Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 45 (9.11.1934)
- Date
- 1934-11-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3062972-3064504-3064547--19969-3085164- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
$£Ü£ 4 ä »'JIIL..C. DIE WAHRHEIT Bravo, Max Warburg! Die englische und amerikanische Presse, der wir die Verantwortung dafür überlassen müssen, berichtet über einen Vorfall, der sich auf einem Bankett, das „zu Ehren" Max Warburgs von der Direktion der Hapag gegeben wurde, abgespielt hat Max Warburg, der Seniorchef des gleichnamigen Hamburger Bankhauses, hat gemeinsam mit Albert B a 11 i n am Aufbau der deutschen Handelsflotte mitgearbeitet und gehört seit langen Jahren dem Aufsichtsrat der Hamburg-Amerika- Linie an, die er zweimal aus eigener Kraft vor dem Zusammenbruch bewa h r te. Dem Regime war der Jude Warburg an so exponierter Stellung der deutschen Schiffahrt ein Dorn im Auge und von Berlin aus wurde dekretiert, daß Warburgzuverschwindenhabe. Den bisherigen Mitarbeitern Warburgs war diese zwingende Vorschrift Berlins gewiß nicht angenehm und so suchten sie einen Ausweg, um die brüske Trennung von Warburg irgendwie zu verschleiern. Auf einem „Festbankett" hätte die bittere Pille durch lobhudelnde Reden verzuckert werden sollen. Das Bankett fand statt, die Spitzen der Behörden, der Wirtschaft und der Schiffahrt waren versammelt. Gleich zu Beginn erbat Warburg das Wort: Meine Herren! Wenn ich mich hier in diesem Kreise umsehe, so finde ich — verzeihen Sie — kein Gesicht eines Mannes, der für die deutsche Schiffahrt etwas Entscheidendes seieistet hätte. Die große und mächtige deutsche Schiffahrt ist das Werk zweier Juden. Der eine ist der verstorbene Albert B a 11 i n, der andere ist der Mann, der die Ehre hat, vor Ihnen zu stehen. Es ist sonst nicht meine Art, von mir selber zu sprechen, aber da ich weiß, daß Sie mir etwas sagen wollen und sich vielleicht nur genieren, erlauben Sie mir, Ihnen etwas nachzuhelfen. Wenn Sie an meiner Stelle stünden und ich auf Ihrem Platze, dann würde ich folgendes sagen: Mein lieber Herr Warburg! Es fällt uns schwer, von Ihnen scheiden zu müssen, von einem Manne, der zusammen mit dem seligen Albert Ballin unsere Gesellschaft geschaffen und groß gemacht hat. Es fällt uns schwer, in Ihrer Person einen Bürger zu verlieren, der seinem Vaterland während des Krieges so große Dienste geleistet hat Schließlich können wir auch nicht vergessen, daß nach dem Ausgang des unglücklichen Krieges Sie, -und kein anderer, unsere Gesellschaft aus Trümmern wieder aufgebaut und mit Ihrem Gelde saniert haben. Und wenn wir, die neuen Leute hier, jetzt gezwungen sind, von Ihnen, dem altbewährten Mitarbeiter, uns zu trennen, so tragen wir die Schuld. Das würde ich sagen, wenn ich an Ihrer Stelle wäre. Jetzt erlauben Sie mir aber, daß ich mich von Ihnen verabschiede, bis zum Wiedersehen, das heißt bis zu jenem Tage, an dem Sie meiner wieder bedürfen werden!" Nach dieser Ansprache verließ Warburg das zu seinen Ehren veranstaltete Bankett, über dessen weiteren Verlauf nirgends berichtet wird. NEU! WlenlX.,Porzellang.16 Feinwürste und Selchwaren aus der Fabrik Elsen & HSnlgsber und Ida Lazar Palästina ohne Illusion. Es war ein glücklicher Gedanke der neuen Leitung der Jugendgruppe der „Union", auf ihren vorletzten beiden politischen Abenden das Palästina-Problem zur Diskussion zu stellen. Heute ist Palästina die große Hoffnung eines Teiles der jüdischen Jugend, die sich