Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 48 (30.11.1934)
- Date
- 1934-11-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Mattathias. Du warst erfüllt von hohem Heldenmut, Durchtränkt Dein Wesen von des Adels Würde; Du ragtest wie ein Fels aus trüber Flut, Es fiel von Dir des Alters Bürde: Dein Feuergeist die Jugend kühn durchdrang, Sie fühlt die Brust in Hoffnungsglück erbeben. Der Freiheit Morgenruf so süß erklang Und freudig gab sie hin ihr Leben. Dein Glaube wars, der Dich m tiefster Not Den Weg durch Nacht zum Licht ließ schauen. Der unbeirrbar Dir gebot, Auf Gottes Retterhand vertrauen. Durchglüht von heH'ger Glaubenskraft Das Wunder konnte nur gelingen.-- Jahrtausende im Flüg dahingerafft. •--- In Andacht wir das „Moaus zur" heut singen. Lebendig strahlt der Makkabäer Bild. Und während rings die Lichter still zerfließen Dem Herzen tiefe Dankesschuld entquillt, in Ehrfurcht wir die tapfern Helden; grüßen. B. B. Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang ein Siebziger. Am 27. November feierte der allseits hochverehrte Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang seinen 70. Geburtstag. Ueber seinen ausdrücklichen Wunsch unterblieben alle Ehrungen und auch wir müssen uns im Sinne des geschätzten Jubilars auf eine kurze Würdigung seines ruhmreichen Werdeganges beschränken. Die Glückwünsche jedoch, die wir damit aus vollem Herzen verbinden, sind die der gesamten Wiener Judenschaft, die eine tiefe Verehrung für die hervorragende Persönlichkeit des Herrn Oberrabbiners besitzt. Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang wurde am 27. November 1864 in Nikolsburg in Mähren geboren. Seine Eltern stammen aus Bayern, sein Vater, ein bedeutender Talmudgelehrter und Rabbiner in Oettingen in Bayern, war der erste bayrische Rabbiner mit dem Doktorgrad. Sein Großvater mütterlicherseits war Talmudgelehrter und reicher Großgrundbesitzer. Sein Urgroßvater war ein Handwerker (Siebmacher) und Gutsbesitzer zugleich. Dr. Feuchtwang studierte in Wien und Berlin. Im Jahre 1892 wurde er Nachfolger seines Vaters Meir Feuchtwang in Nikolsburg und 1903 Rabbiner im 18. Wiener Gemeindebezirk. Im Jahre 1933 wurde er Oberrabbiner von Wien. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang hat eine Reihe von wissenschaftlichen Werken veröffentlicht, so zum Beispiel „Nachum im Lichte der Assyriologie" <1888), 6 Bände Kanzelreden (1902 bis 1906), „Zur Aufklärung über Babel und Bibel" (1903), „Das Hebräische und wir" (1908), „Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien", „Der Tierkreis in der Tradition und im synagogalen Ritus des Judentums", „Studien zum Buche Ruth" (1925), „Ueber den Sabbath" (1926) usw. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang erfreut sich nicht nur in allen Schichten der Wiener Judenschaft, sondern auch in christlichen Kreisen außerordentlicher Wertschätzung und hat wiederholt mannhaft in Wort und Schrift gegen die antisemitische Hetze Stellung genommen. Es ist der innige Wunsch der Wiener Judenschaft, daß es ihm noch lange gegönnt sein möge, sein schweres Amt in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit zum Nutzen und Frommen der Wiener Gemeinde auszuüben. Versammlungen der „UNION''. Jugend-Union Dienstag, den 4. Dezember, präzise Uhr abends, Goldsaal des Cafe Silier, L, Schwedenplatz. Dr. Leo Deutschländer: „Die Glanzperiode des spanischen Judentums"'. * * * Donnerstag, den 6. Dezember, 8 Uhr abends, Spiegelsaal des Hotel-Restaurants Continental, IL, Praterstraße 7 (Eingang auch Große Mohrengasse). Vizepräsident Dr. Karl Steiner und Reg.