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Die Wahrheit · 1935-02-15 · Heft 7 (15.2.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 7 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 7 — 15. Februar 1935 DIE WAHRHEIT hältnisse sind für die Gewerbetreibenden und Kaufleute in KarpaÜiorußland geradezu katastrophal. Die Behörde geht trotzdem so energisch mit Exekutionen vor, daß zum Beispiel in einigen Synagogen die Bänke wegen der von der Kultusgemeinde geschuldeten Steuern beschlagnahmt worden sind." Mißbrauch der Presse. Die Reichs Vertretung der deutschen Juden hat jüngst eine sehr vernünftige Mahnung zu taktvoller Zurückhaltung im öffentlichen Auftreten proklamiert. Es wäre nur zu wünschen, daß auch Dr. Naumann und die von ihm geführten national-deutschen Juden sicli an diese Mahnung hielten. Es wäre dann vermieden, daß eine Gesinnung, die von der überwiegenden Mehrheit der reichsdeutschen Juden geteilt wird, durch exaltierte Ueberspanntheiten einer kleinen Gruppe, die sich hitlerischer gebärdet als Hitler, bloßgestellt und dem Spotte der Zionisten preisgegeben wird. Solange sich dieser Spott in den jüdischnationalen Parteiblättern, unter denen sich da „Die Neue Welt" besonders hervortut, austobt,kann man sich mit ihm abfinden. Um so energischer muß man aber gegen den Skandal protestieren, daß er auch in die allgemeine Tagespresse wie die „Prager Presse" und den „Wiener T a g" hineingetragen wird, wo er nichts zu suchen hat und nur Verwirrung stiftet. Wie soll sich der christliche Leser dieser Blätter in der aus innerjüdischem Parteihader entsprungenen Polemik zurechtfinden? Wenn er nicht gerade ein Rassenantisemit ist, der auf dem Umweg über das nationalsozialistische Parteiprogramm die zionistische These vom selbständigen jüdischen Volkstum konsumiert hat, wird ihm das nationaldeutsche Bekenntnis von Juden im judenfeindlichen Dritten Reiche nur sympathisch sein. Er wird vielleicht über die allzu stürmische Deutschlandliebe der Naumann-Juden lächeln, aber die springgiftige Gehässigkeit der Glosse in der „Prager Presse" und deren österreichischem Ableger wird ihn befremden. Er ahnt wahrscheinlich nicht, daß es Zionisten sind, die in seinem deutschen Leibblatt ihren Kohl ablagern, Zionisten, die sogar den von ihnen verlachten Dr. Naumann übertrumpfen, der ihnen so unsäglich albern vorkommt, weil er sich aus idealer Gesinnung so exaltiert benimmt, wie sie in schweißtriefender Ausübung ihres journalistischen Broterwerbs . . . Jüdische Kleinkunsttriwpe. So was gibt es? Die Frage muß anders lauten: So was gab es noch nicht? Bei der Fülle von Kleinkunstbühnen, die sich mit mehr oder minder großem künstlerischen und gewöhnlich minder großem materiellen Erfolg in den Theatersälen aller mögiichen Kaffeehäuser herumtummeln und in denen oft jüdische Künstler beschäftigt sind, war es verwunderlich, daß bisher noch niemand an die Verwirklichung der so naheliegenden Idee schritt, solche jüdische Künstler zu vereinigen und sie in einer Künstlertruppe mit vornehmlich jüdischer Tendenz herauszustellen. Wir wissen, daß diese gute Idee schon in manchen Köpfen erwogen wurde, der Bezirksgruppe Landstraße des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" war es vorbehalten, das Zaudern dieser Köpfe vor den großen Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens zu brechen und zur Tat zu schreiten. Vornehmlich ist es Herrn Leopold Baum zu danken, daß diese anerkennenswerte Tat geschaffen wurde, er ist der Inaugurator der jüdischen Kleinkunstbühne „Die Insel" — warum übrigens „Die Insel"? —. die am vorletzten Sonntag abends im schönen Heim der Bezirksgruppe Landstraße des Frontbundes startete und. wie wir vorwee feststellen wollen, einen überaus großen künstlerischen Erfolg errang, der sich in einer zweiten Aufführung stürmisch wiederholte. Die Ausführung der. guten Idee war Herrn