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Die Wahrheit · 1934-12-21 · Heft 51 (21.12.1934) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 51 (21.12.1934)
Date
1934-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE WAHRHFJT Arische eeschäftsweisen. Vor einigen Tagen ist im Verlage der Völkischen Arbeitsgemeinschaft, VII., Neustiftgasse 117, der „Arische Geschäftsweiser" erschienen. Er bezweckt, der arischen Bevölkerung jene Firmen und Geschäfte anzugeben, die Ariern gehören. Laut Vorwort handelt es sich darum, die Arier vor den Nachteilen der jüdischen Praktiken zu schützen und die fremdrassigen Ausbeuter aus Oesterreich zu verdrängen. Mit welcher Berechtigung diese Gesellschaft von jüdischer Ausbeutung spricht, geht daraus hervor, daß jenen Kunden, die sich als Arier ausweisen, Preisnachlässe gewährt werden. Preisnachlässe sind nur dann möglich, wenn die allgemein verlangten Preise mehr als den bürgerlichen Nutzen enthalten, was im Grunde genommen nichts anderes als eine Ausbeutung ist. Welche Echtheit und Reinheit des Gedankenkreises bei manchen der angekündigten arischen Finnen vorliegt, geht zum Beispiel daraus hervor, daß der „Lindenkeller", I., Rotenturmstraße, sich als arische Firma im „Geschäftsweiser" anpreist, gleichzeitig aber auch in der zionistischen Presse mit der Bemerkung annonciert, daß täglich frische Gansbiegel und Ritschert dort zu haben sind. Auch der „Herrenhuter", die „Paradiesbetten", Hanns Schoisswohl, Spitzhüttl usw. verabsäumen es nicht, in den meist von Juden gelesenen Tagesblättern ihre Artikel anzupreisen. Charakteristisch ist auch der Umstand, daß in dem Verzeichnisse die arischen Firmen und Erwerbsunternehmer (auch Advokaten, Apotheken usw.) des II. und XX. Bezirks so gut wie nicht vorkommen. Dort, wo man sich durch die Annoncierung seines Ariertums schaden könnte, dort wird dies wohlweislich unterlassen. So kommt es, daß in dem Geschäftsweiser die annoncierten Geschäfte meist aus jenen Bezirken stammen, welche wenig von Juden bewohnt werden. Aus diesen Gründen sind wir gerne bereit, auch zur Kenntnisnahme der jüdischen Bevölkerung einige interessante Firmen zu nennen, die laut „Geschäftsweiser" auf die jüdische Kundschaft kein Gewicht legen. Allen, die mich zu meinem siebzigsten Geburtstage beglückwünscht haben,Einzelnen,Famllien und Körperschaften spreche ich herzlichsten Dank aus. Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang Als arische Firmen empfehlen sich: Beheizung: Viktorin-Werke, I., Burgring 3; Swoboda Alois & Co., I., Lothringerstraße. 2, XVIII.. Theresiengasse 1. Buchhandlungen: Beck'sche Universitätsbuchhandlung. I., Rotenturmstraße 25; Franz Deuticke, I., Helferstorf erstraße 4; A. Hartleben, I., Graben 27; Wallishausersche Buchhandlung, I., Lichtensteg 1; Deubler Josef, IL, Praterstraße 38. Betten: Paradiesbetten-Steiner, V., Rechte Wienzeile 87. Drogerien: Wallace A.-Q., VII., Westbahnstraße 26 (Filialen in ganz Wien); Perten Sophie (Bären-Drogerie), IL, Glockengasse 8 a. Delikatessen und Lebensmittel: Reidinger Ed., IL, Heinestraße 33; Kautz Anny, IL, Taborstraße 52 a. Damenhüte: Gebr. Ladstätter, VI., Hofmühlgasse 17 und Filialen. Eisen- und Metallwaren: Em. Blassers Nachfg., IL, Taborstraße 35; Argentor-Werke, VIL, Kaiserstraße 83 (Filialen in ganz Wien); Württembergische Metallwarenfabrik Köhler & Cie, XV., Geyschlägergasse 11 (und Filialen). Fischhandlungen: Hofbauer Wilhelm, I., Tuchlauben 6 und 13. Gastwirtschaften: „Zur Linde", L, Rotenturmstraße 12; „Zum Walfisch", II.. Prater 129. Glas und Porzellan: Haas & Czizek, L, Kärntnerstraße 5; Wahliß Ernst A.