Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 42 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Spaxialhaua für Votle und Striecgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborslraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden ■_Telephon A 49-3-69_ jährlich am 1. November eröffnet. Gesuche um Aufnahme wollen an „A s i 1 o I s r a e l i t i c o" in Merano (Italien), gerichtet werden. Eine wichtige Entlastung der Eltern! Eine der größten Schwierigkeiten in der Erziehung der Kinder bildet die Nervosität der Kleinen. Launenhaftigkeit, Reizbarkeit, besonders aber EBunlust und- Kaufaulheit sinid wesentliche Erscheinungen bei solchen Kindern und bringen die Eltern oft zur Verzweiflung. Im geänderten Milieu, am besten in der Gemeinschaft mit anderen. Kindern unter der Leitung einer fachmännisch gebildeten Erzieherin verlieren sich diese Uebel überraschend schnell. Die Neueröffnuragt von Tante Jula's Spiel- und EBstube bildet auf diesem Gebiete pine wesentliche Entlastung der Eltern. Wir verweisen auf die bezügliche Annonce in unserer heutigen Nummer. Stelienmarkt. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien I., Kohlmessergasse 4, Tel. U 27-0-65, sucht dringend: a) Stellen für Kontoristen, Buchhalter Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Manipulanten, Inkassanten, Lageristen. b) Arbeit für gewerbliche Fachkräfte aller Art (darunter auch Chauffeure, Bauingenieure, Anstreicher) sowie ungelernte Arbeiter. . c) Handwerkliche Lehrstellen für Knaben und Mädchen. JÜDISCHE KULTURSTELLE (Kunststelle) IL, Aspernbr'ückengasse 2, R 48-2-91. Zweigstelle: VI., Loquaiplatz 11 (B 20-0-81). Büro: 9—17. Den Mitgliedern stehen bedeutend ermäßigte Karten für folgende Theater zur Verfügung: Staatsoper, Burgtheater, AkademieCheater. Deutsches Volkstheater, Scala, Kammerspiele, Theater an der Wien, Theater in der Josefstadt, Raimundtheater. Jüdische Bühne. Konzerte: 22. Oktober: Adolf Busch. 25. Oktober: Piatigorsky. 4. November: Philharmoniker (Mengelberg). 7. November: Odnopossoff. Führung: Zweite Kunstwanderung durch das alte Wien. Treffpunkt: Sonntag, den 21. Oktober. 10.30 Uhr (bei jeder Witterung, otone Wartezeit), vor dem Gebäude der Postsparkassa. Leitung': Univ.-Prof. Dr. Max E i s 1 e r. Gffkeatew und. Xunst Die Wiener Theater-Saison hat sehr vielversprechend begonnen. Und das ist erfreulich. Denn wenn trotz der kritischen Zeiten TheaterüireKtoren den Mut aufbringen, erstklassige Aufführungen, die mit großen Kosten verbunden sind, zu wagen, so beweist das einen Optimismus, den auch das kunstfreudige Wiener Publikum teilen muß und sicherlich teilen wird. Es wird diesem Publikum in diesen Tagen sehr viel zur Auswahl geboten und auch unser Theater-Referent kann seinem Leserkreis die Entscheidung n/cht leicht machen, man muß schon unter dem wählen, was hier Raummangels wegen kursorisch aufgezählt wird. Das Deutsche Volkstheater, das in letzter Zeit prominente Gäste wie Moissi und che Konstantin bot, will Zeitungsnachrichten zufolge wieder zu den bewährten Ensemblestücken zurückkehren und machte mit dem packenden, von Josef Schnitzler grandios inszenierten Schauspiel „Dschungel" da einen sehr guten .Griff. Das Theater in der Josefstadt hat nach schönen Ausflügen in die Moderne, die teils juristischer („S ensationsproze ß"), teils