Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 2—11. Jänner 1935 Seite 7 Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., TeLborstrauBe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 49-3-69_ Qorge an der Gründung einer Firma für künstlerische Wohnungsausstattung und hat zunächst im Rahmen dieses Unternehmens, später allein arbeitend, ausgezeichnete Leistungen hervorgebracht; ja, man könnte fast von einem „Gorge-Stil" sprechen, der in der Nachkriegszeit die Innenarchitektur weitgehend beeinflußt hat. Besonders die führenden deutschen Kunstzeitschriften verbreiteten Gorges Raumgestaltungen und Möbelformen in aller Welt. Sie wurden oft nachgeahmt, aber kaum erreicht.' Denn was ihnen den besonderen Wert verlieh, war die ganz persönliche Durchführung der Arbeit: eine in edelstem Sinne handwerkliche Gesinnung, die mit erlesenem Geschmack und reicher Phantasie Hand in Hand ging. Gern hat Hugo Gorge seine Räume mit schön gemaserten Hölzern getäfelt. Seine sparsam angebrachte Ornamentik erinnerte von fern an ostasiatische Urbilder. In Wien stehen auch einige Privathäuser von Hugo Gorge, die seinem Sinn für noble Proportionen, für maßvolle Verwertung neuer Prinzipien und nicht minder für die praktischen Erfordernisse des Bauens das beste Zeugnis lausstellen. Vor wenigen Monaten hat er sich ein eigenes anmutiges und behagliches Häuschen in Hietzing gebaut. Ein tragisches Geschick hat es ihm verwehrt, sich an dieser seiner Lieblingsschöpfung länger zu freuen. Hugo Gorge war ein liebenswürdiger, bescheidener Mensch und guter Jude, den seine Familie und seine Freunde innig betrauern. Erstes Symphoniekonzert des Wiener Jüdischen Symphonie-Orchesters. Das Wiener Jüdische Symphonie-Orchester ist im Laufe der letzten Monate wiederholt bedeutungsvoll hervorgetreten. Seine Mitwirkung bei der Chanukkafeier des Frontbundes im großen Musikvereinssaal bedeutete den Höhepunkt des schönen Abends. Dieses Orchester, das zum überwiegenden Teil aus Amateuren besteht, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Pflegestätte ernster, wertvoller Musik zu werden, unter besonderer Berücksichtigung der Pflege und Förderung jüdischer Musik. Der Dirigent des Orchesters, das in seiner vollen Stärke 70 Mann zählt, ist Dr. Kurt P a h 1 e n, der durch seine Fähigkeiten und seine Tätigkeit im Auslande internationale Geltung besitzt. In ihm hat dieses einzige jüdische Orchester des Kontinents einen ganz hervorragenden Leiter gewonnen.!Das erste große Konzert des Wiener Jüdischen Symphonie-Orchesters findet am Samstag, den 12. Jänner um 8 Uhr abends im Großen Konzerthaussaale statt und es wäre Pflicht jedes Juden, durch]sein Erscheinen die wahre Kulturarbeit des Orchesters zu fördern und damft dessen Bestand zu sichern. Zur Aufführung gelangen: Karl Goldmark: Ouvertüre „Sakuntala"; Robert Schumann: Klayierkonzert: Amoll (Solistin Evi Wächter); Peter Tschaikowsky: V. Symphonie. Karten zum Preise von 1 bis 5 Schilling in der Kanzlei des Bundes jüdischer Frontsoldaten, I., Bräunerstraße 2, Konzertdirektion Dr. Hohenberg, I., Operngasse, bei den Orchestermttgliedei -n und an der Abendk issa. Bundes veranstaltet Sonntag, den 13. d. M., präzise 10 Uhr vormittags, im Tempel, VIII., Neudeggergasse, ein Requiem für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten des achten Wiener Gemeindebezirkes, verbunden mit einer Votivtafel-EnthüIlung. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 21. Jänner 1935, um 'A8 Uhr abends, hält Herr Amtsleiter Rudolf Kraus im Cafe Atlashof, I., Wiesingerstraße 11 (Klublokal der „Hakoah") einen Vortrag: „Aus den Erinnerungen des Oberrabbiners Dr. Moriz G ü d emann s. A. anläßlich seines hundertsten Geburtstages." Verlobung. Im Hause des in weitesten Kreisen bekannten und geschätzten Ehepaares Moritz und Rosa Gottfried, IL, Taborstraße 61, fand am 1. d. M. eine schöne Doppelfeier statt. Die Tochter des Ehepaares, Fräulein Edith Gottfried, verlobte sich mit Herrn Hei.irich Pick, Sohn des Vorstandsmitgliedes der Talmud Thora, Malzgasse, Herrn Salamon Pick, II., Untere Augartenstraüe 32; der Bruder des Herrn Moritz Gottfried, Herr Oskar Gottfried, verlobte sich mit Fräulein Rosa Krauthammer. Wir wiederholen diese in unserer letzten Nummei mit einem bedauerlichen Druckfehler enthaltene Anzeige mit dem Ausdruck unserer herzlichsten Gratulation an die Familien. Todesfall. Am 4. d. M. ist nach langem, schwerem Leiden Frau Ernestine Popper im 73. Lebensjahre sanft verschieden. In ihr verliert Herr kais. Rat Josef Popper seine treue Gattin und wendet sich der in weiten Kreisen geschätzten Familie die allgemeine innige Teilnahme zu. Die Beisetzung fand am 6. d. M. auf dem Zentralfriedhof (IV. Tor) statt. Rechtsanwalt Dr. Leopold Wechsberg, IX., WähringerstraBe 18. Bibt den Lesern der „Wahrheit" an allen Wochentagen (ausgenommen Samstag) von 4—6 Uhr nachmittag vollkommen unentgeltlich juristische Auskünfte. Jutäa, Wien IL, Pazmanitengasse 6, Samstag, den 12. Jänner 1935, 'A9 Uhr. Cafe Sächsischer Hof. blauer Saal. IL. Taborstraße 46 a, heiterer Geselligkeitsabend unter Mitwirkung erstklassiger Kräfte; anschließend Tanz mit erstklassiger Jazz. Entree inklusive Konsumation S 1.60. Gäste willkommen. Jüdischer Angesteiltenverband „Emunah", I., Biberstraße 17. Samstag, den 12. d. M. Vortrag des Herrn Dr. Emil Pfeffer: „Ursachen und Zweck der jüdischen Kolonisation". Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Sonntag, den 13. d. M.: Geselligkeitsabend mit anschließendem Tanz. Beginn 7 Uhr. wegen seiner hervorra: und beliebte Dr. Julius Ste Semem fedkzomm Personalnachrichtei i. Der in weitesten Kr jenden Qualitäten bek? nnte Poljzei-Sanitäts-Oberkomm|ssär urde dieser Tage zum nitätsrat ernannt. Ten zahlreichen Gratula die sich anläßlich dieser schönen Ehrung des Saiten, proeinstellten, minenten Arztes und guten Juden schließt sich auch die Redaktion „Die Wahrheit" aufs herzlichste an. — Der Stadtschulrat für Wien hat der in weiten Kreisen bekannten städtischen Religionslehrerin Johanna Felsner anläßlich ihrer Versetzung in den dauernden Ruhestand für ihren besonderen Fleiß und für ihr erfolgreiches Wirken die Anerkennung ausgesprochen. Fiau Lehrerin Felsner hat insbesondere auf dem Gebiete des Hilfsschulwesens hervorragend gewirkt. Bund; jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Die ßezirkso rganisa tion Josef stadt des eset unil veröreilei „Di £ W AHBHfJT" Stellenmarkt: I. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I.. Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65. sucht dringend: a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer und Auslagenarrangeure. b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art ('darunter auch Installateure, Bauingenieure, Schneider, Schuster) sowie ungelernte Arbeiter, c) handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. II. In demselben Verein sind derzeit offene Stellen für; Geschultes Hauspersonal jeder Art, Kinderfräulein mit Praxis, Modistinnen für Strohhüte. Kerzenerzeuger, Wafferlbäckerin. Schuhmacher und Oberteilherrichter, Friseurin. Chauffeur mit Einstellschein. Verkäufer mit Einstell schein. DQglenlsdies KöiHfislichl Seit vielen Jahren das anerkannt beste Mraitit vyb~nnv: Man achte auf die ges. gesch. Marke «Hygleh. Königslicht" und Name Schulz ■-' Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 5-5-9 Wien I.