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Die Wahrheit · 1934-12-14 · Heft 50 (14.12.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 50 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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„Juden in der deutschen Wirtschaft. Der „Westdeutsche Beobachter", das amtliche Organ der nationalsozialistischen Partei und sämtlicher Behörden in Köln, bringt in seiner Nummer vom 2. Dezember eine über die ganze erste Seite hinweggehende Schlagzeile: „Juden in der d e u tschenWirtschaft". Unter dieser Ueberschrift folgt ein von Leo S.chaefer gezeichneter Leitartikel, dem offenbar eine über die Person dieses Verfassers weit hinausreichende programmatische Bedeutung beizumessen ist. Der Artikel zählt die Ernährungsmögl ichkei ten auf, die den Juden in Deutschland in Handel, Gewerbe und Industrie geblieben sind; und er kündigt eine Politik an, die ihnen diese letzten Möglichkeiten wirtschaftlicher Betätigung nehmen werde. Im Anfang wird die Behauptung aufgestellt, einige Juden hätten es verstanden, „über die verschiedensten Hintertreppen und mit Hilfe gerissener .Programmdeutungsathleten' sich auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst allmählich wieder einzuschleichen, und zwar vorerst auf dem Umwege über die Operette. Man braucht da nur an Abraham (.Victoria und ihr Husar') und Benatzky (.Das weiße Rößl') zu erinnern . . . Die maßgeblichen Stellen mögen im Augenblick zurückhaltend sein, aber nur, um die treibenden Kräfte restlos zu erkennen und zu erfassen. Im neuen deutschen Geistesleben ist für rassefremde Elemente kein Platz." Der Artikel geht dann auf die Betätigung der Juden als Inhaber von kaufmännischen Firmen oder als Teilhaber an Aktiengesellschaften über. Es heißt da: „Aber auf einem anderen Gebiete blieben die Juden ,drin\ und zwar war das die Wirtschaft, ihre heimliche Domäne. Wenn auch die Bestrebungen der Regierung, durch steuerliche Vorteile die Zahl der anonymen Betriebe zu vermindern, eine teilweise Umstellung brachten, so ist das für die Unternehmungen mit vorwiegend jüdischem Kapital natürlich absolut kein Anreiz, den Schleier für ein großes Publikum zu lüften. Wieder andere Geschäfte sind allen Komplikationen dadurch aus dem Wege gegangen, daß sie sich einen arischen Strohmann genommen haben, der seinen Namen für Geld hergibt, damit der Jude ein ,rein arisches Unternehmen' hat. Ihm kann nichts passieren." Auf dem Gebiete der Börsen habe, so fährt der Artikel fort, der neue Staat die Spekulation auf „kaltem Wege" ausgeschaltet. „Mit der restlos durchgeführten Marktordnung für Brotgetreide ist eine weitere Lieblingsbeschäftigung fortgefallen." Deshalb hätten sich die Juden nunmehr auf den Handel geworfen. Der „Westdeutsche Beobachter" bedauert, feststellen zu müssen: „Der jüdische Handel blüht! Und zwar vor allem der Viehhandel . . . Wir halten es nicht für tragbar, daß mehrere Händler sich an einem Stück Vieh auf Kosten des Verbrauchers bereichern; eine Verpflichtung zur Wahrung des Existenzniveaus der Judenschaft in Deutschland aber dürfte kaum bestehen." Der Artikel nennt an dieser wie an anderen Stellen bestimmte jüdische Firmen und Einzelhändler als Beispiele, um seine Absicht, den Juden alle solche ihnen noch verbliebenen Erwerbsmöglichkeiten zu nehmen, zu erläutern. Unter der Zwischenüberschrift „Industrie und Banken" wird noch einmal erklärt, „daß die anonyme Gesellschaftsform in der Industrie die Tarnung des jüdischen Einflusses ermöglicht. Rein jüdisch sind vor allem zahlreiche