Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 44 (2.11.1934)
- Date
- 1934-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BIE WAHRHEIT Seite» ' Bei mäßigem Preis — gewissenhafter s Unterricht ■ In KLAVIER u. VIOLINE 5 erteilt Kornelia Klein, Mitglied der Ssterreldüsdien ■ Musildehrersdiaft, I.. Kai 19/12 (Lift) Tel. R 26-2-38. 2 Referenzen erteilt audi die Redaktion d. Blattes Die Röhm-Versdiwömng - judisch, Julius Streicher hat in seinem „Stürmer" wiederholt behauptet, daß die angebliche Verschwörung des Stabschefs der SA. Ernst Röhm, die durch das Gemetzel vom 30. Juni liquidiert wurde, von Juden angezettelt worden sei. Er brachte die Ermordung mehrerer Juden in Hirschberg und in anderen schlesischen Städten am 1. und 2. Juli durch SS.-Leute mit der Hinrichtung des Röhm-Freundes Heines in Zusammenhang, um „glaubhaft" zu machen, daß die Juden sich gemeinsam mit ihren Mördern (es ist bekannt, daß Heines noch von früher her mehrere Judenmorde auf dem Gewissen hat) gegen Hitler verschworen haben! Nunmehr weist die Saarbrückener Wochenschrift „Westland" darauf hin, daß die von Alfred Rosenberg, Reichsleiter der NSDAP, Leiter des Außenpolitischen Amtes Hitlers und weltanschaulicher Leiter der NS.-Bewegung, begründete Monatsschrift „Der Welt kämpf" (jetzt wird sie von Rosenbergs Adlatus Dr. E. Boepple herausgegeben) in die gleiche Kerbe haut. Im September-Heft des „Weltkampf" schrieb Rosenberg: „Schon vom Monat April an mehrten sich die Anzeichen, daß die uns feindlich gesinnten internationalen Dunkelmächte, daß Juden und Judengenossen eine geheime Tätigkeit entwickelten, die auf Beseitigung des gehaßten Nationalsozialismus hinausliefen. Der Ton der jüdischen Presse im Reiche wurde von Woche zu Woche arroganter und höhnischer, im Ausland aber erschienen versteckte Meldungen von einem baldigen Umsturz und Chaos." Rosenberg führt Aeußerungen der Warschauer jiddischen Tageszeitungen „Moment" und „Hajnt" an, die angeblich dem Hitler^um ein baldiges Ende voraussagten, und fährt fort: „Deutlicher kann das verbrecherische Treiben des Röhm- Klüngels und der reaktionären Verbrecher als jüdische Hilfstruppen gar nicht beleuchtet werden, als durch diese jüdischen Untermenschen-Bekenntnisse, die allein ihre Weltherrschaft im völkischen Reiche bedroht sehen und daher alles daran setzten, den arischen Krieg von neuem zu schüren." Rosenberg beschuldigt den „jüdischen Bankier F. von Mendelssohn" in Berfm, mit General Schleicher in Verbindung gewesen zu sein. „Westland" äußert darum Besorgnis um das Schicksal Franz von Mendelssohns, Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages bis zum Boykott-Tag, Vizepräsidenten der Internationalen Handelskammer in Paris, einstigen Herrenhausmitgliedes, und fragt, ob auch er am 30. Juni geendet oder monatelang hinter Stacheldraht in Torgau gesessen hat. Die Saar-Juden antworten. Der Saar-Front-Leiter Burckel hatte, wie „Die Wahrheit" letzthin mitteilte, ausländischen Journalisten auf die Frage, was das Schicksal der Saarland-Juden sein wird für den Fall, daß das Saargebiet an Deutschland zurückfällt, geantwortet: Wenn die Juden „auf gewisse kulturelle Gebräuche und die Finanzspekulation verzichten", dann wird ihnen an der Saar kein Har gekrümmt werden. Dazu bemerkt das „Nachrichtenblatt der Synagogen-Gemeinden des Saar-Gebietes" u. a.: „Das ist bemerkenswert und eigenartig. Besonders, wenn man weiß, wie schwer sich das Judenproblem an der Saar stellt, welche Schicksalsfragen sich aufwerfen, welche Tragödien sich vorbereiten. Etwas hindert unsere Feinde an der Saar, die volle Wahrheit zu sagen. Dürften sie offen reden, wir würden merkwürdige Dinge zu hören bekommen über die Art, wie man mit uns umzugehen beabsichtigt. So aber werden aus streitbaren Hetzern gutmütige Redner; sie kennen die Abneigung der Welt gegen einen allzu faustdicken Judenhaß. Man braucht in der Saarfrage eine günstige Weltmeinung und richtet deshalb auch das Judenproblem danach ein. Manche Juden an der Saar erheben darauf ein Freudengeschrei. Sie preisen die Weisheit einer so maßvollen Politik. Sie sprechen viel von der vortrefflichen Haltung der gemäßigten Richtung, die