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Die Wahrheit · 1934-12-07 · Heft 49 (7.12.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 49 (7.12.1934)
Date
1934-12-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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ME WAHRHEIT Seite 5 Das problematische Palästina. Herr Sokolow ist enttäusdit Nahum Sokolow, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und der Jewish Agency, gewährte vor seiner Abreise aus Palästina dem Redakteur der hebräischen Tageszeitung „Doar Hajom" ein Interview, in dem er ausführte: Die englische Verwaltung in Palästina ist in der Behandlung des jüdischen Problems als ganzes und der Frage der jüdischen Einwanderung im besonderen allzu zaudernd und allzu konservativ; ich bin über diese Haltung der Engländer sehr enttäuscht. Mehr Ermutigung für Juden, die in das Heilige Land kommen wollen, erhöhte Möglichkeit für die Teilnahme von Juden an den öffentlichen Arbeiten der Regierung und an der öffentlichen Verwaltung, sowie ein erhöhter Beitrag der Regierung für das jüdische Unterrichtswesen sind dringend zu wünschen. Die Regierung, fuhr Sokolow fort, will eine loyale Haltung einnehmen; ich glaube nicht an die spekulative Behauptung, daß die Regierung sich anstrengt, den Antagonismus zwischen Arabern und Juden zu verstärken. Aber in der Frage der jüdischen Einwanderung herrscht viel zu viel Konservatismus; hier müßte ein Wandel eintreten. Zur arabischen Frage sagte Sokolow: Soll ein Friede zwischen Arabern und Juden eintreten, müssen die Araber zuerst das Mandat und das, was im Mandat einbegriffen ist, anerkennen. Sie müssen das Recht eines Volkes, wieder eine Nation zu werden, anerkennen. So lange die Araber sich weigern, das Recht der Juden, sich in Palästina seßhaft zu machen, anzuerkennen, kann ein wahrer Friede nicht bestehen. Sokolow erklärte, der Plan der Einführung einer Legislative Assembly sei übereilt, die Zeit sei noch nicht reif für einen solchen Schritt, die Juden widersetzen sich diesem Plan. * Was ist mit dem Legislative Council? „Near East and lndi a", das Organ des Britischen Koionialamtes, führt in einem Bericht aus Jerusalem die Meldungen über einen angeblichen Entschluß der Palästinaregierung, vorläufig nicht an die Verwirklichung des geplanten Legislative Council heranzugehen, auf die Neuorientierung der arabischen Politik nach der Niederlage des früheren Bürgermeisters von Jerusalem Raghed Bey Nashashibi bei den letzten Stadt ratswahlen zurück. Diese Niederlage habe auch dazu geführt, daß die Anhänger der Nashashibi-Partei, mit deren Beteiligung am Legislative Council die Regierung gerechnet hatte, jetzt nicht mehr bereit sind, in eine solche Körperschaft einzutreten. Es sei somit im Hinblick darauf, daß jetzt nicht nur die Juden, sondern auch die Araber gegen die Einsetzung des Council sind, eine völlig neue Situation geschaffen worden. Reuter meldet dagegen aus Jerusalem: Der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope hat bekanntgegeben, daß er in Kürze Verhandlungen mit arabischen und jüdischen Führern zwecks Festsetzung des Rahmens und' der Kompetenz der geplanten Legislative Assembly for Palestine einleiten werde. * Die Palästina-Regierung hat das Budget für das Verwaltungsjahr 1935 mit £ 5,000.000 festgesetzt: 1935 betraf das Budget eine Summe von £ 3,500.000. * Neue jüdische Siedlung in Palästina. Im Namen der Palästina-Exekutive der Jewish Agency hat der Leiter des politischen Departements MoscheShertok die Konzession zur Besiedlung des Huleh-Gebietes in Nordpalästina offiziell übernommen. Damit ist eine bedeutsame neue Etappe jüdischer Großkolonisation in Palästina erreicht. Das Gebiet umfaßt 57.000 Dunam, davon entfallen 17.000 Dunam auf den Meromsee. Für die Ansiedlung von Juden sind 34.000 bis 37.000 Dunam bestimmt; auf diesem Boden sollen etwa 7000 Familien seßhaft gemacht werden. Der Rest ist für die Ansiedlung der Araber des Gebietes reserviert. Die Juden haben die Verpflichtung übernommen, die Ent- und Bewässerungsarbeiten auf dem ganzen Komplex, einschließlich des arabischen Teils, durchzuführen. Mit der Uebernahme der Konzession hat die gegenwärtige Exekutive der Jewish Agency die Verhandlungen