Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1934
- Issue
- Heft 42 (19.10.1934)
- Date
- 1934-10-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Will Ihr «Ind nicht essen? Steht es schlecht aus! Langweilt es sich! ist es nervös! , Dann schicken Sie es in Tonte Jula's Spiel- und EBstnbe WIEN XIX.. SCHEGARGASSE18 Telephon A 15-8-51 In fröhlicher Kindergemeinschaft unter Führung einer tüchtigen, erfahrenen, psychologisch geschulten Kindergärtnerin wird es sich zu einem heiteren, gesunden Kinde entwickeln. Xrxtllchn Aufsicht - cmktlasslae Referenzen - ZeltajMnBne P»else lungshäuser umfassen. Der Bau von 100 dieser Hauser wurde sofort in Angriff genommen. Für den Ausbau von Kta Motzkin ist ein Betrag von 220.000 Pfund vorgesehen. „ Während des Morgengebets an der Klagern au er am letzten Sukkoth-Tag verteilten vier mit riesigen Plakaten behangene M»ssi°na_r\"eV?r,!k rier und eine Frau. Broschüren m hebräischem Druck unter dem Titel „Eine Aufforderung an jeden Juden! , die von der „Near East Scripture Testomony Press in Jerusalem hergestellt wurden. Auf Anzeige des bekannten Jerusalemer Journalisten Ben Oavnel wurden die Missionare durch Polizisten entfernt. » Die Palästina-Regierung gab der Exekutive der Jewish Agency 1200 Zertifikate für Arbeitereinwanderer als Vorschuß auf die kommende Schedule. Z. »• A. Jndeafeindüche Unruhen in Tonis. Iii der Stadt Siliana in Tunesien griff eine arabische Bande anläßlich des Wochenmarktes die judischen Kaufleute an und plünderte die judischen ueschäfte. Der jüdische Kaufmann Kalifa Allouche wurde schwer verletzt Die Polizei zerstreute die Bande und verhaftete eine Anzahl Huligans. Aus «Her tßett. Kaunas. Die Tatsache, daß zu Beginn des laufenden Semesters kein einziger jüdischer Aspirant an der medizinischen Fakultät der litauischen Staatsuniversität in Kaunas aufgenommen wurde und daß auch zu den übrigen Fakultäten nur sehr wenige Juden zutritt fanden, hat auf die jüdische Bevölkerung niederschmetternd gewirkt Eine jüdische Abordnung, bestehend aus den Aerzten Dr. Garmnkei und Dr Finkelstein, brachte gegenüber dem Umversitätssenät die Klagen der litauischen Judenheil.vor und forderte die Wiederherstellung der Rechtsgleichheit der jüdischen mit den litauischen Studenten Wie es heißt wird sich die Professorenschaft der medizinischen Fakultät in einer Sondertagung mit der iüdiscüen Forderung befassen. Warschau. Seit längerer Zeit war das Warschauer Rabbinat bemüht beim Stadtrat durchzusetzen, daß den jüdischen Schulkindern in den stadtischen Wohlfahrtseinrichtunsen rituelle Verpflegung gegeben werde. Bisher sind alle unternommenen Schritte erfolglos geblieben Auf Bitten des Rabbmats hat die Gattin des Marschalls Pilsudski die Inspektorin der städtischen Woniiahrtsanstalten, Frau Kirsch, beauftragt, die Durchführungsmöglichkeiten mit dem Rabbinat und den Anstaltsleitungen zu besprechen. Die Inspektorin hat nun dem Rabbinat mitgeteilt daß mit der rituellen Beköstigung der jüdischen Kinder in den städtischen Anstalten in den nächsten Tagen begonnen werden wird. Berlin. Im 75. Lebensjahr ist am 15. Oktober in Berlin der Verleger Samuel Fischer, der Gründer und Inhaber des weltbekannten S. Fischer-Verlages, der seit dem Jahre 1886 besteht gestorben. Samuel Fischer, der aus Lipto St. Miklos (Slowakei) stammte, hatte mit seinem Verlag eine Einrichtung geschaffen, die für die Entwicklung der modernen deutschen Literatur besonders bedeutsam geworden ist Im Fischer-Verlag sind die Werke von Gerhart Hauptmann, Thomas Mann. Richard Dehmel, Jacob Wassermann. Arthur Schnitzler, Bernhard Kellennann, Hermann Hesse u. &,« von großen ausändischen Schriftstellern u. a. die Werke von Ibsen und Shaw erschienen. Im „Dritten