlernen und Verstehen anzubahnen. Aber wir halten es für eine selbstverständliche Voraussetzung des Gelingens solch wechselseitiger Annäherung, daß sie von beiden Teilen ehrlich gemeint wird. Wenn P. Fischer seinen zionistischen Zuhörern freundliche Worte sagt, aber gleichzeitig seineu katholischen Lesern den Boykott jüdischer Geschälte predigt, so erscheint uns dies nicht gerade als Beweis aufrichtigen Versöhnungswillens. Das „Familienblatt" weist auf den großen Einfluß des P. Fischer auf die jetzigen Machthaber in Oesterreich hin und zitiert eine Kundgebung des gewesenen christlichsozialen Parteiobmannes Dr. C z e r m a k an die christlichsozialen Funktionäre, in deren Rahmen der ehemalige Minister mit Anerkennung die Worte Dr. Weiners zitiert, daß es zu wenig jüdische Richter, Staatsanwälte, Beamte, Briefträger, Kondukteure usw. gäbe, was von den Juden unangenehm empfunden würde. Wir unsererseits werden erst dann einen wirklichen Erfolg der Annäherung zwischen Dr. Wei- Restanrant Höfel Stefanie vormals Operer 11., TaborslraOe ix, Tel. R 46 5 51 Ausgiebige Braten-Menns S 1.60 *m»* J „ QeflUgel-.;„ S 2.S0 Vorzügliche Zubereitung — Schwecbater Biere — Naturreine ner, dem Führer der zionistischen Akademiker, und P. Fischer buchen, wenn die Machthaber in Oesterreich tatsächlich eine Vermehrung der jüdischen Richter, Staatsanwälte, Beamten, Briefträger und Kondukteure durchgeführt haben werden. Bisher sehen wir nichts dergleichen, sondern beklagen im Gegenteil den Abbau der jüdischen Aerzte und Bankbeamten, die Bedrohung der jüdischen Rechtsanwälte durch den Numerus clausus und eine sich vor den Augen des Staatsanwaltes entfaltende Boykottpropaganda gegen die jüdischen Geschäfte. Was bedeutet gegen diese traurige Tatsache die freundliche Anerkennung, die Dr. Czermak Jüdischnationalen zollt. Als Kaiser Josef II. das Bestehen einer Judenfrage erkannte, hat er sich nicht in theoretische Diskussionen über diese Frage eingelassen, sondern sie durch sein Toleranzedikt tatkräftigst und glücklich gelöst. Das war — um mit Dr. Czermak zu sprechen — ein wirklich „herzhaftes und aufrichtiges Anpacken der schon überreifen Materie". Alles andere ist nur überflüssige Zeitvergeudung. Nationalsozialistische Drehkrankheit Der letzte in Oesterreich gegen Naziputschisten durchgeführte Hochverratsprozeß hat die erstaunliche Tatsache ans Licht gebracht, daß für die liitlerverschwörer nicht etwa nordischer Idealismus, sondern rein materielle Gründe maßgebend gewesen sind. Die „Reichspost" hat den widerlichen Eindruck, den man von den Angeklagten gewann, in die Worte gefaßt: „Spekulanten, die auf politischem Gebiete Geschäftserfolgen "achgingen, die ihnen auf wirtschaftlichem versagt geblieben waren . . . Aus dem düsteren Schatten der Julitage taucht eine scheußliche Qesjalt auf: Der Händler, der mit Menschenleben handelt . . ." Auch die Wiener Nazizeitung konnte ihren Lesern diese scheußliche Gestalt nicht unterschlagen, aber welche Wandlung hat sie bei dem Eingang in deren Spalten durchgemacht: Aus dem arischen Oesterreicher, der nur unter dem Zwange des gerichtlichen Verhörs höchst unfreiwillig seine Schuld und deren abstoßende Motive enthüllte, ist, entgegen der intransigenten Rassenlehre, ein — Ostjude geworden, der die zynischesten Geständnisse ganz freiwillig und aus keinem anderen Grunde als dem Bedürfnis der Hakenkreuzler zuliebe inachte. Der kundige Freudianer erkennt freilich schon aus dem Namen der Geburtsstadt dieses angeblichen Juden die Tarnung: Er stammt aus Tarnopol . . . In der „Deutschen Arbeiterpresse" des Doktor Walter Riehl, der sich ausdrücklich als Nationalsozialist bekennt, finden wir folgende Blasphemien, die angeblich ein jüdischer Patient seinem — natürlich nicht genannten — Arzte brieflich gebeichtet haben soll: „Ich weiß noch immer nicht, ob ich ein guter Mann gewesen bin oder ein Schutt. Menschen kom- HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 empfiehlt seine feine