Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 51 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IHK WAHRHEIT Seite 3 Arabische Masseneinwanderung nach Palästina. In der Sonntagsnummer der „Neuen Freien Presse" machte deren Korrespondent Ernst Davis folgende sensationelle Mitteilungen: Es ist nun möglich, eine ungefähre Vorstellung von der Größe der arabischen Einwanderung zu geben, die, von der Welt unbeachtet, seit Jahr und Tag nach Palästina strömt. Genaue Ziffern über sie gibt es freilfch nicht, denn ihr Hauptcharakteristikum ist ja, daß sie sich jeder offiziellen Registrierung entzieht, da ihre Voraussetzung eben darin beruht, daß sie jeder Berührung milt den Behörden) ausweicht. Keiner der Zehntausende von Wüstensöhnjen, die von drei Himmelsrichtungen in das Land fluten, besitzt eine Einreise- oder Aufenthaltserlaubnis, sie haben vielmehr irgendwie die Grenze überschritten, ohne die Paßkontrolle zu behelligen. Immerhin aber gibt es einige Schätzungen aus arabischen Quellen, und da diese keinerlei Interesse daran haben, den Umfang der Bewegung zu übertreiben, so dürften diese Ziffern wohl eher zu niedrig als zu hoch sein. Der Gouverneur des Hauran, einer syrischen Provinz, die an Palästina angrenlzt, teilte vor einiger Zeit in einem Interview mit, daß aus seinem Bezirk wegen der schlechten Ernte des Sommers 1933 35.000 Leute nach Palästina ausgewandert seien, die nun ihren Angehörigen Geld nach Hause schicken. Nach dem Kairoer „Mokattam", einem der führenden ägyptischen Blätter, haben sich ferner zehntausend Drusen im Heiligen Land niedergelassen. „AI Djame'a AI Islamiya", das in Jaffa erscheinende radikalmohammedanische Blatt, eine der wichtigsten Tageszeitungen Palästinas, berichtet wiedejrum, daß siebzehntausend Leute aus der Sinaiwüste hereingekommen sind, von denen achttausend in der Nachbarschaft von Tel-Aviv leben, während der Rest in den jüdischen Dörfern Südjudäas Arbeit gefunden hat. Aus Damaskus sind zweitausend Ankömmlinge da, von denen einige hundert, die sich als Juden verkleideten, in Tel-Aviv Beschäftigung fanden. Schon diese Ziffern ergeben zusammengerechnet eine arabische Einwanderung von 64.000 Seelen im letzten Jahre vom Ende des Sommers 1933 bis zum Ende des vergangenen Sommers. Dazu muß man aber noch die Einwanderung rechnen, die aus oder durch Transjordanien kommt. Soweit man es beobachten kann, ist sie sehr stark, und das Sst auch erklärlich. Denn die wirtschaftlichen Verhältnisse östlich vom Jordan, die nie rosig waren, sind heute nach einer Reihe aufeinandetrfolgender Mißernten trostlos geworden und die Einreise aus Transjordanien nach dem Westjordanland (auf das jetzt der staatsrechtliche Begriff „Palästina" beschränkt ist) wurde durch das Eöiwanderungsgesetz vom vorigen Jahre ausdrücklich freigegeben. Theoretisch gilt das freilich wirklich nur von der Einreise. Das heißt, die Transjordanier dürfen zwar ohne Visum und sogar ohne Paß hereinkommen, aber es ist ihnen nicht gestattet, hier Arbeit anzunehmen. Indessen, in der Praxis kommen sie um dieses Hindernis leicht herum, besonders da keinerlei Apparat besteht, du-rch den eine Kontrolle über sie ausgeübt werden kann, wenn sie erst einmal im Lande sind. Da überdies die Einwanderung nach Transjordanien aus den angrenzenden arabischen Ländern nicht schwer ilst, können auch deren Einwohner durch das Loch oder besser den breiten Riß am Jordan hereinströmen. So ergibt sich, daß die arabische Einwanderung, wenn sie auch illegal ist, eine Jahresziffer erreicht hat, die irgendwo