wirtschaftlicher („Der Herrscher") Natur waren, in das immer noch beliebte Gebiet des klassischen österreichischen Humors heimgefunden: Seit Anfang dieser Woche beherrscht „Einen Jux will er sich machen" den Spielplan. Brillierten in den erstgenannten beiden Stücken die modernen Charakterdarsteller Edthofer und Deutsch, so stellen in dem Nestroy-Lustspiel die echt wienerischen Spaßmacher Moser und K a r 1 w e i s ihre große Vis comica wieder einmal unter Beweis. Wer den „Sensationsprozeß", diese handfeste Theatersacbe, in der Josefstadt versäumt hat, der kann jetzt in der Scala die unerhörten Spannungen dieses Stückes miterleben, in welchem Theater bis vor kurzem „Die Dame Nr. 1 von rechts" mit Maria Barti und Bettac in den Hauptrollen sehr gefiel Das Ratmundtheater hat sich durch den kolossalen Erfolg der „Straßenmusikanten" bei der Auswahl seines neuesten Stückes leiten lassen, die „V o r s t a d t k omödie" spielt in dem gleichen Milieu und auch diesmal gibt es unter der tüchtigen. Leitung von Josef G1 Ä.cksrhänn bei Ludwig S tösse 1 und Lotte Lang brausende Heiterkeitsstürme, denen . die. Rührszenen des Stückes nicht Abbruch tun können. Rasch beliebt sind, wieder die unter der tatkräftigen Direktion von Erich Ziegel neueröffneten Kammerspiele geworden, der Sprung von Strindberg und Grabbe zu dem Spltiterstück „Kiebitze" ist zwar em sehr gewagter, aber der Regisseur Martin M a g n e r. der den Wienern schon durch seine hervorragende Leitung von „Literatur am Naschmarkt" sein in Deutschland bewährtes Können bewiesen hat, läßt keine Enttäuschung aufkommen, er stellt blendende Schauspieler wie Martin Marx und Elly Bauer auf die Bühne und — man lacht. HSer hat wieder einmal einer aus der leider sehr großen Schar der nach Wien verschlagenen deutsch- Jüdischen Künstler gezeigt, daß eine Verwendung dieser Elemente nur zum Vorteil für jedes Wiener Theater sein kann, insbesondere jener, die vom jüdischen Publikum bevorzugt werden. Seit Anfang dieser Woche leuchtet im Zirkus Renz ..Der Stern der Manecc". die ausgezeichnete Gyimes-Revue mit einem selten gesehenen Starensemble, an dessen Spitze die unerhört vielseitige Marika Rökk steht, tanzt, turnt und reitet. JÜDISCHE BÜHNE. II- PraterstraBe 60 (Tel. R 43-4-59). Freitag, den 19. Oktober 1934. um >A9 Uhr, findet zum ersten Male in dieser Saison die Aufführung „D e r Pybuk" von Sch. Ansky, mit Alex Stein in der Hfuptnrille. statt. — Sonntag, den 21. Oktober 1934. um H4 Uhr Nachmittagsvorstellung zu ermäß'eten Preisen. Wiener Jüdischer Gesangverein, Wien Konzerthaus. Die Probetätigkeit für das neue Arbeitsiahr hat begonnen. Das Liturgische Konzert wird eine Auslese der berühmtesten Kompositionen bringen. Die Aufnahmen sangeslustiger Damen und Herren findet jeden Dienstag, %8 Uhr. im Konzerthaus, Holländersaal. statt Einen überaus genußreichen Abend bot jüngst einem sehr zahlreichen Publikum im Festsaal des Hotel Continental ein Kollektiv deutsch-jüdischer Künstler. Die Akademie, die diese von Hitler aus einer erfolgreichen Karriere herausgerissenen jungen Menschen boten, unterschied sich wohltuend von dem, was man dem Wiener jüdischen Publikum gewöhnlich an solchen Abenden vorsetzen (oder richtiger versetzen) zu dürfen glaubt Nicht triviale „Heiterkeit" wurde da erzeugt, sondern von einem tieferen Verständnis für den Ernst der Zeit