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Die Wahrheit · 1934-10-05 · Heft 40 (5.10.1934) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1934
Issue
Heft 40 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 licher Betätigung die Rede ist — niemand hat bislang davon vernommen, daß die jüdischen Bünde Felddienstiibungen mit Kleinkalibergewehren abgehalten hätten, die sich zu einer Gefahr für Volk und Staat auswachsen könnten. Jede Zeile der Verordnung beweist, daß sie mit Kenntnis und Raffinesse gemacht ist. Die einheitliche Kleidung, wird nicht allein verboten, die „Kluft' überhaupt! Es geht nicht an, so will es das Gesetz, daß die drei Jungens grüne Hemden und schwarze Hosen tragen, ach, — es ist nach dem Wortlaut gar so, daß die Fünfzehnjährigen in längen Hosen und in einen Rock gezwängt marschieren müßten. Was sie täglich zur Schule tragen, wird auf der Landstraße gleich zur „Kluft". Bestraft wird das „Ausmarschieren in feldmarschmäßiger Ausrüstung" — wenn die drei' je einen Rucksack tragen und den Mantel darüber gerollt, so ist auch diese Bedingung bereits erfüllt, sie-fliegen ins Loch. Nicht nur, daß sie kein Zelt bauen dürfen, die Gestapo erlaubt den dreien selbst nicht, in Privaträumen zu übernachten. Die Jugendherbergen, die ausschließlich aus Geldern der Marxisten und Juden, gegen den heftigen Widerstand der nationalen Verbände, erbaut wurden, sind ihnen bereits seit Anbeginn des Dritten Reichs verschlossen. Uns ist der Fall eines jüdischen Jungen bekannt, der aus der Herberge, die sein Vater einst ohne Hilfe anderer stiftete, hinausgeprügelt wurde, daß er bewußtlos vor der Schwelle liegen blieb. Die jüdischen Bünde haben es in der mühsamen Arbeit eines Jahres erreicht, daß ihnen in den wichtigsten Orten zur Uebernachtung ein primitiver Raum bei Freunden zur Verfügung gestellt wurde — auch das ist vorbei. Das Verbot der Kluft, der Uebernachtung verdammt die iüdSschen Jugendverbände zur Auflösung', sie haben ihren Zweck und damit ihren Sinn verloren. Warum aber wird all das vernichtet, wer kann ein Interesse daran haben, den jüdischen Jungens den letzten Rest von Lebensfreude zu nehmen? Sie haben niemanden gestört, wenn sie über die Landstraßen marschierten, sie haben sich wohl gehütet, irgendwo und -wann mit der Hitlerjugend in Streit zu geraten. Sie haben nichts gewollt ails ein wenig Luft, Licht. Wasser und Wald. Und man muß schein im Dritten Reich leben, man muß schon die letzten anderthalb Jahre hinter dem Reichsstacheldraht verbracht haben, um zu verstehen, daß das deutsche Staatsinteresse den geistigen und körperlichen Ruin der deutschjüdischen Jugend gebieterisch fordert Jeder aber, der ein wenig von der Psychopathologie der deutschen Führer weiß und einmal einen dieser zwanzigjährigen Jungen, die über Herzen und Seelen von Hunderttausenden befehlen, hat reden und toben hören, sieht die Ursachen dieses Verbots klar und deutlicfi: Haß, Brutalität, Grausamkeit, Tücke und Schadenfreunde. „Westland", Saarbrücken. „Sturm über Europa". Vor einigen Jahren schrieb ein in Charbin lebender Schriftsteller, der sich mit den Vorgängen innerhalb der weißrussischen Emigration beschäftigte, einen Zukunftsroman, in dessen Mittelpunkt die Ermordung eines Staatsoberhauptes in Westeuropa durch einen russischen Emigranten stand. Vergeblich bemühte sich der Schriftsteller, für sein literarisches Produkt einen Verleger zu finden. Er schickte Abschriften seines Manuskripts, das den Titel „Sturm über Europa" führte, in alle Weltgegenden, darunter auch eine nach Paris, wo sie unbeachtet liegen blieb. Im Mai 1933 erschoß der russische Emigrant Gorg u 1 o f f den französischen Präsidenten Doumer. Die Tat erregte in der ganzen Welt begreifliches Aufsehen, und der