Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 51 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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mE WAHRHEIT Seite 5 Für Uriel Birnbaum! Im „Echo" kürzlich erschienene Aufsätze, in denen endlich wieder die hohe Bedeutung unseres österreichischen Dichters und Malers Uriel Birnbaum gewürdigt und vor einer breiteren Oeffentlichkeit geziemend hervorgehoben wird, " veranlaßten Graf Polzer-Hoditz zu folgendem Schreiben an das Blatt: Die Tat des „Echo" ist um so dankenswerter, als der Name dieses großen Gestalters in zwei Künsten in einer für seine Zeitgenossen beschämenden "Weise der Vergessenheit anheimzufallen drohte. Ist doch jener epochale Sonettenband „In Gottes Krieg", den Uriel Birnbaum aus eigenem äußeren und inneren Erleben formte, nach einem mächtigen Aufflammen begeisterter Bewunderung fast spurlos verschollen! Erfuhren doch seine großen Zyklen „Moses", „Der Kaiser und sein Architekt" und viele andere ein gleiches Schicksal! Sind doch alle die Werke, die dieser unerschöpfliche Geist, von Gunst und Mißgunst seiner Zeit unangefochten, in den Jahren seither geschaffen hat, unbekannt, ungedruckt, verborgen geblieben! Wer wie ich Gelegenheit gehabt hat, von den noch nicht veröffentlichen Arbeiten Uriel Birnbaums — sie übertreffen an Umfang das bisher der Oeffentlichkeit Zugängliche um ein Vielfaches! — "wenigstens zu einem kleinen Teil kennenzulernen, kann nicht umhin, mit größtem Ernste und aufrichtigem Bedauern einige Fragen aufzuwerfen: Ist Oesterreich wirklich reich genug, um das gewaltige geistige und moralische Kapital, das dieser Oesterreicher Uriel Birnbaum darstellt, ungenutzt lassen zu dürfen? Wann wird man es als Pflicht erkennen, im Interesse des österreichischen Vaterlandes das bisherige Schaffen dieses großen Künstlers vor die Welt zu bringen und sein weiteres Schaffen gebührend zu feiern? Wann wird Radio Wien, das bisher ein einzigesmal eine halbstündige Vorlesung des Dichters Uriel Birnbaum brachte, seine Pflicht tun und ihn seinem Range gemäß zu Worte kommen lassen? Wann wird eine der Wiener öffentlichen Kunstsammlungen — deren keine bisher Originalwerke von seiner Hand besitzt —.einsehen, daß eine Uebersicht über die moderne Malerei, gar über die moderne Malerei Oesterreichs ohne Berücksichtigung Uriel Birnbaums ein Torso bleibt? Wann werden die Wiener Theater — neben der Ravag — auf seine merkwürdigen und sehr bühnenwirksamen Kurzdramen, die „Dramatischen Balladen", aufmerksam werden? Wann wird der Verleger kommen, der endlich das Gesamtwerk Uriel Birnbaums — es übertrifft das von doppelt so alten und zehnmal so berühmten Leuten an Weite und an Wert — der bisher darum betrogenen Weltöffentlichkeit zugänglich — und selbst damit sicherlich ein gutes Geschäft machen will? Der antijü<tische Terror an der Saar. Das „Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Saargebiets" teilt mit: „Wie man sich in manchen Kreisen eine Rückgliederung vorstellt, geht aus folgendem „Gedicht" hervor, das einem unserer Gemeindemitglieder, selbstverständlich ohne daß sich der „Dichter" mit seinem Namen genannt hätte, zugegangen ist: Tag des Zornes, Tag der Tränen! wird die Juden aus dem Saarland kehren! Handgranaten statt „Manna" werden fallen! Und statt im Jordan, muß ihnen ein Bad in der Saar gefallen. Das Original befindet sich in unseren Händen. Wir haben weder die schlechten Verse, noch das schlechte Deutsch zu verbessern versucht. Der Inhalt spricht die Wünsche und die Absichten des Autors deutlich aus. Diesen Wünschen und Absichten ist die berüchtigte Nummer 47 vom „Westland" bereits mit der Lieferung von Adressenmaterial zuvorgekommen." Das Organ der saarländischen Juden stellt in einer weiteren Betrachtung fest, daß alle Hoffnungen, das Leben der deutschen Juden werde sich noch normalisieren, sich bis jetzt leider nicht bewahrheitet haben. Ueber dem Leben der Juden in Deutschland lastet eine unerträgliche Spannung. Der Artikel schließt: . -Trotz einer früheren Aeußerung des Propagandaministers, rrfan habe an der Judenfrage das gelöst, was zu lösen sei, und sie dann zu den Akten gelegt, wissen wir nicht, was auf dem Gebiete der Judengesetzgebung noch bevorstehen mag, und wir wissen auch nicht, ob und wie diese Judengesetzgebung auf die Juden des Saargebietes Anwendung finden wird." Möbliertes, separiertes Kabinett zu vermieten. Wien