jenseits von 64.000 Seelen lüegt und wahrscheinlich sogar sehr weit darüber hinausgeht. Das bedeutet, daß sie um ein Vielfaches größer ist als die natürliche Vermehrung der arabischen Bevölkerung durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle, der im Jahre 1933 mit rund 22.000 Seelen die bisher höchste Ziffer erreicht hat. Demgegenüber hat aber die j ü d i s c h e E i nwanderung im Jahre 1933 knapp die Ziffer von 28.000 Menschen erreicht, und auch wenn man die 12.000 hinzufügt, die auf Touristenvisen hereinkamen, aber nach Angaben der Immigrationsbehörde im Lande blieben, ergibt sich nur eine Gesamtziffer von 40.000. In diesem Jahre wird die jüdische Einwanderung, alles zusammengerechnet, auch nicht größer sein. Denn wenn auch die Ziffer der Ankömmlinge mit Moderne Küchen- Vorahnmer- Wohnzimmer- MÖBEL F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 4&7-14 Samstag geschlossen — Angeschlossen der „Schomra* Immigrantenvisen gestiegen ist, so ist dafür wegen der scharfen Restriktionsmaßnahmen der britischen Verwaltung die Zahl der Leute, die als Touristen ins Land kommen und dann hier bleiben, sehr gefallen. In der ersten Jahreshälfte 1934, in die der große Fremdenverkehr des Frühlings fällt, betrug sie beispielsweise nach behördlichen Angaben nur 3000. Die arabische Einwanderung hält an und wird wohl immer stärker werden, falls nicht eine Aenderung der britischen Einwanderungspohtik erfolgen sollte, und eine größejre Anlzahl von jüdischen Arbeitern zugelassen wird. Den Antisemitismus aufgegeben, Widerruf und Richtungswechsel der „Deutschen Zeitung" in New York. Die „Deutsch e Zeitung" in New York, die bisher das Organ des „Bundes der Freunde des neuen Deutschland" und anderer Nazi-Organisationen war und die zu einer nach Umfang und Verbreitung führenden Zeitung des Deutschtums in Amerika wurde, bringt auf der Titelseite ihrer Nummer vom 17. November eine Mitteilung und einen Leitartikel, die wir hier ihres sensationellen Inhaltes wegen mit nur unwesentlichen Kürzungen wortgetreu wiedergeben: McLaughün erhält Strafaufschub für Beleidigung Joseph Goldsteins. Strafe von einem Jahr Stadtgefängnis auf Antrag von Untermyer, Gross und Goldstein gestundet Der Hauptschriftleiter der „Deutschen Zeitung", William L. McLaughlin, wurde am Dienstag dieser Woche für einen beleidigenden Artikel, der in der Ausgabe der ».Deutschen Zeitung" vom 7. Juß gegen den ehemaligen Magistrat Joseph Gold*tein erschienen war, vom Richter Franklin Taylor im Kings County Court zu einem Jahr Stadtgefängnis verurteilt Nach der Urteilsverkündung richteten Samuel Untermyer, Rabbi Louis D. Gross, Herausseber des „Brooklyn! Jewish Examiner", und der Kläger ein Gesuch an den Richter, für den Angeklagten Milde walten zu lassen. Die Herren schlugen vor, das Urteil zu stunden, und da auch der Staatsanwalt keine Bedenken äußerte, hat Richter Taylor diesem Ansinnen unter der Bedingung stattgegeben, daß eine für Herum Untermyer und den Kläger annehmbare Erklärung an prominenter Stelle . . . der „Deutschen Zeitung" abgegeben werdeni müsse und daß die Einstellung der Zeitung verändert werde. Ein Widerruf und eine Entschuldigung. ... In unserer Nummer vom 7. Juli veröffentlichte unser Blatt eine beleidigende und sehr bedauerliche Aussage, in welcher der Charakter und die legale Rechtschaffenheit des Herrn Hon. Joseph Goldstein von Brooklyn angegriffen wurde. Nachdem wir diese Angelegenheit sorgfältig geprüft haben und uns dejr Schwere unserer Handlung klar geworden sind, möchten wir nun diese Behauptung