Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 3 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Und ward nicht mehr gesehen. Bekanntlich erregte es tn der ganzen Welt Aufsehen, als der Führer der Status quo- Front im Saarland, Max Braun, in einer Rundfunkrede mitteilte, Hitler habe einen Unterhändler namens Dr. König zu ihm gesandt, um mit ihm ein Uebereinkommen betreffend Nichtteilung des Saarlandes für den Fäll einer Mehrheit der Status quo-Stimmen in gewissen Teilen zu treffen, bzw. Braun und änderen Führern der Status quo-Front „Konzessionen" zu machen. Kurz darauf meldete die Saarbrückener „Volksstimme", daß der Bevollmächtigte der deutschen Regierung, Dr. König, auch mit Vertretern der jüdischen Bevölkerung im Saargebiet, insbesondere mit dem Rabbiner Dr. Ruelf, verhandelt habe. Dr. Ruelf übergibt nun der Jüdischen Telegrapen-Agentur die folgende Erklärung über diese von den internationalen Agenturen weiterverbreitete Meldung über den Besuch des Abgesandten des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels, Dr. König, bei ihm: „Ich habe nicht, wie irrtümlich gemeldet wurde, den Eintritt der Juden in die Deutsche Front unter irgendeiner Bedingung in Aussicht gestellt. Dr. König bat mich lediglich, die Wünsche der Saarjuden zu formulieren. Ich erwiderte, daß unser Standpunkt völlig selbstverständlich sei: War verlangen Aufrechterhaltung unserer uneingeschränkten Gleichberechtigung. Eine solche Zusage der Reichsregierung habe jedoch nur dann einen Sinn, wenn auch die Gleichberechtigung der deutschen Juden wieder hergestellt würde. Dr. König versprach, in Berlin auf dieser Grundlage zu verhandeln. Ich prophezeite ihm die E r g e bnislosigkeit seiner Bemühungen. Damit hatte ich recht: Dr. König kam nicht wieder zu mir." Es gibt keine „arische Rasse". In einer Artikelserie „Die Rassen Zentraleuropas" in der „Prager Presse" kommt der Genfer Universitätsprofessor Dr. Eugen Pittard auch auf die aktuelle Frage der „arischen Rasse" zu sprechen und führt darüber folgendes aus: „. . . Da mir die Bezeichnung „arisch" in die Feder geflossen ist, muß damit abgerechnet werden. Für die Anthropologen gibt es keine arische Rasse. Der Arier ist eine linguistische Konzeption, es'ist ein fiktives Gebäude aus einer Zeit, da man auf Grund der gesprochenen Sprachen glaubte, daß die Menschheit irgendwo im Pamirgebiet entstanden sei und einen ihrer Hauptzweige gegen Indien und Westasien und dann von dort nach Europa ausgestreckt habe. Wir wären dann die Nachkommen solcher Auswanderer. In der Zeit der Entstehung des Arierglaubens beherrschte die Linguistik das Studium der Ursprünge der Menschheit. Man hielt sie für fähig, ernstliche Bindeglieder zwischen den einzelnen Menschengruppen herzustellen. Heute erscheint uns vom anthropologischen Standpunkt aus eine solche Konzeption kindlich. Wie lange wird man den Satz wiederholen müssen: Die Sprache ist eine soziale Tatsache, die Rasse ist eine zoologische Tatsache? Die Schicksale, die die Generationen einer bestimmten Rasse treffen, können ihre Sprache verändern, sie werden aber ihre zoologischen Merkmale nicht modifizieren. Es würde leicht sein, Bevölkerungen aufzuzeigen, die dank politischer und sozialer Ereignisse im Lauf der Jahrhunderte mehrere Male sowohl die Sprache als auch den Namen gewechselt haben, ohne darum die Kennzeichen ihrer Rasse variiert zu haben." Die Nichtarier. Eine jüdische Familie in München will ein Mädchen aufnehmen. Als alles so weit in Ordnung ist, sagt die Dame zu dem Mädchen: „Ich mache Sie aber noch aufmerksam, wir sind Juden!" Darauf das Mädchen: „Ach, ob Juden oder Katholiken, das ist mir ganz egal. Nur zu Nichtariern möchte ich nicht gerne gehen!" „Arischer Geschäftsweiser." Wir erhielten folgende Zuschrift: In Ihrer Ausgabe Nr. 51 vom 21. Dezember v. J. haben Sie in einer Liste der arischen Geschäfte Wiens auch unser Geschäft, allerdings unter dem Namen unseres Vorgängers Josef Sykora angeführt. Da beide Inhaben unserer Firma Juden sind und selbstverständlich niemals in irgend