Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 47 (23.11.1934)
- Date
- 1934-11-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT t GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM, KORNMEHl IMaMaiMaBaMBMaHaMHMaMi^aMB WIEN OL, BEROOASSE NR. 1» MllUIi XVIIL, WAHKINOBRSTSASSa 97 Telephon Nr. A I7-3-9twi4 A 164« Uafarant für tteUatwtaltM AbtellungenforKoscherfleisch ■MW AaffslsM des «hrw. Rabblnato* *mr tor. taHM|Hi*Mt WIM. Samülcbe Flelschsorten von ausschließlich Prim-Qaalittt so des billigsten Marktpreis«« Kollegen und Kolleginnen an den Präsidenten der Universität James B. Conant ein Telegramm, in welchem sie darauf hinwies, daß Hanfstaengl, der sieh mit der „mörderischen Nazi-Partei identifiziert und zu deren Großen Fünf gehört", sich dadurch selbst aus dem Kulturkreis der Harvard-Graduierten ausschließt „Wenn Sie" — hieß es in dem Telegramm weiter — ..seine dreißig Silberiingev ein Blutgeld für die Kreuzigung der Menschlichkeit, annehmen, verraten Sie die Freiheit, in deren Namen Amerika und die Harvard University geschaffen wurden." Samuel Untermyer, der Präsident der überparteilichen Anti-Nazi-Liga, bezeichnete Hanfstaengls Anwesenheit in Boston als eine „Schande für die Universität und eine Beleidigung jedes Einzelnen der hervorragenden jüdischen und nichtjüdischen Graduierten". Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro behauptet, daß „eine von der Harvarder Studentenschaft erhobene scharfe Protestkundgebung gegen die Entscheidung des Senates der festen Ueberzeugung Ausdruck gebe, daß die in dem Briefe des Präsidenten Conant zum Ausdruck gebrachte Anschauungsweise sich in der Zukunft als rückständig erweisen werde". Hanfstaengl gebe sich daher, so heißt es am Schluß der DNB.-Meldung, _der Hoffnung hin. daß der Senat von Harvard seine Entscheidung einer Ueberprüfung unterziehen werde. Steine sprechen . . . Münzfund aus der Makkabäer-Zeit. In der Nähe von Kremsmünster wurde kürzlich im Gerolle der sogenannten Pestleiten eine Silbermünze von 31 Millimeter Durchmesser in der beiläufigen Größe eines alten Silberguldens gefunden. Die Aversseite zeigt einen urnenartigen Kelch, aus Fuß, Knauf und Kuppa bestehend, aus dem ein fluchtartiges Gebilde emporragt Die Umschrift besteht aus airhebräischen Buchstaben, die Reversseite zeigt einen Aaron-Stab. Die Umschrift daselbst lautet in Uebersetzung „Jerusalem das Heilige". Die Fundmünze ist ein jüdischer Schekel, der unter dem Namen „Silberling" in der biblischen Geschichte geläufig ist Der Typ der Münze ist bekannt, es ist eine Prägung aus der Zeit des Simon Makkabäus, der von 143 bis 135 v. Chr. Hohepriester und selbständiger Fürst war. Eine ähnliche Münze befindet sich in den staatlichen Sammlungen in Wien. « Ein uralter Judenfriedhof in Böhmen. In der Zeit der Türkenkriege und der Austrei-« bung der Juden aus Spanien und Portugal haben sich Vertriebene nach Böhmen begeben. Davon geben die Friedhöfe Zeugnis. Zuletzt haben Untersuchungen auf dem alten Judenfriedhof in R o s e nb e r g, Böhmen, eine große Anzahl von Grabsteinen zu Tage gefördert, unter denen Flüchtlinge aus Wien, Linz und Ungarn ruhen. Die Steine stammen aus der Zeit der Türkenkriege, insbesondere aus der Zeit der Belagerung Wiens. Um die Zeit von 1500 wurden auch Flüchtlinge aus Mainz daselbst begraben. Der Friedhof selbst ist jedoch noch bedeutend älter. Grabungen, die der dortige Kaufmann Herr H. Sternschein aus eigenen Mitteln betreibt, haben erwiesen, daß der Rosenberger Friedhof eine ähnliche Struktur aufweist, wie der alte Präger, das heißt, er ist mehrschichtig. Das Alter der