III., Hansalgasse 3/14 Todesstrafe für „Rassenverrat". Wie die „Fränkische Tageszeitung" meldet, sprach Gauleiter Julius Streicher vor Richtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten im Bund Deutscher Juristen über Rechtsprechung im neuen Staat. Er sprach über „das ungeheuer verderbliche Wirken der Juden auf das deutsche Volk", bezeichnete das Freimaurertum als ein internationales Machtmittel der Juden, dessen sich diese nicht nur zum Verrat militärischer Mitteilungen, sondern auch zur Zersetzung und Verseuchung des deutschen Volkes und zu seiner völligen Entrassung und Entartung bedient hätten, und erklärte: „Wir bekämpfen die Juden nicht aus blindem Haß, sondern deswegen, weil sie unser Volk vernichten wollen. Und wenn es da oder dort einem Juden schlecht geht, dann können wir mit ihm kein Mitleid haben, weil uns unser Volk näher steht als das jüdische Volk." Der Redner ging sodann auf rassentheoretische Erörterungen ein und führte aus: „Es ist ungeheuer und kaum glaublich, wie rasch die Entrassung eines Volkes durch den geschlechtlichen Verkehr eines Juden mit einer Nichtjüdin vor sich gehen kann. Die Nichtjüdin ist für ihr Volk für immer verloren und auch die einer solchen Ehe entstammenden Kinder (Bastarde) tragen weiterhin zur Entartung unseres Volkes bei. Wenn wir daher nicht in absehbarer Zeit Gesetze schaffen, die es weiterhin unmöglich machen, die deutsche Rasse zu verseuchen, dann gibt es keine Rettung mehr. Der geschlechtliche Verkehr eines Juden mit einer Nichtjüdin muß mit dem Tode bestraft werden . . . Wer die Rassenfrage kennt, für den ist es auch kein Zufall, daß mancher Verbrecher, mancher Verräter oder mancher unsittliche Mensch bestimmte Merkmale in seiner äußeren Erscheinung hat, die eben auf eine frühere Verbindung mit der jüdischen Rasse zurückzuführen sind. Wenn bei uns der Kommunismus entstehen konnte, so ist dazu ebenfalls die Verderbung der deutschen Rasse durch den Juden die Ursache." fßaden bei Wien ROLLETGASSE 7 / HERMINE EICHNER Sehr nette Zimmer, mit und ohne Pension, streng rituelle Küche, Zentralheizung, fließendes Kalt- und Warmwasser, billige Preise, ganzjährig geöffnet. 25 Jahre Union rumänischer Juden. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Union rumänischer Juden (Uniunea Evreilor Romani), der großen Rechtsscltutzorganisation der Judenheit Rumäniens, die insbesondere im Kampfe um die Erringuhg der Gleichberechtigung der rumänischen Juden eine hervorragende Rolle gespielt hat und heute neben kultureller und sozialer Arbeit die Abwehr von Verletzungen des Gleichberechtigungsgrundsatzes in der Praxis als ihre Hauptaufgabe betrachtet, veranstaltete die Jugendorganisation der Union am 11. Dezember im Bukarester jüdischen Volkshaus Barascheum eine große Jubiläumsfeier, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Führers der Union und Vorkämpfers für die Emanzipation der rumänischen Juden, Dr. W. F i l d e r m a n, stand. Auf Grund der Erfahrungen des Emanzipationskampfes gab Dr. Füderman eine Analyse der gegenwärtigen Probleme der jüdischen Bevölkerung Rumäniens und wies auf die Notwendigkeit hin, den Kampf um die Wahrung der erworbenen Rechte in Gemeinschaft mit den aufbauenden Elementen des rumänischen Volkes im Interesse nicht nur der Juden selbst, sondern auch der ungestörten Entwicklung des Vaterlandes gegenüber allen Umsturzversuchen extremistischer Kreise fortzusetzen. Die ungemein zahlreiche Zuhörerschaft brachte Dr. Füderman lebhafte Ovationen dar und dokumentierte damit zugleich iher Dankbarkeit für die Leistungen der Union in Vergangenheit und Gegenwart. Einen geschichtlichen Ueberblick über die Vorläuferbewegungen der Union und die Entstehung der Uniunea Evreilor Pamanteni (Union bodenständiger Juden), aus der die gegenwärtige Union hervorgegangen ist, gab Adv. Jancu Blumen. Der Vorsitzende, Adv. Jacob Bacalu, legte namens der Unionsjugend das Gelöbnis ab, auf den von den Führern der Union gewiesenen Wegen die Arbeit im Dienste der rumänischen Judenheit weiterzuführen. Emigranten aus Deutschland, die in nachfolgenden Spezialfächern bestens versiert sind und Positionen in Uebersee anstreben, wollen sich beim Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 4, melden, und zwar: Handtaschenentwerfer (nur erstklassige Kräfte); Fachleute der Kammgarn-Textilindustrie (Fabrikation und Maschinerie); ein Lehrer der jüdischen