Unternehmen der Textil- und Konfektionsindustrie sowie der Lederbranche. Aber auch darüber hinaus ist an der Mehrzahl der Industrien jüdischesKapital erheblich beteiligt. . . . Zahlreiche Juden sind aus den Auisichtsräten zwar ausgeschieden, aber an dem kapitalmäßig bedingten Einfluß dieser Leute hat sich nicht viel geändert. Hier wird Hoffentlich die A Irt i e n r e c h t sreform gründlich Wandel schaffen." — „Bei den Banken liegen die Verhältnisse; ähnlich. Auch hier ist ein großer Teil der Unternehmungen entweder direkt in jüdischem Besitz oder aber stark jüdisch beeinflußt" „Bitte keine unnötige Rücksicht!" mit dieser Zwischenüberschrift beginnt der die Bedeutung des ganzen Artikels noch einmal in zusammengefaßter Form kennzeichnende Schlußabsatz. Er lautet: „Es ist klar, daß auf Grund des vorstehend in großen Zügen gezeigten Bildes vom Verhältnis der Juden zur deutschen Wirtschaft mancher Nationalsozialist fragen wird, weshalb nicht rigoroser durchgegriffen wird, um alle Wirtschaftsschädlinge auszumerzen. Soweit sie zu fassen sind, geschieht das, aber die Mehrzahl findet sich in den Paragraphen des vorläufig noch in Kraft befindlichen 1 ibera 1 istischen Handelsrechts infolge langer Uebung und durch die Rasse bedingter Gerissenheit so gut zurecht daß man ihnen nichts anhaben kann. Außerdem. müssen manche Maßnahmen wegen des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit zurückgestellt werden . . ." GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl ummmmmmtmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmammmm Wim OL« MUKMUUH Nil. f nUAUi XVIII., WAMMIMW»MMS»i •* Tdtptuu Nr. A 17-3-Mu«* A M-9-34 Lteterant fOr HallaitstattaB AbteilungenfürKoscherfleisch Mtet» AarfsIsM dt« thnh Rabblaa**« *mr lar. KaHMamMlad» Wim. — Sämtliche Flelschaorira von auuchlicBltob Prim-Qualttit zu den billigsten Marktpreis» Ein Kampf um die Jugend. Der „Prager Mittag" vom 11. Dezember führt in einem „Antisemitismus" überschriebenen Leitartikel u. a. aus: Juden — raus! schrie vor ein paar Tagen in den Prager Gassen die Menge, die ausgezogen war, gegen nationalistische deutsche Studenten zu demonstrieren. Wir zweifeln nicht daran, daß die Studenten, gegen die die tschechischen Kollegen demonstrierten, gerne in diesen Ruf miteingestimmt hätten. Der Antisemitismus drängt sich vor, es gibt überall Leute, die gerne Hitler sein möchten, überall Parteien, die gerne wie die Hitler-Partei die Macht im Staate erobern wollen. Der Antisemitismus drängt sich vor, auch bei uns. Stößt er bei uns auf eine Mauer von Widerstand, auf organisierte Abwehr, auf das unüberwindliche Bollwerk aus demokratischem Geist und gesicherten Menschenrechten? Besteht bei uns die Garantie, daß die Reinheit der nationalen Kultur nicht beschmutzt werde durch Exzesse der Unkultur und Barbarei, wie wir sie in den letzten Jahren des Grauens in Deutschland — und nicht nur in Deutschland! — erlebten? Es herrscht eine gewisse Scheu, diese Fragen zu erörtern. Die unmittelbar Betroffenen schweigen, weil sie es für besser halten, nicht von sich reden zu machen. Warum schweigen die anderen, die wissen, daß der Antisemitismus nur ein Teil des Kampfes gegen die Freiheit und die Rechte aller Menschen ist und daß der Kampf gegen den Antisemitismus nicht Rassensache, sondern Menschheitssache ist? Es ist gut, zu wissen: Der Antisemitismus ist nichts anderes als die FI u c h t m a c h t g i e r i g e r Demagogen und hilfloser Diktatoren in das billigste Schlagwort, das es in dem unerschöpflichen Arsenal der Schlagworte gibt, und auch