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Die Wahrheit · 1935-01-18 · Heft 3 (18.1.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 3 (18.1.1935)
Date
1935-01-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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EU niE WAHRHEIT Nr. 3 - 18. Jänner 1935 ___Seite 7 Spezialhaus für Mfotle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ In der Denkschrift wird auf die Ueberlieferung bingewiesen, wonach die Bene Israel als letzte Ueberlebende der Bevölkerung des Reiches Israel vor 2000 Jahren bei Nowgan, 18 km südlich von Bombay, gelandet seien. In ihrem Adoptivvaterland hätten sie sich besonders dem Heeresdienst gewidmet und viele hätten hohe Stellungen in der englischen Armee erlangt. Viele hervorragende Offiziere aus den Reihen der Bene Israel hätten an dem FeJdzug gegen Sultan Tipu teilgenommen. Besondere Dienste hätten sie im indischen Aufstand geleistet. Durcli die Einwirkung von Offizieren der Bene Israel seien mehrere Regimenter davon abgehalten worden, sich den Meuterern anzuschließen. An allen militärischen Expeditionen außerhalb Indiens hätten die Bene Israel ebenfalls teilgenommen. Nunmehr aber werde ihre militärische Laufbahn durch die neue Bestimmung eingeschränkt, daß bei jeder Konfession nur 2 Offiziere auf je 100 Mann entfallen dürfen. Damit werde den Bene Israel, die sich zum Handel ganz und gar nicht eigneten, der wichtigste Beruf verschlossen. Die 20.000 Bene Israel in Indien und Burma hätten an allen öffentlichen Diensten ihrer Zahl entsprechend Anteil. Zum Schluß wird in der Denkschrift an den Gouverneur die Bitte gerichtet, bis zur gesetzlichen Regelung der Vertretung in öffentlichen Körperschaften den Bene Israel je einen Sitz im Gesetzgebenden Rat von Bombay und im Stadtrat von Achmedabad zuzuteilen. Der Gouverneur dankte für die ihm in Anwesenheit zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Festgäste zuteil gewordene feierliche Begrüßung, erklärte sich jetloch außerstande, den Wunsch nach einer eigenen Vertretung der Bene Israel in den öffentlichen Körperschaften zu erfüllen. Es gebe in Achmedabad zahlreiche Minderheitsgemeinden, die weder im Stadtrat noch im Gesetzgebenden Rat eine besondere Vertretung besäßen. Keine Mischehen mehr in Deutschland. Dr. Felix A. Theilhaber stellt in der „Jüdischen Rundschau" fest, daß Mischehen zwischen Juden und Christen in Deutschland so gut wie aufgehört haben. 1931 übertraf die Zahl der Mischehen die der rein jüdischen um das Doppelte. Damit war die jüdische Familiienbildung in vollster Auflösung. Nunmehr hat die deutsche judenheit den Weg zur Gemeinschaft der Lebenshaltung wieder beschritten und das persönliche Interesse des Einzeinen am jüdischen Schicksal ist intensiviert v/orden. Sememde€htonik. 20 Thora-Rollen bei einem Synagogenbrand vernichtet. In dem Städtchen Wlodawa bei Lublin brach in der Synagoge ein Brand aus, dem die Thora-Lade, die hohen historisch-künstlerischen Wert besaß, und 20 Thora-Rollen zum Opfer fieiea Der Brand ist durch unvorsichtige Aufstellung eines JahrzeitKchtes entstanden. Bei der lüdischen Bevölkerung des Städtchens herrscht tiefe Trauer. .