Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 2 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 2 11. Jänner 1935 Seite 5 Haltet den Dieb! Wie die deutsche Nazi-Presse meldet, ist vom „Volksbund", der nationalsozialistischen Bewegung der Schweiz, eine Strafanzeige wegen Meineids bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Beim gegen Professor Dr. Chaim Weizmann, Sliosberg, Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Dr. Meyer Ebner, Dr. Bodenheimer, Dr. Farbstein, Miljukow, Rabbiner Swiatnikoff und Nikolajewski eingereicht worden. Die angeführten Persönlichkeiten, die bekanntlich in der (auf Ende Januar oder Anfang Februar vertagten) Verhandlung äni Sachen der „Protokolle der Weisen von Zion" vor dem Berner Gericht als Zeugen aufgetreten sind, sollen nach Angabe des Volksbundes falsche Aussagen gemacht haben. Der Volksbund hat auch ein Haftverfahren gegen die Genannten beantragt Kommentar überflüssig. Amerika gegen den Jüdischen Weltkongreß. Auf der Tagung des von Louis Marshall geschaffenen American Jewish Committ e e zur Wahrnehmung der jüdischen Rechte in der ganzen Welt wurde der nach dem Tode Marshalls im Jahre 1929 zum Präsidenten des Committee gewählte Dr. Cyrus Adler, Leiter des Dropsie College, einmütig wiedergewählt. Mit der gleichen Einmütigkeit wurden die übrigen Mitglieder des Präsidiums und des Vorstandes wiedergewählt. Die Tagung, an der etwa 500 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten teilnahmen, beschloß, an der Haltung entschiedener Opposition gegenüber den Plänen der Schaffung eines Jüdischen Weltkongresses und eines Erweiterten American Jewish Congress festzuhalten. N ev i 11 e L a s k i, Präsident des Board of Deputies der englischen Juden, der an der Tagung als Gast teilnimmt,' sprach für jene Gemeinschaften der englischen, französischen, holländischen und belgischen Juden, die ebenfalls dem Kongreßplan opponieren. Präsident Dr. Cyrus Adler gab einen erschöpfenden Bericht über die Lage der Juden in allen Ländern der Welt und über durchgeführte und bevorstehende Aktionen zur Verbesserung dieser Lage. Großes Interesse weckte insbesondere die Mitteilung von Dr. Cyrus Adler, daß das American Jewish Committee Anstrengungen unternahm, um die Freiheit jüdischer Betätigung und des religiösen Lebens in der Sowjetunion zu er- Avirken. Diese Aktion hatte bereits einen Briefwechsel zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Franklin S. Roosevelt und dem Kommissar für auswärtige Angelegenheiten der Sowjetunion, L i t w i n o w, zur Folge. Einen ergänzenden Bericht über die Tätigkeit des American Jewish Committee erstattete der Sekretär des Committees Morris Waldmann. Der Bericht bezog sich insbesondere auf Aktionen in Deutschland, Polen und Oesterreich. _ Z. T. A. Palästina vor dem Völkerbund. Auf der Tagesordnung der heute beginnenden Session des Völkerbundrates figurieren u. a. die Berichte der beiden vorjährigen Tagungen der Ständigen Mandatskommission, nämlich der 25. Tagung von 30. Mai bis zum 12. Juni 1934, während welcher auch der Jahresbericht über das Palästinamandat geprüft wurde, und der 26. Tagung, die vom 29. Oktober bis zum 12. November stattgefunden und u. a. auch einige Palästina betreffende Petitionen geprüft hat. Als Berichterstatter des Rates fungiert der Vertreter der Tschechoslowakei Minister des Aeußern Dr. Edouard Ben es. Drohungen in einer arabischen Petition. Die Mandatskommission hat durch eine auf eine arabische Petition bezugnehmende Bemerkung die „Aufmerksamkeit des Rates auf die Geistesverfassung gelenkt", die in dieser Petition ihren Niederschlag findet. Während der Debatte über diese Petition hat der Berichterstatter der Kommission, Herr Orts (Belgier), u. a. folgendes erklärt: „Der beglaubigte Vertreter der Mandatarmacht hat uns anläßlich der Prüfung des Jahresberichtes 1033 über Palästina wohl gesagt, daß die Man- <laiarmacht unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Ordnung bürden kann, aber man kann sich nicht verlieh! eh, daß, angesichts der