untersten Schichte ist noch nicht bestimmt, doch dürfte sie annähernd in die Zeit der ältesten Grabsteine von Prag zu datieren sein. Das älteste Denkmal des ungarischen Judentums. Im Budapester jüdischen Landesmuseum wurde kürzlich das älteste Denkmal des Judentums in Ungarn ausgestellt Es handelt sich um einen Grabstein aus dem 3. Jahrhundert, zu welcher Zeit Pannonien eine römische Kolonie war. Der Stein ist 148 cm hoch und 78 cm breit Die Inschrift besagt daß er zum Gedächtnis eines Mannes Judat und seiner Gattin Gasete errichtet worden war. An dem Grabstein ist deutlich das Relief des Jerusalemer Tempels und ein siebenarmiger Leuchter in Basrelief zu erkennen. Der Grabstein gelangte durch Vermittlung des K a r d inals Seredi in das jüdische Landesmuseum. Deutschland muß sieb deklarieren. Das FinanzdepaTtement der amerikanischen Regierung gab jüngst eine Verordnung heraus, daß nur solche deutschen Waren nach Amerika gelassen werden, die die Bezeichnung „Made in Germany" tragen. Es ist dies ein Erfolg der von Samuel Untermyer geleiteten antideutschen -Boykottbewegung; durch die erwähnte Verordnung wird eine Einschmuggelung deutscher Waren unter fremder Marke Tinmöglich gemacht Schließung des Hamburger Ballinschen Auswandererheims. Das vom Generadirektor der Hapag. Albert Ballin, errichtete Auswandererheim in Hamburg, das vornehmlich für jüdische Amerikafahrcr bestimmt war, muß geschlossen werden. Die Liquidation des Heimes, das eines der notwendigsten und segensreichsten Wohlfahrtsinstitute der ganzen Welt war, wird herbeigeführt sowohl durch die amerikanische Beschränkung der Einwanderung als auch durch die Ablenkung des Auswandererström s, der seit" einem Jahre zumeist über andere Häfen geht "' Z. T. A. £itevatm. Für die Erhaltung jüdischer Kultur! In diesen Tagen ist in Deutschland bei der Jüdischen Buch - V ereinigung eine neue deutsche Bibelübersetzung erschienen, über die wir irrKürze ausführlich berichten werden. Die Tatsache, daß unter den heutigen Verhältnissen in Deutschland überhaupt ein solches Werk geschaffen werden konnte, gibt uns Veranlassung, immer wieder auf die J. B.-V. hinzuweisen und an unsere Leser den Appell zu richten, diese Institution, die der Erhaltung jüdischen Kulturgutes dient, durch ihren Beitritt zu fördern und zu unterstützen. Die Jüdische Buch-Vereinigung ist eine gemeinnützige Organisation, die von fast allen maßgeblichen jüdischen .Verbänden und Parteien Deutschlands ins Leben gerufen wurde. Sie hat dort schon über 5QW Mitglieder. ' Die Jüdische Buch-Vereinigung bringt für ihre Mitglieder vier Bücher im Jahre heraus. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Buch und Vierteljahr Mk 3.25. Jetzt beitretende Mitglieder erhalten sofort: Die Tora, im Februar 1935 „Die Geschichte der Juden in Deutschland" von Prof. Ismar Ellbogen. Als drittes Buch erscheint dann ein Palästina- Bilder-Band von G. Landauer. Anmeldungen sind' zu richten an: Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin W 15, Pariser Str. 7. Das Erwachen des deutschen Nationalbewußtseins in der preußischen Judenheil (Von Moses Mendelsohn bis zum Beginn der Reaktion.) Ein geistesgeschichtlicher Beitrag zur Emanzipationsgeschiebte der deutschen Juden. Dissertation der Universität Hamburg, vorgelegt von Benno Offenburg, Hamburg 1933, Druck von Arthur Brünnler, Hamburg, Schmilinskystraße 6. Nach Ansicht des Verfassers wurde bei der Emanzipationsgeschichte der deutschen Juden einseitig die kulturelle Assimilation betrachtet, während die nationale Assimilation stark vernachlässigt wurde. Dabei handelt es sich nicht um die