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Die Wahrheit · 1934-10-26 · Heft 43 (26.10.1934) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 43 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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1 DIE WAHRHEIT Seite 7 Spazialhaus für Wolle «ad Striofcgarne Moritz Nagel Wien, Z. Bez., Taborsüraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69__ vom Gegenteil überzeugt Im Bewußtsein ihrer Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen erachtet die „Union" es als oberste Pflicht jene wachsame Politik zu verfolgen, die am wenigsten die jüdische Position in der Zukunft präjudiziert. Mit aller Entschiedenheit wendet sie sich deshalb gegen die Forderung der Jüdischnationalen nach Absonderung der jüdischen Schüler in vom Staate erhaltenen national-religiösen Schulen, eine Forderung, die im Gegensatz zur Willensmeinung der weitaus überwiegenden Mehrzahl der in Oesterreich verwurzelten Juden steht und die auch geeignet ist, die Einmütigkeit der jüngsten Kundgebung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde gegen die konfessionellen Parallelklassen an öffentlichen Schulen um ihre Wirkung zu bringen. In Erledigung der weiteren Tagesordnung wurden die von der Bezirksleitung ausgearbeiteten interessanten Anträge betreffend die Kultussteuer, die soziale Fürsorge und das Gebührenwesen der I. K. G. erörtert und schließlich eine angeregte Debatte über die wirtschaftlichen Agenden der Organisation, insbesondere das Kreditwesen abgeführt^ Die Jugendgruppe der »Union", an deren Spitze seit kurzem ein Exekutiv-Komitee unter der Leitung von Dir. jur. Egon Spielmann steht, begann ihre Tätigkeit am 23. d. M. mit einem Vortrage, den Reg.rRat Dr. Hermann Oppenheim im übervollen Festsaal des Handelsmuseums über „Pialästina .ohne III usion" hielt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer dem durch aneifernde programmatische Begrüßungsworte des Herrn Dr. Spielmann eingeleiteten Vortrag. Vom wirtschaftlichen und politischen Standpunkt kritisierte der sachkundige Referent die Illusion der Jüdischnationalen, daß Palästina die Lösung der Judenfrage bedeute. Das Auditorium bewies durch seinen lebhaften Beifall, daß es den von Reg.-Rat Dr. Oppenheim mit Entschiedenheit vertretenen Standpunkt teilt, daß die Lösung nur in den vom Geiste der Humanität erfüllten Heimatländern durch Betonung des religiös-patriotischen Gedankens gefunden werden könne. (Wir werden auf das hochinteressante Referat noch ausführlich zurückkommen.) Ddr Abend war ein vielversprechender Anfang der Tätigkeit der Jugendgruppe, die in Kürze weitere Veranstaltungen politischer und gesellschaftlicher Art ihren Mitgliedern und Freunden bieten wird. Aus der braunen Hölle. Aus einer Stadt im Rheinland wird berichtet: Der jüdische Sanitätsrat Dr. A. hatte einmal drei Söhne. Bei Kriegsausbruch 1914 war der älteste Referendar, der zweite stud. jur. und der jüngste Mediziner. Der älteste fiel schon 1914 beim Vormarsch aui Paris, der zweite ein Jahr später in der Champagne, der dritte hingegen kam nicht an die Front, sondern tat Dienst als Unterarzt in einem Kriegslazarett, weil er der letzte überlebende Sohn einer Familie war. Der alte Herr selber blieb als Regimentsarzt bei der Truppe, wurde verwundet und erhielt das E. K. I. Sechs Jahre nach Kriegsende übergab der 60jährige Kriegsverletzte seine Kassenpraxis dem einzigen Sohne und setzte sich zur Ruhe. Sein Vermögen hatte die Inflation vernichtet Im Juni 1933 wurde dem Sohne eröffnet, daß er als Nichtarier ohne Frontkämpfereigenschaft von der Kassenpraxis ausgeschlossen worden sei. Der Hinweis auf den Heldentod seiner beiden Brüder und die Fronttätigkeit seines kriegsverletzten