Pariser Verleger, der seinerzeit eine Abschrift des Manuskripts aus Charbin bekommen hatte, erinnerte sich an den merkwürdigen Zukunftsroman, der das Attentat prophezeit hatte. In aller Eile wurde eine französische Uebersetzung des russischen Originals angefertigt und bald erschien unter dem Titel „Tempete sur l'Europe" ein sensationelles Buch auf dem Markt, das großen Erfolg hatte. Trotzdem würden wir keine Veranlassung nehmen, dieses Buch zu erwähnen, wie wir es uns auch versagen, irgend etwas aus seiner Handlung wiederzugeben. Dieses Buch ist aber mit einer Einleitung versehen, die dem bekannten Kenner der russischen Verhältnisse, Henri R o 11 i n, zum Autor hat und auf achtzig engbedruckten Seiten ein packendes Bild der Geisteshaltung der russischen Reaktion entwirft, deren Vertreter jetzt in aller Welt zerstreut als Emigranten leben. Ein großer Teil der Rollinschen Schilderung ist dem unerbittlichen Judenhaß gewidmet, von welchem die meisten weißrussischen Emigranten erfüllt sind. In klarer Weise wird dargetan, aus welchen Quellen dieser unversöhnliche Haß sein Nahrung bekam und welcher Methoden er sich sowohl zur Zeit des zaristischen Regimes, wie auch nach dem Zerfall des alten Rußlands bediente, um den Ausrottungskrie? gegen alles Jüdische zu propagieren. Innerhalb dieses skurrilen Systems spielt ein Buch eine wesentliche Rolle, welches unter dem Namen „Die Protokolle der Weisen vonZion" in der ganzen Welt bekannt ist. Henri Rollin widmet dem Entstehen, der Verbreitung und dem Einfluß dieses Werkes, das heute geradezu ein politischer. Faktor ersten Ranges geworden ist. große Aufmerksamkeit. Darum eben verdient das, was Rollin als objektiver Schriftsteller über die Protokolle zu sagen weiß, besondere Beachtung, unbeschadet der Erkenntnis, daß es bei all diesen Fragen nicht um wissenschaftliche Wahrhaftigkeit, sondern um politische Dinge geht, denen man mit Logik, Gelehrteneifer und historischem Spürsinn nicht beizukommen imstande ist. Henri Rollin schildert die Geisteshaltung der russischen Reaktion in der Zeit des Regierungsantrittes Nikolaus II., der durch die Tatsache beeindruckt war, daß sich unter den Attentätern, deren Ziel sein Vater gewesen ist, so viele Vertreter der russischen Adels¬ und Beamtenkasten befunden haben. In Rußland wurde von den politischen Machthabern stets behauptet, daß alle Trübungen der Ruhe im Zarenreich von den fremdstämmigen Elementen des Landes, besonders von den Juden herrühren. Diese offizielle Darstellung, die am Zarenhofe ein i unerschütterliches Glaubensbekenntnis war, lief Gefahr, jim Bewußtsein Nikolaus II. erschüttert zu werden. Die! Geheimpolizei beschloß nun, eine Aktion durchzuführen, um das erschütterte Vertrauen des Zaren in die Richtigkeit ihrer Darstellungen wiederherzustellen. Es galt den „wissenschaftlichen" Nachweis zu erbringen, Jaß eine großangelegte alljüdische Organisation unter Zuhilfenahme von Geheimgesellschaften darauf ausgehe, die monarchistische Ordnung in der ganzen Welt zu beseitigen und an Stelle der bisherigen vom christlichen Geiste getragenen Regierungen eine Weltjudenherrschaft zu setzen. Zu diesem Zweck verfaßte die Geheimpolizei i einen ausführlichen Bericht, der dem Zaren unterbreitet j werden sollte. Doch der Leiter der Ochrana, der be- I rüchtigten Schutzpolizei des Zaren, hielt diesen Bericht [für ein so elendes Machwerk, daß er dem Zaren nicht (unterbreitet wurde, weil, wie ausdrücklich erklärt fwurde, „die Zeit des Kaisers zu kostbar sei, um verlschwendet zu werden". I Damit war aber der Plan nicht aufgegeben. Einige ■Jahre später wurde er wieder aufgenommen und in viel schlauerer Weise als vorher zur Durchführung gebracht. Man sandte Spezialemissäre nach Paris, die gemeinsam mit dem