das Zauberwort „Juden — raus!" verliert mit der Zeit seine Zauberkraft, nützt sich ab, bis es eines Tages nicht mehr verfängt. Es ist gut, das zu wissen, aus der Geschichte des Antisemitismus, der Pogrome, der Ritualmordhetze. Es ist gut, aber — es genügt nicht mehr! Jede Flucht, jedes Schweigen, jede Resignation, jedes Schutzsuchen hinter anderen ist Feigheit, ist Verbrechen. Es gibt nur noch eines: Kampf! Kampf aller, die es angeht. Und dieser Kampf muß vor allem sein: Ein Kampf um die Jugend. Sie muß gelehrt werden, den Boden zu behaupten, auf dem Väter, Großväter, Urväter gearbeitet haben, sie muß die Form des selbstverständlichen Zusammenlebens finden, das geflissentlich gestört werden sollte. Sie muß aus dem Bann derer gerissen werden, die sie zu Haß und Unduldsamkeit erziehen, die ihre revolutionäre Kraft ins Reaktionäre verfälschen wollen. Richard Stranß gratuliert ... Der Herr Präsident der deutschen Reichsmusikkammer Dr. Richard Strauß sandte aus Holland, wo er eine Konzertreise absolvierte, an Reichsminister Dr. Goebbels folgendes Telegramm: „Zur großartigen Kulturrede sende herzlichsten Glückwunsch und begeisterte Zustimmung. In treuer Verehrung. Heil Hitler! Gez. Dr. Richard Strauß." Die „Kulturrede" Goebbels gipfelte bekanntlich in dem Satz: „Wir verwahren uns auf das energischeste, diesen Künstler-Typus (gemeint ist Hindemith) als deutsch angesprochen zu sehen, und buchen die Tatsache seines blutmäßig rein germanischen Ursprungs nur als drastischen Beweis dafür, wie tief sich die jüdisch-inteltektualistische Infizierung bereits im deutschen Volkskörper festgefressen hat." Europa Haben wir instinktiv von allem Anfange an die Paneuropa-Beweguna mit lebhafter Zustimmung: begleitet, so wird uns aus dem neuesten Werk ihres Schöpfers. Coudenhove-Kalergi, Europa erwache (Wien 1934. Paneuropa-Verlag,' S 11.—). das alle seine geistigen und sittlichen Vorzüge in höchster Vollendung und seine literarische Persönlichkeit auf dem Gipfel ihres Schaffens zeigt, so überzeugend als nur möglich klar, daß die Lösung des Paneuropa-Problems zu großem Teil auch die Entscheidung über unser jüdisches Schicksal in sich schließt Schon die Erkenntnis, daß Palästina selbst im günstigsten Falle nur einem Bruchteil der politisch oder wirtschaftlich entwurzelten Judenheit eine Lebensmögiichkeit bieten kann, weist uns die Aufgabe zu, mit allen Kräften an der Verwirklichung des Paneuropa-Gedankens mitzuwirken. Nur auf diesem Wege ist eine Besserung der unhaltbaren wirtschaftlichen Lage Europas zu erhoffen und damit eine Abkühlung des Chauvinismus, insbesondere seiner für uns verhängnisvollsten Spielart, des Antisemitismus. Durch eine politische Zentralisierung wäre auch der Minoritätenschutz wirksamer. Der Ausschluß Rußlands nach dem Programm Coudenhoves bannt die Gefahr einer Unterdrückung des Judentums, während auf der anderen Seite den national eingestellten Kreisen unter uns eine erhöhte Möglichkeit sich bieten würde, Palästina aufzubauen, wie die griechischen Kolonien das Mutterland unterstützen und noch heute fördern. Schlatt für Schritt entkräftet Coudenhove, in eigener Person eine glänzende Widerlegung der Rassenautarkie, die Vorurteile, unter denen Europa bis zum Selbstmord Jeidet Gegen eine Ueberlegenheit der arischen Rasse, gleichviel welche Deutung man diesem Schlagwort geben will, sprechen geschichtliche Tatsachen. Unsere europäische Kultur geht nicht auf arische, sondern vorderasiatische, nordafrikanische und! andere mediterrane Ursprünge zurück. Die meisten europäischen Genies