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Die Wahrheit · 1934-10-26 · Heft 43 (26.10.1934) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 43 (26.10.1934)
Date
1934-10-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Rassenhaß frei zu machen, findet eine sehr wirksame Unterstützung durch das von Pater Bichlraäier veröffentlichte Zahlenmaterial zur Statistik der Judentaufen. Diese Zahlen offenbaren ein klares Debakel der Judenmission: Seit Jänner 1928 bis Mitte dieses Jahres sind 447 Judentaufen erfolgt (gegen 366 Aufnahmen von Protestanten). Im Jahre 1930 traten 27 Juden (39 Protestanten) über; im Jahre 1931 waren es 43 Juden, 51 Protestanten; im folgenden Jahr 1932 42 Juden, 71 Protestanten, 1933 102 Juden, 51 Protestanten und in diesem Jahr bisher 152 Juden und 66 Protestanten. Bis zum Ende des heurigen Jahres dürfte, so schätzt P. Bichlmaier, die Zahl der Judentaufen auf 250 ansteigen. Rechnet man dieses erwartete Plus von 98 Personen hinzu, so wären in sieben Jahren 545 Juden in Wien zur römisch-katholischen Konfession übergegangen. Das ist ein ganz unbeträchtlicher Prozentsatz, von dem obendrein nur ein Teil die Konvertitenschule mit dem von den Lehrern gewünschten Erfolg absolvierte, während die Restlichen teils aus der Kirche wieder austreten, teils, wie Pater Bichlmaier sich ausdrückt, sich jenem hohen Prozentsatz religiös Gleichgültiger gesellen, den sie in der Kirche bereits vorfinden. Da muß man sagen: Wenn die übrigen Einwohner Europas und Amerikas im selben Tempo ihre Christianisierung vollzogen hätten, wäre das Christentum heute noch eine bedeutungslose Sekte. Dabei sind dieselben Mittel, mit denen man die anderen Rassen für den Katholizismus zu gewinnen suchte, auch den Juden gegenüber zur Anwendung gelangt und darüber hinaus wird die Zugehörigkeit zum Judentum heute auch noch mit dem Makel rassischer Inferiorität befleckt. , . Und trotzdem dieser geringe Abfall, der. weit davon entfernt, eine Panikstimmung im jüdischen Lager zu venraten, viel eher der Glaubenstreue der Juden und dem sittlichen Halt, den diese gerade in den schwersten Zeiten in ihrer Religion finden, ein glänzendes Zeugnis ausstellt! Ob die Bekehrung der Juden zum Christentum größere Dimensionen angenommen hätte, wenn sich die von Hitler gepredigte Unentrinnbarkeit aus den natürlichen Blutbanden der Rassengemeinschaft nicht so überzeugend durchgesetzt hätte, wie Kardinal Innitzer beklagt, ist sehr fraglich, da auch vor Hitlers Auftreten Judentaufen als Massenerscheinungen nirgends zu verzeichnen waren. Dagegen ist Hitlers Verdienst unbestreitbar, vielen Längstgetauften, aber durch die Rassenlehre zu Juden Rückernannten die Heimkehr zu den Tröstungen des Väterglaubens gewiesen zu haben. Durch all diese Erfahrungen erweist sich der jüdische Glaube als ein positiv sittlicher Faktor, mit dem gerechnet werden muß. In negativer Hinsicht gibt das Dritte Reich der entsetzten Kulturwelt Anschauungsunterricht in der Erfahrung, daß die konsequente Loslösung vom Judentum schnurstracks zur Barbarei und Unkultur führt. Aber auch die schamhaft verhüllte Taktik, im Namen anderer Theorien dieselbe Praxis durchzuführen wie Hitler in Deutschlandmuß im sittlichen Chaos enden. Eine wirkliche Befriedigung der Welt, eine tatsächliche Heilung der am Haß erkrankten Menschheit durch den Geist der Liebe kann nicht ohne und noch weniger gegen das Judentum bewirkt werden, sondern nur mit ihm. Denn der Kern des Judentums ist ja nichts anderes als die messianische Friedensverheißung als schöne Frucht religiössittlicher Seelenläuterungen durch ständige Uebung der -Nächstenliebe1. Bei mäßigem Preis — gewissenhafter f- Unterricht in KLAVIER u. VIOLINE erteilt Kornelia Klein, Mitglied der österreichischen Musiklehrerschaft, I., Kai 19/12 (Lift) Tel. R 86-8-38. Referenzen erteilt auch die Redaktion d. Blattes Das andere Palästina. Von Hans Münzer, früherer Rechtsanwalt am Kammergericht in Berlin. Der durchschnittliche Palästinareisende, der im Eiltempo durch das Land zieht, sieht nur die äußeren Seiten. Voll Stolz berichtet er von den modernen