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Die Wahrheit · 1934-11-30 · Heft 48 (30.11.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 48 (30.11.1934)
Date
1934-11-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 1 Aus affer Wett. London. Prinz Georg von Kent, der das englische Königshaus seit Jahren bei allen jüdischen 'Veranstaltungen vertritt, hat zu seinem ständigen 'Wohnsitz in London ein vom jüdischen Architekten Georg (recte Joshua) Basevi vor 100 jjahren erbautes herrliches Palais erworben. Basevi ist neben seinem Vetter, dem Neffen seines Vaters. D i s- ,raeli-Beaconsfiield, entschieden der Jude, der am meisten Einfluß in England ausgeübt hat, indem er seinen palladesken, aber doch den Erfordernissen der Zeit und des Klimas angepaßten Stil bis heute dem Adels- und Klubviertel Londons beigebracht und infolge seines italienischen Geschmackes und seiner italienischen Abkunft den Einbruch der Neu-Gothik um ein Vierteljahrhundert verspätet hat. Trotzdem hatte er eine ähnliche offizielle Stellung inne wie bei uns Dombaumeister Schmidt. Er war der Restaurator sämtlicher englischen Kathdralen und als solcher erlitt er, noch nicht 50jährig, einen grauenvollen Todessturz vom eingerüsteten Turm der Kathedrale von Ely. Der Bischof von Ely begrub ihn in einer der Außenkapellen des herrlichen alten Baues, obwohl Basevi formell nie aus dem Judentum ausgetreten war. Es ist ein Zeichen seiner Kunst, daß es nur wenige Aenderungen im Innern, keiner im Äußeren bedarf, um das Palais für das verwöhnte junge Prinzenpaar wohnlich zu gestalten. Cl. B. Moskau. Der berühmte Arktis-Forscher, Direktor des Arktischen Instituts Professor Boris S am o j 1 owitsch, teilte Pressevertretern mit, daß die von ihm geführte geologische Expedition auf Nowaja-Semlja und auf der Tschuktschen-Halbinsel i. J. 1934 Kupfer-, Zink-, Gold- und Zinnlager entdeckt habe. Prof. Samojlowitsch, der Jude ist, hat, wie erinnerlich, die in der Arktis verschollene Nobile-Expedition als Führer der Expedition des Eisbrechers „Krassin" gerettet. München. Am 5. Dezember feiert Hofrat Dr. Adolf Theilhaber in München das diamantene Doktoriubiläum. 1854 geboren, bezog er mit 17 Jahren die Universität Würzburg und promovierte im Alter von 20 Jahren. Seit 1878 praktiziert Hofrat Dr. Theihaber in München, wo er eine Privatklinik für Frauenkrankheiten hat. Von seinen etwa 200 wissenschaftlichen Arbeiten behandeln die bedeutendsten die Frage der Entstehung und Behandlung des Krebses. Sein Werk über die Bekämpfung der Krankheitsdisposition ist in ärztiichen Kreisen sehr bekannt. Der Jubilar ist heute noch in München und in Basel tätig. Sein Sohn ist der bekannte Berliner Arzt, Schriftsteller und Statistiker Dr. Felix Theilhaber. Warschau. Der Radikal-Nationale Wiadislaw C e s z 1 i n s k i, der im Sommer 1934 die Rabbiner Silberstein, Onfanger und Reinerman auf der Weichselbrücke beschimpft und mißhandelt hat. wurde vom Gericht für diese Tat zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Gemeindedtronik. Berlin. Anläßlich des 75. Geburtstages der bekannten jüdischen Frauenführerin Minna Schwarz hat der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde der Jubilarin eine Plakette gestiitet. Auf einem Ehrenabend, der für Frau Schwarz veranstaltet wurde, überreichte ihr im Namen des Vorstandes der Gemeinde Rabbiner Dr. Martin Salomonski die Plakette mit Worten der Anerkennung und des Dankes. Saarbrücken. Rabbiner Dr. Rülf in Saarbrücken, der die Ehre und die Interessen der saarländischen Judenschaft mit sehr viel Takt, aber auch mit Mut und Unerschrockenheit verteidigt hat, verläßt am 1. Jänner 1935 Saarbrücken, um nach Palästina zu übersiedeln. An seine Stelle wurde Dr. Lothar Rothschild aus Basel zum Rabbiner des Kreises Saarbrücken gewählt. Dr. Rothschild wurde 1909 zu Karlsruhe geboren und absolvierte seine Studien am Jüdischen Theologischen Seminar und an der Universität zu Breslau. 