Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 49 (7.12.1934)
- Date
- 1934-12-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Spezialhaus ffflr Wolle und Striokgarae Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Tab orslraüe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmodea -_Telephon A 49-3-69_ Aus affer Welt Rom. Der unter dem Protektorat von Papst Pius XI. vor kurzem abgehaltene erste internationale Kongreß für römisches Recht hat u. a. den Beschluß •gefaßt, in Rom eine Internationale päpstliche Akademie für römisches Recht ins Leben zu rufen, der die hervorragendsten Gelehrten auf diesem Geriete, ohne Rücksicht auf ihre Konfession angehören sollen. Zu diesem bedeutsamen Beschluß ■wurden dem JTA-Vertreter in Rom von einer hoch- •gestellten Persönlichkeit aus vatikanischen Kreisen folgende Aufklärungen gegeben: „Seine Heiligkeit, der Papst, der sich von je mit wissenschaftlicher Arbeit befaßt hat, sprach den Wunsch aus, daß in Rom eine Akademie gejbildet werde, für die die bedeutendsten Kenner des für die Kirche so wichtigen römischen Rechts verpflichtet werden sollen. Der Akademie werden Fachgelehrte ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses und daher selbstverständlich auch jüdische Gelehrte angehören. Auf dem letzten Kongreß haben jüdische Gelehrte, wie Prof. Gradenwitz, Prof. Drontheim und Prof. Taubenschlag, sich durch Referate von rjesonderer Tiefgründigkeit und wissenschaftlicher Originalität ausgezeichnet." (Prof. Gradenwitz gehört der jüdischen Konfession nicht mehr an. D. Red.) Trlest. Etwa 40 Wohnhäuser und Nebengebäude, die einst das Judenghetto in Triest gebildet haben, werden demnächst abgetragen werden, unter ihnen ihnen die 1798 erbaute Synagoge, von der aber ■wertvolle Teile dem Museum der Altertümer einverleibt werden sollen. Z. T. A. SemeindeiSnomk. Amsterdam. Königin Wilhelmine von Holland sandte an die Jüdische Gemeinde ein Schreiben, in welchem sie ihrem Mitgefühl aus Anlaß des Ablebens des Amsterdamer Oberrabbiners A. S. O nderwijzer Ausdruck gibt. Königin Wilhelmine hat den von ihr sehr geschätzten Onderwijzer oft zu sich «ingeladen. Im April 1924 besuchte sie mit ihrer Familie die Große Synagoge von Amsterdam und hörte bei dieser Gelegenheit eine Predigt des Oberrabbiners •Onderwijzer, der von dem „Jahrhunderte alten Band zwischen dem Haus Oranien und Israel" sprach. Aus Anlaß des Ablebens des Oberrabbiners Onderwijzer liefen bei der Gemeinde Beileidstelegramme vom Justizminister Dr. van Schaik, vom Gouverneur der Provinz Nord-Holland sowie von zahlreichen jüdischen "Spitzenorganisationen des In- und Auslandes ein. Berlin. Die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin befaßte sich 4nit der Festsetzung der Steuerquote für das Kalenderjahr 1934. Der Gemeindevorstand hat beschlossen, die Steuerquote wie im Vorjahre mit 20 Prozent der Reichseinkommensteuer 1933 festzusetzen. Dabei ist zu beachten, daß diese gleichgebliebene Steuerquote in Summa erheblich weniger einbringen dürfte, weil die Einkommen der jüdischen Steuerzahler im Jahre 1933 allgemein zurückgegangen sind. Trotzdem wurde von einer Erhöhung der Steuerquote Abstand genommen, dafür aber beschlossen, die Vorauszahlungen der Gemeindesteuer 1935 derart zu erheben, daß zunächst 25 Prozent der Einkommensteuern für 1933 zu Grunde gelegt werden. Todesfälle. Einen überaus schweren Verlust hat die im Wiener Judentum so berühmte und -durch ihre prominenten Persönlichkeiten so populäre Familie Oppenheim erlitten. Im 84. Lebensjahre ist am vergangenen Montag Frau Regine Oppenheim nach kurzem Leiden dahingeschieden. Sie war die Witwe nach Herrn Carl Oppenheim s. A., der ihr im Jahre 1916 nach 56jähriger liebevoller Ehe im Tode vorangegangen