dort eine neue glückliche Zukunft aufbauen will. Ist diese Hoffnung berechtigt? Ist sie es insbesondere vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt? Der Beantwortung dieser schicksalsschweren Frage diente das kürzlich im Festsaaä des Handelsmuseums vor einem überaus zahlreichen Auditorium erstattete Referat des Herrn Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim. Klar und ohne parteiische Kleinlichkeit hat der bekannte Wirtschaftsfachmann rein sachlich nur Tatsachen vorgebracht und daraus die sich logisch ergebenden Schlußfolgerungen gezogen. Der ausgezeichnete Vortrag bildete den Ausgangspunkt eines stellenweise sehr lebhaften Diskussionsabends der Jugendgruppe, zu dem auch Zionisten erschienen waren, die — im Gegensatz zu jüdischnationaler Praxis — zu Worte kamen, ohne, dafür sorgten schön die jugendlichen unionistischen Redner. Erfolge zu ernten. Eingeleitet wurde dieser interessante Abend mit einem Referate des Herrn Dr. Bruno David,- der verständnisvoll den Gedankengang des Vortrages des Herrn Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim wiedergab. „Wir haben", sagte Dr. David u. a.t „von Dr. Oppenheim gehört, daß die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung der Industrie Palästinas nicht gegeben sind. Es mangelt an den . nötigen Rohstoffen. Keine Keule, keine Metalle, kein Erdöl und vor allem -kein Wasser. Bloß geringfügige Möglichkeiten, die durch Kali und Pottasche des Toten Meeres und aus Produkten der Landwirtschaft sich ergeben. Die Handelsbilanz ist schwer passiv. Die Einfuhr ist dreimal so groß, wie die Ausfuhr. Dieses Defizit wird heute hauptsächlich durch Sammjungen und Spenden, vor allem der Juden Amerikas und durch Fremdenverkehr gedeckt. Eine große Zahl von Juden, die ihre Existenz in Europa aufgegeben haben. In der Absicht, sich in Palästina eine neue zu schaffen, bringen mehr oder weniger große Kapitalsmengen ins Land. Nicht zu vergessen ist das Einströmen von Geld in Form von SpekulationskapftaL das vorläufig noch günstige Chancen wittert und! vor allem zum Aufbau der Städte am meisten beigetragen hat Mit diesem Kapital ist aber nur so lange zu rechnen, als die Konjunktur anhält Beim ersten Zeichen des Abflauens der Konjunktur_wird dieses Kapital wohl Palästina verlassen und sich günstigeren und sicheren Gelegenheiten zuwenden. Genau so ist es aber mit den Kapitalien, die durch die Existenzverlegung ins Land kommen. Im Momente, wo die Prosperität nachläßt hört die Lockung für die kapitalskräftigen Einwanderer auf und1 Palästina muß mit dem Wegfall dieser Eingänge rechnen. Die andauernde Wirtschaftskrise in Europa und Amerika muß endlich die Einnahmen aus Sammlungen stark verringern, so daß auch in dieser Hinsicht mit einem starken Ausfall gerechnet werden muß. Dies genügt um zu beweisen, daß der Lebensstandard der jüdischen Bevölkerung und die Prosperität Palästinas aus Geldmitteln der außerhalb Palästinas lebenden Juden bezahlt -werden und daß nicht die günstige Wirtschaft in Palästina dafür verantwortlich gemacht werden kann. Die Kosten dieser Prosperität betragen bis heute 50 Millionen Pfund. Palästina ist klein und wenig fruchtbar. Wenn es in die Lage versetzt werden soll, wenigstens einen größeren Teil der 16,000.000 Juden aufzunehmen, muß an Expansion gedacht werden. Jenseits des Jordans liegt Transjordanien, das_ der jüdischen Einwanderung versperrt ist. angrenzend ist Syrien, das ebenfalls der jüdischen Einwanderung nicht