stammen aus den stärksten Mischgebieten. Unter den deutschen sind die größten dem Typus nach nichtnordisch, wie Goethe und Beethoven. Ein Blick auf Asien mit seinen Timur Lenk, Omar, Akbar, Konfuzius, Lao- Tse, Ito u. a. enthüllt „die Ariertheorie als Ausgeburt nationaler Eitelkeit und wissenschaftlicher Halbbildung". Die Deutschen insbesondere sind westlich der Elbe zum großen Teile keltischen und vorkeltischen Ursprunges, jenseits der Elbe den Tschechen und Polen näher verwandt als den Niedersachsen und Süddeutschea Auch der Glaube anderer Völker an die Reinheit ihrer Rasse ist ein Mythos. Die Juden z. B. bilden ursprünglich eine Mischung aus Semiten, Hettitern (mit indogermanischer Sprache) und Amoritern (einer nordischen Rasse). Nach Aufnahme der verschiedensten Blutströme wurden sie infoge ihrer Abschließung ,4n einen besonderen Zweig der europäischen Rasse verwandelt". „Ganz Europa bildet eine Rasse." Trotz unausgesetzter Rassenmischung empfinden sich die Amerikaner als „einzige starke Nation". „Eines Tages werden auch die Völker Europas zur Erkenntnis kommen, daß sie Opfer eines ungeheuren Betruges geworden sind." „Europa »st auch eine Kulturgemeinschaft" Nur diese Selbsterkenntnis kann es gegen die Aufsaugung durch den Bolschewismus schützen. erwache! Doch Halbgebildete, denen die Perspektive wahrer Bildung fehlt und die nur ihre nationale Geschichte, die Weltgeschichte aber nationalverfälscht kennen lernen, können nicht begreifen, daß ein Goethe Jünger Spinozas und der größte Bewunderer" Napoleons war. Und die Zeitungen bestärken sie in ihrem Chauvinismus. „Um Leser und Abonnenten zu werben, schmeichelten sie dem Nationalismus und steigerten ihn so." Der Wirtschaftsunion stehen „gewisse Privatinteressen und politische Gegensätze" entgegen. Der Zusammenschluß kann nur durch starke Regierungen verwirklicht werden, die „weittragende Entscheidungen ohne Rücksicht auf die Opposition zu treffen" imstande sind. Wie Indien, Ostasien, Sowjetunion und Vorderasien ist Europa eine Großnation. — Der erste Teil unseres Buches zeigt die allmähliche Entwicklung dieses europäischen Gedankens, die Arbeit in seinem Dienste, die der Verfasser bisher geleistet hat, sowie den gegenwärtigen Stand der Frage. Es klingt in einen Ruf nach dem Manne aus, der für Europa das werden soll, was Cavour, Bismarck, Hamilton für ihre Völker waren. „Europa wartet auf die Krönung, der europäischen Geschichte durch'die Einigung der Europäischen Nation." Wer Coudenhove kennt und die Verhältnisse, unter denen eine solche Tat zustande kommen und Dauerndes schaffen könnte, ins Auge faßt, muß 'ihm dlarin beipflichten, daß nur ein ehrlicher Zusammenschluß Deutschlands mit Frankreich die Grundlage Paneuropas sein kann. Ist aber diese Zeit für den Messias Europas gekommen, dann ist dazu keiner berufener als — Coudenhove-Kalergi. _• Dr. Grunwald. Mahnung! Glockenruf der Uhr voll Feier klingt. Kündet, daß Zeit in die Ewigkeit sinkt. Daß der Zeiger Einkehr weise Ewig ihn die Unruh treibt In dem Uhrwerk ehern leise Rad um Rad die Mahnung schreibt: Nicht das Teilchen einer Stunde Haben nochmals wir durchlebt, Nie mehr Sprache war dem Munde, Der im Todeslall'n gebebt. Sieh4 voraus die Lebenszeit, Daß du nützest, was sie gibt, Einst ist nur die Truh4 bereit Darauf ein Hammer tickt Oskar Rosenzweig. Erstklassige Modistin mit gültigem Gewerbeschein, großem Kundenkreis und Warenkredit, sucht zwecks Miete eines Lokales Herrn oder Dame mit zirka S 3000.— Unter „Halbpart".

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