Pariser Leiter der Ochranafiliale in Frankreich in den Bibliotheken Material sammelten, um das Bestehen der jüdischen Weltverschwörung zu beweisen. Der Zufall spielte den Fälschern ein im Jahre 1864 von Maurice Joly geschriebenes Pamphlet, „Gespräche zwischen Machiavelli und Montesquieu" in die Hand. Joly hatte diese Schrift in seinem erbitterten Kampfe gegen Napoleon III. erscheinen lassen. Die russischen Fälscher schrieben aus Jolys Buch ganze Passagen ab, wobei sie in entsprechender Weise immer das Wort „jüdische" einfügten. Nach getaner Arbeit brachten sie das Ergebnis ihrer Nachforschungen nach Rußland, wo ihre Enthüllungen in einem großen Werke von Sergius N i 1 u s, einem Kriegsgerichtsvorsitzenden in Moskau, als besonderer Abschnitt veröffentlicht wurden. Aus dem Werke von Nilus nahmen die angeblichen Protokolle der „Weisen von Zion" ihren Weg über die ganze Welt. Diese Enthüllungen waren für die Judenfeinde eine brauchbare Grundlage für die Erhebung radikaler antijüdischer Forderungen. Der aus zahlreichen Quellen fließende Judenhaß erhielt auf diese Weise für viele Judenfeind-' eine theoretische Begründung. In den Protokollen war angeführt, daß im Plane der Errichtung der jüdischen Weltherrschaft der Sturz der Monarchie und die Ersetzung der Dynastien durch jüdische Werkzeuge gelegen sei. Somit waren Präsiden- Wohnzimmer Das bestbekannte "Röb Restaurant Datei Stefanie II., TabarstraB« 18 - T«t. II 46-9-51 «mpfiehlt seine reichhaltige Speisenauswahl. Menü von S 1.60 an. Speisen am Rost Täglich Irische Fische. Erstklassige Bedienung. Ein unverständlicher Beschluß. Auf Grund der Zusicherungen, die die deutsche Regierung dem American Olympic Committee betreffend faire Behandlung jüdischer Sportler gegeben hat, hat das American Olympic Committee auf seiner Sitzung am 26. September die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den internationalen Olympischen Spielen 1936 in Berlin beschlossen. Nachdem die jüdischen Mitglieder des Komitees, Charles Ornstein und Fräulein Charlotte Epstein, sich gegen die Annahme dieses Beschlusses energisch aussprachen und an der Abtimmuns: nicht teilnahmen, wurde die Beschlußresolution einmütig angenommen. Zugleich mit der Annahme der Resolution hat das American Olympic Committee eine Warnung erlassen, daß, falls Deutschland seine Zusage betreffend faire Behandlung der Juden im Sport verletzt, die Resolution zurückgezogen werden wird. Der Beschluß des American Olympic Committee hat in weiten Kreisen der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit in Amerika starkes Befremden hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Resolution in Widerspruch steht zu der Haltung der Mehrzahl der Mitglieder der American Athletic Union und nur von einem Teil der Mitglieder des American Olympic Committee, der der Sitzung beiwohnte, angenommen wurde. Rabbiner Stephen Wise und Bernard Deutsch fordern den Direktor der American Athletic Union auf, die Lage in Deutschland nochmals zu prüfen, und behaupten, daß Parley, der im Dezember 1933 zur Prüfung derselben nach Deutschland fuhr, ein falsches Bild von ihr gegeben habe. Sie erklären, daß die Zusicherungen Deutschlands gegenüber dem American Olympic Committee den Tatsachen nicht entsprechen und verlangen, daß ihnen die Möglichkeit gegeben werde, öffentlich an Hand zuverlässigen Beweismaterials die unterschiedliche Behandlung der jüdischen Sportler in Deutschland nachzuweisen. bestehend aus 1 Kasten, 3 türig Vollbau, 1 Lotterbett, 1 runden Tisch und 2 Fauteuils. FERDINAND WOHN. Ii., Taborstrafle Nr. 22 ten von Republiken nichts anderes als Agenten zur Errichtung der jüdischen Weltbeherrschungspläne. Es ist daraus erklärlich, daß in einem Gehirn wie in dem des Gorguloff, der in