Reich" wurde auch sein Verlag „gleichgeschaltet". London. In London verstarb im Alter von 84 Jahren der berühmte englische Physiker Sir Arthur Schuster, 50 Jahre lang Professor der Physik an der Universität Manchester. Er wurde 1851 in Frankfurt am Main als.Kind jüdischer Eltern geboren und hat in England seine zweite Heimat gefunden. Seine Arbeiten betrafen vor allem die Spektroskopie, elektrische Entladungen in Gasen sowie den Erdmagnetismus im Zusammenhang mit der Sonnentätigkeit. Auf seinen Forschungsergebnissen beruhen auch die zur Zeit herrschenden Anschauungen in der Optik. Berlin. Im 72. Lebensjahre verstarb in Berlin Kpminerzienrat Max v. Wassermann. Er wurde 1863 in Bamberg als ältester Sohn des ehemaligen Königlich- Bayerischen Hofbankiers Angelo v. Wassermann geboren, sein jüngerer Bruder war der 1925 verstorbene weltberühmte Biologe August v. Wassermann, Direktor des Forschungsinstituts für experimentelle Therapie am Kaiser Wilhelm-Institut in Berlin-Dahlem, der die biologische Eiweißreaktion erfand. Mit seinem kürzlich verstorbenen Vetter Oskar Wassermann, dem späteren Direktor der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft, errichtete er 1889 die Berliner Niederlassung der Firma A. E. Wassermann. Beim Aufbau und der Entwicklung der deutschen Braunkohlen-Industrie war er hervorragend tätig. Er war auch einer der Gründer der Bayerischen J/lotorenwerke. Auch am Aufbau der Universal Film A. G. (Ufa), die jetzt Juden von jeder Mitbetätigung am deutschen Filmschaffen ausschließt war er beteiligt. Amsterdam. Das Amsterdamer jüdische Hilfskomitee für die Flüchtlinge aus Deutschland, von dem vor kurzem gemeldet wurde, es werde seine Unterstützungstätigkeit einstellen, teilt nunmehr mit daß es im Hinblick auf die große Zahl unterstützungsbedürftiger jüdischer Flüchtlinge beschlossen hat. seine Tätigkeit fortzuführen. Das Komitee ist bemüht, die Ausgewanderten in den verschiedenen Ländern zur dauernden Absiedlung zu bringen. Berlin. Am 5. Oktober verstarb in Berlin die Schauspielerin Rosa Bertens. drei Wochen nach dem Tode ihres Gatten Paul Block, der Jahrzehnte lang eines der führenden Mitglieder der Redaktion des „Berliner Tageblatt" gewesen war und diese Zeitung längere Zeit in Paris vertrat bis er nach dem Hitler-Umsturz dem Arier-Paragraphen in der deutschen Journalistik weichen mußte. Auch Rosai Bertens, bis vor kurzem unbestritten die hervorragendste Vertreterin des älteren Rolfenfachs auf der deutschen Bühne, mußte zuletzt von der Bühne abtreten. Keine einzige deutsche Tageszeitung nahm von ihrem Ableben Notiz, einzig die jüdischen Wochenzeitunigen .gedachten der großen Künstlerin. Warschau. Die mit der Untersuchung der Schulkinder in öffentlichen Volksschulen. Talmud-Thora- Schulen und Chedarim beauftragten Schulärzte haben der Volksgesundheitsbehörde einen Bericht erstattet, in dem festgestellt wird, daß etwa 60 Prozent der untersuchten jüdischen Kinder unterernährt sind. In sehr zahlreichen Fällen haben die Kinder, wenn sie zur Schule kommen, kein Frühstück erhalten. Versammlungen der „UNION" Montag, den 22. Oktober, Bezirksorganisation VII, Cafe Kandlhof, VII., Kaiserstraße 61. * Dienstag, den 23. Oktober, Jugendgruppe, Handelsmuseum, IX., Berggasse 16. * Mittwoch, den 24. Oktober, Bezirksorganisation I, Cafe Excelsior, L, Rotenturmstraße 24. Konun.-Rat Alexius Salzer: „Die Arbeit der Juden am wirtschaftlichen Wiederaufbau Oesterreichs". Dr. Maximilian S t i g 1 i t z: „Die Schulverordnung und die Jüdischnationalen". * Donnerstag, den 25. Oktober, Bezirksorganisation X, Gasthaus Zaruba, X., Gudrunstraße 125. Reg.