Maßwerkstätte. Spezialist in allen Sorten eleganter Gesellschaftskleidung, insbesondere für Teeanzüge, Frack- und Smokingarbeiten. Billigste Preisanstellung und aufmerksamste Ausfüllung. men und gehen und es kommt nur daraui an, was dazwischen liegt. Im Elend bin ich aufgewachsen. Als Bub habe ich am liebsten gerechnet. Zinsen gerechnet. Jawohl, das konnte ich meisterhaft. W i r Juden brauchen eigentlich nichts anderes zu können. Jedes Geschält ist doch auf Zinsen aufgebaut." Aus dieser Darstellung müßten die Nationalsozialisten logischerweise den Schluß ziehen, wie unsinnig es von ihnen ist, die Juden vom höheren Studium auszuschließen, da diese doch gar nichts anderes lernen wollen als Zinsenrechnen. Man müßte sie vielmehr geradezu zwingen, etwas Nützlicheres zu studieren . . . Doch verfolgen wir diese „Judenbeichte" weiter: „In Tarnopol. da gelang mir das erste Geschäit auf eigene Rechnung. Ich handelte damals im Sommer mit Schuhbändern und im Winter mit Wollsocken. Dann kam ich zum Militär. Ich wurde von den Russen gefangen und als sie von mir etwas über die Stellungen der Oesterreicher wissen wollten, erzählte ich ihnen etwas, die eine Hälfte davon war wahr, die andere erlogen. Gehängt wurde ich aber nicht." Dafür wurden dieser Tage in Berlin zwei adelige urgermanische Damen geköpft, weil sie deutsche Rüstungsgeheimnisse an Polen verkauft hatten. Gelogen scheinen sie bei diesem lukrativen Geschäfte nicht zu haben, sondern was sie den Polen verrieten, war wohl zur Gänze wahr. So unterscheiden sich eben wirkliche Edelmenschen von einem angeblichen Juden, der weitererzählt: Im Jahre 1920 kam ich nach Wien. Wieder habe ich Geschäfte gemacht, kleine, größere und schließlich große. Bald hatte ich Geld wie Mist und wußte, daß für Geld alles zu bekommen ist: Ehre. Aemier und — Weiber. Ich schob in Valuten, Effekten. Waren und Weibern — aller Länder. Die größte Freude hatte ich aber, wenn ich die Gesetze biegen und brechen konnte. Ich habe es in Rußland gelernt, beamtete Persönlichkeiten mir zu Freunden zu machen. Das darf doch keine Rolle spielen, wenn man von den im Jahre verdienten Summen paar Prozent solchen wichtigen Freunden gibt! Blöd ist doch jeder, der mit dem Staate Gewinne teilt." Sollte dies am Ende der jetzige Gutsherr von Neudeck geschrieben haben? Gut Neudeck wurde bekanntlich vom deutschen Volke dem Reichspräsidenten von Hindenburg als Ehrengabe gewidmet, doch ließ es Hindenburg junior gleich auf seinen eigenen Namen ins Grundbuch eintragen, um die — Erbschaftssteuer zu ersparen. Soviel wir aber wissen, ist Hindenburg junior weder Jude noch Tarnopoicr. Auch soll er im Zinsenrechnen nicht begabt sein, wie sein wiederholtes Fiasko als Gutsverwalter beweist. Das Nachfolgende trifft daher gar nicht auf ihn zu: „Jetzt weiß ich nicht einmal ganz sicher, ob icli acht oder neun Häuser besitze. Es geht bergab mit meinem Gedächtnis ... Ich gehöre zu dem .auserwählten Volk' und deshalb konnte ich niemals einsehen^ warum sollten wir Juden uns vor den anderen, den Christen, ducken. Wir verstehen eben zu arbeiten . . . Hm, ist aber das. was wir .Arbeit' nennen, auch wirkliche Arbeit? Unsere Mentalität steht jedenfalls turmhoch über jener der Christen. Die wollen immer nur anständig und ehrlich sein, ihr Gott predigt ihnen von Nächstenliebe, er hat jeden Betrug und auch den Haß verurteilt. Wie lächerlich ist das alles für uns Juden!" Der Münchener Erzbischoi Kardinal Faulhaber hat jüngst seiner Besorgnis Ausdruck gegeben, daß in den Simultanschulen des Dritten Reiches die biblische Geschichte als jüdische Märchensammlung deklariert würde. Hier sehen wir den umgekehrten Fall: Ein Jude, noch dazu einer aus Tarnopol, wo die religiöse Bildung der Juden noch auf hoher Stufe steht, deklariert jüdische Glaubenslehren, die jeder im Alten Testament nachlesen kann, als — christliche Mentalität, die dem Juden lächerlich erscheint . . . Wenn Dr. Riehl sich die

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