einer Atmosphäre radikalen Judenhasses groß geworden war, im Augenblick, da in ihm der Plan zu einem Attentate reifte, der Gedanke auftauchen mußte, sich als Opfer den Staatspräsidenten auszuwählen, obwohl dieser politisch weniger einflußreich gewesen ist als der damals regierende Ministerpräsident. Die Geschichte der Fälschung der Protokolle ist in ernsten Kreisen seit langem bekannt. Es besteht darüber bekanntlich eine große Literatur. Trotzdem hat die Darstellung von Henri Rollin eine besondere Bedeutung, denn Rollin ist ein gewissenhafter Schriftsteller, der jedes Wort seiner Darstellung durch genau kontrollierte Quellenangaben bekräftigt. Seine Geschichte der Fälschung hat zwei Jahre nach ihrer Niederschrift auch einen aktuellen Wert erlangt. Denn angesichts der forcierten Verbreitung der Protokolle in allen Ländern, darunter auch in der Schweiz, sind vor Schweizer Gerichten Verfahren gegen die Verbreiter dieses Machwerkes anhängig. In einem dieser demnächst zur Entscheidung gelangenden Verfahren wird an Gerichtsstelle die Echtheit, beziehungsweise die Fälschung dieses großen Schwinde1werkes einer Prüfung unterzogen. In der Geschichte der geschichtsbildenden Lügen wird den .Protokollen der Weisen von Zion" ein besonderer Platz angewiesen sein. Große jfldisdie Nallonol-BlotfropMe?oa S. WlDlülter in 6 Lexikonbanden komplett erschienen. Ein Nachtragsband erscheint demnächst. Dieses mit Unterstützung zahlreicher Wi>senichaftler aus aller Welt verfaßte Werk enthalt aber 10.000 Lebensbeschreibungen namhafter JOd. Manner nnd Frauen aUer Zeitet. and Lander und liefert wie kein ähnliches Werk den Nachweis des Beitrages der Juden zur Kultur der Menschheit. Deshalb soll es in keinem jud. Haus fehlen. Es kostet in 6 eleg. Halblederbänden bei direkter Bestellung durch den Herausgeber S. WUinger, Cernauti, anstatt wie bisher S 275.— nur S 2C0.—. Verlanget Prospekte. Zum ersten Male seit Christi Zeit hat nun ein Volk gewagt, den Juden den Kampf anzusagen... So hat unlängst der Reichsbischof Müller gesprochen. Zum ersten Male? — Vielleicht liegt es an der durchschnittlichen Nazi-Unbildung, daß der geistliche Herr seine eigenen Vorgänger nicht kennt; vielleicht aber hat er sie aus berechnender Absicht verschwiegen. Denn jeder Geschichtskundige weiß, daß es das Spanien Isabellas von Kastilien und Ferdinands von Aragonien war, das vor rund vierhundertfünfzig .lahren die Vertreibung der Juden durchführte, die — unter den Mauren in Südspanien zumal — eine kulturell führende Rolle gespielt hatten. Unter Karl V. und seinem Sohne, dem aus Schillers „Don Carlos" berühmten Philipp, setzte sich der Kampf gegen die Reste des Judentums fort, griff zugleich auch auf Portugal über, so daß von der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts an die gesamte Pyrenäenhalbinsel „judenrein" war und von da ab geblieben ist. Der Geschichtskundige weiß allerdings auch, daß von dem kolossalen Aufschwung, den nach der völkischen Theorie diese Maßnahme für die genannten Länder hätte zur Folgen haben müssen, nichts, daß vielmehr das genaue Gegenteil eingetreten ist: noch gegen Ende des Jahrhunderts setzte der v ö 11 i g e V e r f a 11 der spanisch-portugiesischen Welt- und Seeherrschaft ein, und diese beiden damals reichsten Länder Europas sanken zu den ärmsten herab. Ihre Erbschaft aber traten zwei Länder der Toleranz an: England und Holland. Den Holländern insbesondere, die die vertriebenen portugiesischen Juden aufnahmen, bekam dieser Rasseverrat so schlecht, daß sie bald darauf den Portugiesen ihre wertvollsten Kolonien, die indochinesischen Inseln, entrissen. Wir begreifen, warum der Reichsbischof sich nicht gern seiner Vorgänger erinnert.

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