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Die Wahrheit · 1934-11-23 · Heft 47 (23.11.1934) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 47 (23.11.1934)
Date
1934-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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da viele unschuldige Kinder, unsägliches Leid gebrach! haben in dieser armen, halbverrückten Welt Wir sind hier, fuhr General Smuts fort, nicht nur, um Geld zu sammeln, sondern um einen großen Glauben zu bekunden, der in uns lebendig ist, einen Glauben, den wir jüdischer Erkenntnis verdanken; weil wir an die helfende Hand, das Erbarmen und Mitleid glauben, treten wir alle für diese Sache ein. Es ist nicht nur zum Besten von euch Juden, sondern zum Besten der ganzen Kulturwelt, daß das Volk des Buches mit uns lebt und uns hilft. Dr. Nahum Goldmann bei Mussolini. Der Regierungschef Benito Mussolini empfing am 14. November den Präsidenten des Comite (fes Dejegations Juives und des Ausschusses für den Jüdischen Weltkongreß, Dr. Nahum Goldmann, in Audienz. In Dr. Goldmanns Begleitung befand sich Dr. Angek) Sacerdoti, Grand Rabbin von Rom und der jüdischen Gemeinden Italiens. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird über den Verlauf der etwa halbstündigen Unterredung mitgeteilt: In der Unterredung unterbreitete Dr. Goldmann dem italienischen Regierungschef eine Darlegung der gegenwärtigen jüdischen Situation und lenkte seine Aufmerksamkeit auf einige besonders aktuelle fragen, die die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern betreffen. Dr. Goldmann unterrichtete auch den italienischen Regierungschef über die Ziele und Organisationsformen des künftigen Jüdischen Weltkongresses. Der Regierungschef Mussolini nahm lebhaftes Interesse an allen erörterten Fragen. Hochkommissar MacDonald an der Arbeit. Der Hochkommissar für die deutschen Flüchtlinge James MacDonald weilte einige Tage anläßlich der Tagung der Saarkommission in R o m. Vor seiner Abreise erklärte er dem JTA-Vertreter: Ich wurde in Rom vom Unterstaatssekretär im Außenministerium Flavio S u v i c h und vom Vorsitzenden der italienischen Delegation in Genf ©ajon A1 o i s i, der auch der Saarkommission vorsteht, empfangen. Ich besprach mit den italienischen Staatsmännern die Aspekte des Flüchtlingspxoblems, auch im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Plebiszit an der Saar, und fand bei ihnen viel Verständnis für die Wichtigkeit und Dringlichkeit, eine Lösung des schweren Problems der Seßhaftmachung der deutschen Flüchtlinge zu finden. Die Haltung der italienischen Regierung in der Flüchtlingsfrage ist gerecht und vernünftig. Ich wurde auch vom Unterstaatssekretär im Vatikan Kardinal Pacelli empfangen. Auf die Frage des JTA-Vertreters, ob eine Aenderung der Haltung der Hitler- Regierung zur Judenfrage zu erwarten sei, erwiderte MacDonald, es gäbe keine Tatsache, auf die eine solche Annahme oder Hoffnung sich stützen könne. Was aber die Lage dler Juden in Oesterreich betrifft, so besteht kein Grund zur Annahme, daß dort exklusive Maßnahmen gegen die Juden, wie etwa in Deutschland, ergriffen werden würden. Hochkommissar MacDonald erklärte, er begebe sich nach seinem Genfer Aufenthalt nach New- York und von dort für einige Monate nach Südamerika. Er ersuchte den JTA-Vertreter, die Gerüchte, als gedenke er, sein Amt zu verlassen, z.u dementieren. Die internationale Boykott-Konferenz. Die Internationale Konferenz für Boykott Hitler-Deutschlands beginnt am 26. November in London. Dieser „Internationalen Unparteiischen Konferenz zur Organisierung und Intensivierung des Boykotts deutscher Waren und Dienste, in der ganzen Welt" werden Delegierte aus den meisten europäischen Ländern, aus Amerika und Aegypten beiwohnen. Hauptziel der Konferenz ist die Koordinierung aller von Körperschaften und Einzelpersonen geleisteten Arbeit für Wiederherstellung der politischen und religiösen Freiheit in Deutschland. Den Vorsitz wird der berühmte amerikanische Anwalt und Präsident des Anti-Nazi League Samuel Untermyer führen. Der. amerikanischen Delegation gehören außerdem noch der Redakteur des „Christian Century" Dr. Paul Hutchinson, der