Städten Haifa und Tel Aviv, von ihren Bauten, Hotels, Straßen und von dem regen Leben, das sie erfüllt Er bestaunt die neuen Institute und Krankenhäuser, er betrachtet die Jugend bei ihrer Landarbeit — und ist restlos zufrieden. Nur wenige wird es unter diesen Reisenden geben, die in der kurzen ihnen zur Verfügung stehenden Zeit tiefer zu blicken vermögen. Die anderen halten nach ihrer Rückkehr zu Hause begeisterte Vorträge und erwecken Illusionen, die gefährlich werden können. Wir erinnern uns ja noch alle gut an die Edelkommunisten, die nach einer relativ kurzen Reise in das Land ihrer Sehnsucht jene rosenrot gefärbten Rußlandbücher auf den Markt warfen, die nur die Oberfläche der Dinge sahen und die bald auf ihr richtiges Maß zurückgeführt werden mußten. Die Wahrheit über Palästina liegt, wie, immer, in der Mitte. Palästina ist ein in scJinellem Tempo aufsteigendes Kolonialland, gestellt im Grunde auf eine einzige landwirtschaftliche Produktion: die der Orange. Solange Bedarf auf dem Weltmarkt besteht, kann das Land gedeihen. So hat sich die Einwanderung von Kapitalisten und Arbeitern bisher ermöglichen lassen und sie wächst immer noch weiter. Die Angelangten wiederum hatten und haben Bedürfnisse, die rasch entstandene Industrien befriedigen mußten, so daß wieder neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen wurden. Dies ist das allgemeine Bild, das allein der flüchtige Besucher sieht. Wie aber bei einem Porträt die Umrisse allein nicht genügen,, sondern auch die Einzelzüge festgehalten werden müssen, so bedarf das Bild Palästinas verschiedener Ergänzungen. Das Kapital, das fortlaufend hereingesteckt wurde und hereingesteckt wird, hat sich im allgemeinen noch nicht verzinst. Es kann sich verzinsen, wenn die oben gezeichnete Entwicklung ständig anhält Sie wird aber leider vermutlich nicht anhalten, da Rückschläge in einem solchen Kolonialland nicht ausbleiben können. Es gibt sogar unter den zionistischen Führern schon einige, die auf eine kommende Krise vorbereiten.. Die Folgen würden natürlich zuerst den Arbeiter treffen, der, sei es in der Stadt sei es auf dem Lande, bisher gut verdient. Bei Rückschlägen wird er schlimmer daran sein als irgendwo anders, da jede-Sozialversicherung fehlt. Das zeigt sich heute schon, wenn der Arbeiter krank ist; denn-kein Mensch kümmert sich dann um ihn. Für Nichtkapitalisten und Nichtparteifunktionäre ist auch heute schon kein Platz mehr. Die akademischen Berufe sind überfüllt, in den Städten drängen sich Aerzte und Apotheker, auf 1000 Einwohner bereits kommt ein Anwalt (in Deutschland auf 3000).*" Die Akademiker ernähren sich überhaupt im allgemeinen nur mit Hilfe ihrer Frauen, die ebenfalls -beruflich tätig sind. Auch für die kaufmännischen Angestellten besteht wohl kaum Bedarf. Innerhalb der Einwanderung der letzten eineinhalb Jahre stellen nun die deutschen Juden ein erhebliches Kontingent' Es muß aber betont werden, daß die Auswanderung nach Palästina nur einen kleinen Bruchteil der gesamten jüdischen Auswanderung aus Deutschland (etwa 15.000 von 62.000 und einen winzigen Bruchteil von der Gesamtzahl der deutschen Juden) bildet. Palästina ist also, rein rechnerisch genommen, ein Auswanderungsland unter vielen und nicht einmal das bedeutendste. Bisher war man aber der, Ansicht, daß es wenigstens allen deutschen Juden in Palästina gut gehe. Liest man jedoch den Bericht über einen Diskussionsabend in Haifa, den die zionistische Prager „Selbstwehr" in der Nummer vom 14. September abdruckt, so wird man eines anderen belehrt. Nach diesem Bericht herrscht, kurz gesagt, unter den deutschen Juden in Palästina eine tiefgehende Unzufriedenheit mit den dortigen Verhältnissen. Ein Dr. Baer hielt dort in Haifa den Hauptvortrag über die Enttäuschungen, die die Einwanderer erlebt hätten. Schuld an diesen Enttäuschungen seien die zu hohen Erwartungen, welche die deutschen Juden an die „glückliche Insel in der Weltwirtschaft" geknüpft hätten. Nach Baer beklagten sich die Einwanderer hauptsächlich über die wirtschaftlichen Dinge. . Daß die . Hausfrauen nicht einverstanden