-G., L. Kärntnerstraße 17; Rasper & Söhne, I., Graben 15; Gießl & Czeika. IL, Obere Donaustraße 81. Gummi waren: Auer IL, L. Wipnlingerstraße 15; Gummi-Karasek. IL Taborstraße 44. Hotels: Erzherzog Rainer, IV.. Wiedner Hauptstraße 27—29. Haushaltungsartikel: Dom-Parfümerie, L. Bäckerstraße 3. Herrenhute: Ita Heinrich, L, Graben 18. Handelsschulen: Weiß A. Nfg.. L. Getreidemarkt 14—16. Herrenmode: Gaillard J.. L, Operngasse 4; Lechner F. & L.. L, Rotenturmstraße 11; Lehner Robert, IL, Praterstraße 42. Juwelen: Dobrowsky Jos., I., Kärntnerstraße 6; Hofstätter Josef. L. Kohlmarkt 7; Mayers V. Söhne. L, Stock im Eisenplatz 7. Kaffeehäuser: Erzherzog Rainer, IV., Wiedener Hauptstraße 27—29. Kürschner: Cibulka Paul, IL, Karmeliterplatz 4. Klaviere: Bangyula J.. L, Postgässe 2, L. Wollzeile 37. Leihbüchereien: Last Ludwig, L, Kohlmarkt 7. Leinen und Baumwollwaren: Schücktanz A., L, Wipplingerstraße 10. Lederwaren: Gerstel-Würzl Franziska, L, Spiegelgasse 2. Modewaren: Ittner Raimund, I., Spiegelgasse 2. Optiker: Schleiffelder Otto. L. Graben 22 und Filialen. Radio: Boroevic Nik.. IL, Taborstraße 6; Sykora, IL, Karmeliterplatz 1. Spielwaren: Kober Josef, L, Graben 14—15. Spediteure: Dvorak Zdenko, L, Franz Josefs-Kai 43. Seidenstoffe: Deiwisch & Rittmann, L, Bauernmarkt 2. Verlorene Jugend. Von Dr. Hugo Zuckermann st. A. Zum 20. Todestage des Dichters (23. Dezember). Ich glaub', ich war wohl nie ein Kind, Ein Kind, wie andere Kinder sind, Das keine Sorgen kannte. Ich freut' mich nie am Sonnenschein, Ich freut' mich nie am blumigen Rain, Ich spielte nie im Sande. Denn wenn ich auf den Spielplatz ging, Geschrei und Lärm mich dort empfing: „Geh' weg, du schmutz'ger Jude!" Ich ging und weinte ob der Schmach, Da warfen sie mir Steine nach: „Schäm' dich, du feiger Jude!" Da faßte mich ein wilder Zorn — Ich schnitt 'nen Stecken von dem Dorn Und wollt's den Kerlen zeigen. Da rief die Mutter: „Gott bewahr'! Du bringst uns alle in Gefahr! Mein Kind, der Jud' muß schweigen! . . ." II Caf€ Pension Echsfein Semmering ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■Hl . -■• - - Strick-, Strumpf- und Wirkwaren: Lurenz M. & Sohn, „Zum Mohren", L, Bauernmarkt 18, I., Lichtensteg 5; Linzbauer Jos... IL, Taborstraße 46; Kaufhaus Währingergürtel, Stadtbahnstation Währingerstraße. Trench-Coats: Wantky & Co., VIL, Burggasse 89. Textilwaren: Hämmerte F. M., L, Franz Josefs- Kai 53. Tuche und Stoffe: Kolroser Rud., L, Schottengasse 2; Spitzhüttl Alb., L. Neuer Markt 16; Pserer Franz, IL, Taborstraße IIa; Tuchhaus „Vindobona", L, Tuchlauben 7. Uhren: Beranek Auguste, IL, Karmelitergasse 8; Bojer Th., IL, Untere Augartenstraße 20; Nikota Rud., IL, Taborstraße 15. Warenhäuser: „Wiebag", L, Stubenring 1. Wäsche: Schoißwohl Hans, VIII.. Langegasse 59; Felbermeyer & Cie., „Zum Herrenhuter" I., Neuer Markt 1. Wohnungseinrichtungen: Fehlinger Oskar jun., L, Stubenring 16. Die Barbarei im Konzentrationslager. Die Tschechoslowakische Liga zum Kampf gegen den Antisemitismus, die der Weltliga in Paris angeschlossen ist, veranstaltete in der Reihe ihrer Kundgebungen gegen die antisemitische Barbarei im Festsaal des Beth Haam einen Vortrag von Rabbiner Max Abraham, früher Rathenow und Berlin, dessen vor kurzem erschienenes Buch „Juda verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrationslager" (Druck- und Verlagsanstalt Teplitz-Schönau Ges. m. b. H.) bereits so viel Aufsehen in der Welt erregt hat Der Vortragende versicherte eingangs, daß es ihm vollkommen fern liege, irgendwelche politischen Ziele mit seinem Buch und seinem Vortrag zu verfolgen oder gar als Vergeltung für erlittene schwerste Unbill „Greuelpropaganda" zu treiben, aber da noch immer unschuldige, geistig und seelisch hochstehende Menschen in Konzentrationslagern und in Gefängnissen in grauenvoller Weise gefoltert werden, nur weil sie eine andere politische Gesinnung als die gegenwärtigen Machthaber haben oder gar nur, weil sie Juden sind, wäre es ein Verbrechen zu schweigen; es müsse das Gewissen der Welt aufgerüttelt werden dagegen, daß Menschen zu tierischem Sein herabgewürdigt werden. Die eigene Menschenwürde gebietet es jedem, in diesem Kampf nicht zu ermüden und es verhindern zu helfen, daß immer wieder Menschen in den Wahnsinn oder in den Tod getrieben werden. Rabbiner Max Abraham, der selbst in den Konzentrationslagern als Rabbinern gemartert und zutiefst gedemütigt worden war, erklärte, er sei nicht nur Zeuge der barbarischsten Foltermethoden, sondern auch Zeuge edelsten Menschentums gewesen: Viele christliche Lagerinsassen bezeugten unbeschadet der erlittenen eigenen Unbill ihren jüdischen Leidensgefährten, die als Juden noch grausamer gefoltert und tiefer gedemütigt