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Die Wahrheit · 1935-02-15 · Heft 7 (15.2.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 7 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f cfton jetzt vot merken . ■Bl Xu Sessadk fehmidl-Jflazzoth £tn Uersucfi nsiwd Sic fifienwuitcn! Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Jlatfum t&Todetz&y Zentrale: Wim. 2. t&ezitß, £eovotds£asse *3 Telephone: A 461-90, A 48-4-48, A 60-2-63 Die Stfkmidt-JKtMXXotlh und das Fabrikat „ytlmGe tfefimielFOft. <&." (Mazzoth, Grieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. m ■__ iber das Reich und schürt den Haß in halbwüchsigen jemütern. Der antijüdische Grimm dieses Gauleiters itzt fest und unverrückbar; die Groteske wird nicht rescheut, wenn es gilt, ihm Luft zu verschaffen. In der Bewegung findet ein Differenzierungsvorrang statt, der nach außen wenig in Erscheinung tritt, la der Antisemitismus zu den ersten und wichtigsten Grundsteinen der nationalsozialistischen Weltanschauung rehört, die für die Gesamtheit des Volkes den Staatsvillen darzustellen hat. Der Vorgang bewirkt die >sychologische Auflockerung einer Gegnerschaft, die ndessen durch die Gesetzgebung im Grundsätzlichen »erfestigt bleibt So ist es zum mindesten in den Großstädten, wo auch in den erregten Zeiten der aktive Antisemitismus eine Gruppenangelegenheit war und die ingestrebte Volkstümlichkeit nicht erreichte. Auf jeden rall im rheinischen Westen nicht, wo ein durch viellundertjährige Tradition mit dem deutschen Leben ver- 3undenes Judentum aller Schichten als repräsentativ jalt und wo der frische Zustrom aus dem Osten keine jufstörende Bedeutung angenommen hatte. Die meisten iieser Juden sind alles andere als „international" in lern berüchtigt gewordenen Sinn; unter ihnen gab es viele, die in der selbstverständlichsten Art seit Generationen assimiliert waren und die Deutschland über Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer H., TaDorsiroße 12, Tel. R 46-5-57 a>w«H Ausgiebige Braien-Meaus S 1.60 i&J . „ ■ Geflügel- „ S 2.30 Vorzügliche Zubereitung — Scbwecbater Eiere — Naturweine alles in der Welt stellten. So war es bei den Gelehrten, Beamten, in den freien Berufen, im Handel, ja beim Handwerk: in der liberalen Epoche war das Judenproblem an die Fühlweise des Einzelnen verwiesen, so konnte es als Problem auf große Zeiträume völlig verschwinden ... Daß die deutschen Juden nun plötzlich unter den Begriff einer ethnischen, also völkischen Einheit fallen, ist für sie ein tragischer Schlag, denn psychologisch vorbereitet dazu sind sie nicht. Sie selber empfinden sich nicht als ethnische Einheit, sie sind mannigfach und tief zerrissen, obsclion ihre Gegner glauben, sie hätten es mit einem auf Not und Tod verschworenen „Geheimbund" zu tun. Die Wirklichkeit ist anders und erweist sich gerade in der Reaktion auf den Nationalsozialismus, die alles andere als einheitlich war und ist. Wer schlechthin vom „Juden" spricht, ohne zu präzisieren, bleibt an der Oberfläche. Der Sephardim-Jude spanisch-niederländischer Herkunft will mit dem Aschkenasim aus dem Osten nicht verwechselt werden, der alteingesessene Westjude hat gegen den neu Zugewanderten aus dem Osten mehr Vorbehalte als ein Arier, der Orthodoxe begreift den Getauften nicht, der Bürgerliche den Sozialrevolutionär nicht, dieser den national gesinnten jüdischen Frontkämpfer nicht: Die weltanschaulichen wie parteilichen Aufspaltungen des deutschen Volkes betrafen die Juden in genauer Entsprechung. Der Zionismus als jüdisch-völkische Idee hat wohl durch den Schock des deutschen Umbruches einen gewissen Auftrieb erhalten; der großen Masse bleibt er als Utopie fremd, und das zweitausendjährige volksgeschichtliche Vakuum eine zwingendere Wirklichkeit. Von tieferer Einwirkung sind die religiös erweckenden und restaurierenden Bewegungen, ist der Rückgriff in das breite Wiederanknüpfen an die säkularen Reste des Glaubens — man kennt die bedeutenden und noblen Namen von Martin Buber, Leo Baeck. Josef Kastein . .. Sogar was Hitler betrifft, gibt es die verschiedenartigsten Einstellungen . . . Hitler, dessen Antisemitismus aufzulockern oder etwas zu differenzieren schon mehrmals versucht worden ist, bleibt in diesem Punkt allerdings grundsat2fest und unnachgiebig. Denn zu seiner Sendung gehört die Bewußtmachung der deutschen ..Rassenseele" . . . Der Krieg hat uns gezeigt, mit welch einlachen Verfahren sich ein Volk karrikieren läßt, . . . Deutschland hat damals