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Die Wahrheit · 1935-01-04 · Heft 1 (4.1.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 1 — 4. Jänner 1935 Seite 3 •weiser Wiens" ergeben haben, daß diese irrtümlich erfolgt ist Nichtsdestoweniger müssen wir den Ton Ihres Schreibens mit aller Energie zurückweisen. Unter 2000 Anschriften von arischen Geschäftsleuten kann ein solcher bedauerlicher Irrtum schon unterlaufen, derselbe berechtigt Sie keineswegs, eine so unmäßige Sprache zu führen. Das sind so die Methoden. Erst anprangern, dann, statt demütig um Entschuldigung ersuchen, noch frech sein! Die gleiche Frechheit liegt in dem Versuche, den „Geschäftsweiser" jetzt neu ohne das antisemitische Geleitwort herauszubringen. Diese Tarnung wird nichts nützen, denn die Tendenz bleibt die gleiche, ob nun das „Kauft nicht bei Juden!" ausdrücklich betont wird oder nicht. Und auf die Tendenz kommt es an. Einige Fragen an Prof, Dr. S. Grill. Unsere Leser kennen aus den verschiedenen Aufsätzen unseres hochgeschätzten Mitarbeiters Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d die Tätigkeit des Heiligenkreuzer Theologieprofessors Grill auf dem Gebiete der „Erforschung" des Talmuds und des Schulchan Aruch. Dieser „Erforschung" dient bekanntlich auch die jüngst im Grazer Verlag U. Moser erschienene Schrift des Herrn Prof. Grill „Der Talmud und Schulchan Aruch", die in der letzten Nummer unseres Blattes ebenfalls von Dr. GrunwaW behandelt wurde. Wie wir nun erfahren, hat Rabbiner Dr. B. Mu r meistein sich die anerkennenswerte Aufgabe gestellt, die in dieser Broschüre enthaltenen Angaben und Behauptungen des Herrn Prof. Grill, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen; das Ergebnis dieser kritischen Arbeit wird in der in den allernächsten Tagen erscheinenden Schrift „Einige Fragen an Herrn Prof. Dr. S. Grill" enthalten sein. Es wird dort der Nachweis der in- Haitswie sinnwidrigen Zitierungen des Herrn Prof. Grill erbracht und an Hand schlagkräftiger Beispiele bewiesen werden, daß Prof. Grill bei all seiner Gelehrsamkeit ungeeignet dafür ist, die von ihm behandelten jüdischen Schriften wirklich zu ergründen. Denn wie kann einem Manne die Eignung hiefür zugesprochen werden, der — um nur eines der vielen von Dr. Murmelstein angeführten Beispiele zu erwähnen — die Mischneh Thora des Maimonides, die auch den Namen Jad Chasakah führt, für ein anderes Werk wie Jad Chasakah hält? Die Schrift des Herrn Rabbiners Dr. Murmelstein, die in weiten Kreisen mit großer Spannung erwartet wird, wird eine mutige jüdische Antwort auf Prof. Grills Broschüre darstellen; wir fürchten sehr, daß er die Antwort auf die an ihn gestellten Fragen schuldig bleiben wird. ' " Wir sind bereits heute in der Lage, das von Herrn Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang beigestellte Geleitwort zu der Arbeit des Herrn Rabbiners Dr. Murmelstein zu veröffentlichen: Es ist beklagenswert, daß im vergangenen Jahre in Oesterreich auffallend viele Bücher und habenes Symbol des ewig Unbekannten, als Welle auf dem Meer der Unendlichkeit. Das einzige Ding, das wir innerlich zu erfassen vermögen, sind wir selbst, als selbstbewußte Wesea Mag also immerhin der Mechanismus der Natur uns fördern oder hemmen können, das Beste muß doch aus dem Innersten des Menschen an das Licht der Sonne steigea Und hier hat die Religion ihre Wurzel geschlagen. Ganz im Sinne eines Maimonides betont diese hohe Bedeutung unseres Seelenlebens neben den kosmischen Vorgängen der Königsberger Weise in den Worten: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt immer mit neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir." Ehrfurcht empfindet man vor dem Unnahbaren; wie vor Gott als dem Ideal des Sittengesetzes, so vor ihm als dem Weltenschöpfer. Die Religion erfüllte ihre Aufgabe, Ehrfurcht einzupflanzen, indem sie alle Dinge als Offenbarungen einer Macht betrachten lehrte, die unsere Erkenntniskraft übersteigt Sie wurde irreligiös, sobald sie vorgab, von diesem Unerkennbaren dennoch ein ^bestimmtes Wissen zu besitzen, wenn sie das Ansicnsein der Dinge vermaterialisierte und hiermit den Weg des Götzendienstes betrat den das Judentum so schärf