getragene, dabei doch humorvolle Darbietungen gab es. In erster Linie sind hier die Gäste Walter Mehring, der scharfsinnige und scharfzüngige Sozialkritiker Deutschlands, und unser Fritz Grünbaum, der sehr ernst zu nehmende Betrachtungen unseres Kunstlebens in seiner bekannt fceiter-geistreichen Art brachte, zu nennen. Die Veranstalter des Abends selbst standen diesen Prominenten in keiner Weise nach. Allen voran begeisterte Stefi Mann als Conferenciere und Diseuse das Publikum. Sie; ehemals ein Star des Leipziger Theaters, ist nun auch den Wiener Besuchern der erstrangigen Kleinkunstbühnen keine Unbekannte. Auch an dem hauptsächlich ihrer Initiative entsprungenen Continental-Abend gab es viele, die über das künstlerische Wiedersehen mit Stefi Mann sich freuten und sich an ihren gediegenen vielseitigen Vorträgen erfreuten. Auch Gerti Landers, Georg Braun und der Klavierhumorist Ernst Morgan, die aUe ihr Bestes boten, gefielen gut. Eine sehr angenehme Ueberraschung bot der Sänger S. Sperling, der das erste Mal vor der jüdischen Oeffentlichkeit seine überaus hübsche Stimme erklingen ließ und einen großen Erfolg errang, der zu schönsten Hoffnungen berechtigt Nicht unerwähnt darf die einfühlende Gesamtbegleitung des ausgezeichneten Pianisten Emil Hochmann werden. (Die Anschriften der sehr verwendungsfähigen Kunstler sind in imserer Redaktiojv,Zu erfahren.) O. H. Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malera rbeiten jeder Art II., «ot«nkreu«a«s*e 3 Tel. A45-5-37 „Tribüne", I.. Rathausplatz 8. Am 22. d. M eröffnet in den von Aren. K. Popper eingerichteten Räumen die „Tribüne" (Wien I., Rathausplatz 8) unter Leitung von Hans Herwig die Spielzeit mit den Erstaufführungen des Schauspiels „Tsarakoffs Puppen" von Mairthi Brown (täglich J48) und des Lustspieles „Luzifers letztes Abenteuer" von Ernst Behrendt. Dem Ensemble gehören an die Damen: Altbach. Granichstädten und Polt, die Herren: Felden. Gerten. Kramer, Immendorf. Mann, Orlan und Rodeck. Die Inszenierungen leiten Dr. Gerhardt und Hans Herwig, die Bühnenbilder stammen von Hedy Schick und Architekt K. Popper. Für eine Hauptrolle wurde der bekannte Schauspieler Fritz Schrecker gewonnen. Hqgienlsdies Koniüsliclrt Seit vielen Jahren das anerkannt beste Irzii öD^-na^: Man achte auf die ges. gesch. Mark« „ttyclen. K8nigsll«ht" und Name Schul* Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengasase 3 Telephon R »3-1-87 lräl)sl(i( ffi{||M^M Wien I., Seitenatattengaeaa 2 XI.» Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag gaacfaloaaasl Sifm. Jud Süß als Film. Auf dem Programm steht: „Nach Lion Feuchtwanger". Das muß testgehalten werden. Denn der klassische Judenroman ist nur in seinem äußeren Rahmen als Sujet dem Film zugrundegelegt Aeußerlich. weil nur episodenhaft das Leben des Jud Süß Oppenheimer am Hofe des Herzogs Karl Alexander (von Frank Vosper kraftvoll dargestellt) geschildert wird und nicht seine innere Wandlung vom Streber, der vorerst nur ungern an sein Judentum erinnert wird, zum jüdischen helden. der lieber den Tod auf dem Galgen stirbt, als sich billigerweise durch das Eingeständnis, der uneheliche Sohn eines Marschalls zu sein, zu retten und so sein Judentum zu verleugnen. Aber als Film gibt er. was des Filmes ist: ein bunt wechselndes Bild, besonders gelungen die Szenen im Ghetto, am