umstrittene Frage, oh die in Deutschland lebenden Juden im deutschen Sinne als nationalisiert betrachtet werden können oder nicht. Nicht das Deutsch sein der Juden, sondern ihr Deutschsein wollen wird hier untersucht. Zunächst schildert Offenburg die Stellung der Juden in Preußen vor der Emanzipation im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Von der Landwirtschaft vollkommen, vom Handwerk größtenteils ausgeschlossen., bei Betätigung» des Handels mannigfachen Beschränkungen unterworfen waren die deutschen Juden hauptsächlich auf das Geldgeschäft angewiesen. Dageeen waren ihnen, zahlreiche Lasten auferlesrt. z. B. Schutzgeld, Rekrntentreld. vor allem der entwürdigende Leibzoll. Mit Rücksicht auf ihre vollkommene Abgeschlossenheit durch die Re1i<"ir>n. SDrache (Tudendeutsch). Wohnort (Ghetto), endlich durch die Gebundenheit an ein eigenes Recht und Gericht wurden die Juden mit Recht von sich selbst und der übrigen deutschen Bevölkerung als eigene „Nation" betrachtet Der Kamnf der Juden um ihre nolirische OleichberecMigimo'' in Preußen besannt mit Moses Mendelsohn (1729—1786). Allerdings kann man bei ihm w"hl w>n einem stark ausgenrägten deutschen Kiiltn-hewiiRtsein. nicht abpr von einem deutschen Nationalbewußtsein snrechen. Dies war auch schon deshalb nicht möglich, weil er sich als Jude unter mannigfachen Ansnahm«trese<-Ton stehend nicht als ..Frevjrebnrenen" betrachtete. Wenn Moses Mendelsohn für die Verbreitung der deutschen Sprache unter den Juden eintrat so ließ er sich hiebei mehr von ästhetischen als von nationalen Gesichtspunkten leiten. Jedenfalls hat er durch seine schriftstellerische Tätigkeit in der deutschen Sprache die Mauern des geistigen Ghettos der Juden niedergerissen.: Erst sein Schüler, David Friedländer, bewirkte das Verschmelzen der preußischen Juden mitdem deutschen Volke und seiner Kultur. Durch sein VerT dienst kam es zur Emanzipation der preußischen. Juden durch das Edikt vom 11. März 1812. In den- Schriften Friedländers zeigen sich zum erstenmal die Spuren eines deutschen Heimatgefühls. Er vertrat sogar die Ansicht, daß die Pflichten eines Bürgers, bindender seien als die Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Gesetze. Damals beschäftigte man sich mit der Frage, ob die Juden zum Kriegsdienste geeignet seien. Man sprach ihnen diese Eignung im allgemeinen schon mit' Rücksicht auf die Satzungen ihrer Religion (Heiligung des Sabbats u. ä.) ab. Erst das erwähnte Emanzipa* tionsedikt hat den Eintritt der Juden ins Heer allgemein gestattet. In der Tat meldeten sich in den Freiheitskriegen der Jahre 1813/14 400 Juden als Kriegsfreiwillige. Trotzdem ihre Tapferkeit anerkannt wurde, verweigerte die preußische Regierurig nach Beendigung des Krieges den Juden den Eintritt in den Staatsdienst Dennoch betrachteten sich die preußischen Juden seit den Freiheits-' kriegen nicht mehr als eigene Nation, sondern als vollwertige Deutsche. ' Den Höhepunkt des Anschlusses der deutschen Juden an das deutsche Volk brachte die Revolution im Jahre 1848. Gabriel Riesser war ihr Sprecher-. Er trat in gleichem Maße für die nationale Einigung' Deutschlands wie für die vollständige Emanzipation der Juden ein. Riesser verkündete den Grundsatz der Wil-, lensnation. Nicht Abstammung und Glaube, sondern das Gemeinschaftsgefühl seien für die nationale Zugehörigkeit entscheidend. Gabriel Riesser — einer der besten Redner — wurde zum Vizepräsidenten des Frankfurter Parlamentes und zum Mitgliede der Abordnung gewählt, die dem Preußenkönig die deutsche Kaiserkrone antragen sollte. Die deutschen Juden betrachteten diese Ehrung Riessers als Anexkennung ihrer Zugehörigkeit zum deutschen Volke. Die auf gründlichem Quellenstudium beruhende' äußerst lesenswerte Arbeit streift mit keinem Worte die' gegenwärtige Entrechtung der deutschen Juden, mit der eine Entwicklung von ungefähr 150 Jahren rückgängig gemacht wurde. Der unbefangene Leser wird sich sagen, daß das Rad der Zeit sich wohl vorübergehend, aber hie dauernd zurückstellen läßt Reg.