ist, und die Mutter der Herren Leo, Prof. Dr. Moriz und Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, sowie von Frau Rika Breitenstein. Mit Frau Regine Oppenheim ist eine prächtige Frau und gute Jüdin heimgegangen, die ihr ganzes Sinnen und Streben nur ihrer Familie, insbesondere ihren sie abgöttisch verehrenden Kindern, Schwieger- und Enkelkindern widmete. Einer angesehenen Preßburger Familie entstammend, übte sie die frommen jüdischen Bräuche bis an ihr Lebensende. Von feinfühliger Natur, gehörte ihr besonderes Interesse der Musik. Die Kunde von ihrem Hinscheiden, die überall mit großer Trauer aufgenommen wurde, hatte sich Tasch verbreitet und so waren am letzten Mittwoch vormittags zahlreiche Freunde und Bekannte der Familie Oppenheim im Trauerhause erschienen, von wo der Leichenzug nach den rituellen Gebeten des Herrn Oberkantor Fischer seinen Ausgang nahm und sich auf den Zentralfriedhof I. Tor bewegte, wo die Dahingeschiedene zu ihrem Gatten beigesetzt wurde. In seiner ergreifenden Trauerrede schilderte Rabbiner Dr. J. M. Bach all die vielen hervorragenden geistigen und menschlichen Qualitäten der edlen Verblichenen und lobte insbesondere ihren so ausgeprägten Familiensinn. Besonders stark war die Anteilnahme der „Union österreichischer Juden", von der unter Führung des Ehrenpräsidenteq.Dr. Ornstein und der Vizepräsidenten Dr. T i c h o und Dr. S t e iner sämtliche Mitglieder des Zentralvorstandes und des Klubs der unionistischen Kultusvorsteher erschienen waren, um auch auf diese Weise dem hervorragenden Vorstandsmitglied der „Union", Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim, ihr tiefes Beileid zu bekunden. Ferner sah man bei der Leichenfeier Herrn Prof. Dr. A. Pick, den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Löwenherz, Kultusvorsteher Dr. Landau, den Präsidenten der Chewra Kadischa, Dr. . Pappenheim, Dr. A. Kaminka, Reg.-Rat G. Fuchsgelb, Amtsleiter W. F r e i s t a d t u. v. a. — Am 2. d. M. ist nach längerem schweren Leiden Frau Beta Steiner, die Herausgeberin der Zeitschrift „Gewerbe - Hygiene" und langjähriges Vorstands- und Ehrenmitglied des Fachschriftstellerverbandes, gestorben. In ihr verlieren Herr Doktor Wilhelm Steiner und Frau Lisi S c h u 1 h o f ihre brave Mutter, der Fachschriftstellerverband eine eifrige Mitarbeiterin, der große Kreis von Freunden und Bekannten, den sich Beta Steiner durch ihre gewinnenden menschlichen und geistigen Qualitäten zu erwerben verstand, eine allseits hochgeschätzte Frau. Rührend war die Liebe, mit der sie an ihrem ihr vor 14 Jahren im Tode vorangegangenen Gatten Kaiserlicher Rat Viktor Steiner hing, dessen Grab sie seit seinem allzu frühen Tode jeden Sonn- und Feiertag besuchte. Die Beteiligung an ihrem Leichenbegängnisse war eine ganz kolossale, was die Sympathien bewies, die die Verblichene mit Recht genossen hat Besonders stark war die Beteiligung des Fachschriftstellerverbandes, dessen Präsident Konun.-Rat Fischer der Heimgegangenen einen ihre hingebungsvolle Mitarbeit rühmenden Nachruf hielt. Sehr ergreifend war die Trauerrede des Rabbiners Dr. J. Bach, die kantorale Funktion hatte Oberkantor M. M a t y a s inne. Der Israelitische Tempelverein Mariahilf- Neubau, VI., Schmalzhofgasse 3, feiert am Freitag, den 7. d. M., das schöne Fest des 50jährigen Bestandes seines Tempels, aus welchem Anlasse bei dem um 15 Uhr 45 Minuten beginnenden Gottesdienst Rabbiner Prof. Dr. I. Drobinsky eine Festpredigt halten wird. Trauungen. Sonntag, derr £7. v. M., fand im Seitenstettentempel die Trauung des Fräulein Grete S t ö ß- 1 e r, Tochter des Herrn Komm.