unter derselben Sorte von Bezichtigungen gelitten, die jetzt die Juden treffen. „Zersetzend" lautete der Vorwurf von den Ordnungen des Westens her, und „imperialistisch", genau so wie jetzt „Alljuda" eines geheimen Weltimperialismus geziehen wird. Es zeigt sich, daß der Antisemitismus teilweise mit seinem Angriff nicht nur das Judentum meint, sondern das Christentum, das dann als „artfremde", „orientalische'' Religion abgelehnt wird, dessen Mitleidsmoral und Demutsideal unvereinbar sei mit dem Geist eines aristokratischen Herrenvolkes. Auf dieser Ebene treffen zwei Auserwähltheitsansprüche feindlich aufeinander: der jüdische gottoffenbarte des durch Gnade auserwählten Volkes und der deutsche, selbstherrlich gesetzte aus dem völkischen oder rassischen Bewußtsein der Fülle und Weihe eigenen Wesens, in welcher eine irdische Rangbestimmung ausgedrückt ist . . Das deutsche und das jüdische Sendungsbewußtsein begegnen sich in der Tiefe." Manche Lehrer gingen ihren Weg, oft unter dem Risiko, gemaßregelt oder entlassen zu werden, indem sie ihre jüdischen Schüler soweit als möglich schonten. Tatsächlich geschah es nur in einigen Schulen, daß besondere Bänke für jüdische Schüler eingerichtet wurden oder daß die anderen Kinder geradezu ermutigt wurden, sie zu insultieren. Auf jeden Fall dürfen die jüdischen Kinder am Samstag fehlen, wenn der besondere Unterricht in nationalsozialistischer Lehre erteilt wird. Aber man braucht nur in einige der neuerdings zum Schulgebrauch herausgegebenen Lesebücher zu blicken, um zu sehen, daß die antisemitische Lehre keineswegs nur auf bestimmte Stunden oder Unterrichtsgegenstände beschränkt ist . . ." Der Verfasser spricht dann von der Aufgabe der Umschulung der lausenden jüdischen jungen Menschen, die gezwungen sind, ihr akademisches Studium oder ihre andere berufliche Laufbahn abzubrechen. Einige von ihnen könnten dank der Anstrengungen, die die Juden in anderen Ländern machten, ihre Studien anderswo fortsetzen, aber die Mehrzahl nehme die Gelegenheit der Umschulungskurse in Deutschland wahr. Die kleineren jüdischen Gemeinden in der Provinz seien ruiniert und verödeten, Synagogen würden geschlossen und der jüdische Geistliche oder Lehrer, der oft schon viele Jahre im Dienste gestanden habe, komme damit um seine Stellung und werde unterstützungsbedürftig. Der Artikel des „Manchester Guardian" erwähnt in diesem Zusammenhang die Opferwilligkeit der Juden in Deutschland und die mannigfache Hilfe, die ihnen von auswärts mit ebensolcher Opferwilligkeit gebracht wurde, durch freiwillige Sammlungen usw. Zum Schluß erörtert der Artikel das Thema „D ie Zukunft". Es heißt hier: „Im Vergleich zu der Zeit von vor zwei Jahren kann man über die heutige Lage der Juden in Deutschland sagen, daß sie sich etwas gebessert hat. In den großen Städten können sie ihren Geschäften nachgehen, ohne körperliche Gewalttätigkeiten fürchten zu müssen, obgleich sie auch nie davor sicher sind, daß irgend ein unvorsichtiges Wort, das man gedankenlos geäußert hat, als unerlaubte Kritikasterei ausgelegt wird und seinen Urheber in Haft und möglicherweise in ein Konzentrationslager bringt. Diejenigen Juden, die ein Geschäft in einer Großstadt haben, spüren den Nutzen und Vorteil aus dem Wiederaufleben des Welthandels. Es wird wieder mehr Geld ausgegeben, und ein Teil davon findet trotz aller Anstrengungen halboiijzieller nationalsozialistischer Parteiorganisationen seinen Weg auch in die jüdischen Geschäfte. Manche Juden . . . haben sich an die Veröffentlichungen von allerlei Verleumdungen und Beleidigungen ailmählich zu sewöhnen begonnen. Man hat kein Hilfsmittel dagegen; das Kreuz muß getragen werden. Sie besuchen längst keine Zusammenkünfte mehr, wo sich frühere Kollegen vielleicht weigern würden, zusammen mit einem Juden an einem Tisch zu sitzen. Wenn sie in ein Restaurant sehen, dann suchen sie sich ein solches aus. das von Glaubensgenossen bevorzugt wird . . . Vielleicht daß man den Juden, nachdem man sie aus jedem nur irgend möglichen Einfluß in der Politik, der Literatur und der allgemeinen Bildung ausgeschlossen hat, erlauben wird, die Geschäfte, die sie innehaben, weiter zu betreiben, wenn sie keinen Vorwand dafür bieten, daß die Regierung ihnen wieder ihre Aufmerksamkeit zuwendet. Die meisten deutschen Juden würden sich in der gegenwärtigen Zeit glücklich schätzen, wenn man nur keine Notiz von ihnen nimmt. Anderseits darf die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen werden, daß