-. Livorno. Bei der letzten Ziehung der Prämie für Besitzer italienischer Staatspapiere gewann die Jüdische Gemeinde von Livorno eine halbe Million Lire. Die Gemeindeleitung beschloß, den Gewinn sofort auf die Armen und die sozialen Institutionen der Gemeinde zu verteilen. Lektor Dr. Simon Rubin beging in diesen Tagen in der Stille seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit seinen 70. Geburtstag. In seiner bekannten Bescheidenheit ging er allen Ehrungen aus dem Wege, doch behalten wir uns vor, in unserer nächsten Nummer einen die wissenschaftliche Kapazität des Jubilars würdigenden Artikel aus der Feder eines verständlichvollen Schätzers der Lebensarbeit Dr. Rubins zu veröffentlichen. Für heute schließen wir uns herzlichst der großen Schar der Gratulanten an. Todesfälle. Am 15. d. M. hat eine unendlich große Schar von Freunden einen braven Menschen und guten Juden auf dem letzten Wege begleitet. Samson Leenmann ist am 13. d. M. plötzlich verstorben. Er kam aus dem von ihm so innig geliebten P a z m aniten-Tempel abends nach Hause, ein Schlaganfall bereitete seinem allem Guten gewidmeten Leben ein jähes Ende. Die vielen, die ihn gekannt und geschätzt, werden die Größe des Schmerzes ermessen, der seine Witwe erfüllt, die Schwere des Verlustes verstehen, der durch den Heimgang dieses eifrigsten Dieners einer guten Sache den Pazmanitentempel betroffen hat. in dem er seit mehr als zwei Jahrzehnten als Ober-Gabbe hingebungsvoll tätig war. Samson Leenmann war für dieses Ehrenamt besonders prädestiniert. Denn er vereinigte in sich tiefgründiges jüdisches Wissen mit einer gläubigen Frömmigkeit. Wissen und Glauben, das waren, wie Rabbiner Doktor M. G. M e h r e r, der statt des erkrankten Vereinsrabbiners Dr. Z. Taubes fungierte, in seiner überaus Kehaltvollen Trauerrede ausführte, die Grundpfeiler des Wirkens des Verewigten, der alle Schwierigkeiten des Alltags überwunden hat durch das 'Festhalten an diesen Prinzipien, die ihm Kraft und Stärke gaben. Der jüdischen Sache dienen, das war das Motto seines gottgefälligen Lebens, und insbesondere war es der Pazmanitentempel, an dem er, mit innigster Liebe hing «nd dem er seine allerbesten Kräfte widmete. Tief empfundene Abschiedsworte dieser den Verblichenen so hochverehrenden Tempelgemeinschaft sprach Obmann Oskar Schrämek, der mit dem Gesamtvorstand und überaus zahlreichen Mitgliedern des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" erschienen war. Dr. M. Rosenberg würdigte das Wirken des Heimgegangenen im „Misrachi". Unter den ergreifenden Trauergebeten des Oberkantors I. Müller, dem I. Kantor A. Stift assistierte, wurde der Sarg zur letzten Ruhestätte gebracht, wo die beiden Kantoren einige „El mole rachmim" rezitierten. Die allgemeine Teilnahme wendet sich der gramgebeugten Witwe des braven Heimgegangenen und der Familie zu; die vielen Freunde und Verehrer werden Samson Leenmann nie vergessen. O. H. — Vor einigen Tagen ist der langjährige Assistent an der urologischen Abteilung des Professors Dr. Schwarzwald im Rothschild-Spital, Doktor Siegmund B r ü g e 1, an den Folgen einer septischen Angina im Alter von 32 Jahren gestorben. Der Verblichene, ein Polyhistor, der auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten mit größtem Eifer tätig war, erfreute sich in der Gelehrtenwelt allseitigen Ansehens. Bei der vergangenen Sonntag erfolgten Beisetzung der Leiche hielt Dr. Brägels Freund, Rabbiner Dr. Schwarz, einen tiefergreifenden Nachruf, in dem er auf die vielseitigen Talente und die große Erfolge Dr. Brägels auf wissenschaftlichem Gebiete hinwies. Für den Vater des Verblichenen, den bekannten Publizisten und vormaligen Pressechef Ludwig Brügel, gibt sich allseitige Teilnahme kund. Verlobung. Fräulein Mizzi Wärndorfer, Tochter des in weitesten Kreisen bekannten und geschätzten Ehepaares Moriz Wärndorfer, hat sich mit Herrn S.Uhrmacher verlobt. Wir gratulieren auf das herzlichste. Personalnachrichten. Der Juniorchef der bekannten Kleiderfirma Adolf Unger & Sohn, Wien HL, Herr Wilhelm Unger, Sohn des Herrn Kommerzfalrates Adolf Unger, wurde dieser Tage mit dem Kommerzialrat-Titel als Mitglied der Statistischen Kommission berufen. — Am 12. d. M. fand