-Rat Gustav S t ö ß 1 e r, mit Herrn Agrarier Ludwig Engel statt Trotzdem keine Verständigungen ausgegangen waren, war der Tempel voll mit Gästen, was die große Sympathie bewies, deren sich insbesondere der iür jüdische Angelegenheiten sehr eifrig interessierte Brautvater — er ist unter anderem auch Vorstandsmitglied der „Union" — in weitesten Kreisen erfreut. Die Trauung vollzog Rabbiner Dr. M. Rosenmann, der eine überaus herzliche Ansprache hielt in der er Herrn Komm-Rat G. Stößler als Beispiel jüdischer Pflichttreue und Arbeitseifers mit lobenden Worten würdigte. — Sonntag/ den 2. d. M. fand im Seitenstetten- Tempel die Trauung des Fräuleins Margarethe Thiemann, Tochter des Chorherrn im Stadttempel, Herrn Hermann Thiemann. mit Herrn Paul Stern statt Die Trauung vollzog Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, der an das Brautpaar eine besonders herzliche Ansprache richtete. Die kantorale Funktion versahen die beiden Oberkantoren Matyas und Fischer mit Chor und Orgel in feierlicher Weise. Die überaus große Zahl der Anwesenden zeugte für die allseitigen Sympathien, deren sich der Brautvater erfreut, der als Mitglied des Opernchores vom Bundespräsidenten für seine mehr als dreißigjährige verdienstvolle Tätigkeit die große goldene Ehrenmedaille erhalten hat Nach der Trauung vereinigte in dem großen Saale des Club Espagnol eine festlich geschmückte Tafel das Brautpaar, dessen. Angehörige und Freunde zu einer gemütlichen Jause, an der auch hervorragende Künstler teilnahmen. Die Sänger Reicbmann und Schellkann brachten Lieder und Arien mit herrlicher Stimme und hinreißender Wirkung zum Vortrage und wurden stürmisch akklamiert Kapellmeister Kurt Fuchsgelb entzückte die Zuhörer mit seinen in virtuoser Künstlerschaft gebotenen Geigenvorträgen. Großen Beifall fand auch die Schwester der Braut die Pianistin Fräulein Thiemann mit ihren feinen Klaviervorträgen. 65. Geburtstag. Herr Jakob Morgenstern, Obmann mehrerer jüdischer Wohltätigkeitsvereine, feierte am 28. v. M. im Cafe Nizza im Freundeskreise seinen 65. Geburtstag. Zahlreiche Vertreter jüdischer humanitärer und religiöser Vereine „Jüdische Gewerbetreibende", „Brautausstattungsverein", „Mikdosch m'at", „Isr. Krankenunterstützungsverein", „Witwen- und Waisenverein", „Chesed Schel Emes". „Ferienheim", „Hilfsverein", „Vereinigung für soziale Fürsorge" waren erschienen. In ihrem Namen sprachen die Herren Stapler, Buchsbaum, Stanger, Stephanides, Timym und Dr. Brünauer, die dem Jubilar die herzlichsten Gratulationen ausdrückten. Außerdem haben die Vereine „Hilfsverein" und „Vereinigung für soziale Fürsorge" durch ihre Obmänner Dr. Brünauer und Timym, welch letzterer das Fest leitete, Herrn Morgenstern für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Charitas Ehrendiplome überreicht. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 80. Geburtstag. Am 4. v. M. feierte der „Verein abstinenter Frauen" den 80. Geburtstag seiner langjährigen Präsidentin, Frau Emilie Kassowitz, im Cafe „Hohe Warte", wo sich aufler den Mitgliedern auch Abgesandte und Mitglieder anderer Abstinenzvereine versammelten. Nach der Begrüßung durch Frau Josefine Winter nahm Altbundespräsident Dr. Hainisch das Wort und pries das Wirken der Jubilarin in launiger Rede. Nach ihm gratulierten Frau Marie Hoheisl als Vertreterin des Bundes österreichischer Frauenvereine, Dr. Paschkis für die Guttempler, Dr. Gabriel für die abstinenten Aerzte, Lehrer Ei eher für den Bund abstinenter Erzieher und Frau Feichtinger als Vertreterin des Bundes abstinenter Frauen in Oesterreich. Prof. Dr. Longo feierte Frau Prof. Kassowitz als Gattin des unvergeßlichen Prof. Max Kassowitz, des ersten, der gegen die Seuche des Alkoholismus auftrat, und als Mutter vieler ausgezeichneter Kinder, vor allem der hochbegabten Julie Schall-Kassowitz, die die Antiatkoholbewegung in Oesterreich begann und uns leider allzufrüh