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Die Wahrheit · 1935-02-15 · Heft 7 (15.2.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 7 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 7 — 15. Februar 1935 DIE WAHRHEIT Ueberlieierungen der Schweiz gehöre. Darum gilt es, die kleine jüdische Minderheit gegen skrupellose Angriffe zu schützen. Als Christin müsse sie bekennen, daß es auf Erden kein Volk und keine Kultur gibt, denen die Christenvölker so viel schulden, wie gerade der jüdischen Geistesgeschichte. Den Standpunkt der katholischen Kirche umriß Dr. K. Fleisch mann. Der Redner wies darauf hin, daß der Antisemitismus eine Versündigung gegendasChristent u m sei. Die katholische Kirche hätte über das Judentum nie den Stab gebrochen, sondern sei ihm stets in Liebe und Ehrfurcht begegnet. Masseneinwanderung nach. Palästina unerwünscht. Eine in Bratislava seit kurzem erscheinende /. i o n i s t i s che Zeitschrift „Die neue Zeit" bringt in ihrer Nummer 1 einen hochinteressanten Artikel von Capt. Toni C o 11 i n s (London). „W a r u m ist den Engländern eine jüdische Massen ein Wanderung in Palästina unerwiinscht?" Wir entnehmen diesem eine offene Sprache sprechenden Aufsatze eines Fachmannes folgende Stellen: Im Jahre 1917 wurde den Juden die Balfourdeklaration gegeben, in welcher sich England verpflichtete, den Juden zu helfen, eine „nationale Heimstätte in Palästina" zu errichten. Welche besonderen Interessen, außer den psychologischen Momenten, haben England zu diesem Zugeständnisse bewogen? England braucht Palästina als strategisches Hinterland zum besseren Schutze des Suezkanals. Der Suezkanal bildet die kürzeste Verbindung zwischen dem englischen Mutterlande und seinen wichtigen Kolonien in Indien und dem fernen Osten, ferner den Dominions Australien und Neuseeland. Beiderseits des Suezkanals wohnen arabische Völker. England ist den Arabern wohlgesinnt Unter seiner Verwaltung blühte Aegypten auf, die Sterblichkeit ging zurück, die Einwohnerzahl stieg von kaum 3 Millionen auf mehr als 14 Millionen. Aber die Erfahrung zeigte, daß den Arabern nicht immer zu trauen ist. In Friedenszeiten ist England zweifelslos genug stark, den Suezkanal zu schützen. Dies ist aber sehr erschwert im Falle, daß England gegen eine andere, ebenbürtige Macht Krieg führen müßte. In diesem Falle muß dann England seine besten Kräfte dem mächtigen Feinde entgegenstellen und dann könnte auch der Araber den Mut bekommen, anzugreifen und gefährlich werden, besonders, wenn sich die Araber zu beiden Seiten des Kanals verbünden würden. Ein starker Pufferstaat an der Ostseite des Suezkanals in Palästina, mit nationalbewußter Bevölkerung, die entschlossen ist, ihren Boden frei zu erhalten und im Kriegsfalle keine arabischen Heere durchzulassen, wäre England mehr als erwünscht. Diesen Dienst erwartete England vom jüdischen Volke. England hoffte, daß nach dem Kriege die Juden in Scharen einströmen würden, vereint im festen Bestreben, so rasch als möglich ein festes Staatengebilde zu bauen. England hat sich in den Juden getäuscht. Die jüdisch eMassenein Wanderung, die sich England zur Zeit der Friedenskonferenz erwünschte, blieb aus. Der englische Traum von einer welterschütternden jüdischen Begeisterung blieb ein Traum. In den einzelnen Ländern der Diaspora bildeten sich jüdische Jugendgruppen, die sich zur Aufgabe stellten, Palästina zu kolonisieren. Diese Gruppen nahmen sich den jüdischen Wächterorden Palästinas „Haschomer" zum Vorbilde und übernahmen dessen Namen Diese Bewegung war vielversprechend, anfangs sandte sie auch wahre Helden nach Palästina und diese leisteten auch Wunder jüdischer Begeisterung und Selbstaufopferung. Aber ungefähr im Jahre 1922 kam ein großer Umschwung in ihre Reihen. In Polen leben über 3 Millionen Juden, fast durchwegs Kleinhändler. Diese gerieten nach dem Kriege in Elend. Diese jüdischen Massen waren aber nur zum geringen Bruchteile nationalbewußt. Verarmt, wurden sie in die extreme Strömung des Klassenkampfes gerissen. Nun kam der Schomer mit semer Lehre von der Besiedelung Palästinas. Gierig griffen Tausende jüdischer Jungen nach der Möglichkeit, Polen verlassen und nach Palästina gehen zu können. Nicht