einer arischen Zeitschrift inseriert haben, würden wir Sie höflichst ersuchen, dieses Mißverständnis in Ihrer nächsten Nummer richtigzustellen. Wir danken Ihnen im Voraus bestens und zeichnen hochachtungsvoll „Allradio", Ing. Nissim Anavi, David Lehrer, II., Karmeliterplatz 1. „Der kleine Weise von Zion". Im Zuge seiner „Weisen von Zion"-Kampagne läßt Alfred Rosenberg im „Völkischen Beobachter" eine Artikelserie. „Die Beichte eines kleinen Weisen von Zion", in großer Aufmachung veröffentlichen, worin das 1928 in Berlin erschienene Buch eines gewissen Simanowitsch zitiert wird, der behauptet, als Sekretär Ra Sputa ns Einfluß auf die russische Judenpolitik genommen zu haben, und sich darauf beruft, daß er dabei mit Führern des russischen Judentums kooperiert habe. Unter anderen wird der gegenwärtig in Paris lebende berühmte Rechtsanwalt S1 i o s b e r g genannt. Die Berliner „Jüdische Rundschau" bat Dr. Sliosberg um eine Mitteilung seiner Beziehungen zu Simanowitsch. Dr. Sliosberg macht nun die Zeitung darauf aufmerksam, daß er im dritten Bande seines in Paris erschienenen Buches „Erinnerungen eines russischen Juden" u. a. geschrieben hat: .....in der Umgebung von Rasputm trieb sich ein gewesener Juwelenhändler, Simanowitsch, herum, der sich als Sekretär von Rasputin ausgab. Erstens war dieser „Sekretär" ein vollständiger Analphabet, und zweitens hatte R a s p u t i n keinen Bedarf für einen Sekretär. Aber, wie es scheint, hat Simanowitsch wirklich Rasputi'n bei allen seinen Orgien begleitet und ihn mit verschiedenen Menschen zusammengeführt, wahrscheinlich nicht ganz uneigennützig. Dieser Simanowitsch ist nach dem Kriege in Parts aufgetaucht. Er war hier in die Affäre der gefälschten Tscherwonzen verwickelt, saß eine Zeitlang im Gefängnis, wurde aber dann vom Gericht freigesprochen. Er hat hier öfter versucht, Unterstützung von angesehenen russischen'Juden zu erlangen, was Ihm aber nicht gelungen ist. ...Er besuchte einmal auch mich, und als ich ebenfalls ablehnte, ihn zu unterstützen, erklärte er offen, daß er — falls man ihn nicht unterstützen würde — ein Buch schreiben würde, in dem er viele angesehene Juden kompromittieren würde. Ich antwortete ihm darauf, er solle tun, was er wolle. 1927 erschien wirklich ein Buch von ihm in Berlin. In der Vorrede erklärte er. daß er zum Sekretär von Rasputin vom Zaren selbst ernannt worden sei. Das ganze Buch ist voll von Lügen und Erfindungen. Nebenbei gesagt, ist das Buch natürlich nicht von ihm geschrieben, da er absoluter Analphabet ist." Es sei erwähnt, daß Sliosberg seinerzeit einen vom 10. August 1928 datierten Brief durch düe JTA der Presse zugehen ließ, in welchem er betont, daß der völlig ungebildete und übel beleumundete Simanowitsch nicht die geringste seriöse Beziehung zu den Führern des russischen Judentums hatte. Sliosberg schrieb: „Simanowitsch war in Petrograd unter anstandfgen Menschen vollkommen unbekannt, und alle seine Märchenerzählungen über angeblichen Schutz jüdischer Rechte durch seine Arrangements sind lächerlicher Unsin-n und erfundene Anekdoten." Rasse und Sport. Die jugendliche Holländerin W i 11 i e den 0 u d e n, die im Vorjahre auch in Wien Sensation erregte, gilt allgemein als die beste Schwimmerin der Welt, mit der es auch keiner der männlichen Meisterschwimmer aufnehmen kann. Da nun Holland überhaupt sehr gute Schwimmerinnen hervorbringt, sind französische Journalisten zu der Feststellung gelangt, daß die niederländische Rasse besondere Schwimmbegabung aufweise. Nachdem man nun zur Ueberzeugung gelangt war, daß die ungewöhnlichen Fähigkeiten der Willie den Ouden nur möglich sind, weil eben das holländische Blut oder die batavische Rasse diese Eignung einschließe, wurde bekannt, daß Willie den Ouden an der Makkabiade in Tel Aviv teilnimmt, da sie Jüdin ist Dazu bemerkt das „Pariser Tageblatt": „Wirklich ernsthafte Rasseforscher sollten sich die Mühe machen, den Sport in ihre Theorien einzubeziehen, denn gerade hier treten ja physische und mentale Eigenschaften in den Vordergrund. Die