1932 promovierte er in Basel. Z. T. A. 40jähriges Hochzeitsfest. Im engsten. Familienkreis feierte dieser Tage das in weitesten Kreisen geschätzte und beliebte Ehepaar Rudolf und Olga Freiwirth, Gesellschafter des Cafe Arkaden, den 40jährigen Hochzeitstag. Ia den vielen Vereinen, in denen Herr Freiwirth aktiv tätig ist, aber auch sonst bei jeder Gelegenheit bewährt der Jubilar, tatkräftig unterstützt von •seiner braven Gattin, einen echt jüdischen Wohltätigkeitssinn und ist überall dort zu finden, wo es gilt, armen Mitmenschen zu helfen. Die vielen Freunde, die sich das Ehepaar wegen seines konzilianten freundlichen Wesens weithin erworben, wünschen ihm Glück und Zufriedenheit noch ungezählte Jahre! 70. Geburtstag. Am kommenden Samstag feiert im Tempel „Emunas Awes", XIV., Storchengasse, der Obergabbe dieser Gemeinde, Herr Meier Amschel, seinen 70. Geburtstag. Seit über 30 Jahren versieht er dieses wichtige Ehrenamt und erfreut sich überall wegen seines ruhigen und zuvorkommenden Wesens und des Pflichteifers, dessen er sich bei seinem eifrigen Wirken im Interesse des Tempels befleißigt, größter Beliebtheit und Wertschätzung. Seit vielen Jahren ist der Jubilar auch Kassier des Mazzesvereines. Für seinen Jubeltag sind ihm große Ehrungen zugedacht, die beweisen werden, daß die Sympathien, die sich Herr Meier Amschel durch seine hingebungsvolle Arbeit für die jüdische Sache und seine freundliche Art erworben bat, durchaus allgemeine sind. Todesfall. Am 20. d. M. verstarb in Wien Herr Julius Kaszab. Seine sterblichen Ueberreste wurden nach Budapest überführt und am 23. d. M. in aller Stille beigesetzt. Mit ihm ist ein warm empfindender Mensch dahingegangen, der auch für seine jüdische Gemeinschaft reges Interesse besaß, und dasselbe durch zahlreiche wohltätige Akte bekundete. Der unentgeltliche Ausspeisungsverein „Ohei Rachel" (Präsident Herr Heinrich Kessler) veranstaltete mit seinem Damenkomitee unter der Leitung der rührigen Präsidentin Frau Henriette Fuchs am 25. d. M. im Festsaale des Hotel Continental eine ausgezeichnet besuchte Chanukafeier. Die Begrüßungsansprache hielt die Vizepräsidentin Frau Med.- Rat Dr. Josefine Stark. Conferencier Erwin Engel schilderte in bewegten Worten die Tendenz und das tatkräftige Wirken des Vereines. Die Vortragenden, die Sängerin Fräulein Rosen mit ihrer schönen Stimme, Frau Prof. Korner mit ihren talentierten Schülern, den Kindern Willy und Anni, die mit ihren Tanz- und humoresken Gesangsdarbietungen reichen Beiiall fanden, der viel verspreühende jüdische Sänger Herr Feuer, die durch ihren brillanten Vortrag besonders gut wirkende Künstlerin Frl. Saphir, der blendende Gesangskomiker Krauß-Elkan sowie der humorvolle Conferencier Erwin Engel trugen zur animierten Stimmung des den Saal iüllenden Publikums bei. Unter den Klängen der zum Tanz auffordernden braven Jazzkapelle Stark ging das überaus gelungene Fest zu Ende. Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Montag, den 3. Dezember,!48 Uhr abends, im Klubsaale, 1., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof. eigener Eingang, Souterrain). Vortrag des Herrn Dr. S. Rappaport: „Antisemitismus in der griechisch-römischen Wel t." 'Eintritt frei. Gäste willkommen. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah" (I., Biberstraße 17). Samstag, den 1. Dezember. Vortrag des Herrn Artur Mayer über „Enrico C a r u s o". (Mit Schallplattenvoriiihrung.) Beginn 8 Uhr abends. Eintritt frei. Gäste willkommen. Samstag, den 8. Dezember, S'A Uhr abends. Chanukafeier im Verbandsheim. Aus dem Programm: Lichtanzünden durch Herrn Kantor Josef Feuer. Festrede Herr Dr. Israel O s t e r e r. Jüdische Volkslieder gesungen von Herrn Josei Feuer. Anschließend Tanz. Eintritt S 1.—. Gäste willkommen. Sprachkurse. Anmeldungen für unsere Unterrichtskurse in Hebräisch, Englisch, Französisch für Anfänger und Vorgeschrittene, sowie Esperanto für Anfänger werden an Wochentagen von 7—9 Uhr abends entgegengenommen. JÜDISCHE KULTURSTELLE (Kunststelle) IL, Aspernbrückengasse 2. R 48-2-91. Zweigstelle: VI., Loquaiplatz 11 (B 20-0-81). IX.. Währingerstraße 48 (A 14-400). Büro: 9—17 Uhr, Samstag 9—13 Uhr. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in alle Wiener Theater zur Verfügung. Konzerte: Erica Morini. 11. Dezember. Gr. S. S. Vorträge: Ernst Deutsch, 16. Dezember. M. K. S. — Führung: Sonntag, 2. Dezember. Kunsthistorisches Museum. Treffpunkt 9 Uhr Haupteingang. Leitung: Hugo Friedmann. * Volkstümliche Musikkurse der Jüdischen Kulturstelle (Jka). Zur Verbreitung musikalischer Bildung in der jüdischen Bevölkerung Wiens richtet die Jka in der Hauptschule, IL, Kleine Sperlgasse, Musikkurse mit folgendem Programm ein: Violine, Klavier. Violoncello, Blasinstrumente, Volksinstrumente (Gitarre, Mandoline, Okarina), Gesang, Theorie, Musikgeschichte und Kindersingkurse. Kursbeitrag pro Monat für 2 Wochenlektionen S 8.— plus S —.60 Abgaben. Beginn der Kurse: 1. Dezember 1934. Anmeldungen Jüdische Kulturstelle, IL, Aspernbrückengasse 2, Tel. R 48-2-91, täglich zwischen 9 und 5 Uhr. nugtenisdies Köniösliclrt Wien l.( Seitenstetiena*sso 2 XI.» Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag gaschloaMnl %€fumuka~&eiem. Merores-Waisenhaus, XIX., Bauernfeldgasse 4t>. Die am Samstag, den 1. Dezember, pünktlich 6 Uhr abends, im Waisenhaus stattfindende Chanukafeier erhält ihre besondere Bedeutung durch die damit verbundene Feier des 30jährigen Bestandes der so edel wirkenden Anstalt. - Talmud Thora, IL, Malzgasse 16. Im Rahmen des Chanukka-Festes der Wiener jüdischen Volks¬ und Hauptschule, Talmud-Thora. findet Samstag, den 1. Dezember, um 'A8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Post, I., Fleischmarkt 24, die feierliche Ueberreichung einer Ehrenurkunde an Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter statt. Hofrat Frankfurter trat vor 70 Jahren als Schüler der 1. Klasse in obgenannte Schule ein. Der Festabend soll eine Kundgebung sein, zu der mehrere namhafte Künstler ihre Mitwirkung zugesagt haben. Die israelitische Kinderbewanranstalt des Vereine» Wohlfahrt, Wien IL, Schittamtsgasse 15, veranstaltet Sonntag, den 2. Dezember, präzise 16 Uhr 30, in den Räumen der Anstalt eine Chanuka-Feier, verbunden mit der Beteilung der Anstaltszöglinge. Festprogramm: Festgesänge (Lichteranzünden) unter Mitwirkung des Herrn Oberkantors Gerson M a r g u I i e s mit Chor, Festrede, gehalten von Oberrabbiner Doktor Israel T a g Ii c h t. Kinderspiele, aufgeführt von den Kindern der Anstalt. Beteilung