über dieses Gebiet abgeschlossen, die seinerzeit von Dr. Weizmann mit Unterstützung Dr. Arlosoroffs eingeleitet worden waren. Mit den Drainagearbeiten im Huleh- Gebiet wird bereits in allernächsterZeitbe- ™ KONVERSION ™ VOLKERBUND ANLEIHE IN DIE GARANTIERTE ÖSTERREICHISCHE KOmrERSIONSANLEIHE t934jx959 BIETET EIN INTERNÄTIONAI» GARANTIERTES, WERTGESJCHERTES ANLAGEPAPIER MIT EFFEKTIVER VERZINSUNG VON ' gönnen. Diese Arbeiten werden innerhalb dreier Jahre beendet sein, und zwar so. daß in jedem Jahre ein Drittel des Bodens trocken gelegt und besiedelt wird. Die Beschaffenheit des Bodens ist bereits erforscht, derselbe eignet sich hervorragend für alle Arbeiten von Bodenkultur. Das Gebiet liegt an der syrischen Grenze, aber ganz auf der palästinensischen Seite. Z. T. A. „Kleinliche Angelegenheiten." Im Gebäude der philosophischen Fakultät der Budapester Universität versammelten sich am vergangenen Samstag einige hundert Studenten, um anläßlich der Ueberreichung der jugoslawischen Denkschrift an den Völkerbund eine Kundgebung zu veranstalten. Bevor es aber zu der beabsichtigten Kundgebung gegen Jugoslawien kam, wurde eine Demonstration gegen die jüdischen Universitätshörer veranstaltet. Die Studenten drangen in zwei Hörsäle ein und drängten die jüdischen Hörer aus ihnen hinaus. Hierauf begaben sich die Studenten in den Garten der Universität, wo einige Reden gehalten wurden. föaden bei Wien ROLLETGASSE 7 / HERMINE EICHNER Sehr nette Zimmer, mit and ohne Pension, streng rituelle Küche, Zentralheizung, fließendes Kalt- und Warmwasser, billige Preise, ganzjährig geöffnet. Auf diese Geschehnisse hin ließ der Dekan der philosophischen Fakultät die T6re des Gebäudes schließen, so daß man die ünivershät nur nach Legitimierung betreten konnte. Der Hauptredner der Studentenschaft n i ßbilligte die Ausschreitungen gegen die jüdischen Kollegen und erklärte, es sei jetzt k e i n e Z e i t, sich m i t „k 1 e i n 1 i c h e n A i:- gelegenheiten" wie antisemitischen Krawallen zu beschäftigen, sondern es sei viel wichtiger, eine eindrucksvolle Demonstration gegen die Genfer Geschehnisse abzuhalten. Die Not der polnischen Jadenschaft. In der letzten Zeit breitet sich unter der jüdischen Bevölkerung Polens wiederum eine Selbstmord-Epidemie von bedrohlichem Umfang aus. Die Tageschronik weiß täglich von ' einer Reihe von Selbstmordfällen unter den Juden Warschaus und der Provinz zu melden, wobei das Selbstmordmotiv fast ausnahmslos wirtschaftliche Not ist. Für das unter der jüdischen Bevölkerung herrschende Elend ist es charakteristisch, daß sich unter den Selbstmördern sogar Chassidim befinden, die bei ihrem Selbstmordentschluß schwerste religiöse Bedenken niederkämpfen mußten. * 700 jüdische Studenten, die nicht imstande sind, die Inskriptionstaxen für das laufende Semester zu bezahlen, zogen korporativ zum Hause der Warschauer Jüdischen Gemeinde, wo sie sofortige Hilfe verlangten, um nicht ihre Studien unterbrechen zu müssen. Während die Studenten die Büros der Gemeinde belagerten, fand eine außerordentliche Sitzung der Gemeindeverwaltung statt, die äußerst stürmisch verlief und in der den Studenten ein Sonderbetrag von 5000 Zloty, ein völlig unzureichender Betrag, bewilligt wurde. Starke Polizeiabteilungen verdrängten die Studenten aus dem Gemeindehaus. Es wurden keine Verhaftungen vorgenommen. * Vor längerer Zeit wurde eine Verordnung betreffend die Umstellung der Bäckereien auf mechanischen Betrieb erlassen, dessen Bestimmungen jetzt erst zur Durchführung kommen und die Existenz der meisten jüdischen Bäckereibetriebe in Frage stellen. Die jüdischen Bäckereien sind fast ausnahmslos außerstande, die für die geforderte Umstellung notwendigen Investitionen vorzunehmen, una werden daher die Betriebe schließen müssen. In Lodz allein wurden auf Grund der Verordnung zehn Bäckereien, hievon neun jüdische, geschlossen. Stinkbomben im polnischen Boykottkampfe. Aus verschiedenen Städten der polnischen Provinz treffen Meldungen ein, daß der Boykottkampf der jetzt unterirdisch arbeitenden Radikal-Nationalen gegen den jüdischen Handel immer schärfere terroristische Formen annimmt. In Kiele haben unerkannt entkommene Huligans Stinkbomben in mehrere jüdische Geschäfte, Kinos