Baum deshalb so leicht und erfolgreich möglich, weil sich ihm zur Seite eine eifrige Schar von Künstlern aller Art stellte. Was da an Autoren. Komponisten. Bühnenbildnern, Schauspielern, musikalischen Begleitern und Hilfspersonal zur Verfügung steht ist ohne Uebertreibung allererste Klasse, wie es jeder Kleinkunstbühne nur zur Ehre gereichen kann, ja von vielen dieser Theaterchen nicht im entferntesten geboten wird. An der Spitze dieser jüdischen Künstlerschar steht ein Regisseur, der für seinen Beruf das Erforderliche mitbringt: eine feste Hand und einen frohen Sinn. Dieser Mann. Paul S i g-n e r. der auch als Autor zu Worte kommt und als Conferencier .manch bissiges, aber treffendes Wort, sagt, hat in der kürzen Zeit der Vorbereitung Hervorragendes geleistet, unter seiner tatkräftigen Regie entstanden Darbietungen, die. wenn Härten und gewisse Plattheiten entfernt sein werden, was gewiß leicht möglich, ja im Interesse der guten Sache überaus notwendig ist. an Ged'eeenhe't des Könnens ruhig, die Konkurrenz mit allen Wiener Kleinkunsttruppen aufnehmen werden können. Das jüdische Publikum, das d'ese Tbeaterchen sp gerne hat. wird dann sein eigenes Theater dieser Art hab^n .und es freudig aufsuchen. Einen. Star hat da*.Ensemble?uch schon, was will man noch mehr? Es ist die in Wien heute schon "gut bekannte Künstlerin vom Deutschen' Schausnielhaus in Leinzig Steffi Mann. Die Vielfältigkeit ihres großen Talentes zu beweisen. hat Steffi Mann gerade hier in der „Insel" besondere Gelegenheit Denn da kommt sie dramatisch in einem sehr wirksamen Sketch („Indizien" von S i g n e r), charmant verführerisch als Diva in der bravourösen Parodie „Drei Cents Opera" (Text von Konradt V i s s e r, Musik von Pierre und Fuchs) und grotesk Iustigi in dem literarischen Kuddelmuddel „Maria Stuart, die Jungfrau von Orleans" (frei nach Schiller von Hans Singer). Dann trägt Steffi Mann noch sehr wirksam ein Gedicht von Tucholsky vor, man bekommt sie also in mehrfacher Art zu sehen und hören und immer — gefällt sie, gefäMt sie sehr, wie der laute Applaus des animierten Publikums bewies. Dann ist da noch ein ausgezeichneter Charakterdarsteller Rudolf Bergl, auch ein Emigrant und auch vielseitig begabt, was seine ernste Leistung in „Indizien" und seine humorvolle Art in der „Drei Cents Opera", aber auch seine Drastik in einer lustigen, aber nicht sehr niveauhaltenden Posse bewies. Neben diesen Hauptdarstellern, Steffi Man n, Rudolf Bergl und Paul S i g n e r, von dem auch noch der blendende Vortrag des meisterhaften Chansons „Der kleine Jud", von Josef Epstein, erwähnt sei, stehen brave Schauspieler wie die anmutige und talentierte Ina M a r e, die u. a. „Die Wahlesel" von Heinrich Heine mit viel satirischem Verständnis rezitierte, und der bewährte Otto Press er. Nicht vergessen dürfen die einführende musikalische Begleitung von Lilian Rie, einer wahren Künstlerin, und die schönen Bühnenbilder von Fuchs werden.. Was in der „Insel" geboten wird? Aus den bei der Erwähnung der Schauspieler angeführten Piecen gewinnt der Leser schon ein halbwegs richtiges Bild von der guten Melange, die da serviert wird. Aber es sind noch einige Zutaten da, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Mit einem schmissigen Prolog („Hinein in den B. J. F.!" — hinein schon, aber ohne Parteifahne) beginnt die Sache sehr wirksam. Geistreich persifliert werden die Umschichtungsübertriebenheiten in den beiden launigen Bildern ..Man stellt sich um" von Dr. Josef Epstein, dessen Mitarbeit für das Theater einen großen Gewinn bedeutet. Das Gleiche vdarf man von der Mitarbeit eines noc!; recht jungen, aber schon sehr talentierten Autors behauter, Oer hier mehrfach zu Wort kommt: Konrad V i s s e r. Visser hat eine sehr gute Feder, das bewies er in dem Bild „Naumanns wilde verwegene Jagd", in der von ihm selbst vorgetüigenen „Ballade