bekämpft Sie mischte sich damit zugleich in die Geschäfte der Wissenschaft deren Aufgabe es ist, die Erscheinungen innerhalb der Grenzen unserer Erkenntnis zu erforschen und methodisch zu verarbeiten. "'•„.Durch ihre Kritik hat dann die Wissenschaft auch immer wieder bewiesen, wie hinfällig das angebliche Wissen vom Unwißbaren der Religion ist Sie hat den währen Kern der Religion stets wieder von den zeitlichen Hüllen befreit und geläutert. Anderseits hat aber auch die Wissenschaft ständig die Neigung gezeigt, unwissenschaftlich zu werden, indem sie vorgab, vom Absoluten eine bestimmte Erkenntnis zu besitzen. Sie verläßt in diesem Falle ebenso wie die Religion die Grundlagen unserer Erkenntnis, wird unkritisch und von der Philosophie widerlegt. Der gemeine Geist neigt diesen Extremen stets zu. Doch wer sie erkannt wird sie vermeid,e.n, um in den Augen der Welt ein Tor, in sieb selbst aber ein Weiser zu werden. - So ist auch das Wort des Weimarer Olympieis zu verstehen: ,JDas Erforschliche zu erforschen und das Unerforschliche ruhig zu verehren." . Flugschriften über Juden und Judentum veröffentlicht worden sind, die weder zur Ordnung noch zum Frieden innerhalb der Bürgerschaft des Vaterlandes beigetragen, sondern im Gegenteil Unruhe und Unfrieden gestiftet haben. Dem Vertreter reiner Wissenschaft und Wahrheitsforschung ist es fast unmöglich, gegen von Haus aus tendenziöse Schriften ganz- oder halbjudenfeindlicher Richtung zu kämpfen. Beschuldigungen, die im Gewände der Wissenschaft auftreten, zurückzuweisen, muß jedoch immer wieder versucht werden. Diese Schrift dient dem Zweck, den wissenschaftlichen Wert und Wahrheitsgehalt des Buches „Der Talmud und Schulchan Aruch" des Herrn Prof. Dr. S. Grill zu prüfen. Ein ansehnlicher Teil dieses Buches wird der Kritik unterworfen. Das HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 * Empfiehlt sein reichhaltiges Lager feiner Stoffe und fertiger Mantel m billigen Preisen Ergebnis genügt, zu zeigen, daß das Buch des Herrn Prof. Grill weder der Wissenschaft noch der Wahrheit gute Dienste leistet. Diese Schrift wird vielleicht Herrn Prof. Grill und dessen Leser eines Besseren belehren. Sie ist von mir geprüft worden und ich erkläre mich mit ihrem Inhalte vollkommen einverstanden. Wien, im Jänner 1935. Der Oberrabbiner: Dr. David Feuchtwang. Fortdauer des deutschen Boykott-Terrors. „News Chronicle" berichtet über schwersten antijüdischen Boykott-Terror in Kassel und in Hannover. In beiden Städten drangen Nationalsozialisten mit und ohne Uniform in jüdische Geschäfte ein, warfen Tränengasbomben und trieben mit Brachialgewalt die Käufer aus den Läden auf die Straße. Dem Korrespondenten der Londoner „Times" wurde von den oberen Behörden in Frankfurt a. M. erklärt der dort sich breitmachende wilde Boykott- Terror sei nicht von „oben" anbefohlen worden, es sei lediglich angeordnet worden, daß Nationalsozialisten als friedliche Boykottposten vor jüdischen Geschäften Aufstellung nehmen und einzig und allein Mitglieder der nationalsozialistischen Partei vor dem Einkauf bei Juden warnen sollen; die Boykott-Posten seien jedoch über den" ihnen erteilten Auftrag hinausgegangen, hätten das allgemeine Publikum am Betreten der Geschäfte gehindert und, als die Polizei zu Verhaftungen schreiten wollte, Schlägereien.'provoziert Diese Auskunft wurde auch dem englischen Generalkonsulat in sich auch mit der Judenfrage befaßt Er schreibt u. a.: Fast alle Nachrichten über die Judenpolitik des Naziregimes, die selbst von unseren verantwortungsbewußtesten Zeitungen veröffentlicht wurden, sind .reiner Mondschein'. Diese Nachrichten suchen den Eindruck zu erwecken, daß die Juden in Deutschland fast eine Existenz von gehetzten Tieren führen. Ich aber habe in den deutschen Hotels und Restaurants häufig fröhliche Juden in Gesellschaft gesehen, ihre Gesichter zeigten keine Merkmale von Unsicherheit oder Leid." Den „fröhlichen Juden" bleibt da nur ein Trost: Lord Rothermere hat noch jedem Pech gebracht, dessen er sich liebevoll annimmt. MÖBEL Moderne Küchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- F. HOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 