zugänglich ist. In Pallästina leben .zirka 750.000 Araber und in den angrenzenden Gebieten weitere 20 Millionen Araber. Die Araber sind Mohammedaner, gehören der fanatischesten Religion düeser Erde an. Daß dieser Glaubensfanatismus bis heute nkat abgenommen hat. zeigen die Vierhältnisse in Indien, wo die mohammedanische Bevölkerung, die zirka .30' Prozent ausmacht, der nichtmohammedanischen Bevölkerung feindlich gegenübersteht. Selbst wenn das Unglaubliche gelingen sollte, mit den Arabern' Palästinas Frieden zu schließen, so wird die Feindschaft der übrigen Mohammedaner Arabiens und Aegyptens unvermindert weiter bestehen. Beweise, die diese Vermutung bestätigen, sind die Araberunruhen. Immer sind es Araber außerhalb Palästinas, die bei diesen Gelegenheiten ins Land einbrechen und am grausamsten gegen die jüdische Bevölkerung wüten. Aber nicht nur Glaubensfanatismus ist es. der die Araber veranlaßt gegen die Juden vorzugehen. In Palästina stößt Orient und Okzident zusammen. Technischer Fortschritt, soziale Begriffe treffen mit einem Feudalsystem zusammen. Die mohammedanischen Großgrundbesitzer fürchten diesen Einfluß und hetzen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, vor allem durch den ihnen ergebenen Klerus, gegen die Juden. War sehen, in welchen Schwierigkeiten sich die Kolonisation Palästinas durch die Juden befindet Den Jüdischnationalen ist es gelungen, in mehr aHs 3 Jahrzehnten 150.000 Juden anzusiedeln. Meiner Berechnung nach würde es 100 Jahre dauern, um 20 Prozent der gesamten Judenheit in Palästina anzusiedeln. Die -Lösu.ng der Judenfrage durch Ansiedlung der Juden in Palästina ist also eine Utopie, es bleibt nur die Assimilation. Die. Voraussetzungen für eine gesunde Assimilation, die gegeben sein müssen, damit die jüdische Bevölkerung, genau so wie die andersreligiöse ein Teil des Landes ist in dem sie.wohnt sind: Verbundenheit mit dem Lande, das ist der Wille, in diesem Land seine Heimat zu finden, das Bekenntnis zu diesem Land. Tiefe kulturelle Verbundenheit und. was vielleicht das Allerwichtigste ist. Schicksalsgemeinschaft daseist das Unterstellen der Interessen der engeren Gemeinschaft den Interessen der Gesamtheit. Nur wenn die Juden zu erkennen geben, daß das Wohl des Staates, in dem sie leben, mit ihrem Wohle identisch ist, daß sie nicht mit anderen Möglichkeiten spielen und ehrlich an der Entwicklung dieses Staates mitarbeiten wollen, wird es möglich sein, daß die übrige Bevölkerung Vertrauen zu uns haben wird. Die Stellung außerhalb der Gesamtheit der Bevölkerung kann nur eine Sonderbehandlung zur Folge haben." fpi^=l^=l^^l^=l^=l^=l=0 NICHOLSON" der bekannte Tanzkomiker, ist von seiner Europatournee zurückgekehrt und steht allen jüdischen Vereinen für ihre Veranstaltungen zur Verfügung. Adresse: WOLF, IL, Taborstraße 108;■=! Hitler und die „Protokolle". Mit größter Gründlichkeit, unter Hinzuziehung qualifiziertester Sachverständiger und zahlreicher Zeugen wurde von dem Berner Tribunal untersucht, ob die „Protokolle" echt oder gefälscht sind. Für Deutschland ist die Frage bereits entschieden, und zwar durch den Führer persönlich. In seinem „Kampf (Seite 337 der Ausgabe 1933) hat Adolf Hitler folgendes niedergelegt: „Wie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fortlaufenden Lüge beruht, wird in unvergleichlicher Art in den von den Juden so unendlich gehaßten „Protokollen der Weisen von Z i o n" gezeigt. Sie sollen auf einer Fälschung beruhen, stöhnt immer wieder