aus nationaler Begeisterung, sondern aus Nof, weil der Weg in andere Länder versperrt war. Diese Tausende kamen zum Schomer und beeinflußten mit ihrer Uebermacht die ganze Bewegung. Ueber Nacht ward aus dem Schomer ein Instrument des roten Klassenkampfes. Es kamen und kommen auch heute noch viele Tausende Arbeiter nach Palästina, bis in die Knochen verseucht von Klassenhaß und Abtrünnigkeit. Ihre Arbeiterorganisationen, die „Histadruth Haowdim" nimmt auch die Araber in ihre Reihen auf, von einem nationalen jüdischen Bewußtsein ist nicht nur keine Spur vorhanden, sondern jede nationale jüdische Regung wird bekämpft und mit Füßen getreten Sie suchen im Dienste der zweiten, mehr noch der dritten Internationale Palästina zueinem Reservoir der vom Westen abgelehnten destruktiven Elemente 2 u machem Den Engländern konnten diese Zustände keinesfalls gleichgültig sein. Diese Elemente bilden für England ei'ne größere Gefahr als die Araber. England hat in Palästina den Juden ein nationales Heim zugesagt, als Union österreichischer Juden. Donnerstag, den 21. Februar, 8 Uhr abends, im Klubsaal des Cafe Kandlhof, VII., Kaiserstraße 61, Versammlung der Bezirksorganisation VII. Referent: Reg.-Rat Dr. Max Lenk über »Die neuen Aufgaben der .Union' im christlichdeutschen Ständestaat". Heim der ethischen und geschichtlichen Tradition der Juden, nicht aber dem roten. Internationalismus als Versuchskaninchen für seine Theorien. Unter diesen Zuständen ist selbst der Zustrom jüdischen Kapitals nach Palästina den Engländern nicht erwünscht, weil dies weitere klassenkämpferische von der jüdischen Tradition abgefallene Arbeiter nach sich zieht. Die Einschleppung des Klassenkampfes in die jüdische Arbeiterschaft Palästinas hat fast die gesamte öffentliche Meinung Englands gegen das jüdische Palästina gestimmt, da fast in einem jeden einwandernden Juden eine kommunistisch -um stürzlerische Gefahr vermutet wird. Die politische Niederlage in Genf. Viel zu wenig beachtet wurde in der jüdischen Oeffentlichkeit die Antwort der M a n d a t s k o mmission auf die revisionistischePetition. Der Beschluß der Kommission, die die Petition mit-der Begründung abgelehnt hat, daß der Gedanke eines Judenstaates in Palästina mit dem Mandat nicht im Einklang stehe, bedeutet eine schwere politische Niederlage nicht nur für die Revisionisten, sondern für den Zionismus überhaupt. Das erkennen auch die Zionisten Palästinas. „Wer hatte ein Interesse daran — so fragt der allgemein-zionistische „Haarez" —, die Mandatskommission zu einer Antwort zu veranlassen, die fast eine offene Erklärung gegen Palästina als Judenstaat ist? Für die Antwort, die wir jetzt erhalten haben, können wir uns bei der „klugen" Taktik der „weitsichtigen" Politiker aus dem revisionistischen Lager bedanken. Für wen war es notwendig, von der Mandatskommission eine neue Interpretation des Mandates zu erhalten? Die Petition war von vornherein eine leere Demonstration ohne Sinn und Geschmack sogar nach innen. Der Schritt war jedoch besonders unsinnig, weil aucli seine Initiatoren wußten, daß er keinen Erfolg bringen würde. Vielleicht hat irgendwo in einem verlorenen Städtchen der naive Jude, der die Petition unterzeichnete, wirklich geglaubt, daß seine Unterschrift „die Anzahl der Zertifikate erhöhen" würde. Die revisionistische Leitung jedoch, die sich aus Trotz und Mangel an wirklicher Arbeit auf das Petitionsspiel einließ, hat sicherlich keine großen politischen Erfolge davon erwartet. Jedenfalls konnte sie. voraussehen, daß sie einer Niederlage entgegengellt und gerade das Gegenteil von dem erreichen wird, was sie bsabsichtigte. Mag sich die revisionistische Partei selbst in eine Partei verwandeln, die Ohrfeigen bekommt. Das ist ihre Angelegenheit Leider hat die Frage eine gewisse. Bedeutung nicht nur für die engen Interessen der Partei. Wir können uns bei den Revisionisten für ihr letztes „politisches Werk" bedanken. Ja, wir sind um eine neue politische Erfahrung, eine bittere Erfahrung, reicher gew o r d e n." Julius Streicher. Ein „Charakter"-Bild zu seinem 50. Geburtstag. Im folgenden geben wir eine von informierter Seite zusammengestellte Sammlung von Auszügen aus Reden und Aufsätzen des Bluthundes Julius Streicher, die für sich selbst sprechen, wieder: JuUus Streicher ist Gauleiter des Gaues Mittelfranken der NSDAP und Regierungspräsident. Geboren 3885. Sohn eines Volksschullehrers: ursprünglicher Beruf: Volksschullehrer. Im Krieg Leutnant der Reserve. Nach dem Kriege Redner für die antisemitische ..Deutschsozialistische Partei", eine kleine Splitterpartei, für die er ein Wochenblatt gründet, „Deutscher Sozialist'. 