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Die Wahrheit · 1934-10-05 · Heft 40 (5.10.1934) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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m DIE WAHRHEIT Seit» 5 Spezialhaua für Wolle und Striekgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmodea Telephon A 49-3-69 Der in Albany tagende Senat des Staates New York hat zwei in erster Reihe gegen antisemitische Propaganda gerichtete Gesetzentwürfe angenommen, denen zufolge öffentliche Aufreizung zu Verachtung, Haß oder Verspottung einer Bevölkerungsgruppe aus Gründen der Rasse, der Hautfarbe oder des Religionsbekenntnisses strafrechtlich verfolgt werden soll. Die Gesetzentwürfe wurden nach ihrer Annahme im Senat an das Unterhaus des Staatsparlaments zur weiteren Behandlung geleitet. Es'ist möglich, daß von liberaler Seite gegen die Gesetzentwürfe Stellung genommen werden wird, weil man ihre Fassung für zu allgemein hält und voraussieht, daß die Gesetze auch gegen solche Organisationen gehandhabt werden könnten, deren Tätigkeit zu behindern nicht in der Absicht des Gesetzgebers lag. Oliver Cromwell und die Juden. Bisher hat man es immer für eine Großtat des englischen Lord-Protectors gehalten, daß er die seit Richard Löwenherz aus England vertriebenen Juden wieder in England angesiedelt hat. Nun erschienen in London in rascher Folge zwei große Cromwell-Biographien, eine mehr populär gehaltene von Charles Belloc (Cassel), und eine grundgelehrte und überaus verherrlichende eines berühmten Oxforder Professors. Belloc erwähnt die Juden überhaupt nicht in seiner Biographie, was alle englischen Kritiker mit Staunen erfüllt; er wollte offenbar seinem Helden in den Augein seiner leider immer zahlreicher werdenden hakenkreuzlerischen Landsleute nicht schaden. Der Oxforder Professor widmet allerdings der Judenwiedereinführung einige Seiten; man möge aber ja nicht glauben, Cromwell habe aus Philosemitismus gehandelt, beileibe nicht. Auch hier habet sich der große Staatsmann bewährt, der seinen Todfeinden Holland und Spanien die Judengemeinden von Antwerpen und Amsterdam abspenstig machen wollte, welche beider damals die großen Geldkräfte von Europa waren. Hätten wir in Europa nur viele solche Staatsmänner, die einsehen würden, daß es im Interesse ihrer Völker liegt, die Juden zu beschützen! Bei Cromwell hat aber neben der staätsmännischen Einsicht, die England zwei Jahrhunderte später einen Disraeli geschenkt hat, sicher der Umstand mitgewirkt, daß er täglich mit nie versagender Ehrfurcht das Alte Testament las. Clotilde Benedikt. Aus der braunen Hölle. Laut Statistiken, die das Bayerische Statistische Amt soeben veröffentlichte, haben in den ersten drei Monaten des Hitler-Regimes über. 7200 Juden Bayern verlassea Während die Volkszählung von 1925 eine Zahl von 49.145 Juden in Bayern ergab, gab es laut der Volkszählung vom 16". Juni 1933 nur noch 41.939 Juden in Bayern. Sie bilden jetzt weniger als 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Bayerns. * Das deutsche Unterrichtsministerium hat anläßlich des Beginns des neuen Semesters verfügt, daß an technischen Hochschulen nur noch l'A Prozent nichtarische Studenten inskribiert werden dürfea * Ein Professor Burger hat ein ein neues Instrument zum Rassenstudium erfunden, mit dem Schädelmessungen vorgenommen werden sollen. Burger erklärt, er könne mit seinem Instrument die genaue Abstammung, ebenso wie die Berufsfähigung eines jeden feststellen. * Nachdem der Zeitungshändler-Verband in Frankfurt a. M. nach einer soeben herausgegebenen Verordnung die Juden von der Mitgliedschaft ausschließt, werden Juden in Frankfurt keine Zeitungen mehr verkaufen dürfen. JÜDISCHE KULTURSTELLE (Kunststelle) II., Aspernbrückengasse 2, R 48-2-91. _ Büro: 9—17. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für alle Tneater und Kleinkunstbühnen Wiens zur Verfügung. - Konzerte: 8, Oktober: Hubermann. 12. Ok- 1 ™ F r i e d m a n n. 16. Oktober: Lotte Lehmann. 23. Oktober: Piatigorsky. 7. November: Odnop o s s o r f. Führungen: Sonntag. 