Katholikenführer James Beamish, Frau McAdoo und die Vorsitzende der Frauenabteilung der Anti- "Nazi League Frau M. Harris an. Die International Federation of Trade Unions wird durch ihren Präsidenten Walter Citrine vertreten sein. Der englische National Council of Labour entsendet den Vorsitzenden der British Labour Party W. A. Robinson, den Führer der Londoner Arbeiterschaft und früheren Arbeitsminister Herbert Morrison u. a. Aus Frankreich kommt der berühmte Anwalt deMoro-Giafferi, aus Belgien der prominente unitarische Führer Rev. T e s s o n i e r. Z. T. A. Das amerikanische Judentum rückt vom Jüdischen Weltkongreß ab. Das Administrative Committee des American JewishCongress trat am 13. November in New York zu einer zweitägigen Beratung zusammen, deren Ziel es war, eine Basis für Verhandlungen mit dem American Jewish Committee, den Bne Briss und anderen Organisationen zwecks Schaffung eines gemeinsamen Aktions-Zentrums der amerikanischen Judenheit und der Weltjudenheit zu finden. Es kam zu einem sensationellen Beschluß: Der Gedanke des Jüdischen Weltkongresses wurde faktisch aufgegeben und es wurde beschlossen, in Verhandlungen mit dem American Jewish Committee und den Bne Briss einzutreten, deren Gegenstand die B i 1 d u n g einer weltumspannenden jüdischen Organisation sein solle; die Organisation solle den Namen Rat Jüdischer Deleg ationen (Council of Jewish Delegations) tragen und die jüdischen Interessen beim Völkerbund vertreten. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben sich das American Jewish Committee und die Leitung der Bne Briss zu Verhandlungen auf dieser Gründlage bereit erklärt, wobei sie fordern, daß die Besprechungen bis zum 1. Februar 1935 unter allen Umständen abgeschlossen sein müssen. Z. T. A. ■vs-;H " - ■ Die Jewish Agency protestiert wieder einmal. Die Londoner „Times" berichten, daß die Jewish Agency for Palestine bei der Palästina- Regierung Protest wegen der ungenügenden Berücksichtigung der jüdischen Schätzungen des Arbeitsmarkts bei Erteilung der neuen Zertifikate eingelegt hat. In dem Protest wird erklärt, daß die Regierung bei der Festsetzung der neuen Zertifikate die aktuellen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes im Lande nicht voll in Erwägung gezogen hat. Bombenattentat gegen eine Synagoge in Buenos Aires. Unbekannte Täter schleuderten eine Bombe gegen die Große Synagoge in Buenos Aires, wobei die Frontwand der Synagoge zerstört wurde und in vielen Häusern der Nachbarschaft die Fensterscheiben in Trümmer gingen. JÜDISCHE KULTÜRSTELLE~(Kiuiststelle) IL, Aspernbrückengasse 2. R 48-2-91. Zweigstelle: VI., Loquaiplatz 11 (B 20-0-81). IX., Währingerstraße 48 (A 14-400). _Büro: 9—17 Uhr, Samstag 9—13 Uhr. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in alle Theater Wiens zur Verfügung. Konzerte: 1. Dezember: Gianinni, Qr. M.-S. 5. Dezember: Josef Feuer, Industriehaus. 6. Dezember: M o r i n i. Qr. K.-S. Vorträge: HL Dezember: Ernst Deutsch, M. K. S. Familien, die Bücher jüdischen Inhaltes, womöglich in deutscher Sprache, besitzen, werden ersucht, diese der jüdischen Kulturstelle für Volks- und Jugendbildung zur Verfügung zu stellen. Nach erfolgter Verständigung (Postkarte oder Teleohon R 48-2-91) werden die Bücher durch Boten abgeholt Sonntag, den 25. d. M. Führung durch, die Orangerie. Treffpunkt 10 Uhr 30. EingangBelvedere, Rennweg. Leitung Dr. Oskar Rosenfeld.. FESTSAAL IM INDUSTRIEN AUS Wien I., Schwarzenbergplatz 4 Mittwoch, den 5. Dezember 1934, um 8 Uhr-abends J U D I SC HER LIEDERABEND Josaf Feu*r, dar. bekannte Interpret des jüdischen Volksliedes. Chanukah-Uchtzünden unter MltwiFkung des Männerchors des jüdischen Gesangvereines. Leitung Israel Brandmann— Hebräische Volkslieder. Am Klavier: Gideon. May. Karten im Vorverkauf bei Jüdische Kunststaila II., Aspernbrückengasse 2, Buchhandlung Mosas Ra«h. II., Taborstraße 20, Kaufhaus B Oder Schiffmann, II, TaborstraBe48. Versamminngen der „UNION". Jugend-Union Dienstag, den 27. November, 8 Uhr abends, Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, Dr. Max Mark: „Ziel und Zweck der Jugend-Union." * Bazlrksorganisatlon II. Mittwoch, den 28. November, 8 Uhr abends, Souterrainsaal des Cafe Sächsischer Hof, II., TaborstraBe 46 a. Diskussion über aktuelle Tagesfragen. ~ Eingeleitet durch Reg.