sämtlicher Kinder des Instituts mit kompletter Winterkleidung und Spielsachen. Die Chanukafeier im Tempel, IL, Pazmanitengasse 6, findet Sonntag, den 2. Dezember, präzise 7 Uhr abends statt. Der Erlös der Eintrittskarten wird für die Winterhilfe zur Bekleidung armer lüh di.scher Kinder verwendet. An Stelle des erkrankten Rabbiners Dr. Taubes wird Oberabbiner Dr. J. Taubes die Festrede halten. Oberkantor Müller wird nach Verrichtung des Marivegebetes und nach dem Chanukalichtanzünden ein selbstkomponientes Gebet zum ersten Male (mit verstärktem Chor) zum Vortrage bringen. Karten sind Sonntag von 10—12 Uhr vormittags und vor Beginn der Feier erhältlich. Das Kuratorium des Jüdischen Lehrlingshelmes 1 „Zukunft" veranstaltet am Dienstag, den 4. Dezember, um 7 Uhr abends im Heime, IX., Grünentorgasse 26, unter Mitwirkung des Herrn Rabbiners Dr. A. Z. Schwarz und des Herrn Oberkantor S. Postolow mit dem Gesamtchor des Mülinertempels eine Chanukafeier. „Mathilde", Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schul- und insbesondere Waisenkinder, II., Gr. Sperlgasse 41. Der auf dem Gebiete der Kinderfürsorge bekannte Verein „Mathilde" wird heuer, wie alljährlich, Mittwoch, den 5. Dezember, X>6 Uhr abend, im Festsaale des Hotel Bayrischer Hof, IL, Taborstraße 39, 150 arme Kinder mit Wäsche, Schuhen und Kleidern beteilen. Die Bekeidung ist mit einer Chanuka-Feier verbunden, bei welcher Oberkantor Leo Funke mit Chor unter Leitung des Dirigenten Rudolf Heimann in uneigennütziger Weise mitwirken. Die Festrede hält Rabb. Dr. Rosenmann. Die Gönner und Mitglieder, denen auf diesem Wege für die Förderung des Vereinszweckes Dank gesagt wird, werden höflichst eingeladen, diesem Feste beizuwohnen, und bittet der Verein, ihm auch für die Zukunft das bisher geschenkte Wohlwollen zu bewahren. Im Betsaale der israelitischen Versorgungsanstalt, i. IX., Seegasse 9, findet am Donnerstag, den 6. Dezember, 'A3 Uhr nachmittags, die Chanukafeier statt. Die Beteilung der Pfleglinge erfolgt um 2 Uhr nachmittags. Jiunst und £iteratm. Mendelssohn-Konzert. Am 26. November fand Im Großen Saal des Offizierskasinos das Mendelssohn-Konzert des Orchesters des Bundes jüdischer Frontsoldaten statt, das wieder ein großer Erfolg war. Dirigent war Prof. Hollaender aus Berlin. Solistin dessen Frau. Zum Vortrag wurde zunächst die IV. Symphonie von Mendelssohn gebracht, die einen Applaussturm auslöste. Dann spielte Frau Prof. Hollaender das Mendelssohnsche Violinkonzert mit besonderer Innigkeit und hervorragender Technik. Es war eine grandiose Leistung, die gebührende Anerkennung des vollständig gefüllten Saales fand. Zum Schlüsse brachte der Jüdische Gesangverein unter Mitwirkung des Orchesters das Loreley-Finale von Mendelssohn zu Gehör, wobei den Solopart Frau Olga Dunkel sang und damit jubelnden Beifall erntete. Diesmal bewies das Orchester nicht nur seine erstklassige Stellung als Symphonieorchester, sondern bewährte sich auch als unbedingt verläßliche Begleitung. Es war, alles in allem, ein Abend, der sich würdig den bisherigen anschloß. Nun hat das Orchester noch ein großes Programm vor sich, und zwar zunächst die Mitwirkung bei der großen Chanuka-Feier des Bundes am 8. Dezember im Großen Musikvereinssaal. Phönix-Kalender für Stadt und Land 1935. Verlas der Phönix- Versicherungs ge seil schatten Wien, 192 Seiten. Im Vorjahr erschien zum erstenmal ein von den Phönix-Versicherungsgesellschat-

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