von arabischen Petenten zum Ausdruck gebrachten Drohungen und der Pogrombefürchtungen seitens der Juden, man die Eventualität ernster Vorkommnisse im Lande befürchten muß." Andere Mitglieder der Kommission gaben verschiedenen ähnlichen Befürchtungen Ausdruck, obgleich eines von ihnen, Graf Penha Garcia (Portugiese) darauf hinwies, daß die Petition von in Paris ansässigen Arabern stammt und vielleicht gar nicht die Geistesverfassung der Araber in Palästina widerspiegelt. Die anderen Mitglieder der Kommission waren jedoch der Ansicht, daß derartige arabische Drohungen in der Vergangenheit schon einige Male verwirklicht worden sind und daß die Kommission daher die Pflicht habe, die Aufmerksamkeit des Rates auf derartige Symptome zu lenken. An der letzten Tagung der Mandatskommission hat kein Vertreter der britischen Mandatarmacht teilgenommen, da die Prüfung des Palästina- Mandates nicht zur Tagesordnung stand. Es ist zu erwarten, daß der Vertreter Großbritanniens im Rat zu den oberwähnten Bemerkungen der Mandatskommission anläßlich der Entgegennahme ihres Berichtes durch den Rat Stellung nehmen wird. V^AWWWiWWAVWW Der spannenilste Wiener FilmlB Fritz Rasp OlgaTschechowa, Hilde v. Scholz ASEW mit Wollgang Liebeneiner. Ellen rranh. Heroen nobner. rranz Sdialhelliin, Siegfried Sdiarenberg o. a. m. Regle: Phil JOIZI Ab heute in den führenden Premieren-Kinos Lwgwm «*o._ nrunrens n-Kinos 5 WWftWft Die Mandatskommission verwirft die Petition der Revisionisten. Während der 26. Tagung der Mandatskommission, deren Bericht soeben veröffentlicht wurde, hat die Kommission fünf das Palästinamandat betreffende Petitionen, vier jüdische und eine arabische, geprüft, unter anderen die Petition des palästinensischen Verbandes der Zionisten-Revisionisten. Es ist dies die als Welt- Petition bekannte Broschüre der Revisionisten: „The Meaning of the Mandate: the creation of a Jewish State" (Der Sinn des Mandates: die Schaffung eines Judenstaates). In ihren Schlußfolgerungen appelliert die Petition an die Mandatskommission, zugunsten „einer radikalen Revision der Grundsätze der Paläst in ave rwal tung" zu intervenieren. Der Berichterstatter der Kommission, Herr Orts (Belgier), resümiert die in der revisionistischen Petition enthaltenen Forderungen wie folgt: „Aufhebung der Einwanderungsbeschränkungen für die Juden zwecks progressiver Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina als vorbereitende Maßnahme zur Schaffung eines Judenstaates, der nach Ansicht der Petenten das Endziel des Mandates sei. Dieser Judenstaat soll in der Vorstellung der Petenten anscheinend auch Transjordanien umfassen". Die Mandatarmacht bemerkt begleitend, daß diese Petition auf einer Auffassung der sich aus dem Mandat ergebenden Verpflichtungen fußt, die v o 11kommen von der vom Völkerbund approbierten Aufiassung der Mandatarmacht abweicht. Diese allgemeine Feststellung enthebe daher die Mandatarmacht von dem Eingehen auf detaillierte Kommentare der in der Petition enthaltenen verschiedenen Vorschläge und Kritiken. „Die Richtigkeit der obigen Bemerkungen der Mandatarmacht", sagt Herr Orts in seinem Bericht, „ist undiskutierbar, denn die These der Petenten über den Sinn des Mandates steht im Widerspruch zu seiner Auslegung durch die Kommission selbst. Diese Auslegung wurde von der Kommission insbesondere in ihrem Bericht über die XVII. Tagung festgelegt und vom Völkerbundrat bestätigt. Aus diesem Grunde glaube ich ebenfalls, von einem Eingehen auf die verschiedenen Einzelpunkte der Petition Abstand nehmen zu können." Immerhin befaßt sieb Herr Orts mit einem Punkt der Petition, da dieser „an eine allgemein verbreitete Besorgnis anknüpft", nämlich: die Gefahr, die für die lüdische Bevölkerung Palästinas aus der Tatsache erwächst, daß eine Polizei mit zirka 60% arabischem Element und eine schwache britische Garnison nur wenig Vertrauen in die Sicherheit des Landes erwecken können. Hier mag jedoch daran erinnert werden, fügt Herr Orts GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL wim ix, aiaooAssi