Vaters, der jetzt vollkommen auf ihn angewiesen ist wurde kaltschnäuzig zurückgewiesen, es wurde ihm gesagt, man könne Nichtarier nur dann zulassen, wenn der Vater im Kriege gefallen sei. Um seine und des Sohnes Existenz zu retten, beantragte der schwerkranke alte Herr seinerseits, als Kriegsteilnehmer wieder zur Kassenpraxis zugelassen zu werden. Diesem Antrage umßte stattgegeben werden. Der Siebzigjährige war aber gesundheitlich nicht imstande, die Praxis selbst auszuüben und ließ sich durch seinen Sohn vertreten. Auf eine Denunziation hin, daß er sich von einem nichtzulassungsberechtigten Nichtarier vertreten lasse, wurde ihm nun nach einem Vierteljahr die Zulassung entzogen. Die Familie hungert jetzt buchstäblich. * "Die NSDAP. Groß-Hamburgs hat einen ausführlichen Fragebogen über die Ursachen des Wahlergebnisses der Reichsführerwahl herausgegeben. "Das Gauschulungsamt Hamburg beantwortete den Fragebogen u. ä. dahin, daß eine der Ursachen des schlechten Wahlergebnisses die Zulassung der Juden zur Wahl gewesen ist'und kommt zu dem Ergebnis: „Den Juden muß das Wahlrecht genommen werden." » Die „Deutsche Bühnenkorrespondenz" (das Nachrichtenblatt der Nationalsozialistischen Kulturgemeinde, Abteilung Theater) wendet sich in einem Aufruf „An die Theaterdirektoren!" dagegen, daß die Spielpläne von Theatern noch immer mit einer großen Zahl von Werken durchsetzt seien, „deren Autoren, Komponisten oder Librettisten entweder selbst Juden oder jüdisch versippt sind". Der Aufruf schließt mit dem Satz: „Wir begnügen uns bisher noch damit, die Stücke, an denen Juden mitgearbeitet haben, aus den Veröffentlichungen der Spielpläne von uns aus zu streichen — allerdings in der stillen Hoffnung, daß die Theaterdirektoren auch bald etwas davon merken." Palästina-Nachrichten. Im Anschluß an eine in der Haifaer Vorstadt Hadar Hakarmel abgehaltene revisionistische Versammlung ist es jüngst zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern gekommen, bei dem etwa 20 Personen, unter ihnen der Revisionistenführer Dr. Wolfgang von Weisl, verletzt wurden. Auch mehrere Polizisten erlitten, als sie die Menge zerstreuten, Verletzungen. Einige Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. * In Jerusalem sind die ersten 65 jüdishen Flüchtlingsfamilien aus Buchara mit Zertifikaten, die ihnen von der Jewish Agency zur Verfügung gestellt worden waren, eingetroffen. Man wird die Flüchtlinge hauptsächlich auf dem Lande ansiedeln. In Afghanistan befinden sich noch etwa 200 jüdische Flüchtlingsfamilien aus Buchara, die dem seit einiger Zeit in Buchara herrschenden antijüdischen Terror und den diskriminierenden Maßnahmen der Regierune weichen mußten. * Dem Herausgeber der Jaffaer arabischen Tageszeitung „AI Difaa", Sami Eifendi Al-Sarraj. einem politischen Flüchtling aus Syrien, der mehrere Jahre in Aegypten lebte, wurde von den Behörden die Ausweisung aus Palästina für den Fall angedroht, daß er die Veröffentlichung aufreizender Artikel gegen eine angebliche jüdische illegale Masseneinwanderung fortsetzen sollte. Ein Gemütsmensch. Das Warschauer Kreisgericht hat den Handwerker Szmietonski wegen Ermordung des jüdischen Hausverwalters Jizchak Krongold zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Szmietonski hatte Krongold, der zu ihm kam, die Miete einzufordern, mit den Worten „jüdisches Schwein" empfangen und dann durch Revolverschüsse getötet. Der Staatsanwalt forderte strenge Bestrafung des Angeklagten als abschreckendes Beispiel für alle diejenigen, die Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbeiten jeder Art II., Botenkreuzqaa*« 3 Tel. A 45-3-37 glauben, daß in Polen ein Menschenleben wohlfeil sei. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß keinerlei mildernde Umstände für den Angeklagten sprächen und daher eine Herabsetzung der Strafe nicht möglich sei. Der Mörder nahm das Urteil mit dem Ruf „EslebeeinfreiesPolen ohne Juden!" entgegen. Aus atltx Welt. Rom. Zum Generalgouverneur der italienischen Kolonie Somaliland ist der venezianische Jude Ravas, ein Sohn des bekannten Commendatore Ravas. ernannt worden. Der König von Italien war anläßlich seines letzten Staatsbesuches in Italienisch-Somaliland Gast des Generalgouverneurs Ravas. .Die Kolonie ist in der Nachbarschaft Abessiniens gelegen und darum für Italien besonders bedeutungsvoll. Berlin. Die Beisetzung des am 15. Oktober verstorbenen Gründers des S. Fischer-Verlages, Samuel Fischer, fand am Donnerstag, den 18. Oktober, auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee statt Ein Trauergefolge von einigen hundert Menschen erwies dem Toten die letzte Ehre. Unter den Trauergästen sah man eine große Zahl bekannter Schriftsteller, Künstler und Journalisten, unter ihnen Gerhart Hauptmann. Der Schriftsteller Oscar Lörcke, langjähriger Lektor des Fischer-Verlages, widmete dem Toten tiefempfundene Worte des Gedenkens. Er würdigte seine Verdienste um die neuere deutsche Literatur und nannte ihn einen Wegbereiter zahlreicher aufstrebender Talente. Namens der jüngeren Autoren gab Manfred Hausmann der Hoffnung Ausdruck, daß das große Werk S. Fischers im Interesse der geistigen Welt weiter bestehen bleiben werde. Oberkantor Davidsohn gab der Feier, die von Darbietungen klassischer Musik durch bedeutende Künstler umrahmt war. die religiöse Weihe durch traditionellen Gesang und Gebet Warschau. Die soeben herausgegebene offizielle Geburten-Statistik für die sechs Monat April J>is September 1934 zeigt, daß die niedrigste Geburtenzahl unter den Polen bewohnenden Nationalitäten bei den Juden festzustellen ist Auf 1000 jüdische Einwohner kamen 20,9 Geburten, auf 1000 Katholiken 28.8. auf 1000 Griechisch-Orthodoxe 28,5, auf 1000 Evangelische 22.1. Von Todesfällen zählte man bei Evangelischen 14.5, bei Katholiken 14.3. bei Griechisch-Orthodoxen 13.2, bei den Juden 9,5 aui 1000. Die Sterbeziffer ist also bei den Juden am niedrigsten. Der natürliche Zuwachs betrug bei Katholiken 14,6. bei Griechisch-Orthodoxei 13.3, bei den Juden 11,3, bei Evangelischen 7,6 auf 1000. Die niedrigste Geburtenzahl bei den Juden wird, wie man sieht durch die gleichfalls niedrigste Sterbezahl etwas ausgeglichen, so daß bei der Feststellung des natürlichen Bevölkerungszuwachses die Juden nicht mehr an letzter Stelle rangieren. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 Q RABSTEINLAGER: Zentralfriedhof. 3. Tor, Tel, U10-4-53 Semeindedktonik. London. Der Conseil der JCA hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des wegen hohen Atters ausgeschiedenen Sir Leonhard Cohen zum Mitglied des Conseil Lord E r l e i g h gewählt. An Stelle des verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Dr. Eduard Bärwald, hat der Vorstand der Frankfurter Gemeinde Herrn Bankier Emil Oettinger delegiert. An Stelle des verstorbenen Prof. Salonion R e i n a c h ist Herr Jacques Helbroner in den Conseil eingetreten. Durch das Ausscheiden des bisherigen Präsidenten Sir Leonard Cohen war eine Neuwahl des Präsidiums nötig. Es wurde zunächst einstimmig Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M., zum Präsidenten der JCA gewählt. Dieser erklärte aber, nicht in der Lage zu sein, das Amt zu übernehmen, und schlug seinerseits Sir O smond d'Avigdor Goldsmid vor, dessen einstimmige Wahl dann auch erfolgte. Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid ist eine zentrale Persönlichkeit des Judentums. Er war lange Zeit Präsident der maßgebendsten Gremien des englischen Judentums, wie z. B. des Board of Deputies; er steht an der Spitze des Central British Fund und ist eine der führenden Persönlichkeiten der Jewish Agency for Patestine. Warschau. Der Unterrichtsminister hat die berühmte Talmud-Hochschule „Jeschiwath Chachme Lublin", an deren Spitze vor kurzem als Nachfolger des verstorbenen Gründers der Jeschiwah, Rabbi Meir Schapiro, Rabbi Zwi Arje Frommer trat, als Hochschule anerkannt Den Bachurim (Jeschiwah-Zöglingen) werden dieselben Vergünstigungen wie Universitätshörern, darunter eine generelle Fahrpreisermäßigung auf den polnischen Staatsbahnen, zugestanden. 70. Geburtstag. Heute feiert der in weitesten Kreisen bekannte und geschätzte Herr Kommerzialrat Richard Wiener seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar genießt nicht nur in seinen Branchekreisen berechtigte Sympathien, auch in der Wiener Judenschaft besitzt er einen guten Ruf, den er sich durch sein werktätiges Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten erworben hat Namentlich die „Union österreichischer Jude n", deren pflichteifriges Mitglied er seit vielen Jahren ist, schätzt seine Mitarbeit sehr und hat ihn deshalb schon vor langer Zeit zu ihrem Vertrauensmann in der Bezirkskommission l in der Kultusgemeinde beritten, wo er wegen seiner hervorragenden Fähigkeiten allseits beliebt ist. Alle die Freunde, die er sieb in Beruf und Privatleben, in den Kreisen der „Union" und weit darüber hinaus erworben hat werden seinen Jubeltag gerne benützen, um ihn ihrer Wertschätzung zu versichern, die er sich durch seine gediegenen persönlichen und jüdischen Qualitäten mit Recht errungen hat. Frau Lilly Seror, geborene Goldhammer, ist teines gesunden Knaben genesen. Masseltow. Die Bezirksorganisation Landstraße des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" hat vergangenen Sonntag ihr neues prachtvolles Parteihaus (III., Hauptstraße 9) in solenner Weise eröffnet. Wir werden über die schöne glänzend besuchte und ebenso gelungene Feier noch berichten. Moses Horowitz, der Rabbiner der Bene-Berith- Synagoge in der Kaschlgasse (20. Bez.). wurde an Stelle seines kürzlich verstorbenen Vaters einstimmig zum Oberrabbiner von Stanislau gewählt Oberrabbiner Horowitz wirkte 15 Jahre als Rabbiner der zwei Bethäuser in der Josefinengasse (2. Bezirk) und Hetzgasse (3. Bezirk), bis er vor 5 Jahren zum Rabbiner der neuen großen Synagoge in der Kaschlgasse bestellt wurde. Jüdischer Angesteütenverband Emunan, 1„ Biberstraße 17. Am Samstag, den 27. d. M. hält Frau Ella Rudner-Pfeffer einen Vortrag über „Das Problem der Weltsprache im Spiegel der Zeit und seine Lösung." Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. Gäste willkommen! Aviso! Wir verweisen auf die auf Seite 3 dieser Nummer erschienene Ankündigung eines neuen Selchwarengeschäftes im 9. Bezirk. ÜVieafer und SmUn Jüdische Bühne. In der jüdischen Bühne, IL. Praterstraße 60. t.ind aus Anlaß des Gastspieles von Alex Stein eine Neuaufführung von An-Skis „Dybuk" statt Die große Kunst des Gastes, der noch vom Wilnaer Ensemble in allerbester Erinnerung ist. rechtfertigt allein schon den Besuch. Stein zeichnet die beiden grundverschiedenen Charaktere (den Jeschiwa-Bocher und den Rebbe) mit einer seltenen Meisterschaft und sciiaiit der Aufführung ein besonderes Niveau. Er wird von dem ausgezeichneten Ensemble, aus dem die Leistungen Frl. Beils und Herrn Zucker besonders in Erinnerung bleiben, bestens unterstützt. E. H. Im Cafe City, IX., Porzeliangasse, hat jetzt eine neue Kleinkunstbühne, die sich A. B; C. nennt (Aisergrund-Brettl im City) ihre farbenprächtigen Zelte airN geschagen. Das tüchtige Ensemble unter der künst-

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