1921 Austritt aus der deutschsozialistischen Partei und Gründung der Nürnberger Ortsgruppe der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei. Streicher beteiligt sich am Münchner Hitlerputsch 1923. wird aus dem Schuldienst entlassen, gründet das Wochenblatt „Der Stürmer". Kommt wegen dessen Inhalt mehrmals ins Gefängnis. 1933 nach der Machtergreifung Hitlers wird Julius Streicher zum Leiter des „Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze" ernannt, also zum Organisator des bekannten Judenboykott-Tages am 1. April 1933. Streicher erklärt an diesem Tage in seiner Rede bei einer Massendemonstration in München: Der Tag werde kommen, an dem die Welt sich endgültig vom Judentum befreien werde. Bis jetzt habe noch nie ein Volk den Kampf gegen das Judenrum gewagt. * j - Hitler und. Streicher. Hitler und Streicher sind eng befreundet. Dies wird in jeder Nummer des „Stürmer", wurde aber auch auf dem Parteitag in Nürnberg Anfang; September 1934 mehrfach unterstrichen. Philippe Barres berichtet im „Matin" über ein Gespräch mit Streicher und Hftler in Nürnberg. Streichers Worte: ..Ich bin Stretcher. den man den Schirecken des Franken'andes ■nennt." Ferner: „Der Kampf gegen die. Äiden ist eine .periodisch wiederkehrende Erscheinung in der Geschichte. Aber man wird wohl die Entscheidungsschlacht schlagen müssen." Der Berichterstatter vermerkt dazu: ..Hitler sagte nichts d a z u." Ende Oktober 1934 aufsehenerregende Reden Streichers und Berichte in der „Fränkischen Tageszeitung". Er dementiert heftig die Gerüchte, daß Hitler ihn entlassen oder gar ihn geschlagen habe. — Mitteilung in diesem Zusammenhang, daß er, Streicher, einen Gefangenen in seiner Zelle mit tfer Reitpeitsche durchgeprügelt hat. Julius Streicher feierte am 11. Februar seinen fünfzigsten Geburtstag. Aus diesem Grunde hatte er hundert der ältesten Parteigenossen und Parteigenossinnen zu einer Feier geladen, zu der überraschend auch Adolf Hitler aus München eintraf, um dem Frankenführer persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Bei dieser^pelegenheit hielt Hitler eine Rede, in der darauf hinwies, daß er in Streicher einen Gefährten habe, von dem er wisse, daß m Nürnberg ein Mann sei, der keine Sekunde wanken und in jeder Lage unbeirrbar hinter ihm stehen werde. Daß gerade der Herausgeber des „Sturmers", der geschmacklosesten antisemitischen Publikation, vom Reichskanzler in dieser Weise persönlich ausgezeichnet wurde, scheint von neuem zu bestätigen, daß in diesem Punkte die Gefühle Hitlers seit der Kampfzeit sich nicht verändert haben und daß er in der Judenfrage unerbittlich bleiben will. Ritualmordnummer des «Stürmer" als „Sondernummer 1" im Mai 1934. Schlagzeile des Titelblattes: ..Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Menschheit aufgedeckt." Ueberschrift des Leitartikels: „Das Mördervolk". Weitere Artikel: „Zusammenstellung der jüdischen Ritualmorde aus der Zeit vor Christus bis 1932". Hierzu eine Reihe Einzehvrtikeä: „Die Schächtung der , . ." (folgen jeweils die Namen der angeblicheil Opfer). Dazu die entsprechenden Zeichnungen und Gemälde. Weiterer sehr groß aufgemachter Artikel: „Mordplan gegen Adolf Hitler" usw. Die Agitationsmethode des ..Stürmer", einheitlich in allen Nummern des Hetzblattes durchgeführt, zeigt folgende Hauptmerkmale: a) Fortgesetzte Blut- und Mordag>itat i o n. Beispiel: „Jüdische Grausamkeit — Aus der blutbefleckten Geschichte Alljudas" ist die Titelschlagzeile der Nummer 21 im Mai 1934, also anschließend an die Ritualmordnummer. Titelzeile von Nr. 23 im Juni 1934: „Der Weltgangster — Erbmäßia veranlagte Verbrecher". Aus Nummer 24 im Juni: „Todfeind dler Menschheit — Der Antisemitismus ergreift alle Völker — Das Para-

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