von. Juuoiikind" und vor aälem in der „Drei Cents Opera", zu der neben Fuchs der sehr begabte Pierre die blendende Musik schrieb. „Indizien" von Signcr seien als bejondciy packend nochmals gelobt. Alles in allem ein nuter Anfang. Dinge, die den Rahmen dieses jüdischen Theaterchens sprengen, müssen fallen gelassen werden, dann wird die Truppe mit ihrem ausgezeichneten Autoren- und Schauspielermaterial ihren Weg machen. Sie war eine Notwendigkeit beweise sie nun auch ihre vollkommene Gediegenheit! O. H. * Wie wir erfahren, soll demnächst in einer I n t e ressentenvors teil u n g den Veranstaltungsreferenten der Akademien arrangierenden jüdischen Vereinen das Programm vorgeführt werden, das sie u. E. gerne für ihre Veranstaltungen verwenden werden können und wollen. _ Aas der braunen Hölle. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit: Der Reichs- und preußische Innenminister hat die Prüfungsordnungen für Aerzte und Zahnärzte durch Einfügung einer Bestimmung geändert, wonach die Zulassung zu den Prüfungen und die Erteilung der Approbation von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig zu machen sind. Ausnahmen hievon können nur aus besonderen Gründen gestattet werden. Die Bestimmung hat unter den wenigen, dem medizinischen Studium sich noch widmenden Juden tiefe Bestürzung hervorgerufen. Durch diese Neuordnung werden die jüdischen Studenten betroffen, die gegenwärtig noch im Studium sind, ferner diejenigen Kandidaten und Praktikanten, diesich in der Ausbildung, aoer noch vor ihrer Approbation befinden. Am 30. Jänner, dem zweiten Jahrestag der Machtergreifung durch Hitler, sollte das neue Reichsbürgergesetz verkündet werden, in dem die Frage der Staatszugehörigkeit der Juden und Nichtarier prinzipiell geregelt werden sollte. Wie es nun heißt, ist die Verkündung des Gesetzes auf Ansuchen des Auswärtigen Amtes, das angesichts der bevorstehenden außenpolitischen Verhandlungen die deutsche innere Politik nicht neuen Belastungen ausgesetzt wissen wollte, zurückgestellt worden. Ueber den Inhalt des Reichsbürgergesetzes, namentlich in bezug auf die Position der Nichtarier in demselben, ist bis jetzt noch nichts genaues bekannt geworden. Aus dem Eingreifen des Auswärtigen Amtes und der daraufhin vorgenommenen Rückstellung der Verkündung des Gesetzes lassen sich jedoch Rückschlüsse auf dessen Inhalt ziehen. „Pariser Tageblatt" erfährt aus Berlin: Die Reichskulturkammer versucht in letzter Zeit wieder einen schärferen Kurs in der Nichtarierfrage einzuschlagen. So hat die Reichspressekammer eine Verfügung erlassen, wonach an Fachzeitschriften keine Nichtarier mehr beschäftigt v/erden dürfen. Es ist sogar verboten, Redakteure oder sonstige Verlagsangestellte zu beschäftigen, die zwar Arier, aber mit nichtarischen Frauen verheiratet sind. Diese Maßnhme macht sich auch im Verlag Ullstein bemerkbar, wo man eine große Säuberungsaktion aller Nichtarier und mit nichtarischen Frauen verheirateten Angestellten ins Werk setzt. „JUQEND-UnlON" Jugendgruppe der Union österreichischer Juden- Wien IX., Barggasse <* Telephon A 19-2-77 Unterhaltungs-Abend mit Akademie und Tanz Auftreten der JÜDISCHEN KLEINKUNST¬ TRUPPE „DIE INSEL" Samstag, den 16. Februar 1935, punkt 81/» Uhr abends, im Festsaale des Cafe „Altes Rathaus", I., Wipplingerstr. 24/26 Karten im Vorverkauf zu S 1.50 im Sekretariat der „Union" erhältlich. Palästina-Nachrichten. Eine offizielle Erklärung über die Unwetterkatastrophe stellt fest, daß der S c h a d e n i ti Nablus sehr groß sei und daß er gegenwärtig nicht geschätzt werden könne. Auch sei es n i c h t m ö xlich, die Zahl der Menschenopfer im Augenblick festzustellen. In der Erklärung heißt es weiter, daß die Regierung ihre Hilfe zur Verfügung stellen werde, zumal Nablus an der allgemeinen Prosperity in Palästina einen nur geringen Anteil habe. — Nablus, das biblische Schechem, ist heute