-Rat Dr. Max Lenk; „Ritualmordhetze auch ■ei uns?" Snezialhaua für Wolle und Strickgarne Noritz Nagel Wien, 2. Bez., TaborstraJ&e Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ Die „Union österreichischer Juden" hat gegen verschiedene Ankündigungen des Antisemit e n b u n d e s, die sich auf dessen jetzt wieder einmal besonders rege Versammlungstätigkeit bezogen und Stellen aufwiesen, die eine Beleidigung der jüdischen Religion und eine Aufreizung zum religiösen Hasse beinhalten, bei den zuständigen Behörden entsprechende Schritte eingeleitet. Namentlich geschah dies gegeni ein Plakat, das zum Besuche einer Versammlung des Antisemitenbundes im 10. Bezirke einlud und infame Verdächtigungen der jüdischen Glaubenslehre enthielt. Die Beschwerde der „Union" ist an der kompetenten Stelle anhängig, eine dringliche Behandlung derselben ist der „Union" zugesagt worden. Die Jüdische Volkshochschule, über deren Programm wir letzthin berichteten, wurde am vergangenen Montag im Festsaal des Stadtschulrates eröffnet In Vertretung des Staatssekretärs Doktor Perntner war Sektionisrat Dr. Wolf, in Vertretung des Präsidenten des Wiener Stadtschulrates Hofrat Dr. B r o n n e r erschienen. Nebst zahlreichen anderen Delegierten jüdischer Organisationen nahmen Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang, der Kultuspräsident Staatsrat Dr. Friedmann und der Bundeskulturrat Hofrat Dr. S. Frankfurter an dem Festakte teil, der von dem Referenten für jüdisches Volksbildungswesen, Prof. Dr. K. Kupfer, mit eSner Eröffnungsansprache eingeleitet wurde, in der er nach einem historischen Rückblick auf die bisherige Wiener jüdische Volksbüdungsarbeit das Programm der Jüdischen Volkshochschule entwickelte, die in der Mädchenrealschule, IL, Novaragasse 30, untergebracht ist und in der vorläufig 25 Kurse abgehalten werden. Der VolksbMungsreferent der Stadt Wien, Prof. Dr. Lugmayer, führte aus, wie notwendig die positive Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis der Konfessionen in dieser Zeit sei, und sprach den Wunsch aus, daß die neue Institution auch zu diesem Ziele beitrage. •Kultuspräsident Dr. D. Friedmann charakterisierte die bisherige Tätigkeit der Kultusgemeinde auf dem Gebiete der jüdischen Volksbildung, die durch die Jüdische Volkshochschule hoffentlich eine wirksame Ergänzung finden werde. Er sicherte die Unterstützung der Kultusgemeinde der neuen Institution zu, aUerditags in der Erwartung, daß dieselbe stets im Einvernehmen mit der Kultusgemeinde arbeiten werde. Oberrabbiner Dr. D. Feucht wang hielt einen historischen Rückblick über die Entstehung jüdischer Volksbildungsstätten. Es sprachen noch Sekäonsrat Dr. Wolf, der die Grüße des verhinderten Staatssekretärs Doktor Perntner übermittelte, Hofrat Dr. Bronn,er im Auftrage des Präsidenten des Stadtschulrates und Hofrat Dr. S. Frankfurter. Zum Schlüsse hielt Prof. P a p o ein instruktives Referat über die Grundlagen und Ziele jüdischer Volksbldungsarbeit. Wir werden die Arbeiten der Jüdischen Volkshochschule mit Interesse verfolgen und hoffen, daß sie den kulturellen und geistigen Ansprüchen der gesamten Wiener Judenschaft gerecht werden wird. Aus der braunen Hölle. Anläßlich der Oranienburger Herbstmesse verbot die Polizei den Juden die Ausstellung ihrer Waren auf dem Messeterrain und wies ihnen einen eigenen Platz fern der Messe an. Auf Proteste mehrerer Konsulate, die die Interessen ausländischer jüdischer Aussteller vertragen, hin wurde schließlich den ausländischen jüdischen Kaufleuten und deutschen Juden, die Frontkämpfer waren, erlaubt, auf dem Messeterrain auszustellen. Inzwischen aber war das Hauptgeschäft der Messe vorbei, so daß die Juden ihre Verluste lange nicht mehr hereinbringenkönnen. .