-Rat Dr. Max Lenk: „Rund um die Schulfrage". Alle Versammlungen beginnen um 8 Uhr abends. GememdediTonifi. Todesfälle. Sonntag, den 14. Oktober, wurde Frau Frieda Schiff marin, die Gattin des Seniorchefs des Warenhauses Schiffmann, unter starker Anteilnahme zu Grabe getragen. Die große Beliebtheit der sich die nach langer schwerer Krankheit Verstorbene erfreute, und die Wertschätzung, die der schwer geprüfte Gatte, Kultusvorsteher Max Schiffmann, genießt, kam in der enormen Beteiligung zum Ausdruck. Man sah das gesamte Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde und Kultusvorsteher aller Parteien, die Vertreter der Beamtenschaft der Gemeinde. Abordnungen sämtlicher humanitärer Vereine, deren unterstützendes Mitglied die Verstorbene war oder deren Förderer ihr Gatte ist, den Gesamtvorstand des Fußballklub Hakoah, Vertreter vieler Standescrganisationen, die gesamte Angestelltenschaft des Warenhauses Schiffmann und die große Zahl jener, für die Frieda Schiffmann viel, vielleicht alles bedeutete. Die Aermsten der Armen haben, wie Rabbiner Dr. Täglicht in seiner Trauerrede hervorhob, in der Dahingeschiedenen eine wahre Mutter verloren, nfemand hat vergeblich an ihre Türe geklopft, so weit es ging, hat sie versucht, das Leid unter den armen Juden zu lindern. Sie war aber auch eine mustergültige Gattin, die Verständnis für die geschäftlichen und charitativen Aktionen Aires Gatten hatte und ihn gar oft in seinen Bestrebungen unterstützte oder inspirierte. Die kantoralen Funktionen versah in hervorragender Weise Oberkantor Frankel unter Assistenz des Männerchores des polnischen Tempels. — Ein tragisches Geschick hat die in weitesten Kreisen angesehene Familie des Pinkafeider Fabrikanten und Aktionärs der Bad Tatzmannsdorf A. G. Herrn Oskar Holzer betroffen. Seine feinfühlige Gattin Aranka Holz er, geb. Mandl, wurde im Alter von 34 Jahren dahingerafft. Den namenlosen Schmerz des Gatten, der beiden Kinder Walter und Mary und der übrigen Angehörigen teilen die vielen, denen die edle Dahingeschiedene jederzeit hilfsbereit zur Verfügung stand. Denn Herzensgütc war der vornehmste Charak- 1m Bethaus- und Unterstützungsvere i n „Bene Berith" (Kaschlschul), Wien XX., Kaschlgasse 4, gelangt die Stelle eines VOKBETERS vn zur Besetzung. Bewerber, welche verheiratet sind, ein einwandfreies, streng religiöses Vorleben, Kenntnis der jüdischen Liturgie, österr. Staatsbürgerschaft nachweisen können und die kantorale Funktion in einer orthodoxen Synagoge bereits ausgeübt haben, wollen ihre Gesuche nebst Beischiuß der angeführten Nachweise an den gefertigten Verein bis längstens 15. November 1934 richten. Reflektanten, welche in unserer Synagoge eine diesbezügliche Probe mit negativem Erfolg bereits abgelegt haben, kommen nicht in Betracht. Bethaus- und Unterstützungsverein „Bene Berith", Wien XX„ Kaschlgasse 4. terzug der Heimgegangenen, der Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach bei dem am Sonntag, den 14. d. M. stattgehabten Leichenbegängnis einen überaus warmen Nachruf hielt. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Funke in besonders inniger Weise. Weiteste Kreise nehmen an dem schmerzlichen Verluste der Familie Heizer mitfühlenden Anteil und beklagen mit ihr das Hinscheiden dieser in so jungen Jahren den Ihren entrissenen Frau. — Das langjährige Mitglied des Prater Bethaus- Vereines „Tefilath Jeschurun", Herr Markus Her sc hk o w i t z, ist am 13. d. M. im 66. Lebensjahre dahingeschieden. Die Beliebtheit des Heimgegangenen zeigte sich in der großen Anzahl Leidtragender, weiche ihn zu Grabe geleiteten. Herr Rabbiner Prof. Dr. Julius Bachi widmete dem Verblichenen einen ergreifenden, tiefempfundenen Nachruf, in welchem er mit beredten Worten das Leben und Wirken des Verewigten würdigte, sein edles Wesen, seine hervorragenden Charaktereigenschaften, seinen