Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 44 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite? Spczialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel 'Wien, 2- Bez., Tab orstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden Telephon A 49-3-69 Die Präsidentin des Vereines, Frau Dr. Erna Schwarz-Hiller, Edle von Yiskor. richtete an die Jubilarin eine innige Ansprache, in der sie die großen Verdienste derselben um den Verein und damit um die Armen des Bezirkes würdigte. Sie schilderte in kurzen Worten, welch schätzenswerte Kraft Frau Prof. Mah- 1 e r dem Vereine bedeute, dem sie mit großer Hingebung diene. In den mehr als zehn Jahren, in der sie dem Vorstande als Vizepräsidentin angehört', hat sie Hervorragendes für die Aermsten der Armen geleistet. Zur bleibenden Erinnerung an den Jubeltag überreichte Frau Dr. Schwarz-Hiller der Vizepräsidentin, der zu Ehren übrigens bereits ein Wohltätigkeitsfonds im Vereine besteht, eine sehr geschmackvoll ausgeführte Silberplakette. Außerdem machte Frau Dr. Schwarz-Hiller der Jubilarin Mitteilung von ihrer Ernennung zur Ehrenpräsidentin. Tief gerührt dankte die Jubilarin für die ihr gewordenen Ehrungen und versprach, auch weiterhin ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache zu stellen. Sie wurde auch über den großen Kreis des Vereines hinaus, in dem sie wegen ihrer hervorragenden menschlichen Qualitäten hochgeschätzt ist, mit Glückwünschen bedacht, so ehrte sie das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde mit einem überaus herzlich gehaltenen Gratulationsschreiben. Die Anteilnahme so weiter Schichten der jüdischen Bevölkerung der Landstraße ist eine durchaus berechtigte, denn Frau Prof. Mahler ist wirklich ein prächtiger Mensch. Sie vermochte die reichen Gaben ihres Geistes an der Seite ihres Gatten zur Geltung zu bringen. Ihren Kindern ist sie nicht allein die zärtliche Mutter, sondern eine Freundin und Beraterin, sie, die streng bedacht darauf war, sie klug für das Leben zu erziehen, ist heute mit Recht von Stolz erfüllt über den Erfolg ihrer Söhne, von denen der eine in leitender Stellung in Cincinnati arbeitet, der andere als Kapellmeister in Kopenhagen wirkt, während die in Wien verheiratete Tochter ein von exklusivster Gesellschaft gern aufgesuchtes Heim führt. Auch die Redaktion der „Wahrheit" schließt sich den zahlreichen Glückwünschen aufs innigste an. Möge es der trotz ihres Alters erfreulich jugendlichen Dame vergönnt sein, noch viele ungezählte Jahre in vollster Gesundheit. Frische und Regsamkeit im Interesse des Vereines und zum Wohle der armen jüdischen Bewohner des Bezirkes weiter wirken zu können. Goldene Hochzeit. Das im 2. Bezirk sehr geachtete Ehepaar Julius und Lydia Philipp feierte am 2. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit und war aus diesem Anlaß Gegenstand herzlicher Ehrungen. Im Rahmen des Samstag-Gottesdienstes im Leopoldstädter Gemeindetempel wurde Herr Julius Philipp feierlich zur Thora gerufen. Oberrabbiner Dr. Taglicht hielt eine Anprache an das Jubelpaar, in der er dessen (firenhaften Lebensgang würdigte. Bürgermeister Schmitz betraute den Bezirksvorsteher der Leopoldstadt mit der Uebermittlung des Glückwunsches der Gemeinde Wien. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien ließ durch Herrn Oberkantor Margulies ein anerkennendes Gratulationsschreiben über¬ Teichen. Herr J. Philipp war früher langjähriges Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde Baden bei Wien. Er hat seinerzeit beim Unterrichtsminister Dr. Marchett durchgesetzt, daß 40 jüdische Kommunallehrer das DefinFtfvum erhielten. Todesfall. Am vergangenen Sonntag hat die ganze Floridsdorfer Gemeinde einen ihrer Besten zu Grabe getragen. Hugo Deutsch ist nach kurzer schwerer Krankheit im 65. Lebensjahre verschiedea Wer ihn gekannt hat, wird die gewaltige Anteilnahme verstehen, die nicht nur seine Gemeinde, der er unendlich viel bedeutete, sondern darüber hinaus weite Kreise des Wiener Judentums anläßlich des Heimganges dieses prächtigen Menschen bekundeten. Er war ein Kaufmann vom alten Schlag, geradlinig und korrekt in allen kommerziellen Dingen, er war ein Mann voll edlen Gefühls, das sich nicht auf seine nun vom tiefsten Schmerz gebeugte Familie beschränkte, sondern das er auch einer größeren Familie, der jüdischen Gemeinschaft seines Bezirkes entgegenbrachte. Insbesondere die Armen dieser Gemeinde waren es, denen er mit Rat und Tat zur Seite stand, und für ihn gilt wirklich das Wort, daß kein Hilfsbedürftiger ohne Beistand von ihm ging. Kein Wunder, daß ihm die Floridsdorfer jüdische Gemeinde so viel Edelmut mit Berufung in Ehrenämter bei allen Korporationen des Bezirkes lohnte. Er war Mitglied des Bethausvorstandes, der Bezirkskommission und der Chewra Kadischa von Floridsdorf, sowie Obmann des dortigen Wohtätigkeitsvereines „Chaunen Dal", der unter seiner hingebungsvollen Leitung wahre Großtaten zum Wohle der Armen verrichtete. Alle diese Organisationen beklagen aufs tiefste den Heimgang dieses wackeren Mannes, auch die „Union österreichischer Juden", in deren Bezirksorganisation XXI er eifrig tätig war, hat durch sein Hinscheiden einen schweren Verlust erlitten. Die Menge, die ihm das letzte Geleite gab, war eine gewaltige, der Floridsdorfer Friedhof war geradezu schwarz von Menschen, Juden wie Christen waren herbeigeeilt, um durch ihre Teilnahme der gramgebeugten Familie zu beweisen, daß auch sie zu tiefst erschüttert sind ob des schweren Verlustes, der diese braven Menschen mit dem Heimgang ihres Familienoberhauptes betroffen hat. Neben den Kultusvorstehern Dr. Ernst Feldsberg und Berthold Sinai waren überaus starke Vertretungen all der erwähnten jüdischen Korporationen erschienen, in denen Hugo Deutsch führend gearbeitet hatte. Sehr stark war die Anteilnahme der „Union", von der sämtliche Mitglieder der Bezirksorganisation Floridsdorf unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Karl Steiner und des Bezirksobmannes Doktor J. G r ü n w a 1 d, sowie Sekretär O. H i r s c h f e 1 d erschienen warea Der Floridsdorfer Frauenverein war durch eine große Deputation mit Frau Präsidentin Doktor Babette Rosenmann an der Spitze vertretea Tief ergreifend war die Trauerrede, die Rabbiner Dr. M. Rose n m a n n dem Verblichenen hielt. In herzlich bewegten Worten schilderte er all die vielen edlen Charaktervorzüge des Dahingeschiedenen, seinen hervorragenden Familiensinn und sein emsiges Wirken und Streben zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft. Die von persönlichen Gefühlen getragene Rede machte großen Eindruck auf die gewaltige Trauergemeinde. Dajm nahmen (in Vertretung des erkrankten Obmannes G. D u k e s) Obmannstellvertreter A. So bei iür den Bethausvorstand und die Chewra Kadischa, sowie Dr. Julius Grünwald für die Bezirkskommission, den Verein „Chaunen Dal" und die Bezirksorganisation XXI der „Union" innigen Abschied von dem Heimgegangenen, dessen große Verdienste für diese Organisationen sie würdigtea Die kantorale Funktion versah mit Chor Oberkantor Teig in gediegener Weise; am offenen Grab rezitierten er wie auch Kantor K u n s t a d t einige „El mole rachamim. Das Hinscheiden des Herrn Hugo Deutsch, dessen Andenken ein gesegnetes bleiben wird, beklagen unendlich viele und