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Die Wahrheit · 1934-12-14 · Heft 50 (14.12.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 50 (14.12.1934)
Date
1934-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 unter Lästerungen und Verfluchungen des Erlösers. Wo steht das, man zeige mir die Stelle! Und ist es wissenschaftlich zu rechtfertigen, wenn man sagt, Hiel, der unter Ahab Jericho wieder aufbaute, fundamemtierte diesen Bau mit dem Ritualmord an seinen beiden Söhnen? Hören wir, was-einer der bedeutendsten Gelehrten auf diesem Gebiet darüber sagt. Zerstörte Städte und Häuser werden im Altertum vielfach mit Fluch belegt, um ihre Wiederherstellung zu verhindern. Auch aut Jericho, das in der Eroberungszeit zerstört wurde, lastete dieser Fluch. An ein freiwilliges Opfern, an;j einen Ritualmord ist also nicht zu denken, umso weniger, als wir sonst in dieser Zeit (!) keine Beispiele von Menschenopfer in Israel haben. Ein Beweis für die bekannte Sitte der Einmauerung von Menschen in Fundamenten fehlt in Israel, ja im semitischen Altertum überhaupt.*) So sieht es mit der Wahrheit dieses Buches aus, das auf derselben sittlichen und geistigen Höhe wie die Aeußerungen des angeblichen Rabbiners Moldavo steht. Welche Tücke gehört also dazu, zu behaupten, der Ritualmord sei ein tatsächliches, unbestreitbares Faktum, gegen das kein Mensch aufkommt. Hier hört jede sachüche Auseinandersetzung auf! Aus diesem Grunde können wir auch die Beschimpfungen unseres Glaubens ruhig dem Urteü der Gesitteten überlassen, die Anwürfe, unser Glauben sei ein Teufelsglauben und wir essen nur vom Baum der DEesseitskultur, der Sinnenkultur, die den Menschen von seinem letzten Seinsziel und Ursprung, vom ewig Wahren, Guten und Schönen abziehen. Aber wir fragen, glaubt man wirklich, daß man seinen Glauben dadurch hebt, indem man andere Bekenntnisse schmäht? Hat nicht jede Religion so viele schöne und wertvolle Lehren, daß wir uns freuen sollten, fn dieser leider so zerrütteten Welt der Menschheit in ihnen einen sittlichen Halt geben zu können! Will man wirklich die Schatten der düstersten Epochen der Menschheitsgeschichte wieder heraufbeschwören? Das aber tut man, wenn man das Bekenntnis anderer schmäht, wenn man nichts Heiliges mehr anerkennt, wenn man Päpste, Primase, Prälaten, Geistliche, verdiente Gelehrte nur darum herabzusetzen sucht, weil sie gegen die Lüge des Ritualmordes ihre Stimme erhoben . haben, hingegen *) Kittel: Die Bücher der Könige, Göttingen 1900,: S. 136. aber diejenigen gelten läßt, die in blindwütigem Haß oder aus Geschäftemacherei einen Wahn verbreiten, der die Menschen neuerdings mit Haß erfüllen soll. Ich habe heute über alles dies gesprochen, um zu zeigen, welch ein himmelweiter Unterschied zwischen den hohen sittlichen; Ideen der jüdischen Makkabäer und dem Geiste dieser Geschäftemacher, die sich nicht scheuen, selbst einen edlen, um die Wissenschaft hochverdienten und in Ehren ergrauten Beamten der alten Monarchie „zu schmähen und die uns Juden in einen Zusammenhang mit dem Brande des Justizpalastes bringen wollen, besteht. Und solche Menschen nennen sich gläubig und glauben allein die Liebe zum Vaterlande gepachtet , zu haben und wissen gar nicht, daß sie durch solche Bücher letzten Endes auch den Staat und seine verantwortlichen Sachwalter schmähen, indem sie ihnen ja damit vorwerfen, die Sicherheft der Bevölkerung nicht gewissenhaft genug zu schützen. Nun, unsere Tempel sind offen und stehen jedem frei, unser gesamter Unterricht wird von Direktoren und Landesschulinspektoren, die jederzeit das Recht haben, dem Unterrichte beizuwohnen, beaufsichtigt und unsere Schüler mag man ausnahmslos aushorchen, ob ihnen jemals der* Ritualmord tradiert worden ist. Warum dann diese Brunnenvergiftung? Dies alles hier darzulegen, habe ich als eine sittliche Pflicht erachtet, weil ich glaube, damit