-Rat Dr. Emil Weinberg. ' Das Philo-Lexikon erschienen. Das soeben im Berliner Philo-Verlag erschienene Philo-Lexikon, Handbuch des jüdischen Wissens, bildet in seiner Art ein völliges Novum auf dem jüdischen Büchermarkt. Zum ersten Male wird hier dem breiten jüdischen Publikum ein wohlfeiles Nachschlagewerk, in die Hand gegeben, das auf knappstem Raum alle Gebiete jüdischen kulturellen und sozialen Lebens der Vergangenheit und Gegenwart erfaßt wobei die jüdische Entwicklung im deutschen Sprachgebiet besondere Berücksichtigung'findet, ohne daß die Verhältnisse und Persönlichkeiten der jüdischen1 Welt Osteuropas, Palästinas und Amerikas vernachlässigt werden. Die gedrängte schlagwortartige Fassung der einzelnen Artikel hat es ermöglicht, daß auf den etwa 800 Oktavseiten des Bandes das auf Juden und Judentum bezügliche Material in einer Fülle zusammengetra^ gen werden konnte, die das Informationsbedürfnis des mit jüdischen Dingen nicht gerade wissenschaftlich oder beruflich Befaßten kaum jemals im Stiche lassen wird. Die Ausstattung des Werkes, das unter der Redaktion von Emanuel ben Gurion, Dr.-Alfred Loeveri, Dr. Otto Neuburger und Johann F. Oppenheimer und unter der Mitarbeit zahlreicher im öffent^ liehen jüdischen Leben Deutschlands stehender Persönlichkeiten erschienen ist, darf vorbildlich genannt werden. Die vielen, zum Teil farbigen Illustrationen sind technisch besonders sorgfältig ausgeführt und erfüllen durchaus den ihnen von den Herausgebern zugedachten Zweck, nicht nur den Text zu erläutern, sondern auch das jüdische Kunstschaffen von den Anfängen bis zur Moderne zu veranschaulichen. Vom Verlag wird mitgeteilt, daß in wenigen Wochen zirka 8000 Subskriptionsbestellungen vorlagen, an denen das deutschsprachliche Ausland mit einem sehr hohen Prozentsatz beteiligt war. Sh. Levin, Jugend in Aufruhr. Berlin 1933. R bwohlt Mk. 6.—. Eine Welt die dem Westen bis zum Weltkriege meist ganz unbekannt war, tritt hier lebendig vor uns. Von der Vorgeschichte der jüdischnationalen Bewegung wird hier ein Schleier weggezogen und in das Innenleben nicht nur eines ihrer Führer, sondern zugleich auf den Werdegang so man? eher allmählich in den Vordergrund gerückter Persönlichkeiten ein dankenswertes Licht geworfen. Aber auch das deutsche Judentum vor einem Menschenalter mit seinen Vorzügen wie seinen Schwächen kommt hier zu Worte. Aus diesen Blättern spricht zu uns ein weltoffener Geist, der viel erlebt, alles mit klarem Blick, erfaßt aus allen Wirren einer in sturmgerüttelter, vorii Judenleid beschatteter Umwelt anfangs instinktiv,, später immer zielbewußter den Weg auf den Posten * eines Vorkämpfers seines Volkes gefunden hat. G. Die Meisterschülerinnen Prof. Juliusz Wolfsohns, die 11jährige bekannte und beliebte Evi Wächter, Sara Stuckart, die von wiederholten erfolgreichen Auftreten bekannt ist, ferner die linkshändige Pianistin Anny Rosthal, die im Vorjahre bei ihrem ersten Auftreten Aufsehen erregte, und die junge Pianistin PiaulaDermer geben gemeinsam am 29. November, um Uhr abends, im Kleinen Konzerthaussaal einen Klar v i e r a b e n d. Karten von 1 bis 6 Schilling an der Konzertkassa. Dr. A. Hohenberg (Operngebäude).;