die allgemeine Anteilnahme wendet sich ssiner Gattin Mathilde und den Kindern und Schwiegersöhnen, den Ehepaaren Thea und Max K omorner und Lily und Egon Schöps zu. Buiid jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Samstag, den 3. November, findet im „A u g e G o ttes", IX., Nußdorierstraße 75, die Uebergabe des von der BOG IX gespendeten Fahnenbandes an dfe Bundesiührung statt. Dem feierlichen Akt schließt sich eine reichhaltige Akademie unter Mitwirkung prominenter Kunstkräfte an. Beginn 20 Uhr, Eintritt S 120.' Jacob Rosenheim spricht Sonntag, den 4. November, 8 Uhr abends, im Hotel Continental, II., Taborstraße 8. über „Agudas Jisroel und Erez J isroel". „Dr. Krüger-Heim." Vortrag des Vizepräsidenten Dr. Leo Deutschländer, am Dienstag, den 6. November um 'AI Uhr abends, über das Thema: Biblische Stoffe in der deutschen Literatur. Der Vortrag ist iür die Schülerinnen der höheren Klassen, aber auch iür Mitglieder und Freunde des Institutes frei zugänglich. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausf ührung von Malerarbeiten jeder Art II., Rotenkreuzgasse 3 Tel. A 45-5-37 Der jüdische Frauenverein Brigittenau. der unter der umsichtigen Leitung von Frau Präsidentin Olga Friedmann Hervorragendes zum Wohle der Armen dieses Bezirkes leitet und nun vor Eintritt des Winters besondere Anstrengungen im Interesse dieser hilfsbedürftigen Menschen machen muß, veranstaltet Sonntag, den 11. November, 4 Uhr nachmittags, im Festsaal des Hotel Continental eine Wohltätjgkeitsakademie mit erstklassigen Kunstkräften. Durch zahlreichen Besuch dieser Akademie, die sich gewiß würdig den bisher gelungenen Veranstaltungen des Vereines anschließen wird, wird ein gutes Werk gefördert. Karten bei allen Vorstandsdamen erhältlich. Der akademische Verband der Hörerschaft an der Israelit-theologischen Lehranstalt in Wien „Theologia" gibt bekannt, daß er über hervorragende akademisch geschulte Lehrkräfte verfügt, die Einzel- und Gruppenunterricht in Hebräisch, Bibel. Talmud, wie auch in Mittelschulfächern erteilen und Vorbereitungen zur Bar-Mizwah übernehmen. Zuschriften an: „Theologia", II., Tempelgasse 3. Richtigstellung. In das Feuilleton von Silberschatz „Entgegnung an Venizelos" in der Nummer vom 19. v. M. hat sich ein Druckfehler eingeschlichen; es soll nicht wa*B*mmmmmMmmmMmmammaammmmmmmmm HQglenisdies NönifislicM Wien I.» Seltenetettennaase 2 XI.« Zentralfriedhot neben dem L Tor Sanutag gaacbloMra! heißen: „. . . die Behauptung der Kritiker von der Unfähigkeit des Franzosen zur O ifensive . . .". sondern: „D e fensive". fffieafer und. Silm Gastspiel Alex Stein in der Jüdischen Bühne, Itr Praterstraße 60. Am Freitag, den 2. November 1934, findet die Premiere „Die beiden Kuni LerneI", von A. G o 1 d i a d e n, neu inszeniert und für die Bühne bearbeitet von Alex Stein, der selbst die Hauptrolle übernommen hat, statt. JUdische Kulturstelle. II„ Aspernbrückengasse Nr. 2 (R 48-2-91). Zweigstelle: VL, Loquaiplatz 1LB20-0-81). Büro: 9 bis 17 (Samstag 9—W. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten in folgende Theater zur Verfügung: Staatsoper, Burgtheater, Akademietheater. Deutsches Volkstheater. Raimundtheater, Scala, Theater in der Josefstadt, Kammerspiele, Theater a. d. Wien, Volksoper, Tribüne. Jüdische Bühne, Jüdische Künstlerspiele, Theater iür 49. Konzerte: 4. November: Die Philharmoniker mit Mengelberg, 7. November: Odnopossoff, 13. November: Piccaver. Führungen: Sonntag, den 4. November, Führung durch das Theater i. d. Joseistadt. Treffpunkt 'All Uhr, Bühnentür Piaristengasse. Leitung: Prof. Dr. Oskar S t r n a d. Autoausilug: Sonntag, den 4. November auf den Semmering. Abfahrt 8 Uhr, II., Aspernbrückengasse 2, Rückfahrt zirka 20 Uhr, Teilnehmerpreis S 10.