damit sind, wenn die Dienstmädchen bei achtstündiger Arbeitszeit die Arbeit einfach niederlegen, daß man sich über die vielen Diebstahlsfälle-, in Schulen, wo den Kindern Sachen1 gestbwen werden, ärgert, ist nicht zu tragisch zu nehmet!: Anders ist es schon, wenn sich die deutschen Juden über die Wuchermieten beklagen. Dazu bemerkt Baer, daß doch gerade diese Empörten Anhänger der freien Wirtschaft seien, und er ßxinnert an die Schwarzkaufprozesse in Deutschland, die das Bild einer rücksichtslosen Ausnützung der damaligen Konjunktur gezeigt hätten. Mit solchen Argumenten hätte Dr. Baer lieber nicht kommen sollen. Hat er denn nie etwas vom deutschen Mietwuchergesetz und den anderen Reichsgesetzen gehört, die den Mietern die Möglichkeit gaben,;Äiö Miete auf ein erträgliches Maß herabsetzen zu lassen? In Deutschland kehrte man eben nach der Inflationszeit zu geordneten Rechtsverhältnissen zurück, während in Palästina ohne Not das „Spiel der freien Kräfte" zur Ausnützung des wirtschaftlich schwächeren Teiles zu führen scheint: Nach dem Redner in Haifa beklagten sich die deutschen Juden ferner darüber, daß sie im Geschäftsverkehr außerordentlich vorsichtig sein müßten, da sie sonst Gefahr liefen, aus %,;e-' nützt zu werden. Dafür hat er die Entschuldigung, die palästinensischen Städte lägen eben'äri der Levante und beherbergten nicht nur lauter Heilige. Dazu kommt dann noch, daß er als Zionist bitter enttäuscht ist. In der Diskussion sprachen an diesem Vortragsabend alte bewährte Zionisten, wie Dr. Aron Barth, Kober, Josef Prager u. a. m. Wie ein Leitfaden ging durch ihre Erklärungen die Erkenntnis: Palästina hat kein jüdisches Leben. Die „Selbstwehr" faßt das Ergebnis der Debatte etwa dahin zusammen: das Land ist von Parteihader zerrissen, zerspalten in Gruppen, die nach den verschiedensten Richtungen hin ziehen. Für die Sozialisten gibt es nur den Klassenkampf, für die Revisionisten nur ihr faschistisches Ideal. Dazu ein unerhörter aufreibender Daseinskampf. Alles, nur nicht die Ansätze einer neuen jüdischen Kultur. Und Dr. Barth bemerkt noch, daß die deutschen Zionisten voll glühender Ideale in das Land gekommen seien, von dem sie sich Heilung ihrer Wunden versprachen. Darum sind sie auch so bitter enttäuscht, weil sie das -neue Leben, das sie ersehnten, nicht vorfanden.. In einem Aufruf müsse man den letzten Versuch machen, das Land zu einer jüdischen Gemeinschaft zusammenzuschweißen, den Demagogen rechts und links entgegenwirken. So sprachen die deutschen Zionisten in Palästina, unsere Brüder, Schwestern, Kinder und* Freunde, die wir lieben, auch wenn wir sie auf einem falschen Weg glauben, die wir bewundern wegen ihrer Tatkraft und Energie, mit dem sie ihr ganzes Leben auf eine neue Grundlage stellen" wollten. Dem Geist der sie vorwärts treibt, ist auch unser Geist, nur geht er nach der entgegen^ gesetzten Richtung. Wir sind nicht kleinlich genug, uns an ihren Enttäuschungen zu weiden. Im Gegenteil: wir wünschen ihnen ein Palästina, wie sie es erstreben. SÄ-Leute machen „Kurzschluß". Die „Wahrheit" brachte vor einigen Monaten die Meldung, daß die Synagoge in Herfor d, Westfalen, ein Prachtbau, in Brajnd gesteckt worden war. Jetzt bringt die Säajff brückener „Volksstimme" eine ihr aus Westfalen zugekommene Mitteilung, in der es u. a. heißt: Die Nazi-Zeitungen beeilten sich zu versichern, daß beim Brand der Synagoge in Herford Brandstiftung nicht in Frage käme, Kurzschluß sei wohl dieürsachegewes e n. Man hat jetzt den „Kurzschluß" verhaftet in Gestalt von fünf SA-Leuten, die sich im Suff ihrer Tat rühmten. Ein SS-Mann war dabei, und dieser hatte nichts Eiligeres zu tun, als seine SA-Konkurrenten; dem Staatsanwalt anzuzeigen.' Und es gibt noch Staatsanwälte im „Dritten Reich", die fünf Leute sitzen in Untersuchungshaft und haben bereits gestanden.; Man rechnet sogar mit einer Bestrafung; da sie; das Volksv.&irf m öge n' g esc h.äd f £ t haben; eine d e u t s/cfi& V ersiehe rü Ä'gsVe s e 11 s^h'af t muß nämlich; den Schaden von 20.000 Mark ersetzen. von H. .;

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