und in die Lokale gesellschaftlicher Institutionen geschleudert, wodurch Waren und Inneneinrichtung wertlos gemacht wurden. Zwei christliche junge Leute, die eine Flasche mit stinkender Flüssigkeit in den Obstladen von Hirsch Minz geschleudert haben, konnten verhattet werden. Eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde ersuchte den Starosta von Kiele, energischere Maßnahmen gegen die Boykott-Terroristen zu ergreiien. In Wawrze bei Warschau wurden 13 Radikal- Nationale verhaftet, die beschuldigt werden, eine Bombe in die Apotheke des Juden Grünberg geschleudert zu haben, durch die der A p o t h e k e r Grünberg sehr schwer verletzt wurde. Die Verhafteten haben auch in die Wohnune des Juden J. Friedmann eine Bombe geschleudert, durch die die Wohnung zerstört wurde. Der jüdische Weltkongreß. Das „Executive-Comite des Comite des Delegations Juives und das Executive-Comite für den Jüdischen Weltkongreß" teilt der J. T. A. auf ihr Anfrage bezüglich der Bedeutung der von dem American Jewish Congress gefaßten Beschlüsse folgendes mit: Die Beschlüsse des Administrative Committee des American Jewish Congress stellen keinesfalls eine Preisgabe des Gedankens des Jüdischen Weltkongresses dar, wie die Presse es mehrfach dargestellt. Die Beschlüsse sind vielmehr dem Wunsch entsprungen, die Vertretung des Weltjudentums, die der Weltkongreß verwirklichen soll, möglichst umfassend und repräsentativ zu gestalten. Diesem Zwecke dienen die Verhandlungen mit dem American Jewish Committee, der Bne Briss und anderen jüdischen Organisationen in Amerika, die sich bisher nicht für den Weltkongreß ausgesprochen haben, und zwar sollen diese Verhandlungen bis zum 1. Februar 1935 abgeschlossen werden. Die Verhandlungen sollen klarstellen, ob diese Organisationen sich an der Bildung eines Council of Jewish Delegations beteiligen wollen. Dieser Council soll dann endgültig und für alle bindend über die Einberufung des Weltkongresses entscheiden, wobei darauf hinzuweisen ist, daß alle im Comite des Delegations Juives vertretenen europäischen Judenheiten und Gruppen, wie auch der American Jewish Congress als solcher sich schon immer für die schnellste Einberufung des Weltkongresses ausgesprochen haben. Sollten die Verhandlungen in Amerika zu keinem Ziele führen, so würden die in den Wahlen am 28. April 1935, die unter allen Umständen in Amerika stattfinden, gewählten Delegierten des American Jewish Congress die amerikanische Vertretung zum Weltkongreß designieren. Wie sich daraus ergibt, betreiten die Beschlüsse des American Jewish Congress sowie die bevorstehenden Verhandlungen mit den anderen amerikanischjüdischen Gruppen überhaupt nicht die Kongreßbewegung in Europa und in den anderen überseeischen Ländern. Die europäischen Vertretungen zum Weltkongreß werden in unveränderter Weise auf Grund der auf der Genfer Jüdischen Weltkonferenz gefaßten Beschlüsse gewählt, das heißt in demokratischer Form. Der Weltkongreß wird 1935 einberufen werden. Das Executive-Comite wird es natürlich begrüßen, wenn auch die jüdischen Organisationen in Amerika sowie in anderen Ländern, die bisher noch abseits stehen, für den Gedanken einer demokratisch gewählten Repräsentanz des Weltjudentums gewonnen werden könnten, die heute notwendiger ist denn je, und die nur durch den Weltkongreß ganz verwirklicht werden kann. London. Das englische Königspaar hat zu den Feierlichkeiten anläßlich der Vermählung des Herzogs von Kent mit der griechischen Prinzessin Marina eine Anzahl hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen den Oberrabbiner des Britischen Reiches, J. Hertz, den früheren Vizekönig von Indien und britischen Außenminister, Lord Reading und die Mitglieder der Familie Rothschild geladen. Diese nahmen auch an dem offiziellen Empfang für die Ehrengäste — vorwiegend Fürstlichkeiten aus den regierenden Häusern Europas — teil. Bei dieser Gelegenheit überreichte Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz dem Brautpaar ein Exemplar seines berühmten ..Book of Jewish Thoughts", das unter dem Titel ..Jüdische Gedanken und Gedanken über das Judentum" auch ins Deutsche übersetzt worden ist, als Hochzeitsgeschenk.

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