Hofe, im Hause und auf dem Landsitze Süß', im Kerker u. a. Meisterhaft gezeichnet von einem fähigen Regisseur (Lothar Mondes), dem sehte Produktion (British G a u m o n t) oft verschwenderische Mittel zur Verfügung stellte. Meisterhaft auch die Darstellung (ein freudiges Wiedersehen mit Paul Graetz als Reb Landauer) und aiien voran der Jud Süß des Conrad V e i d t. der eine der größten Gestalten des ausgezeichneten Schauspielers ist, der. aus der deutschen Heimat vertrieben, jetzt in London sein Domizil aufgeschlagen hat und auch hier der ausgesprochene Liebling des Publikums geworden ist. Man hat es ihm. dem Schauspieler der Seele, diesmal nicht leicht gemacht, denn dem Seelenleben des Feuchtwangerischen Helden wird, wie erwähnt, nicht viel Spielraum gegeben. Aber beispielsweise in der Szene mit der Mutter oi}er in der Darstellung der Trauer um die tote Tochter, da hat er ganz große Augenblicke, die allein den interessanten Film schon sehenswert machen. Da dringt Conrad Veidt, der Jude, vor zum jüdischen Herzen. In England, insbesondere bei der British Gaumont. ist die Herstellung ven .Judenfilmen" jetzt sehr beliebt Das ist zu begrüßen. SSe alle haben das Bestreben, eine Brücke zu finden, zum Verständnis des Jtfden. ein Unternehmen, das in der heutigen Zeit doppelt lobenswert erscheint. Xüeralur. Plädoyer gegen Deutschland. Waither Rode: Deutschland ist CaJibati (Europa-Verlag, Zürich). Der jüngst verstorbene berühmte Wiener Verteidiger Walther Rode — als Publizist bekannt durch seine Streitschriften „Justiz", „Knöpfe und Vögel", „Frieden und Friedensieute" — hat kurz vor seinem Tode sein großes Plädoyer gegen Hitler-Deutschland veröffentlicht. Rodes Fazit lautet: „Der Diktator ist ein Räuberhauptmann, dem das Gemeinwesen anheimgefallen ist Seine Opfer brauchten nicht davor zurückzubeben, Tod und Teufel gegen ihn zti hetzen. Contre Corsaire, Corsaire et demi." Wenn Anklagen heute noch vernichten könnten, so würde diese große Cicerosche Beredsamkeit gegen den modernen Catalina ein Reich befreien. Mit einer unbändigen Leidenschaft zerfetzt Rode alle die lockeren Gespinste, die den Caliban verdecken sollen. Bisweilen bedauert man fast, daß der große Ankläger und Rhetor nur einen Gegner vor sich hat, der schon beim ersten Zugriff nackt dasteht. Die Jüdische Bach-Vereinigung Berlin. teilt uns mit: Als dritte Veröffentlichung unseres Jahresprogramms erscheint im Laufe des Monats der erste Band der von der Jüdischen Gemeinde Berlin veranlaßten großen deutschen Bibelli ebersetzung, der den Pentateuch enthält. Ihr besonderer Wert liegt in der getreuen Nachbildung des heiligen Textes und in ihrem kristallklaren, leichtverständlichen Deutsch. Dafür bürgen die Namen der Uebersetzer: Elias Auerbach (Haifa), Emil Bernhard-Cohn (Berlin), Julius Galliner (Berlin). Sally Gans (Berlin), Benno Jacob (Hamburg), Emil Levy (Berlin), Ludwig Levy (Brünn), Seligmann Pick S. A. (Berlin), Georg Salzberger (Frankfurt am Main), Hermann Schreiber (Potsdam), Cäsar Seligmann (Frankfurt a. M.), Max Wiener (Berlin) — dafür bürgt aber auch der Name des Redaktors Professor Dr. Torczyner von der Universität Jerusalem, der die einzelnen Teile zu einer stilistischen Einheit zusammengefügt hat. So wird diese Uebersetzung die unvergleichliche Schönheit und l Großartigkeit der Heiligen Schrift uns aufs neue