nr. i» niMUi XVIII., ttfAHRINOIRSTRASm VT Telephon Nr. A »7-349and A 16-9-34 Uttamt für Herilanstaltaa AbteilungenfürKoscherfleisch Mttr Aufsieht das ahrvs. Rabbiaataa *a* lap» «ultusgametiada Waa. Sämtliche Fleischsorten von ausschlleßllcn Prhna-Qualrtät zu den billigsten Marktpreis« hinzu, daß anläßlich der Tagung der Mandatskommission im Jahre 1932 der Vertreter der Mandatarmacht die Versicherung abgab, mit den der Mandatarmacht zur Verfügung stehenden Mitteln für die Aufrechterhaltung der Ordnung für jede Eventualität bürgen zu können. Nach Anhören des Berichtes von Herrn Orts nahm die Kommission auf seinen Vorschlag hin eine Entschließung an, die feststellt, daß die revisionistische Petition „den Bedingungen der Annehmbarkeit (admissibility) nicht entspricht, weil sie Forderungen aufstellt, die mit dem Palästinamandat unvereinbar sind." * Immer demonstrieren und protestieren. Revisionistische Jugend demonstrierte vor der englischen Gesandtschaft in Warschau gegen die Aberkennung der palästinensischen Staatsbürgerschaft Achi-Meirs und Dr. Yevins. Dabei wurden im Hause der Oesandtschaft einige Fensterscheiben eingeschlagen. Die Polizei verhaftete drei junge Leute. Eine Abordnung von Revisionisten ersuchte den Präsidenten der Warschauer Jüdischen Gemeinde Mazur, alle jüdischen Gemeinden Polens zur Unterzeichnung eines Protestes gegen die Aberkennung der Palästina-Staatsbürgerschaft Achi- Meirs und Dr. Yevins durchzuführen. Mazur versprach, die Angelegenheit auf einer Sitzung des Kultusrates zur Sprache zu bringen. Die neue deutsche Habilitationsordnung. Der deutsche Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat eine neueHabilitationsordnung erlassen. Durch sie wird ein neuer akademischer Grad geschaffen, der Dr. habil., der keine Lehrberechtigung verleiht. Als Voraussetzung für den Dr. habil. wird arische Abstammung des Bewerbers und seiner Ehefrau verlangt. Dozent kann, wie bereits mitgeteilt, ebenfalls nur werden, wer Beamter werden kam, wozu bekanntlich auch arische Abstammung erforderlich ist. Es ist also in Zukunft nicht möglich, daß jüdische Bewerber habilitierte Doktoren an einer Universität werden. Ebensowenig können sie künftig die Lehrberechtigung an einer Hochschule erhalten. Der Rassenfimmel. Neben der großen schweizerischen Presse beschäftigt sich auch die Presse der kleineren Schweizer Städte und des Landes mit den jüngst erfolgten faschistischen und antisemitischen Kundgebungen in Zürich. Der „Landschäftler". Liestal im Kanton Basel, schreibt in einem Artikel unter der Ueberschrift „Was ist denn mit der Rasse?": „Zur Unehre unseres Landes und unter Verrat der schweizerischen Idee haben in Zürich frontistische Demonstranten „Juda verrecke" gegrölt. Ausgerechnet diese Frontisten. die immer wieder behaupten, ganz selbständige schweizerische „Denker" zu sein .. . sind dem dümmsten und scheußlichsten aller braunen Fimmel verfallen: dem Rassenfimmel, . . . der den rohesten Stallknecht turmhoch über einen Professor Einstein, einen Thomas Mann, einen Jakob Wassermann stellt, den nationalistischen Größenwahn züchtet und damit den Frieden Europas gefährdet . . . Es ist lief traurig, daß es junge Schweizer gibt, die u.iser Land auf dasselbe barbarische Niveau hinunter gleichschalten oder wenigstens gleichbrüllen wollen. Aber das wird ihnen nicht gelingen. Sie können nur das Ansehen der Schweiz besudeln; die schweizerische Idee von Toleranz und Menschlichkeit jedoch sitzt in unserem Volke denn doch tiefer als bei den jungen frontistischen Strebern und Nachahmern. Ueberdies ist die Frage, ob die scheußliche, unchristliche Drohung „Juda verrecke" auch in unserer Schweiz erdröhnen soll oder darf, nicht nur eine Frage der Kultur, der Toleranz des Geschmackes, sondern auch eine Frage des Wissens um das Wesen, den Wert und die Bedeutung der Rasse. In dieser Beziehung sind eben die meisten Antisemiten und Blut- und Bodenfanatiker erschreckend und unwissend. Sie schwören auf die gefälschten „Zionistischen Protokolle", trotz des Berner Prozesses."