7. Oktober: Führung durch das „Jl udisc.he Museum", II., Malzgasse 16. Leitimg: Kustos Prof. Dr. J. Bronn er. Palästina-Nachrichten. Gemäß einer vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope vor seiner Abreise erteilten Order hat die Palästina-Regierung 130.000 Pfund von den insgesamt fälligen 245.000 Pfund Zehent-Steuer den Landwirten für die Winter- und Sommerernte erlassen. Dieser Steuernachlaß kommt im wesentlichen arabischen Landwirten zugute, die infolge der Mißernte in eine besondere Notlage geraten sind. » Die vor kurzem wegen illegaler Einwanderung nach Palästina zu einer Gefängnisstrafe verurteilten jüdischen Flüchtlinge aus SowjetruBland mußten mit dem griechischen Schiff „Kerkyra" Palästina verlassen. Die Polizei hat ihre Deportierung angeordnet, obwohl der Haifaer Richter Curry in seinem Urteil den Behörden nahegelegt hatte, den Einwanderern Niederlassungerlaubnis zu gewähren, da ihnen die Rückkehr nach Sowjetrußland aus politischen Gründen unmöglich sei. Aus alter Weit New York. In einer im Yankee Stadion, dem größten Stadion New Yorks, abgehaltenen Wohltätigkeits-Veranstaltung, bei der hervorragende Schauspieler, Filmdarsteller und Sänger des amerikanischen Rundfunks mitwirkten, nahmen über 50.000 Besucher teil. Der Reinertrag wird dem United Jewish Appeal für Hilfsaktionen in Europa und den Palästina-Aufbau zugeführt. Rom. Bei der Entbindung der italienischen Kronprinzessin Jose Maria wurde der berühmte jüdische Gynäkologe und Professor an der Universität Rom Dr. Artom, der aus Rom nach Neapel berufen worden war, zur medizinischen Hilfeleistung herangezogen. Warschau. Bei einem in der Stadt Jaslo ausgebrochenen Feuer ist die Synagoge vollständig niedergebrannt. Die Jasloer Synagoge, die noch aus dem 12. Jahrhundert stammt, war die älteste Synagoge in Westgalizien. und von hohem Kunstwert. Zimmermaler Kohn empfiehlt sich zur Ausführung von Malerarbetten jeder Art II., Rolenkreuagasae 3_Tel. A 43-5-37 Alexander Moszkowski gestorben. Im Alter von 85 Jahren ist in Berlin der bekannte Humorist, Kunstschriftsteller und Dramatiker Alexander Moszkowski gestorben. Moszkowski. der in Pilica (Kongreßpolen) geboren war, verlebte seine Jugend in Breslau, wohin seine Familie übersiedelte, als er erst 15 Monate alt war. Nach Absolvierung seiner Studien an den Universitäten Berlin und Heidelberg begann er 1877 seine journalistische Laufbahn als Mitarbeiter der von Julius Stetienheim herausgegebenen Berliner humoristischen Zeitschrift „Die Wespen". Von 1886 bis 1928 war er Chefredakteur der „Lustigen Blätter". In den Büchern Moszkowskis, der sich auch intensiv mit metaphysischen, musikalischen, sprachkritischen und naturwissenschaftlichen Fragen befaßt hatte, verbindet sich der Humor mit einem umfassenden Wissen und der originellen Beleuchtung moderner wissenschaftlicher Probleme. Unter seinen Werken, die 1926 in 8 Bänden gesammelt in Berlin erschienen sind, haben „Das Buch der tausend Wunder" und die „Unterhaltsamen Phantasien über Liebe und Philosophie" besonders weite Verbreitung gefunden. Das Gebiet des jüdischen Witzes hat er in seinen Büchern „Die jüdische Kiste" (1911) und „Der jüdische Witz" (1921) bearbeitet. Von seinen Schauspielen sind „Stanley", „Die Million" und „Lysiart und Eglantine" zu erwähnen. Bgglenlsdies Könlgsllchf Seit vielen Jahren das anerkannt iiitlil M^-nötw Man achte auf die ges. gesch. Mark« „Hyglen. Königslicht" und Name Schub Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirichengassse 1 Telephon R 33-1-87 ffffllKt W mm^m Wien 1., Seitenstettengasse 2 XI. f Zentralfrledhof neben dem L Tor Sanutag s*scfalouu!_ Gememdedkronitz. Jüdische »Freie Universität" In Budapest. Die Pester Israelitische Kultusgemeinde eröifnet Anfang Oktober im Goldmark-Saale ihres Kulturhauses das 1. Semester des dritten Jahrganges ihrer „Freien Universität". Der Besuch der Vorlesungen, die in ungarischer, hebräischer, deutscher und französischer Sprache gehalten werden, ist unentgeltlich. Das Vortragsprogramm umfaßt Themen aus den Gebieten: Talmud, Bibel, Philosophie, Geschichte. Rechtswissenschaft, Hygiene, Soziologie, Literaturgeschichte und Pädagogik. Zu den Vortragenden gehören u. a. die beiden leitenden Oberrabbiner der Kultusgemeinde von Pest und Buda Dr. Simon Hevesi und Dr. Arnold Kiß, welch letzterer erst dieser Tage vom Kultusminister eine Berufung als Professor an die Landes-Rabbinerschule erhalten hatte. Maimonides-Institut, Praterstraße 11. Eröünung des Studienjahres Samstag. 