Frömmigkeits- und Wohltätigkeitssinn hervorhob. Oberkantor Jakob Wahrmann zelebrierte wirkungsvoll die Trauergesänge und rezitierte namens des Vorstandes des Bethausverines, des Jüdischen Hilfsvereines Prater und der Familienangehörigen das „El mole raohfamim". Am Grabe sprach der Schriftführer des Bethausvereines, Herr Leopold Altholz, Worte des Abschiedes. Marienbad. Am 28. September verschied i:i London Herr Architekt Karl Kalmanovsky im 70. Lebensjahre. Der Verstorbene stammte aus Kiew, wo er gemeinsam mit seiner Gattin zur Zeit des Weltkrieges zahlreiche Glaubensgenossen unter eigener Lebensgefahr aus der Gefangenschaft befreite oder aber, wo dies nicht möglich gewesen, ihr Los erleichterte. Er tat dies unter Inanspruchnahme der Ministerien, indem er den Nachweis führte, daß viele Beamte die Juden nur ihres Judentums wegen verhafteten und mißhandelten. Vor seinem Tode äußerte er oft den Wunsch, an der Seite seiner ihm im Tod vorangegangenen Gattin beerdigt zu werden, die vor vier Jahren in Marienbad plötzlich verschieden ist Seine dankbaren Kinder erfüEten diesen irommen Wunsch, indem sie die Leiche ihres Vaters im Flugzeug von London nach Marienbad brachten und daselbst in allen Ehren bestatteten. Am 6. d. M. fand die Beisetzung des Verstorbenen am hiesigen israelitischen Friedhof unter Anteilnahme des Vorstandes der Gemeinde statt. Herr Rabbiner Dr. Diamant hielt dem Verewigten einen rührenden Nachruf, in dem er die über den Tod hinaus bezeugte Gattenliebe des Verewigten und die Kindesliebe feierte, die aus der mühe-? und gefahrvollen Erfüllung des letzten väterlichen. Wunsches spricht. Die kantorale Funktion versah Herr Leo Löwy. Dr. R. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Die Bezirksgruppe Landstraße eröffnet Sonntag, den 21. d. M., ^11 Uhr vormittags, ihr neues Bezirksheim, III., Landstr. Hauptstraße 9, in feierlicher Weise. Einlaß nur gegen Einladungen. Der Vorstand des Jüdischen Frauen-Wohltätigkeltsverelnes, X., Humboldtgasse 27, der unter der rührigen Leitung von Frau Präsidentin Dr. Anna Mandel viel Gutes im Inieresse der jüdischen Armen des Be? zirkes leistet, veranstaltet am Sonntag, den 21. Oktober 1934, im Festsaale des Hotels Conitnental, IL, Praterstraße 7, einen 5-Uhr-Tee mit künstlerischen Vorträgen und Tanz. Erstklassige Jazz-Band. Beginn 15.30 Uhr. Entree 2 Schilling. Karten bei allen Vorstandsdamen und an der Kassa. Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 22. Oktober, *A8 Uhr abends, im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag des Herrn Professor Dr. Samuel Krauss: „Bialik als Gelehrter". Eintritt frei. Gäste willkommen. Jüdische Heldenehrung. Die kürzlich durch , die Initiative des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" aufgestellten 100 Grabsteine am israelitischen Heldenfriedhof,, sowie die zwei Gedenksteine für die in Wien und auswärts begrabenen Kriegsopfer wurden von der bekannten Steinmetzfirma Carl Benedikt ausgeführt, ebenso wie das große Heldendenkmal der israelitischen Kultusgemeinde nach den Plänen des Architekten Ponzen ven dieser Firma ausgeführt wurde. Illustrierte Sondernummer der „Jüdischen Front". In den nächsten Tagen erscheint eine Sondernummer des Organs des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs" mit zahlreichen Bildern der Heldengedenkfeiern. Das Blatt enthält außerdem Beiträge von hohen Kommandanten der alten österreichisch-ungarischen Armee, die über das Verhalten der jüdischen Soldaten im Weltkrieg berichten. Erhältlich bei den üblichen Verkaufsstellen und beim „BJF", Wien I., Spiegelgasse 2/29 (Telephon R 26-5-43). Das „Genesungsheim" des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten" in Merano, wird wie all-