Wissenschaft für ein College. Englische Sprachkenntnisse erwünscht. Der Leidensweg der illegalen Einwanderer. Genaue Einzelheiten über die schweren Lei-* den der jüdischen Einwanderer, die illegal nach Palästina zu kommen versuchen, wurden durch eine Delegation des Verbandes dotr jüdischen Rechtsanwälte Palästina mitgeteilt, die sich kürzlich an die Exekutive der Jewish Agency mit der Forderung wandten, in dieser leidigen Angelegenheit zu intervenieren. Die Delegation berichtete, daß die Rechtsanwälte in der letzten Zeit oft mit den Angelegenheiten illegaleir Einwanderer zu tun hätten, die von der Regierung beim Ueberschreiten der Grenzen verhaftet würden; sie wüßten aus ihrer Tätigkeit viel über die ungeheuren Leiden, die diese Einwanderer auf ihrem Wege nach Palästina und nach ihrer Verhaftung durch die Polizei zu erdulden hätten. Heute, so berichtete die Delegation, befinden sich im Gefängnis in Akko zirka 130 dieser unglücklichen Einwanderer. Viele von ihnen seien durch die unterwegs erduldeten Leiden krank geworden. In einem großen Teil der Fälle seien die Einwanderer durch ihre eigenen Führer, die es unternommen hätten, sie nach Palästina zu bringen, in die Hände der Polizei geliefert worden. Die Rechtsanwälte wüßten aus ihrer Tätigkeit auch von Fällen von Vergewaltigung jüdischer Mädchen durch die arabischen Führer. Die Einwanderer würden auch materiell durch die Organisatoren der illegalen Einwanderung, die ihren Opfern den letzten Groschen abpreßten, schändlich ausgebeutet. Die Delegation forderte, daß die Agency-Exekutive alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ergreife, um diesem Zustande ein Ende zu machen. Die Jewish Agency müßte die jüdische Oeffentlichkeit der ganzen Welt energisch darauf hinweisen, daß jeder Einwanderer, der sich auf illegale Einwanderung nach Palästina einlasse, schwersten Gefahren ausgesetzt sei. Palästina-Nachrichten. 500.000 Pfund-Anleihe der Jewish Agency. Wie die Jewish Agency for Palestine offiziell bekannt gibt, sind die Arrangements iür eine von der Jewish Agency und dem Keren Hajessod garantierte Anleihe über £ 500.000 — rund 13 Millionen Schilling — erfolgreich zum Abschluß gelangt; Lloyd's Bank gewährt der Jewish Agency eine Anleihe in Höhe von £ 450.000, Anglo Palestine Bank eine solche in Höhe von £ 50.000. Die Anleihe wurde für eine Dauer von 15 Jahren gegeben und soll in monatlichen Raten in Höhe von £ 3800, die Zinsen inbegriffen, zurückgezahlt werden. Ein Zinssatz zu 4% wurde vereinbart, falls aber die Bank von England ihren Diskont erhöht, werden auch die Jewish Agency für die Anleihe einen höheren Zinssatz zahlen müssen, der jedoch nie 4'A% überschreiten wird. Als Sicherstellung werden die Einkünfte des Keren Hajessod sowie die Rückzahlungen der Siedler für die ihnen gewährten Darlehen bestellt. * Das Kreisgericht von Nablus hat unter dem Vorsitz des Richters Cressal und unter Mitwirkung von zwei arabischen Beisitzern den 20jährigen Wächter von Beth Alkha, Hillel Glaser, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er am 31. Mai d. J. zwei Beduinen, die ihre Herden auf die Koloniefelder getrieben hatten und Glaser angriffen, als er sie zum Verlassen des Gebietes aufforderte, durch Flintenschüsse verletzt hatte. Einer von ihnen hatte eine schwere Verletzung an einem Auge, der andere eine leichte Verletzung davongetragen. Die Verhandlung gegen zwei andere jüdische Wächter wurde vertagt. Der Richter erklärte, dem Gebrauch von Schußwaffen müsse entgegengewirkt werden Gegen Gesetzesverletzungen einzuschreiten, sei Sache der Polizei. Glaser wurde gegen eine Kaution von 200 Pfund vorläufig auf freiem Fuß belassen. Man fürchtet, daß das Urteil von Beduinen als Aufmunterung, ihre Herden auf jüdischem Boden zu weiden, aufgefaßt werden wird. „Glauben und Wissen". Infolge Raummangels mußte in der heutigen Nummer die Fortsetzung des Aufsatzes von Dr. Grunwald „Glauben und Wissen" ausbleiben. Berichtigung. Das in unserer letzten Nummer von Dr. Grunwald besprochene sensationelle neue Werk von Coudenhove-Kalergi (Paneuropa- Verlag, Wien) heißt richtig: Europa erwacht Jüdische Arbeitgeber, erfasset den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zugunsten der Jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Jüdischen Verein iür unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien h, Kohlmessergasse 4, Telephon U 27-0-65, an.