—. Grand Guignol im „Stefanie", II. Taborstraße 12. Ab Samstag, den 3. November, täglich K10 Uhr abends, außerdem jeden Sonntag, 5 Uhr Nachmittagsvorstellungvon Grand Guignol — ein neuer Begriff der Kleinkunst in Wien. Erstklassiges Programm. Preise der Plätze 90 Groschen bis S 2.80. Das Kino der Sensationen. Das Kreuz-Kino, das seit jeher bestrebt war, den Sensationsfilm von höchster Qualität zu zeigen, hat für sein fünfzehnjähriges Jubiläum ein besonderes Festprogramm zusammengestellt, das unter dem Titel „Sport — Rekorde — Sensationen" ab 2. November gezeigt werden wird. Die berühmtesten Kamera- Reportagen aus den Fox - Wochenschau - Archiven wurden zu diesem Zweck dem Kreuz-Kino zur Verfügung gestellt und das Publikum wird Gelegenheit haben, unvergeßliche Bildsensationen in einem Programm von erschütternder Wirksamkeit vereinigt zu sehen. Judische Siedlungen. Wenn auch die ganze Welt unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise seufzt, sind in Oesterreich Not und Elend noch über das gewissermaßen für unsere Zeit normale Maß gestiegea Und erst bei den österreichischen Juden! Sie sind besonders hart von der Arbeitslosigkeit betroffen, sie sehen, soweit sie noch Arbeit haben, von Tag zu Tag mit Bangen einem Abbau. entgegen. Auch die kleinen Gewerbetreibenden, denen sich eine Quelle des Erwerbs nach der anderen verschließt, sind in großer Zahl Juden. Bei diesen Verhältnissen ist es erstaunlich, daß sich Juden nicht in größerem Ausmaß als bisher an der Siedlung»- bewegung beteiligen. In einem Eigenheim, nahe genug der Stadt, um dem Erwerb nachgehen zu können, mit einem Stück Grund, der bei sorgfältiger Pflege in den Freistunden, mit Hilfe der Frau und der heranwachsenden Kinder, nicht nur den Haushalt entlastet, sondern auch einen erheblichen Zuschuß durch Verkauf der überschüssigen Erzeugnisse bringen kann, in einer für das Heranwachsen der Jugend günstigen Atmosphäre, so wird der jüdische Siedler zwar ein bescheidenes, aber ein verhältnismäßig unbesorgtes und unbedrücktes Leben führen können. Es ist eine falsche und kurzsichtige Ansicht, wenn man das Siedeln für eine Angelegenheit solcher Leute hält, denen das Wasser schon bis zum Halse reicht. Das Gegenteil ist richtig. Für solche Menschen und Familien ist das Siedeln zwar äußerst wichtig, problematisch aber ist es, wie da die notwendigen Voraussetzungen geschaifen werden sollen, eine Frage, die zwar nicht unlösbar ist, aber doch entschieden weit mehr Schwierigkeiten hat als die Lösung der Wohnungsfrage durch Siedeln iür solche Juden, die sich in vorausschauender Weise dem Wehnen im Miethause entziehen. Ganz falsch ist die Ansicht, als cb es gewissermaßen die städtischen Instinkte des Juden wären, die von einer größeren Teilnahme an der Siedlungsbewegung zurückhielten. Nicht persönliche Vorliebe für das Großstadtleben, sondern Faktoren ganz anderer Art haben in der vorigen und vorvorigen Generation viele Juden aus Dorf und Kleinstadt wo sie halbstädtische, mit dem Grund und Boden noch verbundene Existenzen führten, in die Großstadt getrieben. Der Weekendi-Gedanke. der ja auch dem Wunsch an städtische Berufe geketteter Menschen entspringt, sich allwöchentlich ein paar Stunden ungebunden in der Natur bewegen zu können, hat nirgends mehr Anklang gefunden als bei den Juden. Diesen nur zu bekannten Tatsachen soll die „Haarez" Siedlungsgenossenschaft Rechnung tragen. Ihr Statut ist elastisch genug, den verschiedenartigen Bedürfnissen zu entsprechen. Auf die konkrete Frage: „Was ist an Mitteln zumindest not-