wohl zu unterscheiden sei von dem wüsten Radauantisemitismus vorjähriger Ausgabe. Es ist die alte Inkonsequenz, eine Autorität auszuspielen, die man grundsätzlich bekämpfen muß, die alte Halbheit, der alte Fehler, das Große über Kleinem aus dem Auge zu verlieren. Wer sein Recht fordert, seine freiheitlichen Ziele verfolgt, der muß Angriffe auch dann zurückweisen, wenn sie in Watte gewickelt sind. Wir sind in einer Situation, über die man mit inhaltlosen Phrasen nicht hinwegkommt. Und für falsche Loyalität wird die gerechte Strafe nicht ausbleiben." Wie richtig diese Anschauung ist, beweist eine Zuschrift eines „D. L, Saarbrücken" im letzten Heft des von Julius Streicher herausgegebenen „Stürmer", die mit den Worten schließt: „. . . Für uns Saarländer sind die Juden zu "einer Plage geworden. Um so sehnlicher wünschen wir die Einverleibung mit dem Reiche, damit wir endlich von dem Joch der Juden und der Fremdherrschaft befreit werden. Heil Hitler!" Die Zukunft der Juden Amerikas. In der Schlußsitzung der 19. Jahreskonferenz des Landesverbandes New York der Young Men's and Young Women's Hebrew Associations und gleichartiger Vereinigungen hielt der Ehrenpräsident des Verbandes, Richter am Appellationsgerichtshof Irving Lehman, eine Ansprache, in der er erklärte, ihm sei um die Zukunft der Juden Amerikas nicht bange. Zwar verkenne er keineswegs das Vorhandensein von Vorurteilen gegen die Juden auch in Amerika und es sei zu bedauern, daß das Ende des Weltkrieges feindliche Gefühle zwischen den Rassen nicht zu beseitigen vermochte. Aber auch wenn die Judenheit von Zeit zu Zeit Mißgeschick erfährt, so hat sie gleichzeitig Gelegenheit, der Welt zu zeigen, Gymnastikschule Neily Spielmann Wien VIII., AlsaratraB* 2t, Man. Telephon vte-ä-vis dem Allg. Krankenhaus R 60-2-72 Anmeldungen und Auskünfte täglich von 6—12 und 3—6 Uhr in der Schule oder telephonisch von 8—9 Uhr vorm. und 2—4 Uhr nachm. daß ein guter Jude ein guter Bürger sein muß, weil geradesei nJudentumdies vonihm verlangt. „Ich halte es nicht mit denjenigen", schloß Richter Lehman seine Ansprache, „die erklären, wir seien das auserwählte Volk. Aber ich sage, daß der echte Jude, der Mann, der die Geschichte seines Stammes kennt und seinen Idealen treu ist, ein besserer Bürger, ein besserer Amerikaner, ein besserer Diener seines Gottes sein muß, selbst wenn er blind ist für Gottes Existenz." Wie in einem soeben veröffentlichten Bericht der Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society (Hias) für die Zeit vom 1. Jänner bis 30. September 1934 mitgeteilt wird, stammten von den 5048 Juden, die in den ersten sieben Monaten des Jahres 1934 nach Amerika eingewandert sind, etwa 50 Prozent aus Deutschland, von wo sie zum Teil direkt, zum Teil nach vorübergehender Niederlassung in anderen europäischen Ländern, nach Amerika ausgewandert sind. Z. T. A. Von Polen kann man lernen! J us tizm in ist er Micha low ski empfing das Mitglied des jüdischen Sejm-Klubs Abgeordneten Dr. Sommer st ein, der ihm eingehend die Aktionen zur Eliminierung der jüdischen Assessoren im Gebiet der Lemberger Notariatskammer schilderte. Der Justizminister erklärte, er werde in der Praxis des Notariatsberufes keine Methoden zulassen, durch die nationale oder religiöse Kämpfe ausgelöst werden könnten. GROSSFLEISCHHAUEREI «EGM. KORNMEHL Dt* MRCKUUa NR. 1» nUAUi XVHL, WJUfRlMOWISfRASn 9t Tahpboa Nr. A 17-330 na d A 1*444 UmImnat fUr HiIImiMIi» AbteilungenrarKoscherfleisch AntalaM mmu ahrar. Rabblntra tf «e Sämtliche Fleischsorfcn von auuchlieSlicB Priaa-Qualitlt zu den billigsten Marktpreis» Jüdische Arbeitzeber, erfaßt den Ernst der Zeit, fördert die Arbeitsbeschaffungsaktion zugunsten der jüdischen Arbeitslosen und fordert den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Jüdischen Verein für unentgeltlichen Arbeltsnachweis. Wien L, Kohlmessergasse 4. Telephon U 27-0-65 an. r Kein zweites Campbell! In einer öffentlichen Erklärung richtet der Generalgouverneur von Saloniki,. Pericles Rhallis, eine Warnung an die in letzter Zeit wieder sehr rührigen antisemitischen Kreise in Saloniki, ihre Hetze nicht zu weit zu treiben, da die Regierung gegen