entrissen wurde. Dr. Kurz sprach eindrucksvoll über Frau Kassowitz' Wirken gegen den Alkoholismus. Es folgte die Verlesung eines Glückwunschschreibens Alice Masaryks, der Tochter des Präsidenten der Tschechoslowakei, die der Jubilarin die Gratulation ihres Vaters übermittelte; von Frau Marianne Hainisch war ein langer, herzlicher Brief an Frau Kassowitz gelangt Fräulein Clärchen Fröhlich rezitierte nun künstlerisch zwei humoristische Glückwunschgedichte von sich selbst und Dr. Felix Rosenthal, letztgenannter spielte einen eigenen Marsch und begleitete Frau Frankenstein zu einigen Liedern, und zum Schluß erfolgte die lustige Aufführung eines Kinderstückes durch die Zöglinge der Guttempler. J. W. Der jüdische Witwen-, Walsenhilis- und Aus. speise-Verein im IX. Bezirk (Obmann Josef Klein, IX., Hahngasse 12) veranstaltet anläßlich der Eröffnung der Ausspeisestelle am Samstag, den 8. Dezember, um 8 Uhr, im Cafe Promenaden, IX., Roßauerlände 27. eine Festversammlung. Der Verein „Krankenbesuch" (Bikur Chaulhn) veranstaltet zu Gunsten seiner Winterhilfe- und Kohlenaktion am Sonntag, den 9. Dezember um 4 Uhr nachmittags im Hotel Continental, IL, Taborstraße, eine Wohl tä tigkeits-Jause mit Vorträgen. Die Namen: Hugo Knepler, Else Kaufmann, Emmy Wollner unter vielen anderen Künstlern verbürgen einen schönen Nachmittag, dessen Reingewinn Hilfe und Linderung den notleidenden Armen und Kranken bringen soll. Entree inkl. Jause S 2.60 an der Kassa und bei allen Vorstandsdamen des Vereines. Jüdische Bühne, II., PraterstraBe 60. Telephon R -13-4-59. Ab Freitag, den 7. Dezember, %9 Uhr abends; „Die fröhliche Mischpoche", Musikalische Komödie in 4 Akten von M. Schwarz, Musik von Olschanetzky. — Samstag, den 8. Dezember, J44 Uhr nachmittags: „A Chasen — A Chuchem", Musikalische Komödie in 4 Akten. — Sonntag, den 9. Dezember, YtA Uhr nachmittags: „Die fröhliche Mischpoche". Musikalische Komödie in 4 Akten. JüdischeSiedlungsgenossenschaft „Haarez". Am 26. November fand im Cafe Zentral eine Zusammenkunft der Siedlungsinteressenten, die auf Grund des auch in diesem Blatte veröffentlichten Aufrufes sich gemeldet hatten, unter Vorsitz des Obmann- Stellvertreters Nathan Pollak statt Herr Pollak erstattete ein eingehendes Referat über den Stand der bisher unternommenen Schritte. Es ist die Erwerbung eines für Siedlungszwecke geeigneten Bodens im Marchfeld in der Nähe Wiens beabsichtigt, der aus, Freundeshand um 22 Groschen per Quadratmeter zu haben wäre. Es sollen für den Anfang 50 Joch erworben werden und auf diesen 100 Siedlungsstätten (also zwei Siedler für ein Joch) errichtet werden. Eine Option soll für die Erweiterung des Siedlergrundes erworben werden. Für den Kauf der ersten 50 Joch ist ein Betrag von zirka S 50.000 nötig, der als Freundschaftsgeld oder durch eine Bausparkassa beschafft werden soll. Für die ersten 100 Siedler sollen vom Bund für den Hausbau je S 4500.— unter den gesetzlichen Bedingungen auf 30 Jahre gegen 4 Prozent amortisierbar angesprochen werden, während die Kosten der Einrichtung sowie der Landwirtschaftsgeräte und des Saatgutes von rund S 1000.— vom Siedler eingebracht werden sollen. Eine Unterstützung wird durch den Umstand erhofft, daß die Erzeugnisse der beabsichtigten jüdischen Lehrwerkstätten an Bauutensilien, Tischler-, Spengler- und Schlosserarbeiten beim Siedlungsbau Verwendung finden können, weiters durch den Umstand, daß durch die Nähe Wiens der Verkauf der überschüssigen Erträgnisse des Bodens an Gemüsen, Obst etc. an jüdische Ausspeisungsinstitute möglich sein wird. Es ist vorgesehen, den Siedlern praktische Unterweisung sowie Lehrunterricht ständig zu erteilen, weiters eine Kontrolle über die Arbeiten jedes einzelnen Siedlers und dessen Erfolge in der