# Nachdem im Juli d. J. die Zahlen über die Auswirkungen des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933, für das Land Preußen veröffentlicht worden sind, gibt die „Juristische Wochenschrift" nunmehr eine Aufstellung über die Zahl der gesamten deutschen Anwälte am Ende des Jahres 1933. Darnach waren Ende des Jahres 1933 18.053 Rechtsanwälte in Deutschland zugelassen: 2900 davon waren Nichtarier. Die Zahl der Nichtarier war in den einzelnen Oberlandesgerichtsbezirken verschieden. Durchschnittlich betrug sie etwas mehr als 10 Prozent. In Berlin waren von 2849 Rechtsanwälten 1178 Nichtarier. Am geringsten waren die Nichtarier im Oberlandesgerichtsbezirk Rostock mit 5 von 228 Anwälten vertreten. Auch in Dresden waren von 1725 Anwälten nur 76 nichtarisch. Beim Reichsgericht in Leipzig befanden sich am Stichtag unter den 24 Mitgliedern der Anwaltskammer zwei Nichtarier. Chanukka. Eine lichte Glaubenskrone Strahlte vor dem Berge Sinai Auf dem Haupt des ganzen Volkes, Das gesprochen hatte: „Folgen wollen wir und hören". Nicht das Für und Wider prüfen. Seither leiden wir Verfolgung Und die Helden sind Legionen, Die den Weg zum Tode schritten Um dem Namen Gottes Heiligkeit zu geben. Sterben sah die fromme Hanna Ihre sieben Söhne, Eh' sie selbst zu Grabe stieg, Grimmer Haß lag in den Zeiten, Da zur Einigkeit Der greise Mattithjahu mahnte. Brüder! Schwestern! Enkel solcher Ahnen! Folgt auch dem Ruf Des frommen Priesters, So wie's einst die Makkabäer taten, Seine glaubensstarken Söhne. Ist uns nicht genug von außen Schon der großen Not geworden? Laßt den Hader doch in unsern Reihen! Denn in Frieden nur Verheißt uns Gott den Segen. Chanukka beginnen möge Mit dem Leuchten von acht Kerzen, Daß allmählich, bis zum letzten Tage Nur ein Lichtlein übrig bleibe, Sinnbild eines armen Volkes, Das den Strahlenglanz verlor. Also meinte Schammai, unser Lehrer. „f'lämmchen aber. Jeden Tag sich mehrend. Als Verheißung, Daß wie einstens Wieder unser Reich erstrahle!" Spricht der edle Miel. Sinnig ist es heute in Israel Jener Großen zu gedenken, Die so weise Zwiesprach' hielten. Oskar Rosenzweig. Die Zehn Gebote verbessert. Der Führer der deutschen Glaubensbewegung, Professor Jakob Wilhelm Hauer, hat die 10 Gebote der Bibel durch neue ersetzt, die folgendermaßen lauten: Ehre die Gottheit; Ehre deine Vorfahren und Nachkommen; Ehre die Großen deinies Volkes; Ehre Vater und Mutter; Halte dich rein; Sei treu deinem Volke; Stiehl nicht; Sei wahr; Hilf den Edlen. Wie aus dieser Aufzählung ersichtlich, ist das biblische Gebot „Du sollst nicht töten!" fortgelassen und das Gebot der Nächstenliebe auf die „Edlen" beschränkt worden. Kommentar überflüssig. Freiwilliger 20%iger Zuschlag zur Kultussteuer pro 1954. Immer dringender wird die Inangriffnahme der aJs Winterhilfsaktion geplanten Maßnahmen, in deren Rahmen besondere Fürsorgeaktionen für dte notleidende Jugend vorgesehen sind. Erfreulicherweise hat. der Appell des Kultusvorstandes an die Gemeindemitglieder, einen freiwilligen 20prozentigen Zuschlag zur Kultussteuer pro 1934 zu entrichten, um die jüdische Winterhilfsaktion in weitestem Ausmaße zu ermöglichen, verständnisvolle Aufnahme gefunden. Unerläßlich erscheint es jedoch, daß alle Mitglieder so rasch als möglich diesem freiwilligen Beitrag zur Abstattung bringen und damit der unter der Wiener Judenschaft herrschenden Not Rechnung tragen. Schächtverbot der Stadt Eger aufgehoben. Vor einigen Jahren noch hat die Gemeindevertretung in Eger beschlossen, das rituelle Schlachten zu verbieten. Gegen diesen Beschluß überreichte die Kultus gemeinde in Eger, vertreten durch Dr. Paul Freundlich, eine B eschwerde, welcher von der Bezirksbehörde mit Bescheid vom 25. Oktober 1933 Folge gegeben wurde, indem sie den Stadtvertretungsbeschluß ab gesetzwidrig aufhob. Die Behörde verwies darauf, daß das rituelle Schlachten eine religiöse Institution sei, deren Uebung durch die Verfassungsurkunde gewährleistet sei. Die Berufung der Stadt Eger gegea diesen Bescheid wurde von der Landesbehörde abgewiesen, und zwar mit der Begründung, daß unter dem Begriffe der Ausübung der Konfession, der Religion oder des Glaubens nicht bloß rein rituelle Zeremonien zu verstehen seien, sondern alles, was durch die betreffende Religionsgemeinschaft an Pflichten den Angehörigen auferlegt werde. Der Standpunkt der Beschwerdeführerin verstoße aber, wie bereits die Bezirksbehördo ausführte, gegen die Verfassungsurkunde, die die freie Religionsausübung in jedem Belange gewährleiste.