in den Räumen der Allgemeinen Versicherungs- Gesellschaft Phönix, IX., Otto- Wagner-Platz 5, eine Anstaltsfeier anläßlich des 25jährigen Berufsjubiläums des leitenden Verwaltungsrates und Generaldirektors Dozenten Doktor Georg Schlesinger statt. Nach einer Begrüßung des Vorsitzenden Verwaltungsrates, der Direktionsfunktionäre und der Vertreter der Beamtenschaft beglückwünschten Vertreter zahlreicher Verbände und Korporationen den Jubilar, der weit über das Versicherungsgewerbe hinaus großes Ansehen genießt. Auch zahlreiche delegierte Funktionäre ausländischer Versicherungsgesellschaften hatten sich zu der Feier eingefunden, die Zeugnis ablegte von der großen Beliebtheit und Wertschätzung des Jubilars. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 21. d. M., Uhr abends, im Klubsaale, I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus: „Aus den Erinnerungen des Oberrabbiners Dr. Moriz Güdemann s. A." (Anläßlich dessen 100. Geburtstages.) Eintritt frei. Gäste willkommen. — Nach dem Vortrag findet die Generalversammlung statt, an der nur Mitglieder teilnehmen dürfen. Stellenmarkt. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend Stellen für: a) Kontoristen, Buchhalter, Handelshitfsarbeiter, Geschäftsdiener. Packer, Inkassanten, Verkäuier und Auslagenarrangeure. b) Arbeit für gewerbliche Fachkräite aller Art (darunter auch Installateure, Bauingenieure, Schneider, Schuster sowie ungelernte Arbeiter. c) Handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. In demselben Verein sind derzeit offene Stellen für geschultes Hauspersonal jeder Art, Kinderfräulein mit Praxis, Modistinnen für Strohhüte, Heimarbeiterin für Miedererzeugung, Kerzenerzeuger, Schuhmacher und Oberteilherrichter, Schnitt- und Stanzenmacher (Züge), Metallschleiier, Friseurin. Grabsteinenthüllung. Am 11. d. M. fand die feierliche Enthüllung der Mazewe nach dem langjährigen Amtsleiter und Kantor der Isr. Kultusgemeinde, Herrn Jonas Eibenschütz s. A.. statt. Herr Rabbiner Schenk hielt eine innige Ansprache, welche auf die zahlreichen Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Er, hob die besondere Güte. Schlichtheit und Aufrichtigkeit sowie das gToße Wissen des Dahingeschiedenen hervor. Herr Oberkantor Matyas schloß mit einem in gewohnt meisterhafter Weise vorgetragenen El mole rachamim die Zeremonie. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U '5-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentraffriedhof, 3. Tor, Te». UlO-4-53 Jiunst und Xttewatm. An die Jaden Osterreldis! Stets wenn schwere Schicksalsschläge die Judenheit erschütterten, suchte die jüdische Seele in den Werken ihrer Dichter und Denker neue Kraft und Belebung. So erfüllt auch heute das Verlangen nach Schöpfungen jüdischen Geistes weite Schichten der Judenheit Das Buch als Träger des Geistes wird für das wieder erwachte Gemeinschaftsgefühl eine wichtige Stütze sein. Darum gilt es, dem deutschen Schrifttum jüdischer Herkunft eine Stätte zu bereiten, von der aus es sich entfalten kann. Unter der Förderung und Mitwirkung fast aller jüdischen Organisationen ist in Deutschland die JÜDISCHE BUCH-VEREINIGUNG ins Leben gerufen worden. Das jüdische Kulturgut zu wahren und zu mehren, sein Dasein und sein Wachstum zu sichern und zu fördern, ist ihre geistesgeschichtliche Aufgabe. Die Juden Oesterreichs stellen sich heliend und stützend hinter ihre Brüder in Deutschland, um mitzuwirken an dem Gelingen dieses Werkes. In diesem Sinne appellieren wir an alle jüdischen Menschen und sind überzeugt, daß unser Aufruf freudiger Zustimmung gewiß ist. Mit ihrem Programm hat die Jüdische Buch-Vereinigung den Gedanken zu verwirklichen gesucht, in dieser Notzeit