die „Frankfurter Zeitung" in die Welt hinaus; der beste Beweis dafür, daß sie echt sind. Was viele Juden unbewußt tun mögen, ist hier bewußt klargelegt. Darauf aber kommt es an. Es ist ganz gleich, aus wessen Judenkopi diese Enthüllungen stammen, maßgebend aber ist, daß sie mit geradezu grauenerregender Sicherheit das Wesen und die Tätigkeit des Judenvolkes aufdecken und in ihren inneren Zusammenhängen sowie den 1 etzten Schlußzielen darlegen. Die beste Kritik an ihnen jedoch bildet die Wirklichkeit. Wer die geschichtliche Entwicklung der letzten hundert Jahre von den Gesichtspunkten dieses Buches aus überprüft, dem wird auch das Geschrei der jüdischen Presse sofort verständlich werden. Denn wenn dieses Buch erst einmal Gemeingut eines Volkes geworden sein wird, darf die jüdische Gefahr auch schon als gebrochen gelten!" Wer danach die „Protokolle der Weisen von Zion" für eine Fälschung erklärt, begeht Majestätsbeleidigung, Hoch- und Landesverrat. Ja, er unterstellt, daß das Weltbild, das sich Adolf Hitler geschaffen und für 60 Millionen Deutscher obligatorisch gemacht hat, auf bewußter Lüge und bewußter Verleumdung beruht. Hitlers Steuergesetze. Im „Pariser Tageblatt" besprioht M u c i u s die neue Steuergesetzgebung des Dritten Reiches, die gegen Nichtarier und undeutsche Christen gerichtet und dazu angetan ist, die jüdischen religiösen Gemeinden und die sozialfürsorgerische Tätigkeit der Juden in Deutschland zugrunde zu richten. § 1 des neuen Steueranpassungsgesetzes — erschienen im Reichsgesetzblatt vom 17. Oktober 1934 — normiert als allgemeinen Grundsatz, daß die Steuergesetze nach nationalsozialistischer Weltanschauung auszulegen sind. In § 2, Abs. 3, wird festgelegt, daß Fragen der Billigkeit und Zweckmäßigkeit nur nach nationalsozialistischer Weltanschauung zu beurteilen seien. Diese Weltanschauung macht einen Unterschied zwischen „Ariern" und „Nichtariern" und erkennt darüber hinaus als „arteigene Weltanschauung" nur die nationalsozialistische Weltanschauung an. Was nicht „arisch" ist, ist.nicht mehr „gemeinnützig". Wer Jude oder jüdischer Abstammung ist oder als Arier den Nationalsozialismus ablehnt wird für seine Abstammung oder Ueberzeugung mit dem Entzug steuergesetzlicher Vergünstigungen bestraft. Die jüdischen Religionsgesellschaften und jüdischeji Einzelgemeinden, ebenso die jüdischen Stiftungen, Anstalten und Vereine sind durch das neue Steueranpassungsgesetz noch besonders benachteiligt worden. Bisher war „Kirche" mit „Religionsgesellschaft" gleichgesetzt, daher waren die jüdischen Gemeinden und ihre Anstalten, Stiftungen und andere Zweckvermögen, ebenso wie die katholische und die evangelische Kirche mit ihren Anstalten, nicht nur befreit von der Körperschaftssteuer und in gewissem Umfang auch von der Vermögenssteuer, in einigen Ländern überdies auch von der Grundsteuer (z. B. Preußen, Sachsen), sondern es waren auch Zuwendungen an jüdische Religionsgesellschaften und Süftungen von der Der Neffe eines einst prominenten! indischen Mitgliedes des alten österreichischen Parlaments, geb. Oesterreicher, mit guter Kinderstube, der seit Jahren arbeitslos; ist und jh ersten Verlags- und Handelshäusern Wiens tätig, war. der kommerziell gut geschult ist englisch spricht perfekt stenographiert und eine Oberaus schöne Handschrift hat sucht bei zeitgemäßen Ansprüchen irgendeine Anstellung. Referenzen stehen zur Verfügung. Gefällige Zuschriften unter „Vertrauen" an die Administration des Blattes.