6. Oktober. 4 Uhr nachmittags, durch einen Vortrag des Leiters, Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka: „Der dreifache philosophische Sinn der Schöplungsgeschichtf.". — Ueber- Veränderungen im Dozentenkoltegium und über den Lehrplan wird demnächst Näheres bekanntgegeben werden. 70. Geburtstag. Am gestrigen Tage ieierte ein Mann seinen 70. Geburtstag, der weit über den Bereich seines Wirkungskreises hinaus einen überaus geachteten Namen besitzt. Denn Samuel Frost kennt man nicht nur im III. Bezirke, wo er seit langer Zeit als braver tüchtiger Kaufmann wirkt, sondern in ganz Wien erfreut er sich größter Beliebtheit und namentlich in der Wiener Judenschaft genießt er höchstes Ansehen. Diese Popularität ist durchaus berechtigt, denn der Jubilar ist ein gediegener Mensch und ein guter Jude. Seine persönliche Gediegenheit bewährte er vor allem in seinem Berufe, in dem er es, von der Pike auf arbeitend, zu einem geachteten Kaufmann gebracht hat, dessen Reellität und Tüchtigkeit allseits gebührend anerkannt wird. Sein jüdisches Empfinden drängt ihn zur Mitarbeit bei allen karitativen Bestrebungen, insbesondere denen seines engeren Bezirkes, bei denen auch seine wackere Gattin, die bekannte Vorstandsdame des jüdischen Frauenvereines Landstraße, eifrig mittut. Auch sein jüdisches Wirken hat die verdiente Anerkennung erfahren. Herr Samuel Frost ist seit vielen Jahren Mitglied der Bezirkskommission III/XI der Kultusgemeinde, in welcher Kommission er eine führende Rolle spielt. Er bekleidet dieses Ehrenamt als Vertrauensmann der „Union österreichischer Juden", welcher Vereinigung er seit langem als pflichteifriges Mitglied angehört. So steht er an seinem Jubeltage in geachteter Stellung da. beglückwünscht von seinen vielen Freunden und Verehrern, die ihn gleich der Redaktion der „Wahrheit" noch viele Jahre ersprießlichen Wirkens im Kreise seiner geschätzten Familie und zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft wünschen. Beginn des israelitischen Jugendgottesdienstes im Schuljahre 1934/35. Samstag, den 6. Oktober, um 3 Uhr nachm., findet in allen Gemeinde- und Bezirkssynagoiten der feierliche Beginn des Jugendgottesdienstes für das Schuljahr 1934/35 statt. Jüdischer Witwenu. Walsenhilfsverein. Wien IX. (IX., Hahngasse 12). Um die große Not, die sich gegen wärtig allgemein fühlbar macht, wenigstens den Atlerärmsten unserer Glaubensbrüder und -Schwestern nacii Möglichkeit zu lindern, plant die Vereinsleitung die Errichtung einer unentgeltlichen Ausspeise-Aktion im 9. Bezirke. Zur Vornahme der hiezu notwendigen WIENER BET HAMIDRASCH. Wien IL, Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1934,35 (5695). Sonntag, 5—6. Rabb. Lektor Dr. Rubin: Midrasch. 6— 7, Rabb. Lektor Dr. Rubin; Talmud, Traktat Megillah. Montag, 6—7, Rabb. Dr. Rosen mann: Ezechiel. 7— 8, Rabb. Dr. Murmelstein: Kulturkampi im Judentum. Dienstag. 6—7, Prof. Dr. Krauß: Geschichte der Juden in der neuesten Zeit. 7—8, Oberrabb. Dr. Taglicht: Schewed Jehuda. Mittwoch, 6—7, Rabb. Lektor Dr. Rubin: Midrasch. 7—8, Rabb. Dr. Rosen mann: Ezechiel. Donnerstag, 6—7, Proi. Dr. Krauß: Geschichte der Juden in der neuesten Zeit. 7—8, Proi. Dr. Krauß: Menorat Hamaor. Samstag, 11—12, Prof. Dr^ Krauß: Menorat Hamaor. 4—5. Rabb. Lektor Dr. Rubin; Bibelvortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Sonntag, den 7. Oktober, um %7 Uhr abends im kleinen Tempel, IL, Tempelgasse 3. statt und wird durch einen Erüiinungsvortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. Taglicht eingeleitet. Ernst Vogel m. Schriftführer. Der Vorstand: Dr. Jakob O r n s t e i n m. Präsident.

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