eine reit; arabische Stadt. Im englischen Unterhaus fragte der Abgeordneie der Labour Party, Colonel Josiah C. WedgwooO den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister. ob es richtig sei, daß in Jerusalem ein Araber zum Bürgermeister ernannt wurde und warum dies, falls es zutreffe, geschehen sei, da doch die Bevölkerungsmehrheit der Stadt jüdisch ist. Der Minister antwortete: „Zum Bürgermeister der Stadtverwaltung von Jerusalem wurde ein Araber. Dr. Hussein Fakri Effendi el Khalidi, ernannt Das Gesetz gibt dem High Coramissioner unbeschränkte Vollmacht zur Auswahl) irgend eines Stadtverordneten für die Ernennung zum Bürgermeister, und ich habe vollkommenes Vertrauen zu seinem Urteil." Der Abgeordnete Wedgwocd fragte sodann, ob es nicht Tatsache sei, daß der letzte Bürgermeister von Jerusalem ein Araber war und daß dieser den Ruf einer selbst im Orient bemerkenswerten Korruption hinterließ: halte der Minister es für richtig, daß ein Araber zu seinem Nachfolger ernannt werde? Sir Philip Cunliffe- Lister erwiderte, der Abgeordnete Wedgwocd habe nicht vorher angekündigt daß er den Charakter eines früheren Bürgermeisters zu beurteilen beabsichtige. Auf jeden Fall wäre es für den Minister höchst unangemessen gewesen, sich in die Befugnisse des High Corhmissiomer in dieser Angelegenheit einzumengen. * In der Jerusalemer Stadtverwaltung wurden acht städtische Kommissionen gewählt. In drei Kommissionen besteht eine arabische Mehrheit, fünf haben einen arabischen Vorsitzenden, während nur in drei Kommissionen ein Jude den Vorsitz führt. Der wichtigsten Kommission, der Beamtenkommission, präsidiert Bürgermeister Dr. Khalidi selbst, aber das jüdisch-arabische Gleichgewicht in der Stimmenverteilung ist gewahrt. Ebenfalls ist das Verhältnis von Juden und Arabern in der Finanzkommission derart, daß ein Gleichgewicht hergestellt ist. In der Finanzkommission führt Vizebürgermeister Daniel Auster den Vorsitz, was als Auswirkung der letzten Verhandlungen anzusehen ist bei denen Vizebürgermeister Auster erweiterte Befugnisse zugesichert worden sind. Semeindedkroiiift. Deutsch-jüdische Gemeinde in Chile. Vom Büro der HICEM wird der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die m Chile, Südamerika, mit Hilfe der HICEM oder mit eigenen Mitteln eingewanderten-jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland eine jüdische Gemeinde gegründet haben, die alle deutschjüdischen Flüchtlinge zusammenfaßt. Die Gemeinde beschloß, eine Synagoge und ein Versammlung sli a u s zu erbauen. Erwogen wird auch die Gründung einer Bibliothek und eines Theaters. Die Gemeinde arbeitet mit dem Komitee zum Schutz der jüdischen Einwanderer zusammen. In der konstituierenden Sitzung der Gemeinde, die vor allem auf rein religiöser Grundlage aufgebaut ist, wurde u. a. auch der folgende Beschluß gefaßt: Die Gemeinde hält es für ihre.Pflicht, dem Komitee zum Schutze jüdischer Einwanderer ihren aufrichtigsten Dank für die Hilfe, die es diesen Einwanderern angedeihen ließ, auszusprechen. Berlin. DeT BiMungsverein deutscher Juden E. V. in Berlin, der es sich zur Aufgabe stellt „Kinder deutscher Juden in deutscher Kultur bei treuer Pflege religiösen Geistes heranzubilden", eröffnet zu Schulbeginn im Ein- Für den Kenner ist es kein Witz, sondern er versteht den Ernst der Aufforderung: Geh' doch zum Schmidl und nicht zum Schmid!" Denn er weiß sofort, wer da gemeint ist. wenn wenige Wochen vor dem herannahenden Pessach-Fest dieser Ruf an ihn ergeht. Er weiß, wer der treffliche Schmidl ist, niemand anderer als der bewährte Erzeuger der ausgezeichneten Schmidl-Mazzes. Herr Nathan Brodetzky. in dessen Zentrale, II., Leopoldsgasse 43, die schmackhaften Schmidl-Mazzes erhältlich sind, die in der bewundernswerten Fabrik in Floridsdorf als wahre Kostbarkeit erzeugt werden.

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