ein wahres Bedürfnis des Lesers zu erfüllen. Welch anderes Buch könnte diesen Anspruch erheben, wenn nicht das Buch der Bücher, die Bibel. Die bedeutendsten Kenner haben sie im Auftrage der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in jahrelanger Arbeit übersetzt. So ist „Die jüdische Bibel in deutscher Sprache" geschaffen worden. Die Uebersetzer sahen ihr Ziel darin, das Urbild möglichst genau wiederzugeben und dabei ein verständliches und leicht zugängliches Deutsch zu schreiben. So wie die ehrwürdige Vergangenheit soll auch lebendige Gegenwart in der Reihe ihrer Veröffentlichungen sichtbar werden. In jedem Jahr werden Romane unserer besten Autoren erscheinen. Ein Palästina-Biich, herausgegeben von Georg Landauer, Jerusalem, enthält mit einem erläuternden Text eine Fülle neu aufgenommener fesselnder Photos des Landes. Aber auch der deutschen Vergangenheit soll ein 'dauerndes Denkmal gesetzt werden. Prof. Dr. Ismar E l b o g e n verfaßt auf Grund der neuesten Forschungen die „Geschichte der Juden in Deutschland", die es bis jetzt, von einigen veralteten Darstellungen abgesehen, noch nicht gibt. Zur Durchführung dieses Programms erwarten wir die Mithilfe jedes jüdischen Menschen. Darum gilt es. zusammenzuhalten und als Mitglied der Jüdischen Buch-Vereinigung an der Erfüllung dieser notwendigen Arbeit mitzuwirken. Die JBV veröffentlicht im Jahre vier Bücher auf holzfreiem Papier, in Ganzleinen gebunden, die die Mitglieder kostenfrei erhalten. Die Mitgliedschaft erwirbt man für einen vierteljährlichen Be-trac von S 6 50. Der Mitgliedsbeitrag ist vierteljährlich vor Erscheinen eines neuen Buches zahlbar. Vertrauensstelle für Oesterreich: Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs ..Judäa". Wien IX., Alserstraße 26, Telephon A 25-2-28, Postsparkassenkonto 68763. Eine Biographie des Maimonides aus der Feder von Dr. Abraham H e s c h e l, erscheint im Laufe des Februar im Erich Reiß-Verlag, Berlin W 15. Diese Veröffentlichung bildet den ersten Band einer populären Bücherreihe, die der Erich Reiß-Verlag unter dem Titel „Judentum in Geschichte und Gegenwart" herausgibt. Der Verlag beabsichtigt, im Rahmen dieser Sammlung 6—8 Werke im Jahr zu bringen. Außer der Maimonides-Biographie sind für das erste Jahr noch zwei Darstellungen anderer, für das Judentum entscheidender Geister vorgesehen: „Philo von Alexandria" (Lebensbild von Dr. Edmund Stein und Anthologie), „Raschi" (Prof. Elbogen) und eine Schrift über die „Propheten" (Dr. Heschel). Ferner eine „Wirtschaftsgeschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfängen bis zur Gegenwart" (Dr. Kaplun- Kogan), und ein Buch „Die Juden in der Welt" (Doktor Mark Wischnitzer). das zum ersten Male einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand des Judentums aller Länder bringt. Endlich sind Im Rahmen der Sammlung drei Anthologien geplant: „Jüdisches Arzttum", „Jüdische Briefe" und „Jüdische Gedichte". Die Bücher der Sammlung werden etwa 200 Seiten Umfang haben und kartoniert M 2.80 kosten. Es wird auch eine in Leinen gebundene Ausgabe erscheinen. Philo-Lexikon. Handbuch des jüdischen Wissens, Philo - Verlag, Berlin 1935, RM 450. Eine solche Fülle wertvollen Stoffes in so bescheidenem Raum und in so glänzender Ausstattung bildet in der Geschiente des jüdischen Buchwesens ein Unikum und gereicht ihm zur Ehre. Schon die Hunderte von Abbildungen, Karten usw., zum großen Teil bisher weiteren Kreisen unbekannt oder eigens für das Buch hergestellt, lassen seinen Preis mehr denn bescheiden erscheinen. Wenn wir hier einiges zur Verwendung für eine neue Auflage verzeichnen, so wird damit nur uä*

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