zurückziehen und wir leisten Abbitte in demütiger Weise nicht nur Herrn Richter Goldstein, sondern auch der Gemeinschaft, deren Mitglied er ist Wir gestehen ein, daß unser Angriff auf diesen He|rrn und die Juden nicht gerechtfertigt, gewissenlos und grundlos war. . . . Wir haben Herrn Richter Goldstein um HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 * Empfiehlt sein reichhaltiges Laser feiner Stoff* und fertiger Mäntel zu billigen Preisen Entschuldigung gebeten und er war großmütig genug, uns zu versichern, daß er kennen Groll gegen uns hege. Wir wissen ganz genau, daß unsere Aussagen ihn tief betrübt und verletzt haben und ihn in ein ganz falsches Licht gestellt haben, und wir wissen seine freundliche Nachsicht hoch zu schätzen . . . Wir bitten auch unsere Leser um Vergebung und besonders unsere jüdischen Leser und wir hoffen, daß sie nach ihren glänzenden Ueberlieferungen und Vorschriften, Nachsteht zu üben, uns verzeihen und unsere Ueberschreitunff übersehen werden. Vollständige Veränderung der Zeitungseinstellung. Wir möchten hiermit allen unseren Abonnenten im besonderen und unseren Lesern im allgemeinen mitteilen, daß nach sorgfältiger Ueberlegung wir uns entschlossen haben, sofort eine drastische Aenderung in unserer Taktik als Herausgeber eintreten zu lassen. Wir sind uns klar geworden, daß in diesem gesegneten Lande, gewidmet den Idealen von Volksregierung und Recht für alle, ohne Hinsicht auf Rasse und Glauben, alle Feindschaften und Vorurteile zwischen Rassen und Völkern verschiedenen Ursprungs, welche hier wohnen und welche alle gleich unter dem Schutz der Gesetze und Verordnungen dieses Landes stehen, durchaus unwürdig und unstatthaft sind. . . . Deshalb möchten wir ernstlich irgendwelche Anreizung zu Rassen- und Religionserbitterungen ableugnen, obwohl unser Blatt dafür beschuldigt worden ist. In Zukunft wird in unserem Blatt nichts e-rscheinen, was in irgendeinem Grade entweder als direkte Redensart oder mittelbar als Folgerung oder als Wink einen Angriff auf den Charakter einer Rasse oder eines Volkes oder einer Person angesehen werden könnte. Wir werden durchaus und ohne davon abzuweichen zu den Prinzipien eines anständigen und gesetzmäßigen Zeitungswesens halten und wir werden alle Ermutigung zu Rassen-Präjudiz meiden und wir werden uns irgendwelcher ehrenrühriger und alarmierender Aufsätze, Leitartikel und Aeußerungen irgendwelcher Art enthalten. Wir wollen nichts zu tun haben mit Organisationen und Bewegungen, welche Streit und Reibungen zwischen verschiedenen Gruppen von Bürgern und Personen hierzulande hervorbringen. Wir sind zu der Uebexzeugung gelangt, daß Leute, welche aufrichtig fühlen, daß der Boykott von Waren eines fremden Landes ihr einziges Mittel ist, um die Inhumanität eines fremden Landes zu bekämpfen, sich dieser Waffe bedienen können. Wir werden keine Gegenaktion gegen solchen Boykott aufrecht erhalten. Wir haben heute nicht und werden in Zukunft auch nicht irgendwelche Verbindung finanziell oder anderswie mit irgendeiner fremden Regierung haben, wenn solche Propaganda den Interessen des Volkes in den Vereinigten Staaten feindlich ist. Wir hoffen, daß diese Aeußerung unserer vollständigen Aenderung in unserer Taktik als Herausgeber die Gunst und Zustimmung alter unserer Leser finden wird, sowie aller, welche Interesse am menschlichen Fortkommen haben, am guten Willen und besseren Verständnis zwischen den Leuten verschiedener Rassen und Abstammung, die hierzulande leben. D Z Publishing Corporation, W. L. McLaughlin, President