auch zur Befriedung in unserem schönen und heißgeliebten Oesterreich beizutragen und zu den Männern zu stehen, die in selbstloser, aufopferungsvoller Weise die Geschicke unseres Staates leiten. Unser Strebern geht dahin, daß der Geist der Befriedung alle Menschen erfassen möge, damit endlich das Wort des Propheten Seharja in Ml Cai€ Pension Echsfein Semmering ■■■■■■■■■■■■■■■■■■i Erfüllung gehe: Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerschaären, wird der Friedenstempel der Menschheit aufgerichtet werden. Amen! Die Rassen verleumdung. Die ungeheure antisemitische Welle, in der wir stehen, hat neben vielen großen und kleinen, alten und neuen Herabsetzungen und Angriffen, mit denen sie unser Volk überschüttet, in neuerer Zeüt zwei große Verleumdungen hervorgebracht, welche darum besonders hervorgehoben werden müssen, weil sie sich als groß angelegte systematisch vorbereitete antisemitische Aktionen' von bösester Art darstellen. Die eine beruht auf einer Primitiven und maßlos ungeschickten Fälschung — es sind dTe sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion"; die andere beruht auf einer ehenso unglaublich primitiven Irrlehre, der Lehre von der Ueberlegenheit der arischen Rasse und von der Minderwertigkeit, ja Schädlichkeit der. jüdischen Rasse. Diese beiden großen Verleumdungen haben neben der Tatsache, daß sie so systematisch und wohlüberlegt gegen uns in die Welt gesandt wurden, noch etwas anderes gemeinsam: die große UnWahrscheinlichkeit und Unglaubhaftigkeit ihrer Behauptungen und — trotzdem — den großen Erfolg. Dieser innere Gegensatz, dieser Widerspruch ist charakteristisch für den Antisemitismus überhaupt: in dieser Niederung menschlicher Beziehungen entscheidet nicht die Vernunft, im Gegenteil, die Unvernunft; es ist hier geradezu ein teuflisches „credo quia absurdum" am Werke. Je dümmer,- desto wirksamer; je unwahrscheinlicher eine Verleumdung ist, desto mehr hat sie im Gebiete der antisemitischen Hetze Erfolg. Nie darf Jrian an diese Tatsache vergessen und deshalb ist die von den Jüdischnationalen früher so vielverlästerte. „Abwehr", nach, wie vor...- notwendig, - .ja heute notwendiger denn je. In der letzten Zeit hat gegen die „PiötokoHe'fe der große internationale Abwehrkampf -unter der Führung^ defi Schweizer -Juden, endfich' «dngesetztr Es/Jstfzu,hoffen;»daß. vor dem unparteiischen Ber-' iier. .Forum. tendlich^die.^GemeHibeitdieser^Fäl*- schung ein für allemal vor aller Weft aufgedeckt werden wird. Der Kampf gegen die zweite Verleumdung ist weit komplizierter; denn es gibt kein Gericht, welches über den Wert und Unwert von Rassen entscheiden könnte, und es ist auch ken Problem, das durch Zeugenaussagen und Schriftstücke geklärt werden kann; hier kann nur echte und strenge Wissenschaft entscheiden — wo bisher der wüsteste Dilettantismus geherrscht hat. Daß auf diesen höchst fragwürdigen Ansichten! über das Wesen und den Wert der Rassen die ganze Gesetzgebung, die inhumane Verwaltung des neuen Deutschen Reiches aufgebaut worden ist, ja, daß versucht wird, auf dieser Grundlage geradezu die neue germanische Religion zu begründen — ist wieder nur ein Beweis dafür, daß auf dem Gebiete des Antisemitismus das Unwahrscheinlichste Wirklichkeit werden kann. Aber die deutsche Regierung hat nicht nur unternommen, auf dieser Grundlage ihr Haus zu bauen, sie will dieses Geschenk der ganzen Welt machen und versucht immer wieder, den Rassenverleumdungsfeldzug in die ganze Welt zu tragen. Ist es notwendig, sich dagegen zu wehren? Ist es notwendig, sich gegen eine Verleumdung zu wehren, die so absurd ist? Ja, es ist notwendig, weil ste so absurd ist. Wenn auch die Wissenschaft die Rassenmystik eines Rosenberg ablehnt, wenn auch die Geister der Welt weit entfernt davon sind, diese Lehre ernst zu nehmen — fest steht die Tatsache dagegen, daß alles Niedrige und Böse in der