jeden Versuch, judenfeindliche Ausschreitungen zu begehen, mit den schärfsten Mitteln vorgehen werde. Unter Hinweis auf eine vom antisemitischen Studentenverband soeben verbreitete Flugschrift erklärt der Generalgouverneur, daß die Aufreizung gegen die Juden, wie sie in derartigen Schriften geschieht, verbrecherisch sei. Die Studenten, sagt Generalgouverneur Rhallis. wollen offenbar einen zweiten Campbell-Pall (Niederbrennung des jüdischen Campbeil-Viertels im Jahre 1931) provozieren, wir werden es jedoch nicht zulassen, daß es zu solchen Ereignissen kommt. Die Vorstellung, daß es den Antisemiten gelingen könnte, nochmals solche Ausschreitungen zu begehen, ist absurd. Die inzwischen in tausenden Exemplaren verteilte Flugschrift beschuldigt die Juden völlig grundlos, im Bunde mit den Komitatschis zu versuchen, Mazedonien von Griechenland loszureißen und autonom zu machen. Hinter dieser Hetze steht anscheinend auch die berüchtigte Organisation „E. E. E." (Ethniko Enossis Ellados), die seinerzeit aufgelöst worden war, als sie sich in eine politische Partei umwandelte und jetzt in ihrer alten Form wiederauferstanden ist. Z. T. A. Aas der braunen Hölle. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat am 25. Oktober den neuen Botschafter der UdSSR (Union der Sowjet-Republiken Rußlands), Jakob Sacharjewiitsch Suritz, der sich schon Uber einen Monat in Berlin aufhält und mit dem Hitler bereits eine längere Unterredung gehabt hat. offiziell empfangen, wobei Botschafter Suritz dem Reichsführer sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Reichsaußenminister von Neurath und Staatssekretär Meißner, sowie drei Herren der Sowjetbotschaft wohnten dem diplomatischen Akt bei. Vor der Reichskanzlei hatte eine Ehrenkompagnie der Reichswehr Aufstellung genommen. Nach dem Austausch der Begrüßungsansprachen stellte Suritz dem Führer die Herren der Botschaft vor und verblieb noch eine Viertelstunde mit dem Reichskanzler in zwangloser Unterhaltung. — Jakob, Sohn des orthodoxen Juden Sachar Suritz. der eine große diplomatische Laufbahn hinter sich hat, hat in seiner Jugend eine gut jüdische Erziehung genossen. In der diplomatischen Welt hat man es als eine gewisse Demonstration der Moskauer Regierung aufgefaßt, daß sie ihren früheren Botschafter in Berlin Leo Chintschuk, dem es als Juden in Rasse-Deutschland unbehaglich geworden war, durch den Juden Jakob Suritz ersetzt hat. « Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet über eine Rede, die Gauleiter Julius Streicher vor den leitenden Männern von Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe in Nürnberg und Fürth gehalten hat und in der er ausführte: „Der Deutsche nennt einen anständigen, ordentlichen Erwerbsgeist sein eigen, er kennt aber keinen Finanzgeist. Gesundem Erwerbssinn und Erwerbsgeist werden immer jüdischer Finanzsinn und Finanzgeist gegenüberstehen. In den Kirchen wird von der Erbsünde gesprochen. Die eigentliche Erbsünde ist die Sünde wider die Rassengesetze, ist die Rassenschande. Jahrhunderte hindurch hat sich der Jude der deutschen Frauen bedient und so unser Blut verseucht Wenn alle Väter und Mütter die Rassenfrage kennen würden, wäre es bald anders in dem deutschen Volk. Wenn wir erst die Rassengesetze geschaffen haben, die wir brauchen, wenn wir verhüten, daß das deutsche Blut geschändet werden kann, dann gehen wir einer schönen Zukunft entgegen, dann mag die ganze Welt gegen uns sein, das deutsche Volk wird seinen Weg zur Höhe wieder finden. Wir haben vor 14 Jahren prophezeit, daß wir siegen werden und haben recht gehabt Heute prophezeie ich Ihnen: wir erleben auch noch einevonJudenreine deutsche Wirtschaft Daß wir auf dem Weg dazu sind, fühlen Sie alle." Der „Mitteldeutsche", Magdeburg, berichtet über eine Versammlung der Ortsgruppe Dom der NSDAP., bei welcher der bekannte Reichstagsabgeordnete Kunze, genannt „Knüppel-Kunze'!, sprach. Der Redner beschuldigte das Judentum als Urheber des Weltkrieges wie auch als Zerstörer der Kampfkraft des deutschen Heeres und als Veranlasser der Inflation. Er Schlott seine Ausführungen mit folgenden Sätzen: „Die Geschichte hat uns bewiesen daß uns Juda Vernich-