Jüdin den Ouden ist nämlich tatsächlich eine typisch holländische Schwimmerin, die Juden Max Baer, Levinsky, Lasky, Rosenbloom, Barney Ross u. v. a. sind in all ihrer stilistischen Gegensätzlichkeit Restaurant Hotel Stefanie vormals Opeier . II., Taborslraße 12, Tel. R 46-5-5? «>*n«> Ausgiebige Braten-Menus S 1.60 ~Ü/J 6„ " Geflügel- „ S2.I0 VorzUgl.che Zubereitung — Scbwecbater t lere — Naturweine typische amerikanische Boxer, der Jude de Morpurgo war Prototyp des italienischen Tennis, wie einst Fuchs und Hirsch das deutsche Fußballspiel verkörperten. Die Juden in Wfen und Budapest sind nicht ewa nur gute Fußballspieler, sondern sie bilden eine absolute Stileinheit mit den anderen Spielern ihrer Länder. Man könnte diese Liste beliebig verlängern und etwa den englischen Sprinter Abrahams oder den finnischen Langstreckenläufer Katz als Beispiele zitieren. Denn die jüdischen Sportler erscheinen in denjenigen Disziplinen, die in ihrem Lande gepflegt werden. Die Juden bilden im Sport keine eigene, rassisch abgetrennte Gemeinschaft. Nicht die Rasse beeinflußt sportliche Leistungen, sondern die Schulen. Es wäre besser, die Rasse ganz aus dem Spiel zu lassen. Sie scharrt nur Verwirrung." Das heißt mit anderen Worten: Der jüdisch-„nationaIe" Sport ist die beste Desavouierung des „jüdischnationalen" Schlagwortes. Dreimal Heilkunde. Die Berliner „Jüdische Rundschau" bringt Skizzen aus dem Leben im neuen Palästina. Eine besonders bezeichnende davon druckt die „Neue Welt" ohne Kommentar nach, den auch wir uns ersparen können: Ort der'Handlung: Autobus auf der'Strecke Tel-Awiw—Jerusalem. Ein Fahrgast, der wahrscheinlich die Strapazen der Seereise noch nicht ganz überwunden hat, lehnt sich blaß zurück. Schließlich wird er ohnmächtig. — Gleich springt hilfreich der Nachbar auf, bemüht sich um ihn und wehrt die herzudrängenden Teilnehmenden ab: „Lassen Sie nur, meine Herrschaften; ich bin Arzt — das werden wir gleich haben!" — Da hält der Autobus mit einem Ruck und der Chauffeur tritt zu dem Kranken: „Gestatten Sie, mein Herr: der Mann ist in meinem Autobus krank" geworden der ist mein" Patient1. I ch bin nämlich auch Arzt, müssen Sie wissen." Erschrocken weicht der hilfreiche Nachbar zurück. Da schlägt der Ohnmächtige die Augen wieder auf und flüstert mit schwächer Stimme: „Bemühen Sie sich nicht, meine Herrschaften: ich bin nämlich selber Arzt!" . . . Die Bodenspekulationen in Palästina. In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Nationalfonds und der Zionistischen Exekutive hat der Stadtrat von Tel Aviv ein Büro-zur Informierung der Bodenkäufer zwecks Bekämpfung der Bodenspekulation eingerichtet. Z. T. A. Indien kennt keinen Antisemitismus. Der Präsident des Obersten Gerichtshofes in Bombay, Indarnayaren Brymohantall, der soeben eine europäische Studienreise absolvierte, äußerte sich zur Judenfrage wie folgt: „Juden gibt es in Indien, eine Judenfrage existiert indessen nicht. In einem Reiche mit .vieltausendjähriger ur-arischer Kultur, dessen Gelehrte philosophische Werke verfaßten, als in Europa noch die Nomadenstämme in Zelten hausten, kann es keinen Antisemitismus geben. Diese Bewegung ist eine Ausgeburt Europas, wir Inder kennen sie nicht. Die indischen Juden, deren Voreltern noch in historischen Zeiten zu uns gelangten, sind mit der Nation verschmolzen. Viele Juden nehmen an den nationalen indischen Bewegungen teil und es ist kein Geheimnis, daß auch in der engsten Umgebung Gandhis jüdische Inder wichtige Rollen spielen. Der indische Jude ist religiös und hält an den Gesetzen seiner Väter fest. In Bombay sind die Synagogen an den jüdischen Feiertagen, aber auch am Sabbath bis zum letzten Platz gefüllt." * Die Bene Israel in Indien. Die im Oktober 1934 eingeweihte Synagoge der Bene Israel in Achmed ab ad wurde von dem Gouverneur von Bombay, Lord Brab o u r n e, besucht, dem bei dieser Gelegenheit. eine prächtig ausgestattete Denkschrift mit der Geschichte der 14.000 Seelen umfassenden Gemeinde der Bene Israel im Regierungsbezirk Bombay überreicht wurde.