« Seitens'ettengassn 2 XI , Zentralfr-edhof neben dem L Tor Samstag guchloaMB! Jiimst und Xitewatur. Ernst Deutsch, der große Schauspieler, las im Mittleren Konzerthaussaal aus der Bibel und modernen jüdischen Schriftstellern. Der wunderbare Ruf, der dem Meister des Wortes vorausging, ist mehr als berechtigt. Seine Wiedergabe von Perez „Bonze Schweig" ist schlechthin als meisterhait zu bezeichnen. Dagegen schien uns das erste Hiob-Kapitel und das Rilke-üedicht blasser. Besonderen Beifall weckten Beer-Hoimanns „Jaakobs Traum" und die wunderbar gefeilte Liebesszene zwischen Jakob und Rahel aus dem neuen Weriel- Drama, das zum erstenmal — leider nur bruchstückweise — einem großen Personenkreis zugänglich gemacht wurde. Wir freuen uns sehr, daß die Jüdische Kulturstelle solche Veranstaltungen frei von jeder Parteitendenz in würdigem Rahmen mit wirklich vornehmem Publikum zu füllen vermag. Wenn die uns angesagten Max Brod. Lion Feuchtwanger und Franz Wer fei ebenfalls in dieser jüdisch wertvollen Vortragsreihe zu hören sein werden, dann können wir mit aller Gewissenhaftigkeit versichern, daß die Ika eine große Lücke im Wiener jüdischen Leben ausgefüllt hat Liederabend. Im dichtgefüllten Saale des Industriehauses gab Josef Feuer vor einigen Tagen seinen Liederabend. Den breiten Massen der Wiener jüdischen Bevölkerung längst kein Unbekannter mehr, entzückte er die Zuhörer durch seine gefühlvolle Vortragskunst. Der junge Sänger, der schon als Knabe in Amerika große Triumphe gefeiert hat, hatte sofort den Kontakt mit dem Publikum hergestellt Der Clou des Abends waren die Vorträge der hebräischen Lieder: ein wahrer Meister auf diesem Gebiet. Nichtendenwollender Beifall belohnte den jungen Sänger für seine Darbietungen. Die zahllosen Zugaben, die der Sänger leisten mußte, bezeugten den Wunsch des Publikums, Josef Feuer bald wieder auf dem Konzertpodium zu begrüßen. Ein junger Sänger, dem Karriere prophezeit werden kann. Eine würdige Ehrung Cb. N. Bialiks enthält das soeben erschienene Dezeinberhett der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" aus der Feder von Dr. Ernst Simon. Auch andere Autsätze — etwa von Wahrmann über die 10 Märtyrer, von M. Spanier über Pfeiferkorn — dürfen ebensosehr auf das Interesse der Forscher wie der Fernstehenden rechnen. Man abonniert die „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 Mk. an die Gesellschaft (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) sendet. Sie zu fördern, erscheint angesichts d?r Not der Zeit doppelt verdienstlich. „Die Begegnungen Israels mit den Völkern". Oberrabbiner Dr. Marcus Ehrenpreis. Stockholm, hat soeben in Hugo Gebers Verlag, Stockholm, ein Buch: „Israels Möten med Folken" — „Die Begegnungen Israels mit den Völkern" veröffentlicht Dieses Werk behandelt in sechs konzentrierten Abschnitten die Begegnungen Israels mit Babylon, dem Hellenismus, dem Urchristentum, dem Islam und dem Katholizismus in Spanien, sowie dem Abendland. Der schwedische Kultusminister Arthur E n g b e r g hat nach dem Erscheinen dieses Buches an Dr. Ehrenpreis einen Brief gerichtet, in dem es unter anderen heißt: „Dieses Buch ist eine neue und ehrende Probe Ihrer Gabe künstlerischen Stil und Klarheit der Darstellung mit strenger Sachlichkeit und anregendem Ideenreichtum zu vereinigen. Ihr Buch ist doppelt willkommen gerade jetzt, wo der Rassenaberglaube sich breit macht und vielfach den Blick der Menschen für die Größe der historischen Bedeutung Ihres Volkes verdunkelt." In der Sondervorstellung, 161 d. M.. in den Jiidiscih 'Reklame) stattfindet wiral Huc führt Sevilla Pa; jor e rschtMt als „Jüdal". fen Ar wirkeiMf na gesamte Ensepnble der S|Bl< -T frage im Vorverkauf ist ||h|| g wenige Karten am Ta Theaterkassa zum Verkau Grünberg, Cafe Nation tansche Küche Zj i c kj e r JÜDISCHE KULTU H., Aspernbrückengasse" Büro: 9—17 Uhr, Samstag 9—13 Uhr. Zweigstellen: VI., Loquaiplatz 11 (B 20-0-81). _IX., Währingerstraße 48 (A 14-400)._ Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in alle Theater Wiens zur Verfügung. Konzerte: Szigetti. 14. Jänner, M. K. S. Meister der Operette (Richard Tauber. Josef Schmidt. Novotna, Lehar, Kalmann, Oskar Straus), 22. Jänner G. M. S. Unsere im Vorjahr so erfolgreich aufgenommenen sonntäglichen Führungen, die durch die Feiertage unterbrochen waren, werden Sonntag, den 20. Jänner wieder aufgenommen.