-Rat Dr. Max Lenk, **~ Tierschutz ohne Menschenhaß, Im Novemberheft des Organs des Wiener Tierschutzvereines „Der Tierfreund" wurden in-'-flem „Ehrenblatt für vorbildlichen Tierschutz" auch mehrere Fälle von Tierquälereien erwähnt, die ein Herr V. S. anläßlich seiner Inspektion der Märkte an den jüdischen Feiertagen zur Anzeige brachte. Die „U n i o n" hat sich an den Wiener Tierschutzverein mit der Bitte um Bekanntgäbe der näheren Einzelheiten der vorgefallenen Tierquälereien gewendet. Darauf erhielt sie vom Tierschutzverein eine Abschrift des Berichtes des Herrn S., der tatsächlich anläßlich seiner Inspektion grausame Tierquälereien feststellte und sie in anerkennenswerter Weise zur Anzeige brachte. Unverständlich ist aber, was diese Feststellung mit den jüdischen Feiertagen zu tun haben sollte. Derartige Mißhandlungen von Tieren, wie sie nicht streng genug geahndet werden können, entsprechen scheinbar einem eingewurzelten Usus und ereignen sich wohl das ganze Jahr hindurch, haben also absolut nichts mit den jüdischen Feiertagen etwas zu schaffen. Der Hinweis des „Tierfreundes" auf diese Feiertage ist deshalb nur geeignet, beim Leser Mißverständnisse hervorzurufen. Die „Union" hat nun an den Tiersehutzverein das Ersuchen gerichtet, festzustellen, daß die empörenden Mißhandlungen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit den jüdischen Feiertagen stehen. .Gleichzeitig aber sehen wir uns veranlaßt, an unsere Leserinnen die dringende Aufforderung zu richten, bei Händlern, die sich Tierquälereien zuschulden kommen lassen, unter Hinwes darauf den Einkauf abzulehnen. Die Juden und die amerikanischen Wahlen. Wie nun bekannt wird, ist der Jude Herbert H. Lehmann zum Gouverneur des Staates New York mit weit über zwei Millionen Stimmen wiedergewählt worden; er schlug seinen Gegner Moses, der ebenfalls Jude ist, mit über 800.000 Stimmen. Moses kehrt auf seinen Posten als Park-Kommissar von New York zurück. Der von den amerikanischen Nazis gestützte Kän^ didat der „Recovery Party", John F. H y 1 a n, erhielt kaum 10.000 Stimmen. Hylans blamabler Mißerfolg wird allgemein als ein Zusammenbruch der deu,tsxIiamerikanischen Nazi-Bewegung beurteilt In das Repräsentantenhaus des 74. Amerikanischen Kongresses wurden elf Juden gewählt. Wiedergewählt wurden alle fünf jüdischen Kongreßmitglieder des Staates New York: Emanuel Celler, Samuel Dickstein, William I. Sirovich, T. A. Peyser und So! Bloom. Der Staat Connecticut entsandte zwei Juden in den Kongreß: H. P. Koppleman aus- Hartford und William M. Citron aus Middletown. Beide sind Demokraten und im jüdischen öffentlichen Leben sehr aktiv. In Chicago wurde Adolph J. Sabath, in San Francisco Frau Florence P. Kahn wiedergewählt In Atlantöc City, New Jerey, wurde der Republikaner L Bacharach, in Piitsburgh der Demokrat Henry Ellenbogen gewählt. In das New Yorker Staatsparlament wurden 23 Juden alle Demokraten, gewählt, unter ihnen der Sozialist und; Geschäftsführende Direktor des „Jewish Daily Forward" B. Charney Viadeck mit 18.802 Stimmen. Große Genugtuung herrscht unter den? Juden Amerikas über die Niederlage des radikal antisemitischen Kandidaten zum Repräsentantenhaus. Louis T. McFadden, der 20 Jahre dem Kongreß angehörte und nun vom Demokraten C. Emier D i e t r i c h geschlagen wurde. Im Jänner d. J. hatte McFadden im Kongreß vod den „Geldjuden von Wall Street" und der weltbeherrschenden Macht der „Internationalen Jüdischen Hochfinanz" gesprochen und sich zur Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion" bekannt Er. erntete dafür hohes Lob von Julius Streicher im Nürnberger „Stürmer". Konzert Montag, den 26. November, abends 8 Ubr, im Großen Saale des Oesterreichischen OMzierS- Caslno, Wien; L, Schwarzenbergplatz 1, veranstalten unter Mitwirkung des Jüdischen Frontkämpfer-Orchesters und des Wiener Jüdischen Gesangvereines Professor Erich Hollaender und Pepl Trffü-ffollaender einen Mendelssohn-Abend. Karte» In der „Union", IX„ Berggasse 4, erhältlich.

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