wurden, ihre offene Sympathie. Abraham schilderte das Regime in den Konzentrationslagern, das man als ein Regime von Menschenraub und Skavenhalterei bezeichnen könne, sowie Leben und Leid der Insassen der Lager, die fast alle ein Opfer der „unsichtbaren Polizei", der Denunzianten von Beruf und Interesse sind: des faulen Schuldners, des säumigen Mieters, des neidischen Konkurrenten, des rachelüsternen Prozeßgegners usw., aller jener, die sich durch Angeberei eines unbequemen Mahners oder Konkurrenten entledigen wollten.. Besonders die jüdischen Insassen der Konzentrationslager sind die Opfer dieser „unsichtbaren Polizei". Bei tiefer Bewegtheit der Zuhörerschaft zeichnete Abraham das Martyrium der „Judenkompagnie" von Oranienburg, zu der mehrere jüdische Jugendliche des Erziehungsheims in Bolzig gehörten, und besonders des „Prominenten" der Judenkompagnie, Ernst Heilmann, ehemals Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion im Preußischen Landtag, der auf die raffinierteste und schimpflichste Weise gequält und oft bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen wurde, der — ein Scbwerkriegsinvalider — die Latrinen mit den Fingern reinigen mußte, Ja sogar gezwungen wurde, Unrat zu essen. Am erschütterndsten war die Schilderung des vergeblichen Selbstmordversuches Heilmanns im Konzentrationslager Papenburg, wo er ebenfalls Prominenter der Judenkompagnie war. Zum Schluß appellierte Rabbiner Abraham an das Weltgewissen, in dem Kampf für Abschaffung der Konzentrationslager nicht zu erlahmen. Die Taufpropaganda in Oesterreich. Der katholischen Mission in Oesterreich, die alle möglichen Wege einschlägt, um die ihr günstig scheinende Gelegenheit für Erreichung von Judentaufen zu nützen, gelang es bekanntlich sogar, den Ring der Altherrenverbände der zionistischen Akademiker zu veranlassen, einen Vortrag des Franziskanerpaters Zyrill Fischer zu veranstalten. In weiten jüdischen Kreisen wird es sehr mißbilligt, daß der Ring der zionistischen Altherrenverbände diesen Vortrag veranstaltet hat. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang erklärte dem JTA-Vertreter: Wenn Pater Zyrill Fischer in seiner durchaus vornehmen Art eine nur ganz feine und noble Missionstätigkeit entfaltet, so konnte doch auch er nicht verhehlen, daß das Endziel derKirchedieBekehrungist. Pater Fischer hat gemeint, es bestehe die Verpflichtung, die Verständigungsarbeit zwischen Katholiken und Juden parallel zu den Bekehrungsversuchen fortzufuhren. Worüber muß man sich denn mit uns erst verständigen? Sind wir etwa die Angreifer? Muß uns erst Friede gepredigt werden? Uns Verständigungsbereitschaft predigen, setzt ja voraus, daß wir auf irgendeinem Gebiete was zu konzedieren hätten. Was denn? Von unserer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung können wir nichts konzedieren, über diesen Punkt diskutieren wir überhaupt nicht. Was denn sonst soll Gegenstand einer Verständigung sein, die man uns erst zu predigen hätte? Die Verständigung hat man denjenigen zu predigen, die Angriffslust bekunden und die Macht dazu haben. Wir aber haben weder das eine noch das andere. Das sollte der zionistische „Ring" wohl auch wissen. Der Berner Prozeß. Der Experte der Angeklagten im Berner Prozeß um die „Protokolle", Oberstleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt, ist persönlich im Gericht in Bern erschienen, um in die Akten einzusehen. Bei dieser Gelegenheit wandte sich der nationalsozialistische Experte an das Gericht mit der Bitte, es möchte ihm die am 16. Dezember abgelaufene Frist zur Ueberreichung seines Gutachtens (das, wie es heißt, sehr umfangreich sein soll) um 2 Monate, d. i. bis zum 15. Februar 1935, verlängern. In Erledigung dieser Bitte hat Gerichtspräsident W. Meyer dem deutschen Experten eine Fristverlängerung bis zum 15. Jänner 1935 gewährt. Nach diesem Zeitpunkt wird der Gerichtspräsident noch darüber entscheiden, ob und welche, weiteren Zeugen einvernommen werden sollen. Unter diesen Umständen ist mit der Wiederaufnahme der Verhandlung vor Ende Jänner oder Anfang Februar 1935 nicht zu rechnen. Z. T. A.

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