plötzlich ein Sündenbock gebraucht wird. Wenn solche Umstände eintreten sollten, dann wird man den Juden dazu bestimmen, die Rolle des Sündenbocks zu spielen." * In der „Neuen Zürcher Zeitung" beschäftigte sich Max R y c h n e r in zwei interessanten Artikeln, mit dem Judenproblem in Deutschland. Dem bedeutenden Aufsatz entnehmen wir folgende charakteristische Stellen: „Ein englisches Blatt wußte jüngst zu berichten, daß innerhalb des deutschen Nationalsozialismus eine Strömung fühlbar werde, die der Doktrin des Antisemitismus absage. Noch unscheinbar sei sie derzeit, aber sie gewinne an Umfang. Wundertaten sind von dieser Seite vorerst nicht zu erwarten, wenn auch der Antisemitismus manchenorts des Kämpfertums müde seyorden ist und sich gern auf die stillen Innenbezirke jener Weltanschauungsgebiete zurückzöge, die sich nicht mehr in Taten umzusetzen brauchen. Inzwischen läßt iedöch die Stoßkraft der Unentweeten nicht nach; irr Nürnberg erscheint nach wie vor Julius Streichers <•> türme r", verbreitet sich in über 100.000 Exemplaren Auf Veranlassung einiger Züricher Frauenorganisationen, der Bezirksvereinigung für den Völkerbund und des Pfarrkapitels der Stadt Zürich fand im Züricher Schwurgerichtssaal eine große christlichschweizerische Kundgebung gegen den Antisemitismus statt. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Hauptreferat hielt der Züricher Universitätsprofessor Dr. H. Nabholz, der in sachlicher und leidenschaftsloser Weise das Problem des Antisemitismus im allgemeinen und in der Schweiz im besonderen behandelte. Infolge der Wirtschaftskrise suche auch ein Teil des Schweizervolkes nach einem Sündenbock, den man für die Ungunst der Verhältnisse verantwortlich machen könnte. Dabei haben bald die Juden, bald die Freimaurer herhalten müssen Prof. Nabholz wies nach, daß die angeblichen Gefahren, die der Schweiz durch das Judentum drohen würden, Hirngespinste sind. Auf 1000 Schweizer Bürger fallen 4 bis 5 Juden (davon 2,5 eingebürgerte). Sie haben in <fer Schweizer Politik nie irgendeinen nennenswerten Einfluß ausgeübt. Wirtschaftlich ist ihr Einfluß ebenfalls sehr gering. Unter den bekannten Direktoren der Schweizer Großbanken, die die eigentlichen Vertreter des Schweizer Großkapitals sind, kommt ein einziger jüdischer Name vor. Das gleiche gilt von der Großindustrie und von den Warenhäusern. Die Behauptung, daß eine Judenschaft von 18.000 Seelen die Kultur von insgesamt 4 Millionen Schweizer Bürgern gefährden könnte, bedeute in Wirklichkeit nur ein Armuts- HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 empfiehlt seine feine MPßwerkstätte. Spezialist in allen Sorten eleganter Gesellschaflskleidung, insbesondere für Teeanzüge, Frack- und Smokingarbeiten. Billigste Preisanslellung und aufmerksamste Ausführung. Zeugnis für die Schweizer. Die Schweizer Presse ist ausschließlich im Besitze, von Ariern, ebenso die Schule. Wenn einige Juden an Schweizer Hochschulen wirken, so darf den meisten von ihnen das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie mit zu den größten Zierden der Wissenschaft gehören. Es ist richtig, daß der Jude, so gut wie der Christ und wie der romanische Schweizer gegenüber dem deutschen Schweizer, seine seelische Eigenart besitzt, die durch seine Religion und durch seine Geschichte bestimmt ist. Falsch ist hingegen und als falsch bewiesen, daß die geistige Einstellung, die Verstandesveriassung und die ganze seeli^ sehe Art es dem Juden verwehrte, ein nützlicher und vollwertiger Staatsbürger zu werden. Die Einstellung zur Judenfrage, erklärte Prof. Nabholz schließlich, bedeute g eradezu einen kulturellen Gradmesser für ein Volk. Wenn Schweizer Christen sich heute gegen den Antisemitismus wehren, so kämpfen sie nicht nur für das Recht von Mitbürgern, sondern auch gegen den Versuch, in der Schweiz dem Faustrecht wieder zur Herrschaft zu verhelfen, gegen den Versuch, die ganze Schweizer Kultur herunterzudrücken. Sie kämpfen für die Aufrechterhaltung guter Schweizer Art und die Erhaltung ihrer Kulturerrungenschaften. Im Namen der Züricher Fraiienorganisationen sprach Frl. Maria F i e r z, die darauf hinwies, daß die Frau, der der Schutz alles dessen anvertraut ist, was der Hilfe bedarf, sich gegen eine Bewegung wenden muß, die künstlich und systematisch den Haß schürt. Als Schweizerin wisse sie, daß der Schutz der Minderheiten zu den vornehmsten Die christliche Schweiz gegen den Antisemitismus.

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