Welt eine ungeheure Fruchtbariceit -und Virilität hat. Stünde ein konTpletter Unsinn, der aggressiv und aktiv ist» der-Wahrheit selbst gegenüber, sofern" sich diese vornehm, ruhig und unbeteiligt verhält, so wird der Unsnm die Welt erobern und nicht die Wahrheit: Das muß für unser Verhalten entscheidend •- senr^Darnmrgenügt ^-~nich£'zni*wisseif,""da^^öse HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 * Empfiehlt sein reichhaltiges Lager feiner Stoffe und fertiger Mäntel zu billige» Preisen Lehre eine Irrlehre ist; daß alle guten Geister diese Rassenverleumdung ablehnen; die Wahrheit muß aktiv werden, wenn sie Wirklichkeit werden will; und die guten Geister müssen mobilisiert werden, wenn sie entscheiden sollen. Diese ungeheure Aufgabe, der Wahrheit gegen die Lüge zur Anerkennung zu verhelfen, hat bekanntlich der berühmte Anthropolog Dr. Zollschan auf sich genommen. Er hat erkannt, daß es nur einen Weg gibt, um der Verleumdung die Spitze zu bieten — eine internationale wissenschaftliche Enquete über die die Rassenbewertung betreffenden Fragen zustandezubringen, und hier alles zum Reden zu bringen, was der Wahrheit dient. Es soll hier keine Politik gemacht werden; die Wahrheit soll gesagt werden; aber die Wahrheit soll so gesagt werden, daß sie gehört wird. Dr. Zollschan hat diese Arbeit mit fanatischer Energie und mit ungewöhnlicher Umsicht unternommen — und man kann heute schon sagen, er ist auf dem Wege zum Erfolg. Es ist noch nicht die Zeit, seine Bemühungen im einzelnen zu schildern; es genügt festzustellen, daß es ihm gelungen ist, Verständnis zu finden; die Rassenenquete wird stattfinden. Die Welt wird zuhören. Und so wird es vieHeächt gelingen, auf dem Wege aktiver jüdischer Politik, mit Unterstützung der besten Geister der Welt und unter Mitarbeit des Judentums dieses rassischen Schändungsfeldzuges in der Welt Herr zu werden. Gemeindekammem! Die jüdischen Teilnehmer an dem Boykott- Kongreß, der dieser Tage in London tagte, haben nach Blättermeldungen beschlossen, jeden jüdischen Boykottbrecher zu boykottieren. Er soll von allen Aemtern und Würden, die eine Gemeinde oder ein Verein zu vergeben hat, ausgeschlossen werden usw. Bei dieser Gelegenheit möchte ich daran erinnern, daß ich vor 12 Jahren in jüdischen Blättern Deutschlands, wie dem „Israelit" und der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" in demselben Sinne die Errichtung von jüdischen Gemeindekammern vorgeschlagen habe. Die gegenseitige Verantwortung, die man uns Juden aufzwingt, indem man jeden Makel, der dem einzelnen Juden anhaftet, der jüdischen Gesamtheit auflädt, zwingt uns, innerhalb unserer Gemeinschaft Sittenzensur auszu>- üben und jeden, der durch sein Verhalten den jüdischen Namen verunehrt und damit den Geist der jüdischen Solidarität verleugnet, öffentlich anzuprangern und zu erklären, daß wir mit ihm nichts zu tun haben wollen. Er darf kein Ehrenamt bekleiden, nicht zur Thora aufgerufen, von ihm keine Spende für einen religiösen Zweck angenommen werden usw. Ein solcher Selbstschutz soll — nach Analogie der Aerzte- und Advokatenkammern — Aufgabe von Gemeindekammern sein. Diese würden sich aus gewählten Vertrauensmännern der Gemeinde zusammensetzen. Es scheint, daß damals, als ich diesen Vorschlag zu öffentlicher Diskussion stellte, die Zeit für seine Ausführung noch nicht gekommen war. Inzwischen dürfte sie aber dafür reif geworden sein. Der eingangs erwähnte Zeitungsbericht spricht dafür. Vielleicht treten jetzt die Gemeinden dieser Frage näher. Dr. G r u n w a 1 d. Kultureller Abend der Jugend-Union. Dienstag, den 18. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Goldsaat des Cafe Silier, U Schwedenplatz, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Benjamin Murmelstein: „Die sogenannte jüdische Mentalität" . Gäste willkommen!

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