46-7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der »Schomra» Frankfurt a. M. seitens deutscher Behörden gegeben, die dabei erklärten, sie mißbilligen durchaus den antijüdischen Boykott, weil der Zusammenbruch der jüdischen Geschäftshäuser die Stellungslosigkeit deT arischen Angestellten zum Ergebnis haben würde. Indessen treffen aus Frankfurt Meldungen ein, daß der Boykott-Terror dort andauert. Die Boykott-Posten vor den jüdischen Geschäften „amtshandeln" weiter, die Polizei verweigert ein Einschreiten mit der Begründung, es handle sich um eine wirtschaftspolitische Maßnahme, die sie nichts angehe. An verschiedenen jüdischen Geschäften sind kleine Zettel an die Schaufenster geklebt auf denen eine Judenkarikatur in der Art des „Stürmer" abgebildet ist mit der Aufschrift: „Wer beim Juden kauft, ist Volksverräter". An manchen Hausfassaden iindet man auch mit Farbe die Aufschrift, welche als Motto für ein Adressenverzeichnis aHer in Frankfurt lebenden Juden dient: „Wer vom Juden frißt, stirbt daran." Anderseits werden die nichtjüdischen Geschäfte veranlaßt oder gezwungen, an gut sichtbarer Stelle das Schild „Deutsches Geschäft*' anzubringen. Den Ladenbesitzern wird mit erpresserischen Drohungen das Schild aufgezwungen. Auch in anderen Städten der Frankfurter Umgebung wurde dem Publikum der Eintritt in jüdische Geschäfte gewaltsam verwehrt, z. B. in Friedberg (Hessen) und Bad Nauheim. „Times" und die anderen Zeitungen berichten, daß auch englische und französische Bürger, die vor Weihnachten die jüdischen Geschäfte aufsuchten, beschimpft und sogar tätlich attackiert wurden, so daß die betreffenden Konsulate sich zu Interventionen veranlaßt sehen. Aber Rothermere sieht nur „fröhliche Juden". Während also die meisten englischen Tageszeitungen in Telegrammen aus Deutschand die Brutalitäten der neuen antijüdischen Boykottwelle und die vor den jüdischen Geschäften von den Nazi-Boykottposten arrangierten abscheulichen Szenen schildern, veröffentlicht Lord Rothermere, der kürzlich bei seinem Besuche in Deutchland Hitlers Ehrengast war, am 28. Dezember den ersten Artikel einer neuen Deutschland-Serie in seinem „Daily Mail", indem er Vor der Saarabstimmung. Seitens des Comite des Delegations Juives wird der JTA folgende Erklärung übergeben: Das Comite des D€legations Juives hat vom Abschluß der Verhandlungen des Dreier-Comites in Rom und des Völkerbundes in Genf bezüglich der die Minderheiten im Saargebiet betreffenden Bestimmungen Kenntnis genommen. Das Comite stellt fest, daß diese Bestimmungen weit hinter den Postulaten zurückbleiben, die es zugunsten der jüdischen Bevölkerung im Saargebiet den Ratsmitgliedern vorgetragen hat für den Fall, daß die Abstimmung der Saarbevölkerung nicht die Aufrechterhaltung des Status quo ermöglichen, sondern den Völkerbund veranlassen sollte, das Saargebiet an Deutschland zurückzugliedera. Insbesondere hat die Nichtgewährung dauernden Schutzes der Gleichberechtigung aller Einwohner des Saargebietes ohne Unterschied der Sprache, der Religion und der Rasse tiefe Enttäuschung im jüdischen Volke hervorgerufen. Das Comite verliert jedoch nicht die Hoffnung, daß der Völkerbund bei der Entscheidung über das Schicksal des Saargebietes nach der Abstimmuna die Möglichkeit finden wird, der berechtigten Erwartung zu entsprechen, die die Judenheit unverändert in das Gerechtigkeitsgefühl der Welt und des Völkerbundes setzt, und die Notwendigkeit des dauernden Schutzes aller Minderheiten des Glaubens, der Rasse und der Gesinnung einsehen wird. Die UFA wahrt ihr Interesse. In der Generalversammlung der Berliner UFA' wurde auf eine Anfrage, ob die Verbindungen mit nichtarischen Auslandsvertretern gelöst wurden, geantwortet, daß langfristige Verträge vorlägen und daß eine derartige Maßnahme nicht im Interesse der Gesellschaft läge. — Dieses mangelnde Interesse der UFA, die am radikalsten beim Hinauswurf der jüdischen. Künstler und Angestellten vorgegangen ist, darf das mangelnde Interesse der Wiener jüdischen Kinobesucher für die UFA-Kinos nicht aufheben. (Briefkasten. Otto M„ Wien U. Der Angefragte ist "tatsächlich, so merkwürdig es klingt, „reinrassiger Arier".

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